Donnerstag, Dezember 9, 2021

Warum muss man Startups als Wettbewerbstreiber heute unbedingt ernst nehmen?

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Markus Elsässer
Markus Elsässer ist 49 Jahre jung, Medienunternehmer, Investor, Mentor, Petrolhead Verleger und Herausgeber des StartupValley Magazins.

Gregor Gimmy Gründer und CEO von 27pilots, Speaker auf dem Innovatour Kongress 23.03.2021 – 26.03.2021, im Interview

Stellen Sie sich doch bitte kurz vor!

Mein Name ist Gregor Gimmy und ich bin Gründer und CEO von 27pilots. Ich habe den Begriff “Venture Client” geprägt und das erste Venture-Client-Modell als Innovationsmanager bei BMW entwickelt und umgesetzt. Basierend auf dem Erfolg dieses neuen Corporate-Venturing-Modells bei BMW, habe ich 27pilots gegründet. Unser Ziel ist es Unternehmen zu helfen, die strategische Relevanz von Startups für sich zu erkennen, und mit unseren Venture-Client-Enterprise-Solutions Wettbewerbsvorteile über Startup-Partnerschaften und M&A zu erlangen.

In meiner Rolle bei 27pilots bin ich für die Strategie und das Wachstum verantwortlich. Die Weiterentwicklung und Verbesserung unserer Lösungen, und der enge Kontakt zu unseren Kunden, wie z.B. BMW und Bosch, ist für mich die Basis des Erfolges. Wir sind aktuell der weltweit führende Anbieter von Venture-Client-Enterprise-Solutions bestehend aus Diensten, Technologien und Daten, und das wollen wir auch bleiben. Zudem engagiere ich mich in der Publikation, Forschung und Lehre an führenden internationalen Business Schools.

Im Speziellen engagiere ich mich als Executive in Residence an der IMD Business School und bin sowohl Co-Autor von Fallstudien, als auch Gastdozent an der INSEAD Business School. Meine akademische Forschung über Startup-Enabled Competitiveness ist hauptsächlich in Zusammenarbeit mit Prof. Andreas König an der Universität Passau entstanden. Mit ihm habe ich z.B. die erste akademische Publikation über das Venture Client Modell mitverfasst, welche in der Harvard Business Review Ausgabe 7/2016 veröffentlicht wurde. Außerdem trete ich gerne als Redner auf Startup-relevanten Konferenzen wie Slush, Websummit, 4YFN und DLD auf.

Ich habe an der TU Stuttgart, Harvard und am American Conservatory Theater in San Francisco studiert.

Heute lebe ich mit meiner Frau und meiner Tochter in München – ein großartiger Ort, nicht nur um Unternehmen zu gründen (viele Venture-Kunden in der Nähe ;)), sondern auch um einige der beeindruckendsten Naturschauspiele durch Ausdauersport zu genießen.

Stellen Sie doch kurz Ihr Unternehmen vor!

Gregor Gimmy: Wir streben danach mit unseren Venture-Client-Enterprise-Solutions das derzeit praktizierte Corporate-Venturing zu revolutionieren bzw. um ein sehr effizientes Managementinstrument zu erweitern. Sollten Sie es noch nicht kennen, möchte ich es Ihnen kurz erläutern. Eine Venture-Client-Einheit ermöglicht es Unternehmen, neueste Technologien und modernste Top-Startup-Lösungen in großem Maßstab einzusetzen, um Herausforderungen abteilungs- und bereichsübergreifend schnellstmöglich zu lösen. Dabei tritt das Unternehmen erst einmal nicht als Investor auf, sondern als Kunde, der dabei die Möglichkeit hat, auch noch von maßgeschneiderten Lösungen strategisch zu profitieren. Eine klassische Win-Win-Situation. Das Unternehmen treibt Innovationen in einem noch nie da gewesenen Tempo und mit wesentlich geringerem Risiko und geringeren Kosten voran, als dies durch traditionelle Venture-Capital-Instrumente wie CVC möglich ist.

Das Startup sichert sich einen großen Kundennamen ohne IP oder Unternehmensanteile zu verlieren. Darüber hinaus kommt es direkt an die richtigen Stakeholder innerhalb des Unternehmens, ohne viel Zeit zu verlieren. Wie Sie wissen, einer der größten Pain-Points, mit dem sich viele Gründer herumschlagen müssen. Mit dieser Idee konnten wir bereits namhafte Kunden gewinnen und von unserem erfolgreichen Prozess überzeugen: u.a. BMW, LafargeHolcim, Bosch, Giesecke & Devrient, Otto, CAF und Signal Iduna. Zwei unserer Kunden, die BMW Startup Garage mit Bernhard Schambeck, als auch der LH Startup MAQER mit Bengt Steinbrecher, werden auf dem Kongress noch detailliertere Einblicke in unser Modell und dessen Erfolge geben.

Wer ist eure Zielgruppe?

Gregor Gimmy: Wir sind ein B2B-Unternehmen und haben uns bisher hauptsächlich auf Konzerne fokussiert. Das liegt daran, dass 27pilots ein BMW-Spin-Off ist. Aus meiner Erfahrung bei BMW weiss ich, dass große Unternehmen den Schmerz fehlender Startup-Technologien besonders spüren. Zudem haben diese oft enttäuschende Erfahrungen mit anderen Venturing-Modellen gemacht, wie z.B. Acceleratoren, die von Anbietern wie Plug & Play oder Techstars als Wunderwaffe verkauft werden, die aber keinen messbaren Impact liefern. Viele kennen also das Problem, dass die Startups zwar relevant sind, aber man als Konzern keinen strategischen Vorteil über diese erringen kann. Startups sind jedoch eine riesige Chance Wettbewerbsvorteile zu erlangen. Wenn man es richtig macht, sind Startups ein echter Game-Changer – sie bieten einen strategischen Vorteil, sind eine sofortige Schmerzlinderung, und dank dem Venture-Client-Prozess ist die Integration führender Startup-Technologien mit viel Spaß und Drive verbunden!

