Schnell und kreativ bleiben – fünf Prinzipien für Startups

Mit zwanzig Mitarbeitern ist alles prima. Die Zurufkultur funktioniert, die Geschäftsleitung weiß, was sie tut und alle Mitarbeiter sind gut informiert. Dann positioniert sich das Produkt, es wird weiterentwickelt und das Unternehmen wächst. Ab etwa sechzig Mitarbeitern wird es dann eng. Plötzlich hat nicht mehr jeder die für ihn relevanten Informationen, die Kaffeeküche wird zu klein und ein Meeting reiht sich an das nächste.

Es wird viel geredet, aber Denken und Arbeiten nimmt ab. Es entstehen mehr Missverständnisse und Erwartungsunfälle. Die Geschäftsführung muss nun handeln. Und oft greift sie zu Traditionen, die den Charme eines Start-ups beschädigen: Es werden feste Hierarchien eingeführt. Und damit verlangsamen sich alle Prozesse, die Kommunikation hat nun eine Richtung, Kreativität und Ideen nehmen ab. Schade.

Der erste Impuls ist oft der Falsche

Um den Geist eines Start-ups aufrecht zu erhalten, sollten Geschäftsführer in dieser Situation ihre Hände von alten Organisationsformen lassen. Unternehmensstrukturen müssen in erster Linie funktional neu gedacht werden und zu Markt, Produkt und Kultur passen. Sind verlangsamende Strukturen erst einmal etabliert, passt sich die Kultur entsprechend an.

Unternehmen brauchen Führung – Menschen nicht. Mit dieser Prämisse kann ein Start-up Strukturen finden, die dem Einzelnen maximale Freiheit und Verantwortung geben und gleichzeitig einen stabilen Rahmen bieten, in dem sich Experten sicher bewegen können. Dabei gilt es ein paar wesentliche Prinzipien zu berücksichtigen.

Erstes Prinzip: Unternehmer

Die Unternehmensführung arbeitet als Team und bespricht alle wesentlichen Themen miteinander. Bei Entscheidungen zieht sie konsequent die entsprechenden Experten aus dem Unternehmen hinzu. Jeder Experte hat so regelmäßig die Möglichkeit, sich im Rahmen seiner Kompetenz in die unternehmerischen Entscheidungen einzubringen.

Zweites Prinzip: Transparenz

Die Unternehmensführung arbeitet maximal transparent. Es gibt eine stabile Form der Kommunikation zu Zahlen und Fakten rund um das Unternehmen und die Marktlage. Jeder Mitarbeiter hat Zugang zu diesen Informationen. Die Unternehmensführung bietet Interpretationen der Daten und Fakten an, damit jeder weiß, wie gedacht und gehandelt wird. So verfügt jeder über eine solide Basis für seine Entscheidungen.

Drittes Prinzip: Kunde

Alle Strukturen und Prozesse ranken sich um die Bedürfnisse des Kunden herum. Der Kunde ist Ausgangspunkt aller Überlegungen und wird bei Entwicklung und Serviceprozessen involviert. Der Kunde arbeitet mit im Unternehmen und wird bei der Anwendung der Produkte begleitet. Auch untereinander versteht sich jeder als Kunde des Kollegen. So werden Schnittstellen minimiert und von Anfang an übergreifend gedacht.

Viertes Prinzip: Selbstverantwortung

Alle Experten im Unternehmen handeln selbstverantwortlich. Jeder ist Entscheider und verantwortet die Ergebnisse seiner Entscheidungen. Das beginnt bei der Arbeitszeit, geht über Dienstreisen, Firmenwagen bis hin zu Zielsetzung und Aufgabenfindung. Das Unternehmen definiert einen Korridor, in dem sich alle Mitarbeiter selbstständig bewegen können.

Fünftes Prinzip: Reflexion

Alle Menschen im Unternehmen reflektieren ihre Zusammenarbeit und ihre Selbstorganisation regelmäßig mit einem Coach. Jeder erhält Feedback und die notwendigen Tools, um als Experte gut voran zu kommen und um gleichzeitig in Teams optimal zusammen lernen und arbeiten zu können.

Diese Basisprinzipien bilden die erste solide Grundlage, auf die bei weiterem Wachstum aufgebaut wird. Damit auch bei 100 oder 200 Mitarbeitern Tempo, Kreativität und Spaß den Arbeitsalltag bestimmen.

Autor Susanne Klein

Prinzipien für Startups

Dr. Susanne Klein arbeitet seit 25 Jahren als Coach und Beraterin in Unternehmen. Sie begleitet Unternehmen beim Aufbau moderner Strukturen und der Transition zu neuen Modellen. Sie hält Keynotes, moderiert Workshops, entwickelt Konzepte und Lösungen und coacht Führungskräfte auf dem Weg in neue Formen der Führung und Zusammenarbeit. Buchtipp: „Kein Mensch braucht Führung“, 2019, Gabal Verlag.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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