Learning by doing

Glüxgefühl Business- und Event Catering

Stellen Sie sich und Ihren Weg mit Glüxgefühl kurz für unsere Leser vor.  

Mein Name ist Cem Yilmaz und ich bin gelernter Gastronom und Inhaber von Glüxgefühl – einem Business- und Event Catering. Als ich 20 Jahre alt war, startete ich mit einem klassischen Store im Prenzlauer Berg. Ein Jahr nach Gründung des ersten Stores folgte der zweite in Schöneberg. Hierbei handelte es sich allerdings um eine Produktionsküche für online Orders. Da habe ich meine ersten Erfahrungen im online Delivery gemacht. Nach einer gewissen Zeit sind mir die beiden Stores allerdings etwas über den Kopf gewachsen, vor allem aufgrund meines jungen Alters und meiner Unerfahrenheit. Daraufhin folgten mehrere Kaufangebote für beide Stores und ich habe letztendlich ein Angebot für den ersten Store angenommen.

Aufgrund meiner eigenen Erfahrung als Inhaber habe ich gesehen, dass man als Gastronom an vielen Stellschrauben drehen muss – es aber recht schwer ist, die notwendige Zeit dafür aufzubringen. Eine riesen Baustelle bei der Gründung und dem Aufbau im Food Segment ist natürlich das Marketing. 2012 war Onlinemarketing über Social Media in Deutschland noch nicht so etabliert. In meiner Tätigkeit als Berater hatte ich viele Gespräche mit Hoteliers und Restaurantinhaber. Das Thema Social Media war immer präsent. Deshalb habe ich 2016 gemeinsam mit einem Partner die Werbeagentur Appateat (Marketing für Hotel und Gastronomie) gegründet, zu deren Kunden mittlerweile u. a. die Titanic Hotel Kette gehört.

Dadurch kam ich dem Onlinemarkt der Food Branche noch näher.

Bis 2018 habe ich in meiner Agentur die Bereiche Business Development und Finance geleitet und war in meiner kurzen Tätigkeit bei der Vertical Food GmbH mit ihren Ghostkitchens und damals noch 60 Mitarbeitern ebenfalls im Bereich Business Development und Finance tätig. In dieser Position konnte ich mein Wissen in der online Food Branche erweitern – bis dann Ende 2018 für mich klar war, dass wir jetzt bereit sind neu mit Glüxgefühl zu starten und unsere Pläne in die Tat umzusetzen:

So entstand Glüxgefühl.de wie wir es heute haben. Und seitdem wir das online Catering 2018 gestartet haben, unterstützt mich auch mein Geschäftspartner Mesut Yigit, ebenfalls ein erfahrener Gastronom, der in renommierten Hotels und Restaurants gelernt hat.  Während er sich um den operativen Bereich kümmert, bin ich eher der Mann für das Administrative und Strategische. Wir haben uns als Kinder kennengelernt und uns verbindet eine 16-jährige Freundschaft. 

Was war der Hauptgedanke bei der Gründung von Glüxgefühl.de und gxg-homeoffice.de und welche Vision steckt dahinter? 

Der Gedanke von 2012 war noch ein anderer: Damals wollten wir unsere Gästen ein Erlebnis bei uns bieten. Deshalb war der damalige Glüxgefühl Store trendy und trashig. Die Inneneinrichtung und der Stil wurde von Leuten, die den Berliner Club Kater Holzig (mittlerweile Kater Blau) gebaut haben entwickelt: typisch Ost-Berlin. Unsere Speisen wurden von Berliner Food Chefs entwickelt. Daran orientieren wir uns immer noch. Leute aus der Szene sollten bei uns einen Platz finden an dem sie sich wohlfühlen. 

Nach acht Jahren hat sich die Vision selbstverständlich weiterentwickelt und es sind viele neue Gedanken hinzugekommen. Glüxgefühl war mein erstes Baby. Mir persönlich war es wichtig Glüxgefühl nicht im Stich zu lassen und auch nach Verkauf der Stores weiterhin an dem Grundgedanken zu feilen, um dann den entscheidenden Neustart zu wagen. Ich denke, das ist uns gelungen. Nur als Caterer mit Produktionsküchen, ohne physischen Store.

Wirtschaftlich gesehen erkennt man, wenn man sich den online Food Markt genau anschaut, dass ein immenser Umsatzfluss im online Food Ordering dazu kommen wird. Laut dem Digital Market Outlook wird der Umsatz im online Food Delivery Segment Platform-to-Consumer Delivery in Deutschland im Jahr 2024 bei rund 392,8 Millionen Euro liegen. Aktuell im Jahr 2020 liegen wir bei ca. 280 Millionen Euro.

Was waren die größten Herausforderungen, wenn Sie an die Ideenentwicklung bzw. an den Beginn von Glüxgefühl denken? 

