Sonntag, Juni 20, 2021

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Hope App: Deine digitale Begleitung zum Kinderwunsch

Stellen Sie sich und das Startup Hope App doch kurz unseren Lesern vor!

Mein Name ist Alina Latus und ich bin UX/UI Designerin, 39 Jahre alt, Gründerin der Hope App und Mutter von zwei Kindern. Letzteres zu erwähnen hat eine wichtige Bedeutung, denn für mich ist das Muttersein keine Selbstverständlichkeit. Lange Zeit sah es so aus, als würde meine Familie lediglich aus meinem Mann und mir bestehen bleiben. Fünf Jahre waren wir erfolglos Patienten in einer Kinderwunschklinik. Insgesamt 21 Hormonbehandlungen inklusive operativer Eingriffe brauchten wir, bis ich zum dritten Mal schwanger wurde – und auch blieb.

Diese Erfahrung trieb mich an, etwas Positives zu erschaffen, mit dem ich anderen Frauen in ähnlichen Situationen diese schwierige Phase erleichtere.

Anstatt sich auf das innere Wohlbefinden und ihre Partnerschaft zu konzentrieren, neigen Kinderwunschfrauen dazu, den ganzen Tag an ihre Medikamenteneinnahmen, Termine, Diagnosen und Behandlungsergebnisse zu denken. Sie googeln jedes Symptom, jede Nebenwirkung, jede Befindlichkeit. Ich wollte ihnen etwas an die Hand geben, was ihnen all das abnimmt, damit sie sich auf das allerwichtigste konzentrieren können: SICH SELBST! Und das habe ich mit der Hope App, glaube ich, geschafft.

Warum haben Sie sich entschlossen, ein Unternehmen zu gründen?

Frei nach dem Motto “scratch your own itch” habe ich mich entschieden, ein Problem zu lösen, welches ich selbst hatte. Nachdem ich mit einigen Kinderwunsch-Ärzt:innen gesprochen habe, wurde mir klar, dass nicht nur ich eine digitale Lösung für die Organisation von Kinderwunschbehandlungen vermisse. Ich bekam wahnsinnig viel Zuspruch und Begeisterung. 

Die Hope Applications GmbH zu gründen war für mich eine leichte Entscheidung, da ich darauf spezialisiert bin, digitale Produkte zu entwickeln, die für die Endverbraucher:innen ein echtes Problem lösen.

Um ein paar Zahlen zu nennen: In Deutschland ist jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. In Europa werden pro Jahr über 900.000 IVF Zyklen durchgeführt. Pro Jahr werden weltweit an die 200.000 Kinder nach einer Kinderwunsch-Behandlung geboren. Im Jahr 2017 wurden in Deutschland rund 3% aller lebend geborenen Kinder in Folge einer Kinderwunschbehandlung geboren. Statistisch gesehen sitzt in jeder großen Schulklasse ein Kind, das sein Leben der künstlichen Befruchtung verdankt.

Was war bei der Gründung von Hope App die größte Herausforderung?

Bei der Gründung war mein erster Sohn drei Monate alt. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihm und meinem Start-up gleichermaßen gerecht werde. Es stellte sich heraus, dass man mit guter Organisation und der richtigen mentalen Unterstützung alles hinbekommt. Für mich war es außerdem eine Herausforderung, einen Fokus auf die wichtigsten Inhalte der App zu legen; am liebsten hätte ich direkt alles auf einmal eingebaut. Aber es geht natürlich nur Schritt für Schritt, mit Updates.

Kann man mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Ja, das geht. Es ist wichtig, damit zu rechnen, dass vieles erst im Prozess auftaucht und dann geändert werden muss. Und das kostet natürlich Zeit. Es ist wahnsinnig wichtig, sich selbst als Gründerin zu kennen: Bin ich geduldig, oder muss alles sofort passieren? Bin ich genügsam und reichen mir 80% oder muss alles perfekt sein und ich will die 150%? Halte ich es aus, dass etwas schief läuft oder ist mein Nervenmantel dünn?

Ja, man KANN, aber die Beantwortung der Fragen hilft einem zu erkennen, ob man es auch aushält, oder daran zerbricht. Ich glaube dass viele Menschen wahnsinnig tolle Ideen haben, die großes Potential bergen. Was den Unterschied macht, ist das Durchhaltevermögen. Das macht meiner Meinung nach den wahren Gründergeist aus.

So wie viele meiner Designkolleg:innen, leide auch ich am Impostor-Syndrom. Das macht es mir wahnsinnig schwer, die 80% zu akzeptieren. Ich habe mich aber damit abgefunden, 100% zu bringen und zugleich zu akzeptieren, dass es nicht die 150% sein müssen.

Welche Vision steckt hinter Hope App?

