Feedback ist superwichtig, und Ihr solltet es kreativ nutzen

Guzz ist ein Social Network, in dem sich Menschen live über Video-Chats in praktischen Dingen unterstützen können

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Guzz doch kurz vor unseren Lesern vor!
Guzz ist eine Community, in der sich Menschen live per Videochat bei praktisch-technischen Fragen unterstützen. Das Ganze funktioniert ähnlich wie Skype, nur mit Community drum herum. Ihr findet dort „Guzz-Gurus“ zu den unterschiedlichsten Themen, beispielsweise zur Reparatur von Kaffeeautomaten, zur Behebung von PC-Problemen oder zur Gartenbewässerung. Als Mobile App habt Ihr Guzz überall in Haus und Garten dabei und könnt Euer Problem über die Rückkamera auch live zeigen.

Wie ist die Idee zu Guzz entstanden?
Aus dem eigenen Bedarf heraus. An einem Wochenende im September letzten Jahres ist unsere Familienwaschmaschine kaputt gegangen, bei vier Kindern ist das ein echtes Problem. Auf einen professionellen Handwerker wollten wir nicht warten, außerdem wäre die Maschine das nicht mehr wert gewesen. Also haben wir versucht, das Problem anhand von YouTube-Videos und Herstelleranleitungen selbst zu lösen. Leider vergeblich, wir haben prompt die falsche Pumpe bestellt. Und uns gefragt, warum es eigentlich noch keine App gibt, über die ein anderer Heimwerker einfach mal „kurz draufschauen“ kann. Je mehr wir über diese Idee nachdachten, desto mehr Anwendungsfälle fielen uns ein, und Guzz war geboren.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung bei einer solchen Plattform ist es, potenzielle Nutzer erst einmal auf das Angebot aufmerksam zu machen. Es müssen ja beide Seiten – die Anfragenden und die Gurus –erreicht werden, damit das Modell funktioniert, das klassische Henne-Ei-Problem also. Wir setzen dabei konsequent auf das Prinzip der „Sharing Economy“, das heißt, jeder kann selbst zum Guzz-Guru für sein eigenes Thema werden. Anders als in „Expertenportalen“ gibt es also keine strikte Trennung zwischen „allwissenden Experten“ und normalen Nutzern. Die Qualität wird über gegenseitige Bewertungen, Feedbacks usw. sichergestellt, ähnlich wie bei Airbnb.
Wir finanzieren Guzz derzeit aus eigener Tasche, ein Geschäftsmodell ist noch nicht implementiert. Idee ist, dass die Gurus ihre Leistungen später einmal auch gegen Gebühr anbieten können und wir davon eine Provision erhalten. Es wird aber immer auch die Möglichkeit geben, das Wissen kostenlos zu teilen, die Entscheidung liegt bei den Gurus.

Wie hat sich das Unternehmen seit dem Start entwickelt?
Prächtig, wir sind seit Mitte Februar live und haben schon über 100 Gurus gewinnen können. Das war einfacher als gedacht, denn es gibt sehr viele Menschen, die hilfsbereit sind. Deshalb fokussieren wir unsere Marketingaktivitäten momentan vor allem auf die Anfrageseite, damit sich die Gurus nicht langweilen und spannende Fragen erhalten. Wir sind hier insbesondere in sozialen Netzwerken wie Facebook aktiv, haben aber auch Partnerschaften mit verwandten Projekten wie hobbyhimmel.de und thangsapp.com.
Kürzlich erhielten wir im Rahmen des „Durchstarten“-Programms der innoWerft in Walldorf den 3. Preis der Jury sowie den Publikumspreis, was uns ganz besonders gefreut hat. Außerdem sind wir in der Factory Berlin unterwegs, um etwas Hauptstadtluft zu schnuppern und uns mit der dortigen Startup-Szene zu vernetzen.

Wer ist die Zielgruppe von Guzz?
Jeder, der ein praktisches Problem lösen möchte und dafür zeitnahe Unterstützung benötigt.
Prinzipiell könnt Ihr Euch über Guzz auch coole Gitarrenriffs zeigen lassen oder ein Sprachtandem mit einem Muttersprachler am anderen Ende der Welt bilden. In der Tat werden derlei Themen auch schon über Guzz angeboten. Damit wir uns aber nicht in der Fülle der Themen verlieren, konzentrieren wir uns derzeit vor allem auf technisch-praktischeFragestellungen und werben dafür z.B. in Facebook-Gruppen oder Repair-Cafés.

Wie funktioniert Guzz?
Als Mobile App findet Ihr Guzz in den Appstores von Android und iOS, Ihr könnt es aber auch über einen Browser mit Webcam nutzen. Alle Links dazu gibt es auf  www.guzz.io
Die App selbst ist bewusst sehr einfach aufgebaut. Auf der Startseite gibt es nur zwei große Schaltflächen: „Suche Hilfe“ und „Biete Hilfe“. Über die Suche könnt Ihr einen Guru finden, dessen Profil ansehen und dann direkt kontaktieren. Anders als in einem Forum werft Ihr Eure Frage also nicht in den „luftleeren Raum“, sondern sucht Euch Euren Ansprechpartner gezielt aus.
Anschließend vereinbart Ihr in einem WhatsApp-ähnlichen Textchat einen konkreten Termin. Sind beide Seiten zum selben Zeitpunkt im Chatraum, beginnt die eigentliche Live-Session. Diese funktioniert ähnlich wie Skype, über Audio oder Video. Obendrein steht Euch eine Maltafel zur Verfügung, und Ihr könnt beide Kameras Eures Smartphones nutzen. Auf Desktop-PCs könnt Ihr zusätzlich Euren Bildschirm teilen.
Nach Abschluss einer Session bewerten sich beide Seiten gegenseitig. Das Feedback erscheint dann im jeweiligen Nutzerprofil und ist für andere Teilnehmer einsehbar.

Warum sollte man Guzz nutzen?
In erster Linie, weil Ihr damit Probleme lösen könnt, bei denen YouTube oder Foren „überfordert“ sind. Also immer dann, wenn es zur Problemlösung einen „echten Menschen“ benötigt. Wir möchten YouTube & Co. natürlich nicht ersetzen, sind aber davon überzeugt, dass es jenseits der vorhandenen Plattformen Bedarf für eine echte „Live-Hilfe“ gibt.
Und dann macht Guzz natürlich auch noch eine Menge Spaß, ist doch solch ein direkter Austausch erheblich persönlicher als ein anonymes Posting in einem Forum. Im Idealfall lernt Ihr auf diese Weise sogar nette Leute kennen, mit denen Ihr auch jenseits von Guzz in Kontakt bleibt.

Guzz, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir denken, dass Guzz durchaus das Potenzial hat, einmal *die* zentrale Anlaufstelle im Netz für Live-Unterstützung durch echte Menschen zu werden. Eine Art „Echtzeit-YouTube“ für den 1:1-Austausch rund um praktische Fragen also.Aber jetzt gilt es erst einmal, die Community fleißig auszubauen und weitere Nutzer für unser Konzept zu begeistern. Vom Unicorn dürfen wir dann später träumen!

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Legt einfach los, glaubt an Eure Idee und lasst Euch nicht zu allzu sehr von jenen irritieren, die grundsätzlich der Meinung sind, dass „so etwas ja nie funktionieren kann“. Feedback ist superwichtig, und Ihr solltet es kreativ nutzen, um Euch und Eure Idee weiter zu entwickeln. Reine Miesmacherei hilft Euch aber wenig weiter. Die Kunst ist es, das eine vom anderen zu unterscheiden

Wir bedanken uns bei Tom Brückner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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