Mach es!

hörbert ist ein tragbarer und robuster MP3-Player aus Holz für Kinder

Stellen Sie sich und hörbert kurz unseren Lesern vor!
Rainer Brang, 43 Jahre, Tüftler und zweifacher Vater. Selbstständig seit 2002, und 2011 Gründung der Firma WINZKI GmbH & Co. KG wegen hörbert.
hörbert, 7 Jahre, MP3-Player aus Holz. Nach 14 Monaten serienreif und seit 2012 so richtig auf dem Markt.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?
Man liest ja überall, dass ein Produkt am besten ein real existierendes Problem lösen soll. Ich hatte eins: Ich wollte einen gut klingenden und vor allem haltbaren Player für unser Kind finden, den ein Kind auch ganz alleine bedienen kann. Vermutlich ist das bei vielen frischgebackenen Vätern so, dass sich die Sicht auf viele Dinge ändert, jedenfalls habe ich es nicht übers Herz gebracht, meinem Kind irgendwelches Plastikzeugs zu kaufen, das schreckliche Laute von sich gibt, und schlimmstenfalls unter zweifelhaften Bedingungen hergestellt wird, nur um billig zu sein. Ich suchte etwas Robustes, und qualitativ Hochwertiges, das dem Kind viele Jahre erhalten bleibt.

Ich war recht erstaunt, dass es da gar nichts im Markt gab – auch nichts annähernd passendes.

Also nahm ich die Sache selbst in die Hand: Ich entwickelte die Elektronik nach meinen Vorstellungen, und das Gehäuse aus Massivholz und Sperrholz entstand im Keller meines Vaters. hörberts Vorgänger waren sehr beliebt bei meinen Söhnen, dem Patenkind und den Nachbarskindern. Das, was also vor der Gründung lag, lässt sich wohl als „immer weiter wachsendes Hobbyprojekt“ beschreiben. Mit der Zeit wurde es sehr mühsam, jedes Gerät einzeln in der Werkstatt zu zimmern und die Elektronik von Hand zu löten. Aber die Freude in den Augen der Kinder, wenn sie ihre Musiksammlung im „Köfferchen“ hatten, war riesig.

Wenn die Gesetze unseres Landes ein wenig innovationsfreundlicher wären, hätte das Ganze noch länger im Privaten reifen können, aber sobald Elektronik ins Spiel kommt, wird man ab dem ersten verkauften Stück behandelt wie Siemens oder Apple. Ich gründete quasi, damit der Spaß weitergehen kann, weil der Spaß sonst schon aufgehört hätte.

Die Entscheidung zur Serienproduktion haben meine Frau und ich im kleinen Familienrat beschlossen, denn es war uns klar, dass hörbert nicht auf Hobbyniveau bleiben kann.

Welche Vision steckt hinter hörbert?
Nennen wir es mal: „Alte Werte reloaded“. Mit hörbert verkaufen wir handwerkliche Qualität aus Deutschland mit langer Nutzungsdauer und Haltbarkeit, eingebauter Reparierbarkeit, aber ohne Lizenzbindung oder Salamitaktik.Unsere Kinder sollen als Erwachsene nicht gegen Müllprobleme kämpfen müssen, die durch ihr eigenes Kinderspielzeug verursacht werden. Sie sollen nicht geplante Obsoleszenz und fest verklebte Akkus für normal halten. Sie sollen nicht ihren Wohlstand auf dem Rücken der Ärmsten aufbauen. Wir eröffnen Eltern eine Wahlmöglichkeit, was sie ihren Kindern vorleben möchten. Die Ausrede „Es gibt halt nix anderes“ gilt nicht.

hörbert ist ein vollständiges Produkt, das seinem Käufer gehört, und nicht nur das Bezugsrecht für X Stunden Musikhören. Ein Produkt, in das sich die Kunden verlieben dürfen, und ihm vertrauen können. hörbert kommt ohne WLAN und Handy aus, damit er durch obsolete Standards oder Produktstrategien anderer Hersteller nicht als Kollateralschaden zum alten Eisen wird.

Alles, was hörbert zustoßen kann, kann man auch wieder reparieren, ohne gleich das ganze Gerät wegzuwerfen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Naja, hörbert gibt es nun schon eine Weile. Ich weiß nicht, ab wann eine Gründung als „abgeschlossen“ gilt, aber für mich ist das ein laufender Prozess – fertig fühlt sich das für mich jedenfalls noch nicht an. Wenigstens war ich vorher schon selbstständig, da hat man die Themen Rechtsform, Steuerberater und Grundlagen der Buchhaltung schon mal verdaut.

