Nich lang schnacken!

Frischepost Online-Hofladen für nachhaltig produzierte Lebensmittel.

Stellen Sie sich und das Startup Frischepost kurz unseren Lesern vor!

Frischepost ist ein Online-Hofladen für nachhaltig produzierte Lebensmittel. Meine Mitgründerin Eva und ich unterstützen mit unserem Online-Shop, den wir im Juli 2015 gegründet haben, regionale landwirtschaftliche Betriebe in der Direktvermarktung, damit diese sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Frischepost übernimmt die Vermarktung sowie den Transport der Lebensmittel, die zu 80 Prozent aus der Region kommen. Wir beliefern mittlerweile über 6.500 Hamburger Haushalte, Kitas und Firmen mit sieben eigenen Elektroautos. Unser Online-Hofladen hat mehr als 1.500 Produkte von über 250 Produzenten im Sortiment.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Eva und ich sind beide in einem Familienunternehmen groß geworden – Eva in einem Unternehmen im Bereich Aufforstung & Alternative Energien und ich auf einem landwirtschaftlichen Betrieb. Wir wurden insofern schon früh durch die klassischen Themen einer Selbstständigkeit geprägt. Uns beide reizte die Vorstellung, das BWL-Studium als Grundlage zu nutzen, um ein sozial und ökologisch nachhaltiges Unternehmen zu gründen. Während des Studiums an der WHU haben wir uns kennengelernt und wurden sicherlich auch durch das gründungs-affine Umfeld und Netzwerk der Uni motiviert, den Schritt in die Gründung zu „wagen“.

Welche Vision steckt hinter Frischepost?

Wir wollen mit Frischepost einen positiven Beitrag zur Agrar- und Ernährungswende leisten, denn die Landwirtschaft und unser Konsum haben einen immensen Einfluss auf unser Klima. Dies können wir erreichen, indem wir der industriellen Lebensmittelproduktion und dem zentralisierten Handel die Stirn bieten und ein lokales Netzwerk für regionale Lebensmittel aufbauen. Gleichzeitig wollen wir mit Frischepost Aufklärung betreiben, Transparenz schaffen und Brücken schlagen. Brücken zwischen dem Stadt- und Landleben sowie zwischen Erzeugern und Verbrauchern. 

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Als Food Start-Up mussten wir ein Logistikkonzept entwickeln, das auch die  Herausforderungen der Last-Mile bewältigt. Zum einen müssen wir zur Qualitätssicherung der überwiegend frischen Lebensmittel wie Milch, Käse, Fleisch oder Fisch die Einhaltung der Kühlkette sicherstellen. Zum anderen war von Anfang an unser Ziel, die Lebensmittel umweltschonend zu verpacken und auszuliefern. Deshalb haben wir uns für eine Auslieferung in Mehrwegverpackungen und mit Elektroautos entschieden. Dabei mussten wir die Ladekapazität und die Reichweite der Elektroautos sowie die Pfandrücknahme bedenken. Da es weltweit noch keinen Online-Shop gibt, der diese Art von Letzter Meile durchführt, haben wir ein eigenes bislang einzigartiges Logistikkonzept entwickelt, das alle für uns essentiellen Aspekte verbindet.

Wir haben uns das erste Jahr über Stipendien finanziert (EXIST Gründerstipendium + Social Impact Start). Danach folgten über drei Jahre sieben private Investoren, darunter Gunnar Froh (Airbnb Deutschland & Wunder) und Brigitte Mohn (Bertelsmann Stiftung). Aktuell sind wir auf der Suche nach 1-2 weiteren Investoren, mit denen wir das Geschäft in Hamburg bis Ende 2019 in die Profitabilität führen. 

Wer ist die Zielgruppe von Frischepost?

Mit Frischepost erreichen wir Großstädter, die sich bewusst und gesund ernähren wollen. Unsere Kunden wissen, wie frische Landmilch schmeckt und schätzen den Unterschied zwischen einem frisch gepflückten Salat und eingeschweißten Pflücksalaten aus dem Supermarkt. Gleichzeitig haben unsere Kunden wenig Zeit und finden es super, ihre Bestellung online aufzugeben und am nächsten Tag den fertigen Wocheneinkauf vor der Haustür zu haben. 

