Gabriele Taphorn: Holen Sie im Vorfeld möglichst viele Informationen zu Ihrer Branche ein

Treffen Sie Gabriele Taphorn auf der Start-Messe in Nürnberg

Stelle dich doch unseren Lesern kurz vor!
Gabriele Taphorn: Mein Name ist Gabriele Taphorn, ich lebe und arbeite im Großraum München, wohin es mich Anfang der 90-er Jahre nach einer Bankausbildung und einem BWL-Studium verschlagen hat. Dort war ich zunächst rd. 15 Jahre bei einer großen Genossenschaftsbank als Beraterin der mittelständischen Kundschaft im Bereich der öffentlichen Finanzierungshilfen tätig. Anschließend war ich Referentin der Bürgschaftsbank Bayern GmbH und konnte so einen Einblick in die Arbeit der Förderinstitute erhalten. Während meiner angestellten Tätigkeiten konnte ich mir ein umfassendes Know-how über Förderprogramme aneignen und vielfältige Kontakte zu Finanzierungsgebern knüpfen. Seit 2009 bin bundesweit ich als freiberufliche Fördermittelberaterin tätig.

Stelle doch bitte Fördermittel-Guide unseren Lesern vor!
Gabriele Taphorn: Mit meinem Unternehmen „Fördermittel-Guide“ begleite ich ExistenzgründerInnen und mittelständische Unternehmen bei der erfolgreichen Umsetzung Ihrer betrieblichen Vorhaben. Gemeinsam schaffen wir eine solide finanzielle Basis für die Realisierung ihrer Unternehmensvisionen. Dabei erarbeiten wir Finanzierungskonzepte, in denen die möglichen öffentlichen Fördermittelprogramme optimal eingesetzt und ggf. mit weiteren Finanzierungsmitteln ergänzt werden.
Darüber hinaus bereite ich die Antragstellung vor und begleite meine Mandanten auf Wunsch bei den Finanzierungsgesprächen.

Welche Beratung erhalten die Unternehmen?
Gabriele Taphorn: Im Rahmen der Gründungs- und Mittelstandsberatung unterstütze ich die GründerInnen und Unternehmen zunächst bei der Erstellung des Geschäfts- und Finanzplanes inkl. der Planungsrechnungen. Hierauf aufbauend erfolgen die Festlegung der Finanzierungsstrategie und eine umfassende Fördermittelrecherche. Unter Berücksichtigung der bestehenden Finanzierungs- und Vermögensstrukturen werden dann ein bzw. mehrere Finanzierungskonzepte erstellt. Anschließend erfolgt die Aufbereitung und Zusammenstellung aller für eine Finanzierungsanfrage erforderlicher Unterlagen inkl. der benötigten öffentlichen Anträge. Ggf. werden bereits Vorabgespräche mit Förderinstituten und/oder Banken geführt. Bevor Finanzierungsgespräche erfolgen, werden diese detailliert vorbereitet. Hier geht es um die Festlegung der Gesprächsstrategie, die Besicherungsmöglichkeiten und ggf. mögliche Alternativen. Dabei ist es wichtig, die eigenen Ziele im Blick zu behalten, um nicht abschließend eine nicht passende Finanzierung nur um der „Finanzierung willen“ zu erhalten. Die beratende Begleitung erfolgt während der gesamten Gründungs- und Finanzierungsphase – von der Antragstellung über die Gespräche, vertraglichen Umsetzungen, Auszahlungen und den Mitteleinsatz bis hin zur Erstellung etwaiger Verwendungsnachweise. Meine Mandanten profitieren so von meinem umfassenden Know-how im Förderdschungel und sparen Zeit, Aufwand und Kosten bei der Umsetzung Ihrer Vorhaben.

Gibt es den richtigen Zeitpunkt um ein Startup zu gründen?
Gabriele Taphorn: Ich denke, es gibt nur einen falschen Zeitpunkt: Wenn ein Gründer/eine Gründerin unvorbereitet gründet. Das bezieht sich sowohl auf die eigenen fachlichen Kenntnisse und Erfahrungen als auch auf die Gesamtumstände der Unternehmensgründung (z. B. Wahl der richtigen Rechtsform, ausreichende Kapitaldeckung, Marktkenntnisse usw.).

