Nach Schweizer Abstimmung

Deutsche Debatte um Grundeinkommen nimmt Fahrt auf

Ernüchterung sieht anders aus. Selbstbewusst bezeichnet Daniel Häni, Initiator des Schweizer Referendums, das Ergebnis des vergangenen Sonntags als sensationellen Erfolg. Dass am Ende 23% der Schweizer Bürger*innen für ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) stimmten, deutet er als Etappensieg auf dem Weg zur Einführung des BGE. Auch die Mehrheit der Schweizer*innen (69%) rechnet mit einer weiteren Abstimmung zum Grundeinkommen in den nächsten Jahren.

In Deutschland erfährt das Thema auch ohne Abstimmung eine breite Öffentlichkeit und wird heiß diskutiert. Eine gerade veröffentlichte repräsentative Umfrage zeigt, wie hoch die Zustimmung in der Bevölkerung bereits ist: Knapp jede*r dritte von vier Deutschen spricht sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus.1

Die Idee kommt in Deutschland gut an
An der vom Berliner Verein Mein Grundeinkommen e.V. in Auftrag gegebenen und vom Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführten Befragung nahmen 2033 Personen teil. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens kommt in Deutschland gut an. 73% der Befragten geben an, die Idee des BGE prinzipiell zu befürworten. Nur 21% lehnen die Idee ab. Dass trotz der allgemeinen Zustimmung noch Diskussionsbedarf besteht, zeigt sich daran, dass 44% der Menschen in Deutschland noch offene Fragen zum Grundeinkommen haben.

Zustimmung über alle parteipolitischen Präferenzen hinweg
Besonders Personen mit niedrigem Einkommen und Bildungsgrad wünschen sich BGE. Alter und Geschlecht der Befragten spielen hingegen keine entscheidende Rolle. Die parteipolitische Präferenz wirkt sich zwar auf den Grad der Zustimmung aus (z.B. bevorzugen Wähler*innen der Partei DIE LINKE ein BGE stärker als Wähler*innen der CDU/ CSU). Erstaunlich ist jedoch, dass über alle parteipolitischen Präferenzen hinweg die Zustimmung zum BGE überwiegt.

Vertrauen in die eigene Arbeit, aber nicht in die Arbeit anderer
Mit Blick auf den häufig angebrachten Einwand “Dann geht ja keiner mehr Arbeiten”, kommt die Studie zu interessanten Ergebnissen. Die große Mehrheit der Befragten (82%) gibt an, man selbst wolle mit BGE weiterhin einer Erwerbsarbeit nachgehen. Nur 8% würden mit einem BGE aufhören zu arbeiten. Allerdings ist das Vertrauen in die Mitbürger*innen weniger stark: Die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass die meisten Menschen in einer Grundeinkommens-Gesellschaft nicht mehr arbeiten würden.

Grundeinkommen fördert Produktivität und Familienleben
Insgesamt wird das BGE als Anstoß zu mehr Produktivität gesehen: So glauben die Befragten, BGE würde ihnen zu mehr Selbstbestimmung verhelfen (26%) sowie mehr Zeit für die Familie beziehungsweise eine Familiengründung (25%) ermöglichen. Außerdem versprechen sich viele von einem BGE beruflichen Antrieb. So gibt ein Teil an, sich im Falle einer Umsetzung eine ähnliche Tätigkeit unter besseren Arbeitsbedingungen zu suchen (20%), in Weiterbildung zu investieren (19%) sowie die berufliche Selbstständigkeit zu wagen (17%). Lediglich 11% würden sich erstmal eine Auszeit nehmen.

Wachsende Zustimmung in Politik und Gesellschaft
Mit der gesellschaftlichen Debatte um Grundeinkommen in der Schweiz und in Deutschland fordern zunehmend auch prominente Politiker*innen und führende Ökonom*innen öffentlich die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Neben dem ehemaligen Ministerpräsidenten Thüringens, Dieter Althaus (CDU), Linke-Franktionschefin Katja Kipping und dem Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele (Grüne) sprechen sich unter anderem auch Götz Werner (Gründer der Drogeriemarktkette dm), Timotheus Höttges (Vorsitzender der Deutschen Telekom AG) sowie SAP-Vorstand Bernd Leukert für ein Grundeinkommen in Deutschland aus. Ströbele plant, das Grundeinkommen sogar zum zentralen Thema der Grünen im Bundestagswahlkampf zu machen.

Bild: Mein Grundeinkommen

 

Quelle Mein Grundeinkommen e.V.

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