Auch für unsere Firmenkunden spielt das Thema “Gesunde und vielfältige Verpflegung am Arbeitsplatz” eine große Rolle. In Zeiten von “new work” investieren Arbeitgeber immer mehr in die Zufriedenheit und Gesundheit ihrer Mitarbeiter – gleichzeitig suchen sie nach praktikablen und zeitsparenden Lösungen für ihr Office Management. Diese Lösungen bieten wir mit Frischepost an, zum Beispiel mit unserem Frischepost Fridge, der eine ganze Kantine ersetzen kann und an dem sich die Mitarbeiter mit Chipkarten selbst bedienen können. 

Wie funktioniert Frischepost? Wo liegen die Vorteile?

Unsere Kunden bestellen ihre Lebensmittel online. Sie können sich ihren Warenkorb frei zusammenstellen, wir bieten aber auch fertige Rezept- oder Obst- und Gemüsekisten an. Am darauffolgenden Tag liefern unsere Produzenten die bestellten und frisch hergestellten Lebensmittel in unser Lager. Dort packen wir die individuellen Bestellungen in unsere Frischepost Mehrwegboxen und liefern diese noch am selben Tag mit unseren Elektroautos zu den Kunden nach Hause, in die Firma oder zu Abholstationen bei Budnikowski oder der Hamburger Sparkasse.  

Vorteile für den Kunden gibt es einige:

Wir schaffen mit Frischepost eine Transparenz , die es so noch gar nicht im Lebensmitteleinzelhandel gibt. Zu jedem Produkt portraitieren wir den Produzenten mit Videos und Fotos. 

Durch die kurzen Transportwege (über 80 Prozent unserer Lieferanten kommen aus der direkten Region) sind unsere Produkte besonders frisch. Die Milch wird tagesfrisch abgefüllt und das Obst und Gemüse bleibt einige Tage länger frisch als die Produkte aus dem Supermarkt. 

Unsere Kunden reduzieren durch den Frischepost Einkauf sehr viel Verpackungsmüll, denn über 70 Prozent der Produkte werden lose oder in wiederverwendbaren Verpackungen geliefert. 

Wir bieten unseren Kunden mit über 20 Abholstationen, einstündigen Zeitfenstern bei den Lieferungen, SMS kurz vor der Lieferung und einer flexiblen Abo-Option sehr viel Convenience. 

Wie ist das Feedback?

Wir freuen uns über sehr viel positives Feedback sowohl von unseren Produzenten als auch von unseren Kunden. Wenn unser Milchbauer eine neue Molkerei plant, weil die Absatzmengen der Joghurts und Milchprodukte so stark gestiegen sind, dann schlägt unser Herz hoch. Einige unserer Endkunden bestellen sehr regelmäßig bei Frischepost und können sich die Box voller Frische gar nicht mehr wegdenken. Und auch unsere Firmenkunden schreiben uns regelmäßig, dass sie sehr zufrieden mit unseren Produkten sind und dass die Mitarbeiter morgens Schlange am Kühlschrank stehen, um sich ein Lunchgericht, eine Stulle oder den beliebten Milchreis zu sichern, sobald der Frischepost-Fahrer zum Bestücken kommt. 

Frischepost wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

In der nächsten Zeit werden wir unsere Firmenkunden-Produkte sehr stark weiterentwickeln und den Frischepost Fridge in vielen Hamburger Firmen aufstellen. Parallel steht eine Finanzierungsrunde an, mit der wir das aktuell sehr starke Wachstum finanzieren und das Hamburger Geschäft in die Profitabilität führen. In fünf Jahren sehen wir uns mit Frischepost in den größten deutschen Städten vertreten. 

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Tut Euch zusammen! Wir sind sehr froh, dass wir zu zweit durch alle Höhen und Tiefen der Gründung gehen. 

Scheut Euch nicht, andere Gründer und Gründerinnen nach Hilfe und Feedback zu fragen. 

Manchmal muss man auch einfach mal machen und nicht lange theoretisieren. Oder wie wir in Norddeutschland sagen: “Nich lang schnacken!”  

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Juliane Willing für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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