Bereits vor der Gründung den Markt sondieren

GeneWerk: Unsere Vision ist, dass unsere Analysemethoden die sichere Entwicklung von Zell- und Gentherapien maßgeblich voranbringt

Wie ist die Idee zu GeneWerk entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Die Idee das Startup GeneWerk zu gründen, hat sich aus unserer fast 20-jährigen gemeinsamen Forschungstätigkeit zunächst an der Universität Freiburg, später am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg ergeben. Das Gründerteam besteht aus Prof. Christof von Kalle, Dr. Manfred Schmidt und Dr. Annette Deichmann, weiterhin ist das DKFZ an der Gesellschaft beteiligt. Christof von Kalle ist Mediziner und heute geschäftsführender Direktor am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und Leiter der Abteilung Translationale Onkologie am DKFZ.

Aufbauend auf seinen Ideen und unter seiner Leitung wurden die zu Grunde liegenden Forschungsarbeiten gestartet und weiterentwickelt. Manfred Schmidt, damals Doktorand und später Leiter der Sektion Molekulare und Gentherapie am DKFZ, hat die Forschungen in diesem Gebiet maßgeblich vorangetrieben. Annette Deichmann hat ebenfalls in dieser Gruppe promoviert, sich aber insbesondere auch um administrative Dinge wie Personalwesen, Finanzwesen und Controlling gekümmert, notwendige Voraussetzungen für eine eigene Firma. Diese 3-er Kombi mit Unterstützung des DKFZ schien uns ideal, zumal eine so lange und enge Zusammenarbeit uns bereits gut zusammengeschweißt hatte.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Im Rahmen unserer Forschungstätigkeiten wurden unter anderem sehr sensitive Methoden und bioinformatische Analysetools zum Aufspüren von Fusionssequenzen im Genom entwickelt. Insbesondere im Bereich der Gentherapie spezialisierte sich unser Team bestehend aus Biologen, Medizinern und Bioinformatikern immer mehr auf das Monitoring präklinischer und klinischer Studien mit Fokus auf die Sicherheit integrierender viraler Vektorsysteme. Aufgrund dieser stetigen Spezialisierung bekamen wir immer mehr Anfragen für unsere validierte Technologie. Da die Durchführung solcher „Routine“-Analysen für Firmen und andere externe Institutionen nicht das Ziel einer hochkompetitiven Forschungsinstitution ist, lag die Entscheidung nahe, ein Startup zu gründen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung war der Umzug in eigene Labor- und Büroräume und der Aufbau einer eigenen IT-Struktur, die alle Merkmale einer sicheren Lösung zur Bearbeitung und Speicherung von sensiblen Kundendaten erfüllt und aktuell der Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems und die effiziente Strukturierung der Prozesse. Die Finanzierung erfolgte ohne Investoren, sondern nur aus aktuellen Aufträgen, Kunden waren durch unsere Forschungs-Kooperationen und Fee-for-Service Projekte am DKFZ bereits vorhanden. Über einen Nutzungsvertrag mit dem DKFZ zu marktüblichen Konditionen bekamen wir als Startup-Hilfe Zugang zur benötigten Infrastruktur und konnten so nötige Investitionen etwas nach hinten verschieben. Unsere Forschungsaktivitäten werden derzeit über 2 Förderprogramme finanziert.

Welche Vision steckt hinter GeneWerk?
Unsere Vision ist, dass unsere Analysemethoden die sichere Entwicklung von Zell- und Gentherapien maßgeblich voranbringen, sodass viele Patienten mit derzeit nicht behandelbaren Erkrankungen eine geeignete Therapie erhalten können, um ein normales Leben zu führen.

Wer ist die Zielgruppe von GeneWerk?
Unsere Zielgruppe sind Pharmafirmen aber auch universitäre Gruppen, die versuchen Gen- und Zelltherapien zur Marktreife zu entwickeln.

Welche Produkte findet man auf GeneWerk?
GeneWerk ist ein reines Dienstleistungsunternehmen für Pharmafirmen oder Forschungsgruppen. Zu unserem Produktportfolio gehören Methoden mit denen man zum Beispiel den genauen Einbauort von Viren oder viralen Vektoren ins Genom von menschlichen oder tierischen Zellen bestimmen kann. So kann z.B. das Verhalten genetisch veränderter Zellen nach Anwendung gentherapeutischer Behandlungsstrategien oder neuer, experimenteller Krebstherapien genau verfolgt werden. Ziel dieser Untersuchungen ist es, das Risiko dieser Therapien genau zu verfolgen und die Entwicklung sicherer Therapieansätze zu ermöglichen. Um die äußerst große Anzahl von Sequenzdaten zu analysieren, entwickeln wir auch unsere eigenen, oft projektspezifischen, bioinformatischen Analyseprogramme. Alle Untersuchungen werden jeweils an die Projekte der Kunden angepasst, um eine möglichst hohe Aussagekraft der Untersuchungen zu erzielen.

Wie ist das Feedback?
Das Feedback ist bisher äußerst positiv. Viele Kunden geben uns weitere Aufträge und die Mund-zu-Mund Propaganda läuft von selbst. Durch das Feedback der Kunden erhalten wir auch wichtigen Input für unsere Weiterentwicklung und Professionalisierung – ein wichtiger Schritt.

GeneWerk, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In 5 Jahren sollte die Entwicklung in der Gentherapie schon ein gutes Stück vorangeschritten sein. Der Schwerpunkt wird sich dann sicher auf das Feld der Immuntherapien verlegt habe, welches gerade jetzt mit dem gezielten Einsatz von Designernukleasen in den Startlöchern steht. Unsere Firma wird dann vermutlich mehr Mitarbeiter haben, aber auch die Arbeitsprozesse werden weiter gestrafft sein. Die Firma wird ihre Dienstleistungen vermutlich vermehrt auch direkt in USA und China anbieten, eventuell über eigene Repräsentanzen oder unabhängige Tochterfirmen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1. Tipp: Bereits vor der Gründung den Markt sondieren, um potentielle Kunden ausfindig zu machen und eventuell schon unverbindliche Gespräche führen – so kommt man schneller auf eigene Füße.
2. Tipp: Von Anfang an auf gleichbleibende Qualität, gute Standards, sichere IT-Infrastruktur, gute Dokumentation achten – die Kunden werden dankbar sein.
3. Tipp: Externe Hilfe für die Personalverwaltung, die Rechtsberatung, die Steuerfragen, etc. in Anspruch nehmen, wenn man nicht selbst vom Fach ist – das vermeidet schlaflose Nächte.

Fotograf Thilo Bergmann

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Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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