Fokussiert euch!

gradar: Stellenbewertung einfach gemacht

Stellen Sie sich und das Startup QPM doch kurz unseren Lesern vor!
Mein Name ist Philipp Schuch, ich bin Gründer und Geschäftsführer der QPM GmbH aus Düsseldorf und blogge darüber hinaus zu Vergütung und evidenzbasiertem HR-Management. Wir sind ein HR-Tech-Startup, das mit www.gradar.com ein webbasiertes System zur Stellenbewertung entwickelt und als Software as a Service weltweit vertreibt..

Diese Spezialsoftware für den Personalbereich eignet sich vor allem für Unternehmenskunden bzw. Organisationen mit einem ausgeprägten außer- oder übertariflichen Gehaltsgefüge. Gegründet wurde die QPM GmbH von Ralf Kuklik und mir, zwei Experten für Arbeitsbewertung und Vergütungsberatung mit der Unterstützung von Silke Aumann, einer erfahrenen HR-Praktikerin und Vordenkerin von HR-Analytics.

Wie ist die Idee zu gradar entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Die Idee zu einem „Open Grading System“, so der erste Arbeitstitel, ist vor 2012 aus der Unzufriedenheit mit den Macken und Kosten bestehender Systeme entstanden. Im Februar 2012 habe ich dann auf dem ersten HR Barcamp in Berlin eine Session gehalten, Feedback eingeholt und die folgenden Erkenntnisse gewonnen:

1. Es ist ein Spezialthema, von dem kaum jemand Ahnung hat.
2. Es wird komplexer und aufwändiger als gedacht, ein modernes und besseres System zur Stellenbewertung zu entwerfen als das was sich seit den 50er Jahren auf dem Markt tummelt.
3. Ein Open Source Ansatz wird kaum finanzierbar sein, so dass ich gleich auf Kommerzialisierung setzen sollte.
4. Ich kann nicht alles alleine tun und brauche schlaue Leute an meiner Seite.

Silke und ich hatten uns 2008 als Kollegen in einer Unternehmensberatung kennengelernt. Ehrenamtlich engagierten wir uns beide ab etwa 2010 für die Plattform OpenNetworX.org, mit der wir u.a. der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zu einem sozialen Netzwerk für deren Initiative Senkrechtstarter  verhalfen. Ralf war seitens der KAS Projektleiter und nach dem ersten Kennenlernen war klar, dass dies der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein würde.
Kurzum, wir sind Freunde, Kollegen und Gleichgesinnte, die an die Chancen von Technologie, Empowerment und qualitativ hochwertiger sowie evidenzbasierter Arbeit glauben.

Ralf, der inzwischen auch Erfahrung als Datenanalyst sowie Vergütungsberater gesammelt hatte, begann 2014 mit der Erforschung und Entwicklung des Algorithmus sowie der Anforderungskriterien an die Stellenbewertung. Silke hat die Tests inhaltlich sowie mit Hilfe von statistischen Methoden begleitet. Ich selbst habe mich neben der Gründung und Finanzierung des Unternehmens vor allem auf die Rolle als kritischster Kunde fokussiert und dafür Sorge getragen, dass wir genau das System bauen, das ich mir selbst immer schon gewünscht hatte.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Wir haben auf externe Gelder verzichtet und uns komplett aus eigenen Mitteln finanziert. Somit haben wir von Vornherein gelernt sparsam und effektiv zu wirtschaften und spüren keinen Investor im Nacken, der eine bestimmte Geschäftsentwicklung sehen möchte. Das spart unglaublich viel Zeit, die sonst für die x. Iteration des Business Plans, die Teilnahme an irgendwelchen halbgaren Pitch-Events usw. drauf gegangen wäre. Wir können uns daher auf unser eigenes, unabhängiges Geschäft und den Dienst am Kunden fokussieren.

Bei der Entwicklung der Software haben wir konsequent auf Outsourcing mit exzellenten Entwicklern gesetzt und durch die frühzeitige Einbindung von befreundeten Nutzern und erster Kunden recht viel Geschick bei der Produktentwicklung bewiesen.

Am meisten Gedanken mache ich mir immer darüber, ob wir denn genug Marketing betreiben, ob wir im Vertrieb richtig aufgestellt sind und ob wir mit mehr Investitionen schneller wachsen könnten. 2015 haben wir z.B. 10.000 EUR für die Teilnahme an der Fachmesse Zukunft Personal verbrannt und ein Mehrfaches davon für klassische Pressearbeit ausgegeben. Der Effekt war gleich null.
Von Beginn an haben wir aber glücklicherweise auch schon konsequent auf SEO und Adwords gesetzt und darüber unsere ersten Kunden und Referenzen gewonnen. Aus einer Kosten-Nutzen-Sicht war dies viel effizienter.

