Eine gewisse Hartnäckigkeit

GovRadar Public Procurement 2.0 verbindet KMU und Startups mit Behörden

Stellen Sie sich und das Startup GovRadar doch kurz unseren Lesern vor!

Mein Name ist Sascha Soyk, ich bin 35 Jahre alt und lebe in München. Bevor ich GovRadar gegründet habe, war ich in einer strategischen Vertriebsrolle bei Palantir beschäftigt. Davor habe ich für das Verteidigungsministerium in Berlin den Bundeswehr Cyber Innovation Hub mit aufgebaut. Ich bin Reserveoffizier und meine erste berufliche Station nach dem BWL-Studium war in der Strategieberatung bei Roland Berger. 

Mit der Online-Plattform ermöglichen wir Behörden eine effiziente Markterkundung und die Gelegenheit, Software-Lösungen anonym zu testen. Wir sorgen dafür, dass auch Produkte von Startups und kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) auf dem Radar der öffentlichen Beschaffer landen. Häufig sind das die innovativsten Lösungen, die aber nicht gesehen werden, weil diese Unternehmen keine dedizierten Sales-Teams für den öffentlichen Sektor haben. Oder weil sie schlicht abgeschreckt sind von den langen Sales-Zyklen und der Prozessintransparenz. Durch GovRadar heben wir die wirklichen Innovationen auf den Radar der Behörden und bringen so die allseits proklamierte Digitalisierung voran. 

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Ich kenne beide Seiten der von uns entwickelten Plattform: Sowohl die Perspektive der Softwareunternehmen habe ich kennengelernt. Als auch die Arbeit für eine Bundesbehörde samt aller rechtlichen Auflagen und oftmals schmerzhaften Prozesse. In der Anfangs- und Aufbauphase des Bundeswehr Cyber Innovation Hub habe ich selbst erfahren müssen, wie schwierig, langwierig und auch nervenzehrend Vergabeverfahren im öffentlichen Sektor sind. 

Welche Vision steckt hinter GovRadar?

Wenn Beschaffung von Software mehrere Jahre dauert, ist das für die Behörden frustrierend, weil sie nie die neueste Technologie erhalten. Für KMU ist es anstrengend und viele können sich den langen Atem gar nicht leisten. Und nicht zuletzt ist es für den Steuerzahler eine Vollkatastrophe, dass Technologie teuer eingekauft wird, die nicht mehr „State of the Art“ ist. Dieser Problemstellung wollen wir mit GovRadar entgegenwirken. Langfristig wollen wir eine Plattform für „Public Procurement 2.0“ schaffen und Beschaffung der öffentlichen Hand revolutionieren.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Eine große Herausforderung war zu Corona-Lockdown-Zeiten und ist es bedingt weiterhin, Behörden gezielt zu erreichen und ihr Feedback einzuholen. Weiterhin sind nur ganz wenige Investoren offen oder gar spezifisch ausgerichtet auf den GovTech-Markt. Das scheint in anderen Ländern schon attraktiver zu sein. Unser Behörden-Netzwerk, die Erfahrungen in Deutschland und nicht zuletzt ein gewisser Patriotismus gebieten aber, die Unternehmung dennoch hier aufzubauen. Wir sind bislang finanziert durch Eigenmittel und eine Förderung der Regierung Oberbayern. Derzeit suchen wir Investoren, die uns, idealerweise über Wandeldarlehen, eine Finanzierung bis Mitte 2021 geben, um unser Produkt in den Markt tragen zu können.

Wer ist die Zielgruppe von GovRadar?

Unsere Zielgruppe sind Behörden, sowohl auf kommunaler, Länder- und Bundesebene. Hierbei ist uns wichtig, dass wir nicht nur Beschaffer und Vergabestellen ansprechen. Wir wollen ganz bewusst auch die Fachabteilungen, die IT-Abteilung und – vielleicht am wichtigsten – die Nutzer von Software ansprechen. Aus eigener Erfahrung gibt es nichts Schlimmeres, als wenn eine Beschaffung zwar sauber orchestriert und durch den Prozess geschoben wird, am Ende aber die falsche Lösung auf dem Tisch liegt, die kein Nutzer einsetzen will.

