Suche Menschen – Verabschiede Mitarbeitende

Gutes Personal ist schwer zu finden – wer kennt diesen Ausspruch nicht?

Vielleicht ist dies aber auch schon der Kern des Problems. Warum suchen wir Personal – warum nicht Menschen? Der Fachkräftemangel und prekäre Arbeitsverhältnisse ziehen sich leider wie ein roter Faden durch die Berichterstattung der Startup-Branche. Eigentlich eine Basis für Unzufriedenheit und wenig Miteinander. Dabei ist die Startup-Szene extrem geprägt durch menschliche Beziehungen. Vertrauen, Community und Zuverlässigkeit sind entscheidende Faktoren für eine gelungene Zusammenarbeit und Betreuung von Startups. Wir versuchen Personalschablonen zu füllen mit Abschlüssen und einschlägiger Berufserfahrung – übersehen dabei aber, was wir am Ende wirklich von den Menschen erwarten, nämlich, dass sie unsere Teams mit fehlenden Fähigkeiten und Kompetenzen ergänzen und sich als Persönlichkeiten mit unseren Unternehmen identifizieren können. 

Auch bedingt durch Digitalisierung verändern sich unsere Arten von Arbeit und unterliegen einem ständigen Wandel. Deshalb sind immer wieder veränderte Kompetenzen und steigende Flexibilität gefordert. Das heißt, die Kompetenz, die ich heute bei der Suche nach Mitarbeitenden berücksichtige, ist in 3 Jahren gegebenenfalls schon weniger wichtig. 

Heute ist es viel wichtiger, Menschen zu finden, die in der Lage sind, passioniert Aufgaben und Funktionen innerhalb eines Unternehmens zu übernehmen, die gegebenenfalls mit der Zeit auch mal wechseln können. Aber nicht in der Rolle des Personals, sondern einfach als Persönlichkeit, die in diesen Bereichen ein Talent mitbringt. Kürzlich begegnete mir ein Artikel, in dem gefordert wurde, Rollen zu besetzen und nicht Personal einzustellen. Sicherlich ein Schritt in die aus meiner Sicht richtige Richtung. Menschen suchen, aber es beinhaltet immer noch eine Reduzierung des Individuums auf bestimmte berufliche Fähigkeiten. Alleine die Verwendung von Begriffen wie Personal, Mitarbeitende u.ä. führt zu einer unsichtbaren Distanzierung von dem Kern der Sache: Es sind alles Menschen, die verschiedensten Tätigkeiten nachgehen – ob beruflich oder privat. 

Schon einmal den Selbsttest gemacht?

Was passiert, wenn Du allein in Gedanken an Menschen oder an Mitarbeitende denkst? Sobald ein Oberbegriff vergeben wird, ist es einfacher, zu clustern und ich muss mein Handeln nicht mehr individualisieren, sondern kann alle gleichbehandeln. Ich bin aber fest davon überzeugt – und die Literatur zur Frage Zukunft der Arbeit gibt mir Recht – Arbeiten ist und wird etwas sehr Individuelles. Deshalb muss der Anspruch an Führungskräfte auch sein, individuell zu agieren. Das ist extrem anstrengend und erfordert viel Zeit, führt aber auch dazu, dass das Menschsein in den Mittelpunkt rückt, wodurch auch die Gestaltung von Arbeit positiver und effizienter wird. Damit stellt sich natürlich auch die Frage nach der Team- und Unternehmenskultur. Denn für diese Art von Führung und Zusammenarbeit braucht es Zeit und Vertrauen. Genau diese zwei Faktoren sind aber in der aktuell weit verbreiteten Unternehmenskultur selten zu finden. 

Deshalb sollten wir uns alle zum Ziel setzen, nicht nach Personal, sondern nach Menschen mit Passionen zu suchen. Und herauszufinden, welcher Mensch am Besten in das bestehende Gefüge passt, dort aber auch Veränderungen schaffen und Mehrwert bieten kann. Deshalb sucht nicht nach Personal, sondern Menschen!

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Julia Kümper

Julia Kümper, Gründerin Match-Watch GmbH & Geschäftsführerin VentureVilla Accelerator GmbH wurde 2017 mit dem New Work Award ausgezeichnet. Seit 2018 ist sie ehrenamtlich als Vorbild-Unternehmerin für die Initiative Frauen unternehmen vom BMWi unterwegs. Sie beschäftige sich intensiv mit den Themen Vereinbarkeit von Familie und Beruf, female founders, Venture Capital, New Work und Role Models.

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