Wenn ich also streng auf den Beginn der Gründungszeit zurückblicke, kann ich diese Fünf-Jahres-Vorschau sogar schon rückblickend beantworten. (Klingt seltsam, ist aber umso interessanter)

Zu Beginn der Gründung – als Einzelkämpfer – erschien die Zukunft noch sehr diffus als eine Zeit, in der man am besten mehr Umsätze macht, z.B. um die Produktentwicklungskosten wieder herein zu bekommen. Dazu war mehr Sichtbarkeit notwendig, also Werbung, Werbung, und noch mehr Werbung – und gleichzeitig penibel darauf achten, einen hervorragenden Ruf aufzubauen – für das Produkt und für die Firma. Die ersten Jahre ließ sich das alles noch aus den Ersparnissen finanzieren. Vor Allem der Materialeinkauf ist bei physischen Produkten eine echte Herausforderung im Hinblick auf die Liquidität.

Deshalb kam der Finanzierung erst mit dem Wachstum mehr Bedeutung zu. Kurz gesagt sind wir jetzt bei ca. 2 Mio Umsatz und einer Mischung aus Darlehen von Privatleuten und klassischer Bankfinanzierung gelandet. Das Wachstum erforderte auch den Abschied von den ersten zu kleinen Lieferanten und Aufbau neuer Geschäftsbeziehungen. Viele Versuche mit Absatzmärkten wurden gemacht, vom Durchprobieren vieler Marketplaces bis zur Erweiterung des Vertriebs in andere Länder.

Wer ist die Zielgruppe von hörbert?
Ganz klar junge Familien mit Kindern, die Selbstständigkeit lieben und denen die Umwelt am Herzen liegt. Die Eltern lieben Qualität, weil sie ihnen ständige Scherereien und Tränen erspart, und auf die Nutzungsdauer umgerechnet auch viel Geld. Als Bonus können die Eltern auch mal länger ausschlafen, wenn die Kleinen keine Hilfe beim Einlegen einer CD brauchen…

Auf der anderen Seite haben wir auch schon von vielen Kunden gehört, die ihren eigenen Eltern mit hörbert eine große Freude gemacht haben. Das finden wir sehr interessant, und es war erst mal eine unerwartete Anwendung, ist aber ziemlich naheliegend, wenn man darüber nachdenkt.

Wie funktioniert hörbert? Wo liegen die Vorteile?
hörberts Funktion ist schnell erklärt: Die Eltern können Inhalte aufspielen, und die Kinder können sie selbstständig abspielen. Das gelingt auch schon den ganz kleinen Kindern ab 2 Jahren, denn man muss kein Display lesen können.

Dafür steuern Kinder hörberts 9 Playlists mit je einer eigenen bunten Taste: Bei jedem Druck auf dieselbe Taste springt hörbert in der jeweiligen Playlist einen Titel weiter. Obendrein gibt es noch eine Taste für einen hörbaren Vorlauf und eine zum Zurückspringen.

Ein einfacher Kippschalter dient als Ein/Ausschalter und ein Lautstärkeregler zum Drehen ist auch vorhanden. Im verschlossenen hörbert steckt eine wiederbespielbare Speicherkarte, die 17 Stunden Musik und Hörspiele fasst. Wir liefern sie schon mit über 2 Stunden vorbespielt aus, damit die Eltern die ersten Stunden nicht am Computer verbringen müssen, denn das nervt genauso wie am Weihnachtsabend die Fahrt zur Tankstelle für Batterien. Wir liefern auch 4xAA Batterien mit, empfehlen aber dringend, Akkus zu verwenden. (Wenn wir wüssten, welche Ladegeräte unsere Kunden haben, bzw. wenn alle dieselben hätten, könnten wir gleich Akkus mitliefern).

hörbert hat extra keinen fest eingebauten Akku, damit er keine empfindliche Ladebuchse braucht, die Kleinkindern zum Opfer fallen könnte. Oder die Kinder könnten sich am Ladekabel verheddern, oder stolpern, oder das Ladegerät aus der Wand reißen. Außerdem sind handelsübliche AA-Batterien auch im Urlaub an der Tankstelle erhältlich, falls es nötig sein sollte. Ein Batterie- oder Akkuwechsel geht übrigens Blitzschnell, denn welches Kind möchte schon stundenlang warten, bis sein Lieblingsspielzeug aufgeladen ist? Besonders häufig sind die Wechsel übrigens nicht, denn hörbert ist extrem genügsam: 50 Stunden schafft er im Dauerlauf, das sind bei täglichem Einsatz im echten Leben auch gerne mal 2 Monate. Das ist so selten, dass einige Kunden das Gerät nach vielen Wochen umtauschen wollen, weil sie denken, hörbert wäre kaputt – dabei liegt es dann nur an den leeren Batterien.

Sicherheit ist uns bei unserem Produkt sehr wichtig.

Deshalb gibt es auch (und da staunen viele) keinen Kopfhöreranschluss. Streng genommen müssten Eltern jedes mal dabei sitzen, wenn das Kind mit Kopfhörern hört, denn die langen Kabel bergen eine akute Strangulierungsgefahr. (Und empfindlich sind die Buchsen auch noch obendrein). Dauereinsatz von Kopfhörern ist bekanntermaßen auch nicht gut fürs Gehör. Dafür kontern wir mit einem überragend guten Klang, den wir durch einen großen Breitbandlautsprecher und das stabile Holzgehäuse erreichen. Sehr hörenswert, denn wir wollen, dass Kinder während der Entwicklung ihres Gehörs und Sprachverständnisses auch ein „s“ von einem „f“ unterscheiden können.

