Nehmt Eure Zielgruppe früh mit auf die Reise

Hiersein: Plattform für nachhaltige Urlaubsunterkünfte in Deutschland

Stellen Sie sich und das Startup hiersein doch kurz unseren Lesern vor!

 Mein Name ist Daniela Jahn, ich lebe in München und bin Gründerin und Inhaberin von hiersein – einer Plattform für nachhaltige Urlaubsunterkünfte in Deutschland.

Mit hiersein möchte ich Menschen zeigen, dass man nicht weit wegfahren muss, um zu erleben, was den meisten im Urlaub wichtig ist. Nämlich Zeit für sich und die Familie, Erholung vom Alltag und das am liebsten in der Natur. Auf hiersein werden neben den beliebten Reiseregionen auch Plätze fernab der stärker touristisch geprägten Orte gezeigt, die bisher weniger bekannt sind. Denn dort entstehen immer spannendere Unterkünfte, die mit ihrem frischen Konzept Bewegung in die Regionen bringen und die zeigen wie schön es sein kann, Urlaub im eigenen Land zu machen und hier-zu-sein. In den meisten Fällen hat man die Möglichkeit bequem mit dem Zug anzureisen, was nicht nur klimafreundlich ist, sondern auch ein entspannte Art des Reisens. Denn immer mehr Menschen möchten auch im Urlaub ökologisch, sozialverträglich, ressourcenschonend und umweltfreundlich konsumieren.

Auf dem Portal stelle ich eine handselektierte Auswahl an Unterkünften wie z.B. Hotels, B&Bs, Ferienwohnungen/-häuser und außergewöhnlichere Übernachtungsmöglichkeiten vor.

Es sind meist kleinere, inhabergeführte Unterkünfte, die durch ihre Individualität und ihre geschmackvolle Gestaltung auffallen. Der Fokus bei hiersein liegt auf dem Gastgeber und seinem Angebot. Er sieht eine große Verantwortung darin, wie er seinen Betrieb führt. Er tut das mit dem Bewusstsein, dass auch er einen Beitrag für eine bessere Umwelt leisten kann. Einige der Betreiber haben beispielsweise bei der Bauweise auf natürliche und heimische Materialien gesetzt, bieten ein frisches, regionales oder biologisches Frühstück an oder versuchen den anfallenden Plastikmüll auf ein Minimum zu reduzieren.

Andere legen großen Wert auf eine lokale und regionale Wertschöpfung, denn sie empfinden eine tiefe Verbundenheit zu ihrer Heimat und möchten die Region stärken. Um sich besser auf dem Portal zurechtzufinden hat hiersein das nachhaltige Engagement der Gastgeber in vier Rubriken – Essen, Natur, Mensch und Haus – unterteilt und zeigt welche für den Gastgeber jeweils zutreffend sind und um welche konkreten Maßnahmen es sich dabei handelt.

Nicht zuletzt möchte ich mit hiersein Geschichten erzählen. Nämlich die der Unterkunft und die ihrer Gastgeber. Um zu begeistern, eine Verbindung entstehen zu lassen – zwischen Gast und Gastgeber – und dem Reisenden einen authentischen Einblick zu geben. Hiersein ist keine anonyme Such- und Buchungsplattform, sondern unterstützt den Gedanken, dass Reisende und Unterkunftsanbieter schon vor dem Aufenthalt direkt miteinander in Kontakt treten.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?

Vor meinem Schritt in die Selbstständigkeit habe ich 15 Jahre im Projektmanagement eines Großkonzerns mit Schwerpunkt HR/Learning gearbeitet. In dieser Zeit bin zweimal schwer erkrankt und musste mich langwierigen Therapien unterziehen. Mein Arbeitgeber hat in beiden Fällen großartig reagiert. Trotz monatelanger Abwesenheit hat er es mir ermöglicht, wieder in meinen alten Job zurückzukehren. Irgendwann habe ich festgestellt, dass es zwar bequem war, mich aber nicht mehr wirklich erfüllt hat.

Der Wunsch, meine Erfahrung mit meinen Interessen und meinen Wertevorstellungen zu verbinden, ist immer größer geworden.