Natürlich war das größte Problem, dass ich als Jungunternehmer nicht die Erfahrung hatte, die ich heute habe. Dabei war einer der größeren Fehler vor allem, dass ich mich ganz zu Beginn im Tagesgeschäft eingeschlossen habe und dadurch sehr eingespannt war. Innovative Ideen können so allerdings nur sehr schwerer umgesetzt werden, insbesondere wenn man nach Feierabend um ein Uhr nachts noch die Buchhaltung machen muss und am nächsten Morgen wieder um neun Uhr auf der Matte steht und da dann Einkauf und Termine warten. 

Ich befand mich damals mehr in der Rolle des Allrounders zwischen Küche und Service. Das ist ein schleichender Prozess, den man kurz- bis mittelfristig durchbrechen muss. Dazu gehört viel Vertrauen und eine gute Organisation.  Eine weitere große Herausforderung war natürlich die Resilienz, die es braucht, als Unternehmer durchzuhalten. Als zwanzigjähriger ist man halt noch nicht so weit – doch man darf sich nicht zu schnell entmutigen lassen. 

Wie würden Sie die Zielgruppe von Glüxgefühl.de beschreiben und was unterscheidet Sie von anderen Catering-Services? 

Wir sind ein  junges flexibles Unternehmen für das Business- und Event Catering, welches seinen Kunden nicht die einfache Standard Lasagne vorsetzt. Wir bieten ihnen eine Mischung aus Extravaganz und der klassischen Hausmannskost aus Europa und auch aus dem Orient. Daneben konzentrieren wir uns auch auf die beliebte Levante-Küche aus den östlichen Mittelmeerregionen. 

Wie ich schon erwähnt hatte wurden unsere Speisen von bekannten Food Chefs aus der Berliner Szene entwickelt. Durch unsere langjährige Tätigkeit in der Berliner Gastroszene sind wir durch unser Netzwerk sehr breit aufgestellt. Auch bei größeren Anfragen und Events. Deshalb lautet unser interner Firmenslogan: Geht nicht gibt’s nicht! Außerdem unterscheidet uns natürlich die typische Berliner Schnauze, die man sehr schnell an den Namen unserer Gerichte erkennen wird, wie z.B. unser beliebtestes Pastagericht: Oh lala Du scharfes Ding!

Mit Glüxgefühl, wo soll der Weg hingehen? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? 

Wir möchten wachsen und die Glüxgefühl Marke verstärkt ausbauen. Sind eine Food Marke, die aktuell in mehreren Segmenten agiert: das online Catering, das Home-Office-Delivery-Segment und mittlerweile bekommen wir auch Anfragen von Coffee Shops und ähnlichem und sind somit auch im Retail präsent. 

Wir befinden uns ja aktuell in einer sehr besonderen Zeit mit vielen Hindernissen – vor allem in der Gastronomie. Können Sie uns etwas über Ihre aktuellen Erfahrungen und Erwartungen erzählen?

Ich habe ja schon vorher angesprochen, dass auch der Online-Bereich auf dem Food Markt bis 2024 eine rasante Entwicklung erwartet. Aufgrund von Corona denke ich, dass es hier zu einer Beschleunigung kommen wird, da sich auch viele Gastronomen überlegen müssen, wie sie durch ein Onlineangebot überleben können. Leider scheitern viele Gastronomen aktuell an diesem Punkt, da ihnen die gewisse Online-Affinität fehlt. 

Zum Schluss: Hätten Sie einen oder zwei Tipps an angehende Gründer und Gründerinnen? 

Auch wenn das wahrscheinlich viele Jungunternehmer nicht mehr hören können: Geduld. Man muss einfach lernen geduldig zu sein – aber auch in Bewegung bleiben, viel mit anderen Menschen kommunizieren, sich ständig weiterentwickeln und Chancen erkennen. Ich sage immer Learning by doing. Und vor allem darf man sich nicht entmutigen lassen, auch, wenn das eigene Umfeld oft einer anderen Meinung ist. Den Glauben an sich selbst nicht zu verlieren ist sehr wichtig.

Das persönliche Umfeld spielt dabei eine tragende Rolle. Dafür bin ich meiner Partnerin und engen Freunden sehr dankbar. Zudem sollte man seinen Zielmarkt nicht aus den Augen verlieren und ständig optimieren und adaptieren, um Markt- bzw. Wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn anfangs unterscheiden sich oft die eigenen Vorstellungen von der Realität. Die letzten zehn Jahre als Unternehmer, mittlerweile bin ich 30, hatte ich mit sehr vielen Herausforderungen und harten Rückschlägen, sowohl privat, beruflich, als auch finanziell zu kämpfen an denen sicherlich viele gescheitert wären. Die erste Idee ändert sich nun mal und wird halt regelmäßig angepasst und das ist auch richtig so. 

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Cem Yilmaz für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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