Gleichzeitig adressieren wir natürlich Software-Unternehmen. Diese sind aber eher Partner als potenzielle Kunden. Sie stellen ihre Lösungen kostenfrei auf die Plattform.

Wie funktioniert GovRadar? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

GovRadar ist eine Markterkundungsplattform, auf der Anbieter (Softwareunternehmen) und Nachfrager (Behörden) aufeinandertreffen. Für die Akteure aus dem öffentlichen Sektor besteht bei uns die Möglichkeit, effizient zu recherchieren und die verschiedensten Softwarelösungen anonym zu testen. Dabei senken wir die Kosten für die Behörden. Denn oft ist es so, dass für eine Vergabe und die dazugehörige Marktanalyse externe Berater engagiert werden müssen – das ist in der Regel teuer! 

Wie hat sich ihr Unternehmen mit Corona verändert?

GovRadar wurde Anfang März 2020 gegründet. Kurz darauf erfolgte der Lockdown. Das war natürlich eine Einschränkung. Denn das bedeutete: Keine Kundengespräche, keine Messen und keine anderweitigen Events, bei denen man GovRadar hätte präsentieren können. Besonders Behörden waren in der Zeit folglich nur schwer zu erreichen. Junge, dynamische und innovative Software-Unternehmen waren natürlich viel offener hinsichtlich der Kommunikationswege. Ansprachen via LinkedIn und Austausch per Zoom waren kein Problem.

Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Die Gründung erfolgte zum Beginn der Krise. Folglich kannten wir gar keine andere Situation. Wir haben die Zeit der Krise genutzt, um produktiv zu sein und den Marktangang vorzubereiten. So wurde beispielsweise in wenigen Wochen ein erstes MVP erstellt. Nun freuen wir uns, endlich wieder in Deutschland unterwegs sein zu dürfen und auf Kunden zugehen zu können.

Wo sehen Sie in der Krise die Chance?

Auf der einen Seite hat die Krise den Behörden aufgezeigt, wo sie in puncto Digitalisierung noch Nachholbedarf haben. Hier ist man noch weit hinter dem Standard der Wirtschaft zurück. Viele schreiben sich jetzt erst recht auf die Fahnen, dass sie vorankommen und innovative Lösungen einsetzen wollen. Für die Anbieter auf der anderen Seite entsteht hier die Chance, einen stabilen, relativ krisensicheren Markt zu betreten und so auch kurzfristig weggebrochene Aufträge in der Privatwirtschaft auszugleichen.

GovRadar, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Unsere Vision ist, „Public Procurement 2.0“ zu schaffen. In fünf Jahren haben wir hoffentlich nicht nur Behörden geholfen, die richtigen Innovationen zu finden und zu beschaffen. Wir wollen auch den Anbietern den Prozess des Antwortens auf Ausschreibungen erleichtern und automatisieren. Denn das Vergaberecht wird ja weiterhin eine Vorgabe sein, die man auch nicht ändern sollte.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Bevor man gründet, sollte man sich ehrlich nach der eigenen Passion fragen. Das klingt sehr nach Phrasendrescherei, ist aber gerade dann entscheidend, wenn es mal nicht wie geplant läuft und in Märkten, in denen Kunden Authentizität schätzen. Zweitens sollte man sich eine gewisse Hartnäckigkeit zulegen. Denn man ist regelmäßig daran erinnert, dass eine eigene Unternehmung ja kein einfacher Sprint, sondern ein holpriger Marathon ist. Und drittens würde ich immer dafür sorgen, mich mit den richtigen Mitstreitern aber auch Mentoren und Coaches zu umgeben. Das Team ist entscheidend. Alleine packt man es nicht und es macht das Unternehmersein so viel attraktiver, wenn man von anderen lernt! 

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Sascha Soyk für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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