Früh rausgehen und nach der 80:20-Methode arbeiten

GigWork digitale Plattform, die gezielt Mitarbeiter/innen für eine befristete Festanstellung vermittelt

Stellen Sie sich und das Startup GigWork kurz unseren Lesern vor!
Mein Name ist Nicolai Kranz, Geschäftsführer und Gründer von GigWork. GigWork ist eine deutschlandweit einzigartige digitale Plattform, die gezielt Mitarbeiter/innen für eine befristete Festanstellung vermittelt. Dabei funktioniert GigWork ähnlich wie Airbnb – nur, dass Menschen hier nicht ihre Wohnung, sondern ihre Arbeitskraft für einen bestimmten Zeitraum (GigJob) zur Verfügung stellen. GigWork ist die erste deutsche Onlineplattform für befristete Beschäftigungsverhältnisse, die Angebot und Nachfrage komfortabel zusammenbringt und dadurch eine interessante – und günstigere – Alternative zur Zeitarbeit bietet, bei der Unternehmen weniger zahlen und Mitarbeiter/-innen gleichzeitig mehr verdienen.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?
Ich habe mehr als zwölf Jahre als Personalleiter und Vorstand verschiedener Kliniken gearbeitet. Ein Thema, das mich dabei immer wieder beschäftigt hat, war: Wie kann ich einerseits in der Personalplanung maximal flexibel agieren, dabei aber die hohen Kosten für die Zeitarbeit senken? So war ich 2009 auch der Erste, der ein Zeitarbeitsunternehmen konzipierte, das auf die Überlassung von Ärzten spezialisiert ist.

Jetzt gehen wir einen Schritt weiter – und wollen eine neue Form des Arbeitens auch in Deutschland etablieren, das Gig-Working.

Welche Vision steckt hinter GigWork?
„Mit unserem Start-up möchten wir nicht nur Personalengpässe schließen, sondern letztlich eine neue, flexible Form der Arbeit schaffen. Selbstbestimmtheit gibt es nun nicht mehr nur für Freelancer oder Zeitarbeiter, sondern mit GigWork auch für Angestellte. Die Zukunft der Jobvermittlung ist digital. GigWork ermöglicht Menschen, die beruflich außerhalb der klassischen Vollzeitbeschäftigung agieren, genauso wie Arbeitsuchenden eine Teilhabe am Arbeitsleben, Sicherheit und Wahlfreiheit.

Von der Idee bis zum Start, was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die ersten Chefs und Geschäftsführer der Unternehmen, die im Gesundheits- und Medizinbereich händeringend flexibel einsetzbares Personal suchen, hatten wir schnell überzeugt. Der Sorge über einen zu großen administrativen Aufwand in der Personalsachbearbeitung begegnen wir über einen Partner, der die Verantwortlichen auf Wunsch im Bereich Payroll entlastet. Über „FlexJobs“, modern konstruierten Abruf-Anstellungsverhältnissen, einen FAQ-Katalog und eine Arbeitsrechts-Hotline zur Prüfung von Befristungsgründen unterstützen wir die Unternehmen dabei, dass es nicht zu unwirksamen Befristungen bei wiederholter Beschäftigung kommt.

Gewerkschaftsvertreter befürchteten zunächst, dass GigWork prekäre Beschäftigung fördern würde, begrüßen aber die Stärkung der Direktanstellung.

Wir haben im Oktober mit dem B2B-Marketing begonnen und erste Verträge mit Kliniken vereinbart über eine Flatrate mit einer Laufzeit von 12 Monaten. Das bringt uns bereits zum Markteintritt erste Umsätze. Später wollen wir für unser Kernprodukt – die GigJobs – auf ein reines Provisonsmodell umstellen. GigWork wird derzeit – neben mir – und Dr. Jörg Haas von der HW Partners AG als Gesellschafter getragen sowie von der Betaklinik in Bonn als Seed-Investor. Ganz aktuell sprechen wir mit zwei Investoren über eine Series-A Finanzierung und sondieren drei Entwicklungspartnerschaften.

Wer ist die Zielgruppe von GigWork?
GigWork startet zunächst im Gesundheits- und Medizinbereich und spricht unter anderem Ärzte und Pflegekräfte an. In unserem MVP, dem ‚minimal funktionsfähigen Produkt‘, suchten bereits diverse Kliniken kurzfristige Unterstützung in Form von OP-Assistenten (m/w), Krankenpflegern (m/w) oder auch studentischen Aushilfskräften (m/w) für eine Anstellungsdauer zwischen einem und sechs Monaten, wobei auch kürzere oder längere Arbeitsverhältnisse über GigWork abbildbar sind.