Den richtigen Marketing-Mix zu finden, habe ich als Herausforderung empfunden. Darüber hinaus ist es ebenfalls herausfordernd gute Vertriebs- und Implementierungspartner zu identifizieren und zu qualifizieren. Da sind wir mittlerweile aber auf einem sehr guten Niveau, so dass wir mit deren Hilfe auch erfolgreich in Richtung USA expandieren.

Für den eigenen Vertrieb haben wir einen „Technical Sales“-Ansatz entwickelt, d.h. ein Interessent ruft an und wird gleich mit jemandem sprechen, der unser Produkt und die Praxis kennt. Und wenn der Interessent dann eine Demo möchte, können wir diese meist binnen 5 Minuten aufsetzen. Das schafft kein Wettbewerber.

Wer ist die Zielgruppe von gradar?
Je größer und komplexer ein Unternehmen ist,

– desto schwieriger und langwieriger werden die Entscheidungsprozesse,
– desto verbreiteter ist Risikoaversion,
– und desto günstiger für die eigene Karriere sind CYA-Strategien.

gradar-stellenbewertung QPMDaher gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Konzernen und jungen Unternehmen häufig als schwierig. Wir können z.B. angesichts unserer günstigen Preisstruktur und unseres technischen Vertriebsmodells weder mit den Vorständen zur Beziehungspflege Golf spielen noch Unsummen in die Markenbildung investieren. Stattdessen überzeugen wir auf der Sachebene und mit einem fachkundigen sowie schnellen Service und Vertrieb.
Unsere Zielgruppe sind mittelständische Unternehmen, wobei wir den Begriff Mittelstand sehr Deutsch interpretieren und im gehobenen Mittelstand durchaus Kunden mit internationalen Konzernstrukturen aufweisen können.

Zu uns passen insbesondere jene Anwender, die sich nicht in die Abhängigkeit von Beratern begeben oder aus einer solchen Abhängigkeit und den damit einhergehenden Kosten durch einen Systemwechsel lösen möchten.

Wie funktioniert gradar?
Bei der Stellenbewertung geht es darum, die Anforderungen einer Stelle zu analysieren und mit standardisierten Kriterien zu bewerten. Stellen mit vergleichbaren Anforderungen wird dann das gleiche Grade (Anforderungsniveau) zugeordnet.
Stichwort: „gleichwertige Arbeit“

Dieses Grade kann mit Hilfe einer Lohn- und Gehaltsstruktur in die Zahlungsbereitschaft und -fähigkeit des Unternehmens übersetzt werden, so dass die Vergütung der Mitarbeiter auf Basis von transparenten und fairen Kriterien differenziert werden kann.
Stichwort: „Entgeltgerechtigkeit / Equal Pay“

Darüber hinaus eignen sich die Ergebnisse, um weitere Prozesse der Personalarbeit zu beschleunigen, indem etwa die Anforderungen an eine Stelle z.B. für das Recruiting transparent gemacht werden. Eine gezielte Nachfolgeplanung und Karriereentwicklung von Mitarbeitern lässt sich ebenfalls auf den Ergebnissen basieren.
Wir bewerten hierzu die Stellen in drei Laufbahnen:

– Fachlaufbahn
– Projektmanagement
– Führungslaufbahn

deren Bewertungsergebnisse gleichwertig sind. Das System wird in mehr als 10 Sprachen angeboten und lässt sich problemlos international einsetzen.

Welche Vorteile bietet gradar?
Unsere Kunden mögen uns, weil das System sehr verständlich und gut bedienbar ist. Die Software ist vergleichsweise günstig und bietet mit zahlreichen Sprachversionen und einer weitreichenden Kompatibilität zu Vergütungsstudien und Tarifverträgen viel mehr als unsere Wettbewerber, ohne dass wir einen Aufpreis dafür verlangen würden.

Darüber hinaus setzen wir auf das Empowerment unserer Kunden, eine flexible Anpassung der Applikation, Geschwindigkeit und Qualität sowie natürlich den Schutz der Daten nach deutschen Standards.

QPM, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir werden weitere Kunden im In- und Ausland gewinnen, unser Partnernetzwerk ausbauen und qualifizieren, die Software funktional erweitern und zahlreichen Unternehmen zu modernen und benachteiligungsfreien Entgeltsystemen sowie einer Grundlage für HR Analytics und evidenzbasiertes HR Management verhelfen. Wir sind Unternehmer, einen Exit streben wir daher nicht an.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1. Fokussiert euch,
2. seid gute Kaufleute und gebt nicht mehr Geld (anderer Leute) aus als unbedingt notwendig,
3. und überlegt euch gut, in welcher Lebensphase ihr gründen wollt. Denn mit zwei kleinen Kindern, einem permanenten Gig in der Linie eines Mittelständlers, vielen Interessen auch jenseits der Startup-Blase, kann die Gründung einer eigenen Firma ganz schön an die Substanz gehen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Philipp Schuch für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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