Ist das lustig? Humor kann helfen – muss aber nicht!

„Wer Humor hat, der hat beinah schon Genie. Wer nur Witz hat, der hat meistens nicht einmal den“, wusste schon Arthur Schnitzler. Und Recht hatte er! Aber wo liegt denn nun der Unterschied? Sollte ein Witz nicht humorvoll sein? Und kann jemand, der Humor hat, nicht auch gute Witze erzählen?

Beginnen wir dort, wo alles beginnt: Beim ICH! Denn auch der Humor beginnt immer bei uns selbst. Hinsichtlich Humor und „Witze erzählen“ stehe ICH erst einmal alleine – im übertragenen Sinne nackt – da. Ich bin ganz und gar auf mich selbst zurückgeworfen und überlege, mit welchen Ingredienzen ich beim Anderen Eindruck machen kann – sofern ich es denn will.

Wahrer Humor kommt von Innen

Bevor wir uns mit irgendwelchen stilistischen Mitteln und kommunikativen Eskapaden auf Andere stürzen, ist genau das die erste und entscheidende Frage: Will ICH mein Gespräch, meine Kommunikation, meinen Auftritt humoristisch aufpeppen? Will ich es nur, weil es sich einfach gut macht? Weil gerade der „Welttag des dröhnenden Lachens“, der „Internationale Witze-Tag“ oder der „Tag des Humors“ ist? Weil es der Chef angeordnet hat, dass wir unsere Kunden endlich einmal zum Lachen bringen? Wenn auch nur eines davon zutrifft, sollten wir uns die Arbeit – denn genau das ist es in so einem Fall – sparen. Alle Leichtigkeit, die Humor zweifelsohne vermitteln und bieten sollte, geht verloren. Wenn wir Humor nur darum einsetzen, weil wir meinen, es wird von uns verlangt, ist es wahrlich kein Vergnügen und wir können „Spaß“ auch gleich durch „Peinlichkeit“ ersetzen.

Humorwochen … alles für den Gast!?

Mein persönliches Erlebnis zum Thema Humor beginnt auf einer Reise. Wie so oft, war ich wieder einmal geschäftlich unterwegs. Im Hotel angekommen, melde ich mich am Empfang, werde freundlich begrüßt, die Dame drückt mir den Schlüssel in die Hand, erklärt die Frühstückszeiten und wünscht mir einen angenehmen Aufenthalt. Dazu gibt’s die Gästekarte, den WiFi-Code und die Öffnungszeiten des kleinen, aber feinen Wellness-Bereichs. Ganz zum Schluss überreicht sie mir noch einen kleinen Zettel, auf dem steht: ACHTUNG aktueller Tageswitz „Nachricht an den Typen, der mir meine Daunenjacke gestohlen hat: Du kannst dich warm anziehen!”

Keine einfache Angelegenheit – das mit dem Humor

Ich erkundige mich, ob das eine neue Strategie sei, und die Dame meint sichtlich erfreut: „Ja, wir haben Humorwochen. Es gibt ein Lachseminar und wir unterhalten die Gäste mit lustigen Witzen, wo immer sie sind.“ Naja, den oben genannten Witz kann man lustig finden – muss man aber nicht! Das mit dem Humor ist scheinbar keine einfache Sache! Eher eine ernste, wichtige und schwierige Angelegenheit. Für mich als Besucher des Hotels ist klar: Grundsätzlich eine tolle Aktion. Die Gäste unterhalten und für einen guten Teamgeist sorgen – das ist ja mal vorbildlich. Aber vielleicht schrammt man das eine oder andere Mal doch haarscharf an der Peinlichkeitsbande entlang. Zumindest dann, wenn einzelne Mitarbeiter so gar nicht „lustig“ sind.

Humortypen zeigen Echtheit

Humor lebt von Authentizität, von Echtheit. Das geht nur, wenn ich weiß, was „echt“ ist, was zu mir passt. Auf der Suche nach unserem „Humortyp“ brauchen wir nur zu überlegen, was wir im Normalfall lustig finden. „Im Normalfall“ darum, weil es Situationen morgens um 04.00 Uhr gibt, wo wir schlichtweg alles oder gar nichts lustig finden. Scannen wir doch einmal unseren Alltag: Welche TV-Sendungen bringen uns zum Lachen? Welche Comedians treiben uns Lachtränen in die Augen? Über welches YouTube-Video können wir immer wieder schmunzeln? Genauso finden wir relativ einfach und vor allem sehr kurzweilig heraus, auf was wir humor-technisch stehen. Das Schöne daran ist: Genau dieses Gefühl für Humor haben wir in uns und können es auch vermitteln – auf eine ganz natürliche und deshalb umso humorvollere Art und Weise.

Pointe, Bonmot oder schwarzer Humor?

Daraus abgeleitet und zusammenfassend: Finden wir Schillerstrasse gut? Dann ist das überraschende Element einer Pointe für uns stimmig. Meinen wir, dass die Feinsinnigkeit eines Loriot unübertrefflich ist, dann passt wohl das Bonmot zu uns. Wenn wir denken, dass Michael Mittermayer uns alle Sorgen vergessen lässt, dann tendieren sicher auch wir dazu, den Alltag zu überzeichnen und in hohem Tempo zu präsentieren. Oder gehören wir gar zum Zirkel der Freunde des schwarzen Humors und würden uns am liebsten als Teil der Adams-Family fühlen: „Er hat die Augen meines Vaters.“ – „Gomez, nimm sie ihm aus dem Mund.“ Das ist es dann auch, was bei uns selbst am besten ankommt.

Humor ist immer individuell und nicht jeder Witz ist für alle gleich lustig, aber zumindest fremdschämend sollte es nie wirken. Und vielleicht reicht es dem Gast oder Kunden ja auch, wenn wir einfach ganz wir selber sind, er unsere Herzlichkeit spürt und wir, sollte sich eine lustige Situation ergeben, durchaus Humor dafür zeigen.

Autor: Stefan Häseli regt als internationaler Speaker dazu an, wirkungsvolle Kommunikation im Alltag mit Spaß zu erleben. Der 5-Sterne-Redner ist Autor zahlreicher Bücher und bekannt als Ratgeber in Radio- und TV-Sendungen. Für die Medien analysiert er regelmäßig aktuelle Ereignisse als ‚kommunikativer Beobachter’. www.stefan-haeseli.com

Quelle MM-PR GmbH

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