Wie funktioniert GigWork? Wo liegen die Vorteile?
GigWork ist eine komplett onlinebasierte Vermittlungsplattform für kurzfristige befristete Beschäftigung. Arbeitgeber stellen einen Job ein, auf den sich interessierte Kandidaten mit wenigen Mausklicks bewerben können. Ähnliche Plattformen gibt es bereits im angloamerikanischen Raum: Upwork beispielsweise generiert über die Vermittlung von Freelancern in den USA einen Umsatz von mehr als 1 Mrd. Euro.

Und in Großbritannien arbeiten über eine Million Menschen ausschließlich via GigJobs.

GigWork, wie wir es jetzt in Deutschland zum Einsatz bringen, unterscheidet sich von den englischsprachigen Beispielen dadurch, dass keine Freelancer, sondern ausschließlich befristete Anstellungsverhältnisse vermittelt werden – auch, um das Risiko der Scheinselbstständigkeit auszuschließen und die Sozialversicherung zu stärken. Über GigWork vermittelte Mitarbeiter/innen sind auch keine Zeitarbeiter/innen, sie werden nicht entliehen, sondern beim Arbeitgeber befristet angestellt. Die Verantwortung für Qualifikation, Dokumentation und bedarfsgerechte Zuordnung liegt – wie bei jedem Anstellungsverhältnis – beim Arbeitgeber.

Die Vorteile für Arbeitgeber liegen auf der Hand: erheblich geringere Kosten im Vergleich zur Zeitarbeit, Unabhängigkeit von Personaldienstleistern sowie die Ansprache neuer Bewerberzielgruppen, für die Zeitarbeit – aus welchen Gründen auch immer – keine Option ist. Arbeitnehmer profitieren von einer zeitlich befristeten Festanstellung bei dem Unternehmen, in dem sie arbeiten, und von einem höheren Lohn, den Arbeitgeber Gig-Jobbern im Vergleich zur Stammbelegschaft als Ausgleich für ihre Flexibilität und ihr Risiko zahlen (Flexiprämie).

Wie ist das Feedback?
Der nordrhein-westfälische Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, Prof. Dr. Andreas Pinkwart, hat GigWork “das Potenzial für eine arbeitsmarktpolitische Revolution“ zugesprochen. Der verstorbene Paracelsus- und frühere Sana-Chef Prof. Michael Philippi sah in GigWork zudem eine vielversprechende Möglichkeit, Pflegekräfte zu reaktivieren, die sich aus ihrem Beruf verabschiedet haben. Das gelingt, weil GigWork als Plattform zur Verteilung von Arbeitskraft fungiert, auf der Bewerber vollständig frei entscheiden können, für wen sie wann, wo, wie lange und zu welchen Konditionen arbeiten möchten. Medial haben wir ebenfalls gutes Feedback erhalten: Der Xing-Chef hat einen Beitrag von uns an die 15 Mio. Xing Mitglieder geschickt.

Das hat uns fast 5.000 Views gebracht und neben einer Investoren-Anfrage aus der Schweiz ein sehr positives Medienecho, wie ja auch Ihre Anfrage zeigt, über die wir uns gefreut haben.

GigWork, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Es klingt etwas pathetisch, aber ich glaube, dass unser Gig-Working als neue Form des Arbeitens Teil des digitalen Betriebssystems einer Gesellschaft werden wird, die ihre Abhängigkeit von der Erwerbstätigkeit in Nibelungentreue hinter sich lässt. Wir sind sozusagen die Rettungsplattform für Beschäftigung, wenn Arbeitgeber in der digitalen Postarbeitsgesellschaft keine Arbeitnehmer mehr finden, weil sie immer weniger in festen Strukturen arbeiten wollen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Allgemein gilt: Früh rausgehen und nach der 80:20-Methode arbeiten – also „fail early – fail often“. Und unbedingt: Das Konzept mit Kunden zusammen entwickeln. Das haben wir gemacht und viel gelernt. Was uns speziell ausmacht: Wir sind kein Startup junger Gründer. Älteren Gründern empfehle ich: Einer der Gründer sollte über ein vertriebsrelevantes Netzwerk verfügen und der andere über eine Infrastruktur, die insbesondere die Software-Entwicklung abdeckt.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Nicolai Kranz für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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