Man sollte sich zutrauen, Dinge selber zu erledigen und bereit sein, sich schnell in unbekannte Themen einzuarbeiten

Gaedke Tapeten individuell gedruckte Tapeten

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Gaedke Tapeten doch kurz unseren Lesern vor!
Seit 2007 biete ich den individuellen Entwurf und die Produktion von digital gedruckten Tapeten an.
Vor kurzem habe ich einen neuen Online-Shop veröffentlicht, der gleichzeitig ein Planungswerkzeug für den individuellen Tapetendruck ist.
Man kann also nicht nur Motive auswählen und bestellen, sondern Entwürfe mit eigenen Bildvorlagen direkt auf der Webseite erstellen und visualisieren.
Das können Fototapeten oder wandfüllende Grafiken sein, aber auch richtige Muster, wo sich Motive in einem frei wählbaren Raster wiederholen.

Wie ist die Idee zu Gaedke Tapeten entstanden?
Früher habe ich mal Computerspiele programmiert. Dabei ging es im Wesentlichen auch darum, Räume zu gestalten und mit einer unverwechselbaren Stimmung zu belegen. Allerdings blieb das Ergebnis meiner Arbeit immer in dem virtuellen Raum eines Bildschirmes. Das war für mich auf Dauer unbefriedigend.
Mit den Tapeten habe ich ein Produkt gefunden, das ich am Rechner entwerfen kann, um damit aber reale Räume zu gestalten.
Muster sind mathematisch und ich habe früh angefangen, mir Programme und Algorithmen zu überlegen, mit denen ich Muster auf verschiedenste Art und Weise konstruieren kann.
Besonders spannend wird es, wenn man den Gestaltungsprozess durch zufallsbasierte Funktionen unterstützt. Nicht nur strenge Muster, sondern auch sehr lebendige und bildhafte Dekore kann ich so realisieren.
Die Idee jetzt ist es, meine Werkzeugkiste als Online-Applikation jedermann verfügbar zu machen und Interessenten zu finden, die Lust bekommen, damit zu arbeiten und eigene Gestaltungs-Ideen entwickeln.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Zeit ist für mich die knappste Ressource. Da ich meine Seiten und die App komplett selber programmiere, könnte der Tag nicht lang genug sein. Deshalb muss ich mir immer wieder Zwischenziele definieren und mich zwingen innezuhalten, um andere Baustellen weiter zu bearbeiten, wie z.B. Öffentlichkeitsarbeit, Anfragen bearbeiten, redaktionelle Pflege der Webseiten, Gestaltungsaufgaben, Büro und Organisation.
Aus dem Kreis der Familie hatte ich ein kleines Kapital, das mir während der einjährigen Entwicklungszeit den Lebensunterhalt gesichert hat. Da aber fast alles immer länger dauert, als ursprünglich geplant, braucht man mitunter einen sehr langen Atem.
Über diesen Berg bin ich nun drüber weg und freue mich über eine noch kleine, aber recht stabile Auftragslage.

Wer ist die Zielgruppe von Gaedke Tapeten?
Alle, die eine oder mehrere Wände auf außergewöhnliche Art gestalten wollen.
Wer sich ganz neu mit dem Thema Wandgestaltung auseinander setzt, erhält auf meinen Seiten einen schnellen Überblick, was möglich ist und wie es funktioniert.
Jeder Laie wird es schaffen, eine Bestellung bei mir aufzugeben. Dies geschieht entweder direkt über die Bestellfunktion meiner Seite, per E-Mail oder telefonisch.
Weiterverkäufer, wie Malereibetriebe, Architekten und Inneneinrichter können über den Tapeten-Konfigurator ein individuelles Wandprojekt schnell visualisieren und den eigenen Kunden präsentieren.

Was ist das Besondere an den Tapeten von Gaedke Tapeten?
Eine weitere Zielgruppe, die mir sehr am Herzen liegt, – und das ist das Besondere – sind andere Designer, Grafiker, Illustratoren oder Fotografen, die eigene Ideen zum Thema Wandgestaltung haben.
Dazu biete ich an, Entwürfe über meine Seiten zu vertreiben. Die jeweiligen Künstler/Innen werden bei einem Verkauf mit einem Honorar beteiligt, dass sie im Vorfeld selber festlegen.
Das Ziel ist es also, eine Plattform für außergewöhnliches Tapeten-Design zu etablieren, wo experimentierfreudige Bauherren und Künstler zusammenkommen.

Wie ist das bisherige Feedback?
Sehr gut. Ich erhalte viel Zuspruch und auch immer mehr Anfragen.
Besonders erfreulich ist, dass der größere Teil der Anfragen tatsächlich auch Druckaufträge werden.
Das zeigt mir, dass die Interessenten sich über meine Internetseiten bereits ein sehr konkretes Bild über Entwurf, Projektablauf und die Kosten machen konnten.
Und oft erhalte ich im Nachhinein Fotos von den fertig tapezierten Wänden.
Das heißt, die Kunden sind zufrieden und auch einfach erleichtert darüber, dass es gut geworden ist. Denn es gehört auch Mut dazu, eine Wand großflächig mit einer Grafik oder Muster zu dekorieren. Deshalb ist es wichtig, im Vorfeld das Vertrauen eines Kunden gewinnen.

Gaedke Tapeten, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Ich komme jetzt an einen Punkt, wo ich Hilfe gut gebrauchen kann und gerne im Team weiter arbeiten und entwickeln möchte. Gut wäre ein stärkerer Partner, der nicht nur an die Idee glaubt, sondern auch inhaltlich mit anpacken kann.
Die Firma soll zu einem stabilen, eigenständigen Unternehmen heranwachsen, mit einem eher kleinen Stamm an festen Mitarbeitern. Dafür aber gute Netzwerke aus Geschäftspartnern und die Zuarbeit von vielen Freiberuflern.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Ich habe mich dazu entschlossen, aus eigenen Mitteln heraus mein Geschäft neu aufzustellen, also ohne fremdes Kapital. Die Gründerszene spricht dann von „Lean StartUp“ oder „Bootstrapping“.
1. Dafür ist Bescheidenheit sicherlich eine wichtige Tugend. Ein fetter Kostenapparat, z.B. für schicke Atelierräume in bester Lage, zwingt einen schnell in die Knie, wenn es länger dauern sollte als geplant.
2. Man sollte nicht zu schüchtern sein und gerne davon erzählen, was man macht. Damit meine ich nicht, dass man ein PR- und Akquise-Profi sein muss. Aber man sollte eine Vorstellung davon haben, über welche Kanäle man schon frühzeitig von seiner Arbeit und seinem Produkt berichten will.
3. Man sollte sich zutrauen, Dinge selber zu erledigen und bereit sein, sich schnell in unbekannte Themen einzuarbeiten. Wenn man für die vielen Aspekte des Unternehmertums jeweils andere Dienstleister heranziehen muss, wird es schnell sehr teuer und man gerät in Abhängigkeiten.
Die öffentlichen Bücherhallen sind eine großartige Quelle, um Themen wie Businessplan und Buchführung, SEO, Social Media, Marketing, Steuer-, Rechts-, und Datenschutzfragen, aktuelle Webtechniken & Programmierung, Design, Architektur und Kunsthistorik eigenständig anzugehen und das Wissen zu erweitern.
Auch wenn der durchschlagende Erfolg bei meiner Unternehmung ausbleiben sollte, so habe ich in den letzten zwei Jahren zumindest ein sehr erfolgreiches Universal-Studium absolviert und viele Aspekte der Geschäftswelt neu kennengelernt.

Wir bedanken uns bei Philip Gaedke für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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