Gründe ein Unternehmen nach wirklichem Bedarf und nicht nach persönlicher Leidenschaft!

Friendstuff bietet exklusives und innovatives Equipment für Treckingtouren an

Stellen Sie sich und das Startup Friendstuff kurz unseren Lesern vor!
friendstuff ist mein von mir (Klemens Nowak 22 aus Berlin) Ende 2016 gegründetes Unternehmen im Outdoorbereich, welches das Ziel hatte, selbst entwickeltes exklusives innovatives Equipment für Treckingtouren anzubieten, welches lokal von Berliner Handwerksmanufakturen gefertigt wurde. Dabei spielten ökologische und soziale Gesichtspunkte eine signifikante Rolle.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?
Zwei Dinge waren mir seit meiner frühesten Kindheit wichtig: Viel draussen sein und dafür stets das qualitativste und beste Equipment zu besitzen. Dinge, die es nicht gab wurden im Schulunterricht gezeichnet, besonders in Erdkunde. (Grüße an Herr Blau) und nach der Schule in der Kellerwerkstatt selbst gefertigt. Das ganze Ausrüstungsthema bestimmte irgendwann einfach mein komplettes Ich. Es ist so faszinierend wenn aus krickelkrackel eine Zeichnung wird, dann Materialen ausgewählt und beschafft werden und schließlich der Herstellungsprozess beginnt mit all seinen handwerklichen Herausforderungen. .. Und ganz zum Ende ein neuer Ausrüstungsgegenstand einen in die Natur begleitet. ..Unfassbar geil !!!

Irgendwann interessierte ich mich über einen Schulfreund fürs Unternehmertum und hatte gerade ein fertiges marktreifes Produkt: das Outdoorkochsystem friendstove. Dann dachte ich mir lets go !

Welche Vision steckt hinter Friendstuff?
Alles begann nämlich weder mit der Idee, Equipment wie den friendstove zu entwickeln noch die Outdoor- Marke friendstuff zu gründen… sondern mit einer vierwöchigen Tour durch Deutschland nach meinem Abitur 2014. Ziel für mich war es das Land und viele tolle Menschen noch besser kennenzulernen und eigene Erkenntnisse für die berufliche Gestaltung der Zukunft mitzunehmen. Und das geht glaube ich kaum besser, als wenn man 4 Wochen ohne Geld durch Deutschland läuft, bei fremden Menschen gegen Mithilfe in Haus und Hof auf dem Sofa schlafen darf und sich jeden Tag die Frage stellt, welche Dinge im Leben wirklich zählen…

Vor der Tour besorgte ich mir einen Hobokocher eines namhaften Herstellers, um mir unterwegs mal einen Tee zubereiten oder eine Kleinigkeit kochen zu können. Wie der Umgang damit aussah könnt ihr euch ja vorstellen – schließlich war es die Motivation drei Jahre lang neben Ausbildung und Nebenjob stapelweise Din A4 Blöcke mit Entwürfen zu füllen sich bei Gewitter im Wald aufzuhalten um Produkte auf Herz und Nieren zu testen und für Gründerseminare durch ganz Deutschland zu fahren. Um nach der Tour direkt mit der eigenen Produktentwicklung zu starten, suchte ich mir einen Metallbaubetrieb in meiner Heimatstadt Berlin.

Da rufst du mit 18 Jahren und einer Idee im Kopf in Zeiten der Hochkonjunktur bei verschiedenen Betrieben an… das kann ja heiter werden, dachten sich bestimmt so einige.

Im Mai 2015 war der erste Prototyp dann endlich fertig. Vom Konstruktionsprinzip war es eine runde starre Brennkammer, in der beim Transport der Topf Platz fand. Der Kocher arbeitete auf einer 8-wöchigen Testtour in Schweden einwandfrei, war jedoch dreimal so schwer, wie der friendstove jetzt und auch vom Packmaß ziemlich sperrig. Ich überdachte mein Konzept kritisch, nahm das Feedback von unterwegs getroffenen Treckern ernst. Die runde Form jedoch wollte ich beibehalten. Schließlich bietet sie einige grundlegende Vorteile. Da bei einer runden Brennkammer, die Mantelfläche immer den gleichen Abstand zum Brennraumzentrum besitzt, verzieht sich dieses Bauteil im Betrieb nahezu nicht. Dies sorgt für einen problemlosen wiederholten Auf-/ Abbau.