Eine Beschäftigung mit dem Thema Reisen war naheliegend, denn ich tue es nicht nur ausgesprochen gerne, sondern habe auch BWL mit Schwerpunkt Touristik studiert und einige Jahre in der Branche gearbeitet. Für meine eigenen Reisen habe über die ganzen Jahre hinweg unglaublich viel Zeit damit verbracht, in unzähligen Zeitschriften, Magazinen, im Internet und in Reiseblogs nach kleinen, liebevoll gestalteten Unterkünften zu suchen. Freunde, Familie und Bekannte kannten meine Begeisterung und wussten, dass ich für beinahe jede Ecke etwas im ‚Köcher‘ hatte. Sie selbst hatten weder die Zeit noch die Geduld stundenlang im Internet zu recherchieren und waren dankbar für meine Tipps.

 Und so hat sich langsam diese Idee entwickelt – meine persönliche Sammlung an besonderen Urlaubsunterkünften auf einem Portal zusammenzustellen und mit anderen zu teilen. Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass allen Unterkünften etwas gemeinsam war. Denn ich mag es, wenn Menschen schöne und geschmackvolle Orte schaffen, an denen man bleiben möchte.

Man vom Gastgeber herzlich und liebevoll empfangen wird und sich willkommen fühlt. Wenn man das Gefühl hat, dass es eigentlich ganz okay wäre, wenn jetzt die Zeit stehenbleiben würde und der Alltag so richtig schön weit weg ist. Sich inspirierende Gespräche mit Gastgebern ergeben, die einen respektvollen Umgang mit Mensch, Tier und Natur pflegen. Und auch wenn ich meine Urlaubsorte bisher nicht bewusst nach diesen Kriterien gewählt hatte, so waren es in der Vergangenheit genau diese Plätze, die mir in Erinnerung geblieben sind und die ich nun mit anderen teilen wollte.

Was war bei der Gründung von hiersein die größte Herausforderung?

Die Tatsache, dass ich alleine gegründet habe, hat mich manchmal sehr an meine Grenzen gebracht. Als Mitarbeiter eines Großkonzerns konnte ich von der vorhandenen Infrastruktur profitieren, definierten Prozessen, klaren Projektvorgaben und mich auf meine eigentliche Arbeit konzentrieren. Als Einzelunternehmerin musste ich mir diese Basis nun erst einmal erarbeiten und mir viel neues Wissen aneignen. Ziemlich oft fehlte mir bei wichtigen Entscheidungen auch der Austausch mit einem Sparring Partner. Mein Weg bis zur eigentlichen Gründung war also zwischenzeitlich immer wieder einmal von Zweifeln gesät. Deswegen habe ich mir wertvolle Unterstützung durch einen Vorgründungs-Coach geholt, mich von Beginn an mit Gleichgesinnten und Neugründerinnen in lokalen Netzwerken und auch online ausgetauscht und dabei unglaublich viel Wertschätzung und Motivation erfahren.

Kann man mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Ich würde sagen, man muss sogar. Ich habe festgestellt, dass mich mein vermeintlicher Hang zum Perfektionismus zwischendurch ganz schön ausgebremst hat. Dabei ist es oft nur ein vorgeschobener Grund, um sich nicht angreifbar zu machen und möglicher Kritik aus dem Weg zu gehen. Was eigentlich eine vertane Chance ist, denn jede Art von Rückkopplung ist ungemein hilfreich, seine Idee immer weiter zu schärfen und seine Zielgruppe besser kennenzulernen. Also, lieber früher in die Sichtbarkeit gehen, wenn nicht alles ‚fertig‘ ist, wohlwollendes Feedback nicht persönlich nehmen und die Idee immer weiterwachsen lassen.

Welche Vision steckt hinter Hiersein?

Ich möchte mit hiersein dazu beitragen, aus der Tourismusnische des nachhaltigen Reisens eine selbstverständliche Form des Urlaubs zu machen und mehr Menschen dazu bringen, mit größerem Bewusstsein zu verreisen. Auch möchte ich mehr Urlauber für das Reisen im eigenen Land begeistern, denn unsere Heimat ist unfassbar reich an geschichtsträchtigen Orten, imposanter Kultur und unterschiedlichsten Landschaften.

Wer ist die Zielgruppe von Hiersein?