Was waren für euch bei der Gründung die größten Hürden die Ihr bewältigen musstet?
Gabriele Taphorn: Die größte Hürde bei meiner Gründung war der Auf- und Ausbau des Mandantenstammes, was nach meiner Erfahrung für die meisten Existenzgründungen gilt. Mir haben dabei meine vielfältigen Kontakte und ehemaligen (Bank-)Kunden geholfen, auf die ich aufbauen konnte. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass sich jeder Gründer/jede Gründerin intensive Gedanken über seine/ihre Positionierung und das Angebot macht.
„Die Konkurrenz lebt“ , d. h. es gilt, sich durch seine Persönlichkeit und Kompetenz von ihr abzuheben. Dabei ist es i. d. R. besser, sich auf wenige Produkte zu konzentrieren (kein „Bauchladen“) und die Zielgruppen sorgfältig auszuwählen. Konsequentes und zielgerichtetes Marketing ist ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor hierbei.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Gabriele Taphorn aus?
Gabriele Taphorn: Mein Tag beginnt stets mit einem ausgiebigen Hundespaziergang, bei dem ich gedanklich den Tagesplan durchgehe. Mein Arbeitstag besteht dann normalerweise aus einer Mischung aus Büroarbeiten und Kundenterminen. Letztere sind immer sehr individuell: Erstgespräche, Unternehmensbesichtigungen, konkrete Arbeitstermine u.ä.. Dadurch ist eigentlich jeder Tag anders und geprägt von vielen unterschiedlichen Erfahrungen.
Die Büroarbeit erstreckt sich in erster Linie auf umfangreiche Fördermittelrecherchen sowie die Sichtung von Unterlagen und Ausarbeitung von Finanzierungskonzepten. Allgemeine Tätigkeiten wie Weiterbildungen, Buchhaltung und Marketing erledige ich entweder gleich morgens oder in den Abendstunden.
Auf Gründer-/Unternehmerveranstaltungen und Messen bin ich zusätzlich als Referentin tätig und führe gemeinsam mit Kooperationspartnern auch eigene Veranstaltungen für GründerInnen und Unternehmer durch. Mehrere Male im Jahr biete ich zudem Webinare zu Finanzierungs- und Bankthemen an.

Über welches Thema wirst du auf der START-Messe Nürnberg referieren?
Gabriele Taphorn: Auf der START-Messe bin ich gemeinsam mit meinem Geschäftspartner Wolfgang Dykiert – dykiert-beratung als Ausstellerin auf dem Stand „Die Gründerprofis“ vertreten. Unsere Beratungsangebote (konzeptionelle Beratung durch Herrn Dykiert und Finanzierungsberatung durch mich) ergänzen sich optimal und bieten unseren Mandanten eine umfassende Begleitung Ihrer Vorhaben.
Wir sind mit folgenden Vortragsthemen auf der Messe vertreten:
1. „Ein tragfähiger Businessplan = Voraussetzung für Ihren Gründungszuschuss“ Das Fundament für jede Unternehmensgründung ist ein gut strukturierter und individueller Business- und Finanzplan. Er ist die Grundlage für alle Entscheidungen! Sei es für die eigenen oder für die Entscheidungen von Banken bzw. Fördermittelinstituten. Gründerinnen und Gründer aus der Arbeitslosigkeit müssen mit ihrem Businessplan die Agentur für Arbeit überzeugen, dass der Weg in die Selbständigkeit für sie der bessere Weg ist um den nicht-rückzahlbaren Gründungszuschuss zu erhalten. In unserem Vortrag geben wir Ihnen Praxistipps zum Thema „Individueller Businessplan“ und „Gründungszuschuss“.
2. „Let’s talk about money – Finanzierungen und Fördermittel für ExistenzgründerInnen“ Die Teilnehmer erhalten einen Überblick über bestehende Finanzierungsmöglichkeiten vor, während und nach der Gründung. Neben der klassischen Bankfinanzierung werden Förderprogramme und alternative Finanzierungsformen vorgestellt, die den Schritt in die Selbständigkeit erleichtern.
3. „Sprechen Sie mit Ihrer Bank auf Augenhöhe – Do`s and Dont`s im Bankgespräch“ Wie bereite ich Finanzierungsgespräche optimal vor und was sollte ich unbedingt vermeiden, damit meine Anfrage positiv entschieden wird?

