Mit welchen Hürden haben Selbstständige und Freiberufler bei Geschäftsaufnahme zu rechnen?

Selbstständige finden nicht nur in den vielzitierten bürokratischen Aspekten potenzielle Hürden. Stattdessen sind allem voran zu Beginn die Finanzen ein sensibler Punkt.

Sich selbstständig zu machen, funktioniert auf zwei Wegen: Zum einen gibt es die Option einer Gewerbeanmeldung, zum anderen die Tätigkeit des Freiberuflers. Was von beidem der Fall ist, entscheidet man nicht selbst, sondern das Finanzamt. Dieses stuft einen entweder als Freiberufler oder als Gewerbetreibenden ein. Mit der jeweiligen Einstufung gehen teils deutliche Unterschiede einher. Beispielsweise muss ein Gewerbetreibender ein separates Geschäftskonto führen und ab einem Gewinn von 24.500 Euro die Gewerbesteuer abführen.

Freiberufler wiederum genießen mehr Freiheiten: Die Gewerbesteuer sowie die Anmeldung beim Gewerbeamt entfallen und ebenso ist die Nutzung des Privatkontos für Geschäfte möglich. Eine erste Hürde zeigt sich somit bereits bei der bloßen Geschäftsaufnahme: Die bürokratische Hürde. Bürokratische Hürden durchziehen grundsätzlich die gesamte Selbstständigkeit, weswegen es von Beginn an ratsam ist, sich einen Steuerberater und unter Umständen weitere Unterstützung hinzuzuholen, die einem diese Aufgaben abnimmt, um sich selbst aufs Kerngeschäft zu konzentrieren. Denn neben den bürokratischen Aspekten tut sich direkt zu Beginn ein weiteres Hindernis auf: Die Finanzen.

Woher stammt das Geld?

Mögliche Quellen für eine Finanzierung des Unternehmens sind unter anderem:

  • Eigenkapital
  • Kreditaufnahme
  • Investoren
  • Zuschüsse & Fördermittel

Der erste Weg ist der mutmaßlich einfachste, da er ohne Termine, anschließende Verbindlichkeiten und Unterlagen auskommt: Als Gründer ist genug Eigenkapital für die eigene Geschäftsidee vorhanden. Doch Vorsicht! Es ist riskant, nur das Eigenkapital zu nutzen, wenn nicht entsprechend Rücklagen vorhanden sind, um spontane Krankheitsphasen sowie Notstände im Unternehmen zu überwinden. Folglich ist empfohlen, auch wenn vordergründig keine Notwendigkeit besteht, sich zumindest ein Stück weit mit Fremdkapital abzusichern.

Mit Fremdkapital sind wir bei den restlichen drei Methoden angekommen: Dazu gehört die Kreditaufnahme. Für diese gibt es einerseits Banken als Anlaufstelle, andererseits lassen sich ebenso Kredite von Privatpersonen über Portale im Internet auf wesentlich unbürokratischere Weise beschaffen. Grundsätzlich bietet das Internet mit Vergleichsrechnern eine dankbare Option, um Kredite zu den attraktivsten Konditionen zu ergattern.

Als nächstes die Investoren: Hierbei handelt es sich um Geldgeber, die in Unternehmen investieren. Dies bedeutet, dass die Rückzahlung des Geldes nicht erforderlich ist, aber dafür Anteile am Unternehmen herausgegeben werden. Auf diese Weise lässt sich der Börsengang von Unternehmen erklären: Sie gehen an die Börse und geben dabei Anteile raus, um an liquide Mittel zu gelangen.

Zu guter Letzt die Zuschüsse und Fördermittel: Hier ermöglicht der Gründungszuschuss eine Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit heraus, während die Kfw-Bank mit ihrem Gründerkredit lukrative Konditionen im Rahmen einer Kreditaufnahme in Aussicht stellt.

Kosten senken, wo es geht

Freiberufler


Es gibt diverse Kostenfaktoren, die erheblich sind, aber die Gründern unbewusst sind.

Ob Kredit, Investor, Eigenkapital oder Zuschüsse: Wer den Cent nicht ehrt, ist bekanntlich den Euro nicht wert. Dementsprechend gilt es, das Geld klug zu investieren und Kosten zu senken, dort wo es möglich ist. Dabei gibt es zahlreiche Stellen, an die Freiberufler und Gewerbetreibende bei der Kostensenkung nicht denken. Dazu zählen beispielsweise die Druckkosten: Diese lassen sich unter Umständen durch ein Druckerleasing senken.

