Anfangen und sich nicht von der Angst aufhalten lassen

Samira Mousa, Gründerin von Healthy Content. Sick Ideas. wurde als Kultur- und Kreativpilot 2019 ausgezeichnet.

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen doch kurz vor!

Ich bin Samira, Urberlinerin und passionierte Weltreisende. Seit sieben Jahren lebe ich mit Multipler Sklerose. Vor drei Jahren begann ich darüber in den Sozialen Medien zu bloggen und machte mich als Autorin selbstständig, während ich als Digitale Nomadin von dort arbeite, wo es mir gefällt. Im Laufe meiner Bloggerkarriere kamen immer mehr Anfragen zur Zusammenarbeit von Pharmafirmen und anderen Unternehmen der Gesundheitsbranche. Gleichzeitig fragten mich öfters andere Patientenblogger*innen um Rat, wenn es um die Vertragsverhandlungen mit solchen Unternehmen ging. So keimte die Idee, eine Agentur zu gründen, die sich der Vermittlung von Healthcare Influencer*innen widmet – ich gründete Healthy Content. Sick Ideas. 

Mittlerweile arbeite ich zum einen viel mit Pharmaunternehmen direkt, aber auch mit Marketingagenturen zusammen, die auf den Healthcarebereich spezialisiert sind. Alles zum Thema Influencermarketing lagern sie an mich aus.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?

Es war einfach der Bedarf da! So viele Healthcareunternehmen interessieren sich für das Thema Influencermarketing, und so viele Patient*innen sprechen online über ihre Erkrankungen. Ich bin selbst Patientin und Bloggerin und weiß, wie viel Arbeit darin steckt einen erfolgreichen Social Media Kanal zu betreiben. Das sollte anständig gewertschätzt werden und auch entsprechend vergütet sein.

Welche Vision steckt dahinter?

Ich möchte Menschen, die über chronische Krankheiten bloggen, dabei unterstützen noch mehr Zeit in ihren Blog oder Kanal zu stecken. Mittlerweile informieren sich die meisten Neudiagnostizierten Menschen online – es ist toll, wenn sie dort ansprechende Blogs und Mut machende Geschichten von anderen Menschen finden, die mit der Krankheit leben gelernt haben.

Manche Auftraggeber*innen machen es sich zunutze, dass die Influencer*innen in diesem Gebiet Laien sind und natürlich nicht wissen, wie man sichere Verträge oder faire Gagen aushandelt. Da komme ich ins Spiel: Ich sorge dafür, dass die Kooperation sicher abläuft und für beide Parteien einen Mehrwert schafft. Mein Ziel ist es, dass ein Mensch mit chronischer Krankheit, der über meine Agentur vermittelt wird, ein oder zwei Tage weniger im Monat ins Büro muss, vielleicht mit den Arbeitsstunden runtergehen kann da ein Zuverdienst über den Social Media Kanal reinkommt. Letztendlich ist es nämlich Zeit und Ruhe, die wir brauchen, um möglichst lange gesund zu bleiben. 

Was war bei der Gründung Ihres Unternehmens die größte Herausforderung?

Ich bin gelernte Eventmanagerin und habe viele Jahre als Künstleragentin gearbeitet – im Bereich Marketing bin ich allerdings Quereinsteigerin.

Es hat ein wenig gedauert bis ich erkannt habe, dass genau das meine Arbeit auch besonders macht und herausstechen lässt. Das sehr gute Kundenfeedback über die letzten Monate spricht auch für sich, weswegen Zweifel nun immer kleiner werden, aber anfangs war es eine große Überwindung auf diesem Gebiet selbstbewusst aufzutreten.

Kann man auch mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Definitv! Man sollte sogar. Es ist durchaus möglich, sehr professionell zu arbeiten und trotzdem nicht perfekt zu sein. Das braucht einfach seine Zeit.

Wie sind Sie auf die Auszeichnung Kultur und Kreativpiloten aufmerksam geworden?

Eine Freundin hatte mich damals auf die Auszeichnung hingewiesen und mir vorgeschlagen, mich zu bewerben. 

Wie wichtig sind solche Auszeichnungen?

Natürlich sind solche Auszeichnungen wichtig, vor allem das Netzwerk zu dem ich Zugang bekommen habe, die Gemeinschaft – das ist wunderbar. Ich bin ja komplett allein mit meinem Unternehmen, da ist es schön auch mal jemanden um Rat fragen zu können. Dennoch finde ich auch, dass kreative und kulturelle Projekte in Berlin und Deutschland nicht genug gefördert und unterstützt werden, das sieht man in der Krise leider sehr deutlich. Gerade was den Bürokratieaufwand angeht wird es jungen kreativen Unternehmer*innen alles andere als leicht gemacht und manch eine*r mag davor zurückschrecken und erst gar nicht gründen.

Wo sehen Sie sich in den nächsten 5 Jahren?

Ich möchte gerne viele tolle Kampagnen konzipiert haben, vielleicht zwei oder drei Mitarbeiter*innen oder eine*n Partner*in. Gemeinsam geht eben doch vieles leichter. Auch hoffe ich, durch meine Arbeit und die Arbeit der Influencer*innen mehr Aufmerksamkeit für chronische Krankheiten und Menschen mit Behinderung zu schaffen. 

Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründer*innen mit auf den Weg geben?

Anfangen und sich nicht von der Angst aufhalten lassen. Es ist nämlich total okay und normal Angst zu haben und unsicher zu sein. Man muss nicht knallhart und cool sein, nur weil man jetzt Unternehmer*in ist. Man darf und sollte sich seine Menschlichkeit und seine Nahbarkeit erhalten. 

Jedes Jahr werden im Namen der Bundesregierung 32 Unternehmen als Kultur- und Kreativpiloten Deutschland ausgezeichnet. Bewerben können sich Unternehmen, Selbständige, Gründer*innen und Projekte aus der Kultur- und Kreativwirtschaft und deren Schnittstellen zu anderen Branchen. Die Bewerbung kann via Online-Formular auf www.kultur-kreativpiloten.de eingereicht werden. Das diesjährige Bewerbungsverfahren geht vom 1. Juli – 16. August 2020.

Fotograf: Erik Schütz: GoodBY

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Samira Mousa für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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