Hiersein richtet sich an Menschen, die schon im Alltag einen möglichst gesunden und nachhaltigen Lebensstil leben und auch im Urlaub nicht darauf verzichten möchten. Zusätzlich werden aber auch diejenigen angesprochen, die dem Thema Nachhaltigkeit gegenüber grundsätzlich offen und aufgeschlossen sind, bisher aber nur wenig im Alltag umsetzen konnten. Beiden ist Gesundheit und Wohlbefinden wichtig, sie lieben es in der Natur zu sein und haben keine große Lust auf lange Anfahrtswege. Sie sind Individualreisende, die kleine und geschmackvoll gestaltete Unterkünfte bevorzugen. Durch das Angebot unterschiedlicher Übernachtungsmöglichkeiten werden sowohl Familien, Paare als auch Singles und Menschen aus allen Einkommensschichten angesprochen.

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Es gibt bereits einige gute Plattformen auf dem Markt, die nachhaltige Unterkünfte in unterschiedlicher Ausrichtung präsentieren. Auf hiersein stelle ich Unterkünfte vor, die ich entweder persönlich kenne oder direkt vor Ort besucht habe. Denn es ist mir wichtig, einen authentischen Eindruck von der Unterkunft und dem Gastgeber zu bekommen. Sollte es für mich zeitlich nicht möglich sein, vor Ort zu sein, dann führe ich mit jedem Gastgeber mindestens ein ausgiebigeres Telefongespräch. Es ist also neben den Hauptthemen Nachhaltigkeit und Urlaub in Deutschland insbesondere die persönliche Note, die mich von anderen Anbietern unterscheidet.

Hiersein, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Da es hiersein ja erst seit ein paar Wochen gibt, liegt der Fokus vorerst auf der weiteren Bekanntmachung der Plattform im deutschsprachigen Raum und der Ausweitung des Angebotes an Unterkünften. Zukünftig wird es hiersein auch in englischer Sprache geben, so dass sich auch Urlauber aus dem Ausland auf der Plattform zurechtfinden und Gastgeber von einer größeren Reichweite profitieren können. Die Rückmeldung von Kunden ist mir wichtig, denn auch technisch soll sich die Plattform ja stetig weiterentwickeln und das Feedback der Nutzer berücksichtigen.

In 5 Jahren möchte ich mit hiersein die erste Anlaufstelle für alle Urlauber sein, die auf der Suche sind nach besonderen nachhaltigen Unterkünften in Deutschland und denen es wichtig ist, dass die Gastgeber ihren Betrieb mit dem Verantwortungsbewusstsein führen, dass auch sie einen Beitrag für bessere Zukunft leisten können.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?

Erst einmal sollte man tatsächlich herausfinden, ob die Idee, sich selbständig zu machen, vielleicht auch nur aus Frustration über die momentane Arbeitssituation resultiert. Manchmal kann so ein Wunsch aus einem Gefühl der mangelnden Wertschätzung entstehen – oder weil man einfach lange nicht mehr hinterfragt hat, was es eigentlich ist, dass man gerne tun würde. Hilfreich ist hier auch immer mal wieder die Sicht von außen. Manchmal reichen vielleicht auch schon ein oder zwei Termine mit einem Business-Coach, der einem beispielsweise Tipps für ein klärendes Gespräch mit dem Vorgesetzten geben kann.

Wer aber ernsthaft mit dem Gedanken spielt, sich selbstständig zu machen, sollte sich frühzeitig Unterstützung suchen. Hier kann die ortsansässige oder für die Region zuständige IHK ein erster Ansprechpartner sein. Sie liefert Euch auch Informationen über lokale Netzwerke für Gründerinnen.

Nehmt Eure Zielgruppe früh mit auf die Reise.

Lasst Sie teilhaben an Eurer Entstehungsgeschichte. Kunden lieben den Blick hinter die Kulissen und wollen nicht nur die Dienstleistung oder das Produkt kennenlernen, sondern auch den Menschen, der dahintersteckt. Auch wenn Ihr das Gefühl habt, dass es doch nicht um Euch geht, sondern um Euer Produkt oder Eure Dienstleistung geht, so werden Eure zukünftigen Kunden es sehr schätzen, denn es macht Euch nahbar und menschlich.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Daniela Jahn für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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