An Experten delegieren, wo es geht

Im Idealfall gibt der Gründer all das, was nicht sein Fachgebiet ist, in andere Hände ab. Beispielsweise ist Werbung im Internet ein Faktor, der bei eigener und unkorrekter Ausführung teuer werden kann. Die Wahl der richtigen Keywords für die Werbeschaltung erfordert präzise und minutiöse Analysen. Ebenso verlangt die Bestimmung des Werbebudgets viel Knowhow ab. Welcher Gründer, der sich damit nicht tagtäglich beschäftigt, wird schon wissen, wie viel er sich einen Klick kosten lassen darf, bei dem nicht mal gewiss ist, ob es zum Verkaufsabschluss kommt?

Nach der Gründungsphase wird das Delegieren der Aufgaben noch wichtiger: Durch das idealerweise eintretende Wachstum des eigenen Unternehmens kommt es dazu, dass mehr Öffentlichkeitsarbeit übernommen werden muss und neue Geschäfte eingefädelt werden müssen, sodass sogar die eigenen Fachbereiche nach und nach an qualifizierte Personen abzutreten sind.

Unternehmenswachstum vorantreiben

Alles, was nach der Anmeldung beim Finanzamt, der Gründung sowie der gesicherten Finanzierung vorangetrieben werden muss, ist das Wachstum des Unternehmens:

  • Neue Kundenpotenziale erschließen
  • Markenbekanntheit steigern
  • Eventuell Standorte & Angebote ausbauen

Anfangs, wenn der eigene Name noch wenig bekannt in der Branche ist, lohnen sich spezielle Events, die Start-ups und Freiberufler zur Zielgruppe haben. Darüber hinaus trägt gute Leistung zum Wachstum des Unternehmens bei. Hierzu gehört ein ausgezeichnetes Kundenmanagement, in dessen Rahmen Kunden einen Service bekommen, an den sie sich positiv erinnern. Denn eines vergisst ein Kunde nie: Wenn er schlecht behandelt wurde. Dies ist gleichbedeutend der Killer für den Unternehmensruf.

Zuletzt sei bezüglich des Unternehmenswachstums noch vermerkt, wie wichtig heutzutage eine Online-Präsenz ist! Ohne ein umfangreiches Online-Marketing-Paket mitsamt Website, Cloud, Customer-Relationship-Management-Systemen sowie Social-Media-Marketing sind Unternehmen kaum noch zeitgemäß aufgestellt.

Auch an die privaten Aspekte denken!

Freiberufler


Ein Unternehmer muss sein Privatleben absichern, damit der berufliche Erfolg langfristig sichergestellt ist.

Ein Unternehmer ist nicht nur Unternehmer, sondern zugleich ein Mensch. Und Menschen müssen sich in ihrem privaten Bereich um die ein oder andere Komponente Gedanken machen. Dazu zählen Versicherungen. Die eine Versicherung ist definitiv eine Pflichtversicherung, nämlich die Kranken- und Pflegeversicherung. Die gesetzliche Versicherung nimmt von den beitragspflichtigen Einnahmen 14,6 bzw. 14 Prozent in Anspruch. Günstiger ist insbesondere bei jungen Gründern die private Krankenversicherung, wobei diese mit dem Alter teurer wird.

Neben der Krankenversicherung erweisen sich Absicherungen in den folgenden Bereichen als ein Muss:

  • Altersvorsorge
  • Berufsunfähigkeit
  • Kfz
  • Haftpflicht

Dabei muss die Altersvorsorge keineswegs in Form der gesetzlichen Rentenversicherung oder anhand von privaten Vorsorge-Verträgen erfolgen. Mittlerweile gibt es viele attraktive Modelle zur Vorsorge fürs Alter, die an Fonds gebunden sind und somit sogar in Zeiten der Niedrigzinsphase hohe Renditen in Aussicht stellen. Außer den genannten Versicherungen gibt es noch weitere, die je nach individuellem Fall Sinn ergeben, wozu beispielsweise Rechtsschutzversicherungen zählen. Diese sind für Unternehmen und Privatpersonen zugleich in attraktiven Kombinationen erhältlich.

Am Ende sticht bei einer Gründung immer heraus: Vorsicht geht vor Nachsicht! Versicherungen, kluge Finanz- und Budgetplanungen sowie wohl durchdachte Handlungen machen die jeweilige Unternehmung überhaupt erst erfolgreich.

Autor: Marianne Schwarz

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