Geld für grüne Ideen

Nachhaltige Start-ups kommen häufig schwer an Kapital. Beteiligungen von Förderbanken können eine Lösung sein 

Der aktuelle Green Startup Monitor (GSM) zeigt: 36 Prozent aller Start-ups lassen sich anhand eigener Aussage der Green Economy zuordnen, rund 21 Prozent sind sogar umfassend nachhaltig aufgestellt, von der Unternehmensstrategie bis zu den KPIs. Sie leisten mit ihren Produkten und Dienstleistungen nachweislich einen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz. So gesellschaftlich wichtig diese neuen Unternehmen sind, so schwierig gestaltet sich für sie allerdings oft die Suche nach Kapital. Laut GSM nennt rund die Hälfte der innovativen Greentech-Start-ups die Finanzierung als größte Herausforderung. 

Die Gründe dafür können unterschiedlich sein. Zum einen haben Start-ups meist keine großen Rücklagen, zum anderen ist ihr Geschäftsmodell oft noch nicht völlig ausgereift – beides Voraussetzungen, die den Zugang zu Bankkrediten erschweren. Ein Start-up auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, ist jedoch unabdingbar, um nicht zu scheitern. Deshalb können grüne Start-ups statt auf Fremdkapital auch auf Eigenkapital setzen – etwa von Förderbanken. Die NRW.BANK finanziert über ihre eigene Seed-Fonds-Initiative und den „NRW.BANK.Venture Fonds“ sowohl innovative Start-ups in der Entwicklungs- oder frühen Startphase als auch junge Unternehmen beim Wachstum. Voraussetzung dafür ist, dass ein privatwirtschaftlicher Investor zu denselben Bedingungen einsteigt. Daneben investiert die Förderbank für Nordrhein-Westfalen auch als Ankerinvestor in private Venture-Capital-Fonds. 

Beteiligungen können Türen öffnen

Oft öffnet die Beteiligung einer Förderbank Türen, die vorher verschlossen waren. So geschehen beim Greentech-Start-up Saperatec aus Bielefeld. Das Unternehmen hat Trennflüssigkeiten entwickelt, mit denen sich Verbundmaterialien in Verpackungen voneinander trennen und so recyclen lassen. Um eine Pilotanlage zu finanzieren, suchten die Gründer Investoren. Die NRW.BANK ließ sich von der nachhaltigen Idee überzeugen und beteiligte sich mit ihrem Venture-Capital-Fonds an Saperatec. Die Ergebnisse des Piloten begeisterten weitere Geldgeber, und Ende 2019 stieg auch der Kosmetik- und Klebstoffhersteller Henkel bei dem Start-up ein.

Das Beispiel zeigt: Eine Förderbank als Ankerinvestor sorgt oft für das nötige Vertrauen, das Investoren für eine finanzielle Beteiligung brauchen. Da jeder Euro staatlicher Förderung mehr als fünf Euro an privatem Kapital aktiviert, bewegt die NRW.BANK auf diese Weise fast 1,2 Milliarden Euro an Wagniskapital – ein großer Hebeleffekt. Und wenn das Eigenkapital wächst, steigt auch die Kreditwürdigkeit, was die Akquisition von Fremdkapital erleichtert. 

Verbindung mit Vorteilen für beide Seiten

Eine Finanzierung über Beteiligungskapital lohnt sich für beide Seiten: Der private Kapitalgeber profitiert durch Wertsteigerung, Veräußerungsgewinne und den Zugang zu Innovationen, neuen Produkten und Geschäftsmodellen. Das junge Unternehmen von den Branchenkenntnissen und dem Netzwerk des Investors. Studien zeigen, dass durch Venture Capital finanzierte Unternehmen deutlich schneller wachsen als vergleichbare Start-ups – was Umsätze und Gewinne angeht, aber auch hinsichtlich der Mitarbeiterzahlen.

Eigenkapital kann ein Unternehmen auch in einer Ausnahmesituation stabilisieren. Ein Beispiel dafür ist CropZone aus Aachen. Das Start-up hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Landwirte auf Pestizide verzichten können, indem sie Unkraut auf Äckern mit Strom bekämpfen. In der Corona-Pandemie geriet das 2019 gegründete Unternehmen unter Druck: Ein großer Auftrag wurde verschoben, gleichzeitig liefen die Kosten für Forschung und Entwicklung weiter. In dieser Situation half CropZone ein Wandeldarlehen aus dem Förderprogramm „NRW.Start-up-akut“, das die NRW.BANK aufgelegt hat. Als Darlehen, das in Zukunft in eine Beteiligung umgewandelt werden kann, ist es eine Mischform aus Fremd- und Eigenkapital. 

Netzwerke nutzen

Darüber hinaus spielt die win NRW.BANK Business Angels Initiative in der Förderung junger, technologieorientierter Unternehmen eine wichtige Rolle. Sie greift auf rund 250 Privatinvestoren zurück und vernetzt diese mit qualifizierten Kapital suchenden Start-ups. Der Zusammenschluss gilt als stärkstes Netzwerk von privaten Kapitalgebern in Nordrhein-Westfalen.

Bei Greentech-Start-ups steht Nordrhein-Westfalen bereits gut da: Laut GSM sind bereits 23 Prozent der Gründungen in NRW umfassend grün, mehr als in Bayern und Berlin. Damit auch in Zukunft keine gute grüne Idee an der Finanzierung scheitert, wird die NRW.BANK innovative Start-ups auch weiterhin mit Eigenkapital, Beratung und Kontakten unterstützen. Und mit einer Bühne wie dem „GRÜNDERPREIS NRW 2020“ , den sie gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium NRW ausrichtet. Eines der Kriterien für die Bewertung der jungen Unternehmen, die sich bewerben: die Übernahme ökologischer Verantwortung. 

Autor: Michael Stölting

Michael Stölting ist Mitglied des Vorstands der NRW.BANK. Der gebürtige Kölner verantwortet in der Förderbank für Nordrhein-Westfalen die Bereiche Förderberatung & Kundenbetreuung, Kapitalmärkte, Eigenkapitalfinanzierungen sowie Spezialfinanzierungen und ist zudem der Regionalvorstand für das Rheinland.
www.nrwbank.de

GRÜNDERPREIS NRW 2020

Unternehmensgründer aus Nordrhein-Westfalen können sich noch bis zum 21. September für den GRÜNDERPREIS NRW 2020 bewerben. Die NRW.BANK und das Wirtschaftsministerium NRW richten den Wettbewerb bereits zum neunten Mal gemeinsam aus. Er zählt mit einem Preisgeld von insgesamt 60.000 Euro zu den bundesweit höchst dotierten Wettbewerben für Gründerinnen und Gründer und wird am 30. November in Düsseldorf vergeben. www.gruenderpreis.nrw

Bildquelle NRW.BANK/Christian Lord Otto

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