Nachdem wir nun branchenübergreifend bei sehr anspruchsvollen Corporates bewiesen haben, dass unsere Lösung funktioniert, sind wir nun dabei Strukturen aufzubauen, die es uns ermöglichen in der DACH-Region zu wachsen und auch in die USA und Asien zu expandieren. Wir sind der Überzeugung, dass auch der Mittelstand mit seinen vielen „Hidden Champions“ gleichermaßen von unserem Modell profitieren kann, um ihre Wettbewerbsposition im Markt weiter zu festigen und den Vorsprung durch strategische Startup-Integrationen weiter auszubauen.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit den Startups durch Corona verändert?

Gregor Gimmy: Die Rolle und Relevanz von Startups für unsere Konzernkunden hat sich während Corona bestätigt und sogar verstärkt. Zum ersten Lockdown, am 13. März 2020, haben wir die Initiative StartupsAgainstCorona.com gestartet. Innerhalb von wenigen Wochen haben sich auf dieser “Venture-Client-Plattform” dutzende von Weltkonzernen zusammengetan -von BMW, bis Airbus, Bayer, und Dupont- um geschlossen bei Startups nach Lösungen für Corona-induzierte Probleme zu finden. Über 450 Startups, mit kumulierten VC-Funding von über 6 Milliarden, bieten über Startups-Against-Corona Lösungen an. Check it out!

Was genau bekommen die Startups bei euch?

Gregor Gimmy: Bei uns nichts, aber dank uns genau das, was sie brauchen! Wir helfen Konzernen, komplexe Wettbewerbsprobleme zu lösen, mit Hilfe von Startups, die diese Probleme auch am besten lösen können. Wie? Indem wir Venture-Client-Einheiten -wie die BMW Startup Garage oder den LH Startup MAQER aufbauen und mit Services, Technologien und Daten unterstützen. Venture-Client-Einheiten, die 27pilots aufgebaut hat, sind das Eingangstor zu über 100 Mrd., die Corporations pro Jahr ausgeben um Probleme zu lösen.

Startups profitieren von den Venture-Client-Einheiten in vielerlei Hinsicht. Man kann es letztendlich mit einer kleinen Metapher vergleichen: Startups setzen sich an den fertig gedeckten Tisch, mit allen Stakeholdern, die für ihr Problem entscheidend sind. Sie bekommen einen konkreten Use-Case inklusive entscheidungskritischer KPIs – so aufbereitet, dass sie ihr Angebot und ihre Technologie direkt anwendungsfallspezifisch und somit maßgeschneidert anbieten können. Sie müssen sich darüber hinaus nicht mit der Suche nach den richtigen Ansprechpartnern und internen Stakeholdern des Unternehmens beschäftigen, da wir bereits alle Stakeholder informiert und im vorgesehenen Projekt integriert haben.

Im gesamten Prozess ist die Venture-Client-Einheit der direkte Ansprechpartner und führt sowohl das Startup, als auch die Fachabteilungen möglichst geradlinig und schnell durch unseren Prozess. Sollte das Startup für das Unternehmen die gewünschte Lösung parat haben und in einem Pilotprojekt erfolgreich validiert werden, bekommt das Startup durch den Venture-Client „fast track“ eine Lieferantennummer. Ich denke, es war noch nie so einfach und zielführend für junge Unternehmen Referenzkunden zu gewinnen. Ich spreche da aus eigener Erfahrung – und das macht uns stolz.

In welchen Ländern seid Ihr aktiv?

Gregor Gimmy: Wir haben derzeit Kunden mit Sitz in Deutschland, Schweiz, Spanien und Holland. Alle unsere Kunden sind global agierende Konzerne, die international aufgestellt sind. Wir sind nicht ortsgebunden und können somit weltweit operieren. So haben wir bereits viele globale Projekte, unter anderem in Mexiko, Tansania, Großbritannien, usw. für unsere Kunden umgesetzt.

Zu welchem Thema werden Sie auf dem Innovatour-Kongress referieren?

Gregor Gimmy: Mein Hauptthema wird die Bedeutung von Startups für die Wettbewerbsfähigkeit von Konzernen sein. Ich hoffe, vielen die Augen zu öffnen, was für ein wahnsinnig großes Potenzial in Startups liegt. Unter anderem möchte ich den Zuhörern Antworten auf folgende Fragen liefern:

Warum muss man Startups als Wettbewerbstreiber heute unbedingt ernst nehmen?

Wie kann man möglichst schnell, kostengünstig und risikoarm von Startups profitieren?

Was ist der konkrete Unterschied des Venture-Client-Modells zu den gängig angewandten Methoden (Corporate-Venture-Capital, Accelerator, etc.)

Wo sehen Sie sich in den nächsten 5 Jahren?

Gregor Gimmy: In fünf Jahren sehe ich, das Venture-Client-Modell als Standard im Corporate-Venturing, das das strategische Corporate-Venture-Capital ersetzt hat. CVC wird für Corporate-Venture-Client stehen, und globale Unternehmen werden dedizierte CVC-Einheiten haben.

Unsere Lösungen werden nicht nur von uns angeboten und vertrieben, sondern auch von Dienstleistern weltweit, wie z.B. von den Big 4.

Wir werden globale Präsenz haben, um auch Konzerne in den USA und in Asien zu unterstützen, Venture-Client-Kompetenzen aufzubauen.

Wir bedanken uns bei Gregor Gimmy für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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