Gusti Leder: Taschen und Accessoires mit Stil

Gusti Leder Ledertaschen aus nachhaltiger und ökologischer Produktion: Jede Tasche ein Unikat

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Gusti Leder doch kurz unseren Lesern vor!
Mein Name ist Christian Pietsch, ich bin 30 Jahre jung und diplomierter Volkswirt. Gusti Leder hab ich eigentlich schon 2007 ins Leben gerufen damals allerdings noch unter dem, Namen „Kunst und Lederhandel Pietsch“. Erst seit Anfang 2015 heißen wir offiziell Gusti Leder. Wir verkaufen nachhaltige Ledertaschen. Nachhaltig deswegen, weil wir nur Häute von Tieren verwenden, die zu mehr als 90 Prozent in die Fleischproduktion gehen. Aktuell haben wir zwei eigene Marken: „Gusti Leder nature“ und „Gusti Leder studio“. „Gusti Leder nature“ ist unsere erste Marke gewesen und bis heute unsere Leitmarke.

Wie ist die Idee zu Gusti Leder entstanden?
Die Idee dazu kam mir auf einer BackpackTour. Ich war in Marokko unterwegs und auf einem dieser typischen Märkte stieß ich auf einen Stand mit Ledertaschen. Ich fand die Art und Weise, wie diese Taschen nach traditionellen Methoden hergestellt wurden, total interessant. Also entschied ich mich, es auch einmal in Deutschland auszuprobieren und ließ mir eine Kiste voller Taschen zuschicken. Dann stellte ich mich ganz einfach in Warnemünde an die Promenade und war echt überrascht, wie positiv die Leute auf diese Taschen reagierten. Schnell waren alle Taschen ausverkauft. Schließlich ging ich den nächsten Schritt und eröffnete einen kleinen Laden im Rostocker Szeneviertel KTV. Auch der lief erfolgreich und ich musste bald in einen größeren Laden umziehen. Nebenbei versuchte ich ab 2010 einen Online Shop aufzubauen, sodass die Taschen auch über die Rostocker Grenze hinaus verkauft werden konnten. Während zuerst mein WG Zimmer herhalten und ich das alles alleine schaffen musste, habe ich heute ein tolles Team von rund 70 MitarbeiterInnen, die mir beim Vertrieb, Marketing und Produktmanagement helfen. Wir verkaufen unserer Produkte nicht mehr nur über den deutschen Onlineshop, sondern auch über fünf weitere Ländershops.

Warum haben Sie sich entschlossen, ein Unternehmen zu gründen?
Ich bin diplomierter Volkswirt und durch mein Studium interessierte ich mich besonders für die Ökonomie in Entwicklungsländern, welche mich letztlich auch zu meiner Diplomarbeit über Mikrofinanzierung inspirierte. Ich sah die Chance für mich, die Theorie mit der Praxis zu verbinden und entschied mich zu diesem wichtigen Schritt. Ich wollte auch Innovationen vorantreiben und zeigen, dass man auch Leder aus nachhaltiger Züchtung für Taschen verwenden kann und es nicht teuer sein muss, wenn man auf Direktvertrieb setzt. Die Volkswirtschaft hat mir dabei geholfen, die richtigen Anreize in meinem Startup zu setzen.
Ich finde es toll, in einem Team zu arbeiten, welches ständig Sachen verbessert und am Ende mit einem hohen Umsatz belohnt wird und wächst. Wenn ich das erreiche, verzichte ich gerne auf meine eigentliche Spezialisierung der Bankbetriebswirtschaft. Natürlich sind für mich als Unternehmer zahlen nicht unwichtig, jedoch möchte ich Gusti Leder vor allem für die Zukunft gut aufstellen.

Was war bei der Gründung Ihres Unternehmens die größte Herausforderung und wie haben Sie sich finanziert?
Es gab verschiedene Hürden, die wir nehmen mussten. Natürlich hatte ich als frischgebackener Diplomabsolvent keine Erfahrung, wie man ein Unternehmen leitet. Die Organisation und Planung eines Teams wollte gelernt sein. Es hat seine Zeit gebraucht, um ein funktionierendes Team zusammenzustellen, d.h. die richtigen MitarbeiterInnen zu finden, die den Team Spirit nicht stoppen, sondern engagiert nach einfachen Lösungen suchen. Die größte Herausforderung war allerdings, wie man mit den eigenen Produktschwächen umzugehen hat. Ich habe mich bei der Gründung dafür geschämt, dass die Lederfarbe durchaus variieren kann oder, dass unsere Taschen manchmal leicht riechen oder unsere Produzenten nicht an ordentlichen Produktionstischen sitzen, sondern auf dem Boden in ihrem Wohnzimmer. Das sind heute Punkte die ich zu unseren USPs von “Gusti Leder nature” zähle. Sie zeugen von einer nachhaltigen pflanzlichen Gerbung und einer Produktion, die eben nicht im großen Stil in einer Produktionshalle statt findet, sondern bei den Familien zu Hause. Das ist es letztlich, was unsere Kunden an Gusti Leder so schätzen. Finanziert habe ich die ersten vier Jahre durch die Gewinne, die das Unternehmen machte, als ich noch Student war. Diese habe ich dann in mein Projekt „Gusti“ reinvestierte. Erst im vierten Jahr habe ich eine KfW Finanzierung hinzugenommen. Diese Art der Finanzierung finde ich sehr nachhaltig, weil ich das Unternehmen dahin lenken kann, wo es Sinn macht und nicht, wo ein VC sie haben möchte.