Wie hat sich die Startup-Szene in den letzten Jahren verändert?
Gabriele Taphorn: Ich bin seit rd. 30 Jahren auf dem Gebiet der Gründungsfinanzierungen tätig und beobachte die Veränderung der Szene aus diesem Blickwinkel. In dieser Zeit haben sich hier zunächst einmal die Informationspolitik und die Informationsbasis der Beteiligten stark entwickelt. Früher wurde sicherlich nicht weniger gegründet – im Gegenteil: zu Zeiten höherer Arbeitslosigkeit gab es immer wieder Gründungswellen, allerdings waren den Gründern kaum die auch schon damals bestehenden Fördermöglichkeiten bekannt. Sicherlich hat die technische Entwicklung in der Kommunikationstechnologie dazu beigetragen, dass heute nahezu jeder Gründer/jede Gründerin und auch die meisten Unternehmen wissen, dass es eine Vielzahl öffentlicher Förderprogramme gibt.
Geänderte Geschäftspolitiken und neue gesetzliche Vorgaben bei den Kreditinstituten sowie die Finanzkrise haben dazu geführt, dass es gerade im Gründungsbereich schwieriger geworden ist, Finanzmittel für gute Ideen zu erhalten. Das Risiko wird als außerordentlich hoch angesehen.
Auch Veränderungen in der Förderlandschaft, wie z. B. die Aufhebung des Rechtsanspruches auf Gründungszuschuss hin zu einer Ermessensentscheidung der Arbeitsagenturen bzw. die Verlagerung von Förderschwerpunkten, haben Auswirkungen auf die Gründerszene. Wurde früher eher in „klassischen“ Bereichen (z. B. Handwerk, Handel u.ä.) gegründet, findet man heute viele technologie- und innovationsorientierte Start-ups.

Welches sind die größten Fehler Junger Gründer?
Gabriele Taphorn: Aus meiner Erfahrung – und das bestätigen ach entsprechende Statistiken – besteht einer der Hauptfehler von GründerInnen in der Unterschätzung des Finanzbedarfes. Viele sind verleitet, diesen eher gering zu halten, um die Aussichten auf eine Finanzierungszusage zu erhöhen. Dies kann fatale Folgen haben, bis hin zum Scheitern der Existenzgründung, denn Nachfinanzierungen sind nur sehr schwer erhältlich. Dann beginnt das Teufelsrad: fehlende liquide Mittel führen zu Umsatzstagnation oder -rückgang, diese wiederum zu weiteren Liquiditätsengpässen usw..
Des Weiteren geben sich die meisten GründerInnen zu wenig Zeit. Nicht selten liegt die Anlaufphase bis zum turn around bei rd. 2-3 Jahren. Ein Unternehmen ist meist erst nach 5-6 Jahren ausreichend gefestigt. Diese Zeit muss einkalkuliert werden, sowohl konzeptionell als auch finanziell. In dieser Zeit muss das Geschäftskonzept immer wieder auf den Prüfstand und ggf. angepasst werden.
Insbesondere das Marketing ist kontinuierlich und konsequent zu betrieben, nur so lässt sich das Unternehmen mittel- und langfristig erfolgreich führen.

Welches war das letzte Buch das du gelesen hast?
„Die Chefin“ von Sonja Becker, ein Buch über den Weg zur eigenen Existenz.

Wo siehst du dich in den nächsten fünf Jahren?
Gabriele Taphorn: Ich möchte in den nächsten fünf Jahren meinen guten Ruf als Fördermittelberaterin in der Region München und überregional weiter festigen und zudem meine Tätigkeiten als Referentin und Trainerin ausbauen. Dabei ist mir wichtig, weiterhin persönliche Ansprechpartnerin für ExistenzgründerInnen und kleine und mittlere Unternehmen zu bleiben, so verliere ich nicht den Blick für die Praxis und kann meine Mandanten so individuell wie erforderlich unterstützen.

Welche 3 Tipps hast du für Gründer?
– Informieren – informieren – informieren! Holen Sie im Vorfeld möglichst viele Informationen zu Ihrer Branche ein und
– nehmen sich dann ausreichend Zeit für die Entwicklung Ihres Geschäftskonzeptes! Überprüfen Sie Ihr Konzept regelmäßig! Nehmen Sie notwendige Anpassungen vor!
– Lassen Sie sich unterstützen, ggf. von einem Berater! So vermeiden Sie den „Tunnelblick“, der Sie wichtige Sachverhalte, die mit Ihrer Gründung zusammenhängen können, übersehen und schlimmstenfalls das Vorhaben scheitern lässt!

Und dann – Viel Erfolg!

Wir bedanken uns bei Gabriele Taphorn für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

KOSTENLOSER NEWSLETTER

Erhalten Sie regelmäßig die neuesten Updates der internationalen Startup-Szene!

X