Die Vorteile der verwendeten Materialien sind selbsterklärend:

Ein Beispiel: Der nachwachsende Rohstoff Holz bindet CO2, ist für sein Gewicht unglaublich stabil, und verzeiht auch mal eine kleine Macke, die man schlimmstenfalls mit Schleifpapier wieder glatt macht. Das Lautsprechergitter aus Edelstahl gibt der großen Lautsprecheröffnung eine sichere Stabilität, sodass man auch ein Kleinkind mal mit hörbert alleine spielen lassen kann. (Nebenbei sorgt eine wählbare Lautstärkebegrenzung dafür, dass auch die Ohren keinen Schaden nehmen). Und so geht es für jede einzelne Schraube weiter, alles hat seinen speziellen Grund. Fragen Sie mich.

Wie ist das Feedback?
Grandios – in der richtigen Zielgruppe. Ich bin mir sicher, dass wir die besten Kunden der Welt haben. Sie senden uns Feedback, oft sogar mit Fotos, wie glücklich sie über ihren hörbert sind. Von einer Kundin bekommen wir zu Weihnachten Kekse geschickt, und ziemlich sicher verkaufen wir die meisten hörberts über Mund-zu-Mund-Propaganda.
Dazu ist es aber notwendig, dass die Kunden unsere Motivation und unsere Werte verstehen (und rechnen können), denn ebenso überschwänglich, wie die glücklichen Kunden sich für hörbert begeistern, erschrecken die Gelegenheitsbesucher, wenn Sie den Preis von 239.- EUR für das Basismodell sehen, ohne unsere Vision und unsere eigenen Ansprüche zu kennen. Dabei steht hörbert im Vergleich zu den Marktbegleitern schon alleine von der Ausstattung her sehr gut da, und man erhält ein in viel Handarbeit gefertigtes Gerät aus hochwertigen Materialien obendrein. Das ist leider selten geworden, und deshalb können viele den Preis nicht richtig einschätzen.

Ein großer Teil Missionsarbeit für „Handarbeit made in Germany“ ist unser täglich Brot.

Wir machen dabei beste Erfahrungen mit den Kindern selbst, die gelegentlich als Kindergartengruppen oder auch am Türöffnertag der Sendung mit der Maus bei uns reinschauen. Wenn die Kinder das Prinzip von Werten verstehen, kommen vielleicht ganzheitlicher denkende Erwachsene heraus.

hörbert, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Die vermutlich größte Herausforderung für mich begann mit der Anstellung der ersten Mitarbeiter/Innen, also der Schritt von der Bastlerwerkstatt zum Unternehmen. Mittlerweile sind wir 20, viele davon Teilzeitkräfte, und als Führungsprinzip habe ich vor zwei Jahren die Selbstorganisation gewählt. Quasi als meine letzte Entscheidung „von oben herab“. Das ist ein so spannendes Thema, dass sich alleine dafür die Gründung schon gelohnt hat, und das bedingt eine fortlaufende organisatorische und persönliche Weiterentwicklung.

Kurz gesagt: Bei der Selbstorganisation wird Hierarchie durch Prozesse ersetzt, die wir für uns selbst entwickeln. Dadurch verhält sich unser Unternehmen unter anderem wie ein Organismus, in dem jede/r von uns auch eine Antenne für Reize von außen ist.

Deshalb gibt es zwar einerseits keinen festen 10-Jahres-Plan (denn wer kann schon in die Zukunft sehen?), dafür haben bei uns aber auch die Signale eine Chance, die in einer klassischen Hierarchie möglicherweise keine Chance gehabt hätten. Als Beispiel ergaben sich kleine Zusatzprodukte wie eine Filztasche oder eine automatische Abschaltung für hörbert, die unsere Kunden sehr lieben. Schon möglich, dass diese beiden Produkte an meiner abweichenden Vorstellung oder rechnerisch aus meiner Sicht nie existiert hätten. Da bin ich in der sehr glücklichen Lage, vor solchen Fehleinschätzungen bewahrt zu werden.

Wo wir uns noch mehr verbessern wollen, ist die Anpassung hörberts für spezielle Anforderungen, z.B. körperliche oder geistige Behinderungen. Das ist uns eine Herzensangelegenheit, denn wir konnten Familien mit behinderten Familienmitgliedern bisher schon durch kleinste Änderungen ganz neue Möglichkeiten erschließen. Das ist etwas, das nur kleine Firmen können, die ihre Kunden und ihr Produkt verstehen, und darauf reagieren können.

Natürlich haben wir auch noch die eine oder andere Entwicklung im Sinn, aber jetzt schon die Katze aus dem Sack zu lassen, wäre zu früh.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1) Mach es
2) Lass es
3) Egal ob 1 oder 2, aber habe dafür *sehr* gute persönliche Gründe. Du wirst sie brauchen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Rainer Brang für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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