Folge deinen Instinkten!

Glassomer hat ein neues revolutionäres Verfahren zur Formgebung von Glas entwickelt und patentiert

Stellen Sie sich und das Startup Glassomer kurz unseren Lesern vor!
Unser Startup „Glassomer“ hat ein neues revolutionäres Verfahren zur Formgebung von Glas entwickelt und patentiert. Mit unseren Materialien kann man Glas wie Kunststoffe strukturieren: flüssige Glassomere kann man durch Hitze oder Licht härten, feste Glassomere kann man schnitzen, bohren, fräsen, prägen um sie in Form zu bringen. Anschließend kommen die Teile in den Ofen und werden weit unterhalb der Schmelztemperatur zu transparentem Glas. So stellen wir Präszisionsbauteile und optische Komponenten in Kleinserien her. Wir sind 3 Gründer wir haben im Rahmen unserer Wissenschaftlichen Arbeit an der Universität zusammengefunden. Unser Produktionsexperte komplettiert das Team.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?
Wir treffen Entscheidungen gerne selbst, auch wenn das die Gefahr birgt, dass man im Nachhinein denkt „das hätte ich heute anders gemacht“. Wir mögen neue Herausforderungen und wir glauben an das Konzept der kleinen Unternehmen. Zwangsläufig hat keiner mehr so richtig den Überblick ab einer gewissen Unternehmensgröße. Forschung bleibt unser Steckenpferd, wir möchten uns und unsere Produkte kontinuierlich verbessern.

Fertigung und Forschung unter einen Hut bringen und das Gesamtkonzept im Auge behalten, das geht nur in der eigenen Firma.

Welche Vision steckt hinter Glassomer?
Gläser sind Kunststoffen in vielerlei Hinsicht überlegen, z.B. hinsichtlich optischer Transparenz, Haptik oder Lebensdauer. Zudem kann man Sie sehr einfach recyclen. Die Formgebung von Glas war bislang jedoch eine große Herausforderung: Hohe Temperaturen für große Bauteile oder gefährliche Ätzprozesse für sehr kleine Bauteile schränkte die möglichen Designs stark ein.

Mit Hilfe der Glassomer Technologie kann Glas über klassische, aus der Kunststofftechnik bekannte Formgebungsverfahren wie zum Beispiel, Bohren, Drehen, Fräsen, Heißprägen strukturiert werden.

Unsere Vision ist, dass in der Zukunft Gläser nicht mehr geschmolzen und in der Hitze gegossen, sondern über unseren Prozess bei Raumtemperatur in Form gebracht werden. Das erleichtert die Formgebung, eröffnet neue Designmöglichkeiten und spart die Energie für den dauerhaften Ofenbetrieb.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Bürokratie macht einem oftmals das Leben schwer. Letztlich muss man ein gesundes Maß finden, alles nötige zu erledigen ohne sich verrückt zu machen. Unterstützung hilft überall da, wo man sich selbst nicht so sicher fühlt, in rechtlichen Fragen und bei der Steuer zum Beispiel, solche Dinge sollte man möglichst weitergeben, damit man sich auf die das konzentrieren kann, was man am besten kann.

Coachings sind auch immer sinnvoll, und sei es nur, um andere, motivierte Leute zu treffen, die Visionen haben und für ihre Sache brennen – das pusht. Glassomer wird derzeit durch eine öffentliche Förderung des BMBF im Rahmen des Nanomat Futur Programmes finanziert. Die Gründung mit aller Bürokratie haben wir selbst bezahlt und unsere laufenden Kosten decken wir durch unsere Aufträge. Ohne die Hilfe von Ministerium und Universität haben es Tech-Startups allerdings schwer – hier bietet der Staat tolle Möglichkeiten für Gründer.

Fleiß und Durchhaltevermögen muss man aber selbst mitbringen.

Wer ist die Zielgruppe von Glassomer?
Wir sind fokussiert auf B2B, d.h. wir verkaufen nicht an Konsumenten, sondern an Firmen. Unsere Kunden sind kleine und mittelständische Unternehmen aber auch Großunternehmen. die speziell geformte Glasteile erwerben möchten oder Machbarkeitsstudien in Auftrag geben.

Wie funktioniert Glassomer? Wo liegen die Vorteile?
Glassomer Materialien bestehen aus einer großen Menge sehr kleiner Glaspartikel in einem Bindemittel aus Kunststoff. Durch das Bindemittel kann man die Materialien flüssig oder fest herstellen und sie verhalten sich wie Kunststoffe. Im Ofen wird der Kunststoff ausgetrieben und bei steigender Temperatur werden die kleinen Partikel werden vereinigt oder „gesintert“. Dies geschieht weit unterhalb der Schmelztemperatur (sonst würden die Bauteile zerfließen), bei Quarzglas zum Beispiel sintern wir bei 1300 °C – schmelzen würde hier ~2000 °C erfordern. Der Vorteil der Technologie ist einerseits, dass Gläser nicht mehr bei hohen Temperatur in Form gebracht werden müssen.

Wir sparen dadurch hochtemperaturstabile Spezialformen, den dauerhaften Ofenbetrieb bei Temperaturen über dem Schmelzpunkt.

Andererseits sparen wir hochgiftige Chemikalien wie Flussäure, die man für das Herstellen von Mikrostrukturen auf konventionelle Art benötigt. Für unsere Strukturierung müssen zudem keine neuen Geräte entwickelt oder gekauft werden: die Bohrer, Fräsen, Drehmaschinen, 3D Drucker oder Heißprägemaschinen, die man sonst für Kunststoffbearbeitung nutzt, können einfach übernommen werden.

Wie ist das Feedback?
Das Feedback ist durchgehend positiv. Wir haben eine große Anzahl an Anfragen aus der Industrie und auch an öffentlichem Interesse mangelte es nicht: wir haben das Regionalfinale des BW Pitch gewonnen und den Materialica Award in Gold, Frederik bekam den GMM Preis des VDI und den Award Innovatoren unter 35 des MIT und wir waren Gründer des Monats der KIT Gründerschmiede. Glas ist einfach ein attraktives Material und die Leute sind fasziniert von der Möglichkeit, beliebige Glasformen selbst zu „schnitzen“.

Glassomer, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir suchen momentan nach geeigneten Partnern aus der Industrie, die unsere Vision der modernen Glasfertigung teilen.

Auf lange Sicht möchten wir in einen Gründerpark umziehen und dort eine mittelgroße Fertigung und Entwicklungsabteilung aufbauen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Einen Schritt nach dem anderen machen und sich nicht zu lange über etwaige Fehler aufregen
Die richtigen Partner finden ist wichtig im Hinblick auf Gesellschafter aber auch Teilhaber. Man sollte sich nicht zu früh an die falschen Partner binden auch wenn Geld winkt.
Man sollte sich nicht von den „das klappt ja sowieso nicht“ Sprüchen beirren lassen – folge deinen Instinkten.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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