Hope soll ein Zeichen für die betroffenen Paare sein, dass sie nicht alleine sind. Wir, und viele andere engagierte Unternehmen, kämpfen dafür, dass diese Paare nicht unsichtbar bleiben. Und wir entwickeln Produkte, die ihnen helfen und sie unterstützen sollen. 

Wir wollen Aufmerksamkeit für ein Thema schaffen, dass es nicht verdient hat, tabuisiert zu werden. Hope soll der erste Schritt sein und es sollen und werden noch viele weitere folgen. Die Politik und die Gesellschaft dürfen nicht länger wegschauen. Hoffnung ist der Anfang von so vielen so guten Dingen auf der Welt, deswegen starten wir erst mal damit!

Wer ist die Zielgruppe von Hope App?

Ganz offensichtlich richtet sich die App in erster Linie an Frauen, die in einer Kinderwunschbehandlung sind oder eine Behandlung beginnen. Um genau zu sein: Frauen die eine IVF, ICSI, IUI oder Kryo durchführen. Grundsätzlich ist die App aber auch von jeder Frau, die einen Zyklus hat, nutzbar. 

Wie funktioniert Hope App?

Hope ist zunächst eine App, mit der Frauen und junge Mädchen ihren Zyklus tracken können. Das besondere an der App ist, dass man, im Falle eines unterstützten Kinderwunsches, die gesamte Behandlung damit organisieren kann. Die Behandlungszyklen werden einfach zwischen den Zyklen integriert und man benötigt nur noch Hope, um einen Gesamtüberblick zu behalten.

Kinderwunschbehandlungen sind sehr zeitintensiv und sie benötigen gute Organisation und einen umfangreichen Überblick. Es werden viele Untersuchungen gemacht, die man mit Hope dokumentieren, einscannen und speichern kann. Es müssen viele Medikamente und Termine gemanagt werden, an die man sich mit Hope erinnern lassen kann und die man abhakt, sobald sie eingenommen/erledigt sind. Mit Hope hat man nicht nur seinen Behandlungsplan im Griff. Alle Behandlungsergebnisse, Symptome, Nebenwirkungen und das Befinden werden gespeichert und sind auch im Nachhinein im Archiv zyklustaggenau einsehbar. 

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Wir waren lange Zeit die einzigen auf dem Markt und hatten das Privileg des Alleinstellungsmerkmals. Inzwischen gibt ähnliche Produkte, was bei so einem wichtigen Thema zu noch mehr Aufklärung beiträgt. Das finden wir grundsätzlich ganz phantastisch!

Besonders hervorheben möchten wir jedoch, dass wir, anders als andere Anbieter, keinerlei personenbezogene Daten speichern, was man auch zum Beispiel im AppStore einsehen kann. Gerade beim Thema Kinderwunsch handelt es sich um sehr sensible Daten, und wir möchten, dass diese auch bei unseren Nutzer:innen bleiben. Außerdem arbeiten wir nicht mit einem Abo-Modell, wir haben einen einmaligen Kaufpreis von 34,99 Euro. Dafür steht die App dann uneingeschränkt und im vollen Umfang zur Verfügung.

Zudem hat kein Anbieter auf dem Markt den großen Umfang an Dokumentations- und Speichermöglichkeiten, den wir anbieten.

Hope App, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Was die Weiterentwicklung der Hope App angeht: In fünf Jahren sind wir der führende Anbieter einer digitalen Lösung für Frauen, die eine Kinderwunschbehandlung durchführen müssen. Bestenfalls haben wir weitere Behandlungsarten in die App integriert, unterstützen auch den natürlichen Kinderwunsch und bieten noch umfangreichere  Dokumentationsmöglichkeiten. Dabei sollten auch die Kosten der Behandlung festgehalten und die gesamte Schwangerschaft kann begleitet werden. 

Was unsere Mission angeht: In fünf Jahren wollen wir dafür gesorgt haben, dass die Themen unerfüllter Kinderwunsch und künstliche Befruchtung kein Tabu mehr sind. Dass junge Mädchen und Frauen besser aufgeklärt werden und damit selbstbestimmter leben können. Und vor allem, dass alle Menschen mit Kinderwunsch unterstützt werden und dies zudem keine Frage des Geldes mehr ist.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?

Ergründe deine inneren Werte. Das wird dir helfen, mit den Hochs und Tiefs einer Firmengründung umzugehen. 

Glaube so sehr an dein Produkt, dass du jeden Morgen aufstehst und weißt, dass du das richtige tust, egal was für einen Rückschlag du am Tag zuvor hinnehmen musstest.

Hab ein Ziel und einen guten Plan, wie du es erreichst. Aber glaub nicht, dass das, was du dir an Tag eins überlegt hast auch noch für Tag 100 gültig ist.

Fotograf/ Credit Tim Wendrich

Wir bedanken uns bei Alina Latus für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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