Wie hat sich Ihr Unternehmen seit der Gründung entwickelt?
Absolut positiv. Am Anfang habe ich mit einer Handvoll Produkte angefangen, heute findet man über 2000 verschiedene Lederwaren im Online Sortiment und wir haben eine Umsatz von 7,6 Millionen Euro. Aber natürlich mussten wir auch einige Rückschläge in Kauf nehmen und aus Fehlern lernen. Um die Marke bekannt zu machen, setzten wir auf andere große Plattformen, wie Amazon. Das steigerte den Umsatz binnen kürzester Zeit, allerdings ist es auch manchmal schwierig mit Amazon zu arbeiten. Viele Vorgaben und Richtlinien widersprechen eigentlich unserer Philosophie. Wir dürfen zum Beispiel keine Fotos von Produzenten zeigen, aber genau diese Transparenz macht uns aus. Um uns von solchen großen Plattformen emanzipieren zu können, haben wir daher viel Kraft und Zeit in unseren Webshop investiert, auf den heute fast 134.000 UserInnen zugreifen.

Wer ist die Zielgruppe von Gusti Leder?
Zu unserer Hauptzielgruppe zählen Frauen zwischen 25 und 35 Jahren. Auch Studierende rechnen wir dazu. Insgesamt sind es AkademikerInnen mit einem mittleren Einkommen, die ein Bewusstsein für Ökologie und Nachhaltigkeit haben, die so genannten LOHAS.
Natürlich wollten wir die männliche Kundschaft nicht komplett ausschließen und haben deswegen vor allem unter unserer Marke „Gusti Leder studio“ Produkte kreiert, die den maskulinen Geschmack ansprechen sollen.

Woher stammt das Leder?
Unser Leder stammt aus Marokko und Indien. Je nach Marke wird es unterschiedlich bearbeitet. Unsere Marke „Gusti Leder nature“ lassen wir in Marokko und Indien von kleinen Familienunternehmen produzieren. Das Leder stammt von freilaufenden Ziegen, die in den Steppen leben. Dadurch können die Häute schon Risse oder einzelne Löcher vorweisen, da die Tiere dort schnell an den Dornengewächsen hängen bleiben, aber irgendwie macht genau das den Charme und die Individualität aus. Dann wird das Leder mit der Rinde des Babool trees gegerbt und mit pflanzlichen Substanzen, wie Mohn und Safran, gefärbt. „Gusti Leder studio“ besteht dagegen hauptsächlich aus Büffel und Rindsleder. Auch hier produzieren wir in Indien, diesmal aber in zertifizierten Großbetrieben, die internationale Standards, wie SA 8000, einhalten. Das Leder wird chemisch mit Chromsalzen gegerbt und ist dadurch besonders robust und fest. Bei Chemie denken viele gleich an giftig, aber wir lassen zum Beispiel den Wert von Chrom VI immer wieder in Laboren untersuchen. Wenn der zulässige Wert überschritten wird, verkaufen wir diese Taschen nicht. Diese Marke haben wir eingeführt, weil wir den KundInnen mehr Produkte anbieten wollten. Wir versuchen dadurch, alles Kundenwünsche zu bedienen. Letztendlich entscheidet die Kundinmoder der Kunde, welche Marke und welche Produktion er bevorzugt.

Welche Produkte findet man auf Gusti Leder?
Angefangen habe ich damals mit Umhängetaschen. Diese Kategorie findet man auch heute noch, ist aber zur Unterkategorie von Taschen geworden. Denn wir bieten auch Aktentaschen, Handtaschen, Laptop und Tablettaschen und Fahrradtaschen an. Dazu kamen im Laufe der Zeit noch Rucksäcke, Reisetaschen und Utensilien, Lederschreibwaren, wie Bücher oder Federmappen, und Accessoires, wie Gürtel oder Portemonnaies. Wir bieten auch Fremdmarken an, wie “Joop” oder “Cowboysbag” Allerdings sollen die nur ein zusätzliches Adon sein

Gusti Leder, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir wollen nicht die Größten werden. So viel steht fest. Wir wollen eher bekannter werden in den vielen Nischen, die wir heute schon erfolgreich besetzen. Dazu gehören Fahrradtaschen, Tabaktaschen, Fototaschen bei “Gusti Leder studio” und die nachhaltige Produktion bei “Gusti Leder nature”. Wenn wir es dann noch schaffen diese langlebigen Lederprodukte mit Namen von unseren KundInnen zu gravieren, würde ein langersehnter Traum in Erfüllung gehen. Nicht nur (irgend)eine Gusti, sondern Deine Gusti.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Denkt nicht lange nach, sondern fangt klein an und guckt, ob sich da etwas entwickelt. Ansonsten fangt mit einer neuen Idee an, die ihr auch interessant findet. Das könnt ihr am besten, wenn Ihr noch StudentIn seid oder eine Teilzeitstelle habt. So bleibt das Risiko gering und Ihr könnt in Ruhe wachsen. Mit Crowdfunding könnt Ihr Euer Produkt oder Eure Idee sehr gut evaluieren und seht so, ob Ihr auf dem richtigen Weg seid. Ganz wichtig ist, dass Ihr Euch andere Meinungen einholt und ganz viel austauscht. Dies geht am besten an Gründerstammtischen, Meet Ups, CoWorkingspaces und alles, was Eure Stadt sonst noch hergibt

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Christian Pietsch für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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