Bei rechteckigen Systemen bleiben die Ecken im Betrieb oft „kalt“. Da sich hier jedoch in der Regel auch die Verbindungselemente befinden, verzieht sich die Konstruktion unregelmäßig… Die Folgen kann man sich ja denken. Ein weiterer Vorteil der runden Konstruktion ist die große Stabilität, keine andere geometrische Form kann da mithalten.

Und zu guter Letzt hat mal jemand zu mir gemeint:

„ Du stellst doch auch keinen runden Topf auf eine eckige Herdplatte“ Um all diese Punkte sinnvoll umzusetzen entschied ich mich bei der Weiterentwicklung für eine rollbare runde Mantelfläche, die zum Transport eingerollt im Topf verschwindet oder um die Trinkflasche gelegt wird und in diese sich zwei verschiedene „Böden“ horizontal einsetzen lassen. Neben dem Aufbau für den Holzbetrieb sind so auch noch zwei Aufbauvarianten für die Verwendung von Spiritusbrennern möglich. Der flache Ascherost und die Spiritusbrennerhalterung finden nach der Verwendung in einem marineblauen Packbeutel Platz, der ein Schneider in einer kleinen Werkstatt nördlich von Berlin fertigt und mit von mir selbst geprägten Lederemblemen versieht. Nach der Produktentwicklung wartete der bürokratische Dschungel auf mich.

All diese Schritte kosten viel Geld und Zeit und vor allem noch mehr Nerven. (Um mir den Traum einer eigenen Outdoormarke finanzieren zu können, ging ich neben der Tischlerausbildung noch in einem Lager als Aushilfe arbeiten.)

Andererseits wäre es ja auch blöd wenn sich da später jemand mit deinem Namen schmückt, nur weil du es versäumt hast diesen zu schützen. Genauso wie die funktionalen und optischen Details des Kochers selbst. Dieser wiegt jetzt im Aufbau für die Nutzung mit Holz nur 263g und komplett mit der Spiritusbrennernhalterung 316g. Neben der lokalen Fertigung sorgt ein weiterer Punkt für die hohen Produktionskosten und somit für den gehobenen Preis: Die polierte Oberfläche und die geschliffenen Kanten. So kann Ruß nicht haften bleiben und das Verletzungsrisiko beim Zusammenstecken der Bauteile ist nahezu ausgeschlossen. „Wer will sich schon fernab der Zivilisation die Finger an einem Metallgrat aufschneiden “

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die Dreifachbelastung mit Ausbildung, Nebenjob und Unternehmen dazu parallel noch den Führerschein… Man ist jeden Sonntag Abend nach einer 70 h Woche einfach komplett fertig und weiß dass man in einer Woche in genau diesem Zustand wieder sein wird…

Das frustriert manchmal.

Das persönlich frustrierendste waren aber persönliche übel beleidigende Nachrichten. Da sitzt du dann nach einer harten Woche und bekommst völlig unsachliche, fachlich völlig falsche, und leider null konstruktiv Nachrichten. Das verletzt echt. Deine Idee, dein Unternehmen ist dein Baby. Und ständig versucht jemand diesen Kinderwagen umzuschmeißen… Einfach nur ein Zeugnis dafür, wie Leute, die keinen Sinn in Ihrem eigenen Leben sehen, einen jungen Menschen mit Visionen versuchen verbal zu verprügeln. In diesen Momenten habe ich soziale Medien einfach nur gehasst, keiner von den Couchpotatoes hätte sich je getraut mir diesen Senf persönlich mitzuteilen…

Wer ist die Zielgruppe von Friendstuff?
Trecker und Naturliebhaber, die Wert auf hochwertiges Equipment legen, dass auch sozialen und Ökologischen Ansprüchen gerecht wird…

Wie funktioniert Friendstuff? Wo liegen die Vorteile?
Das kam glaube ich schon raus in den obigen Antworten.

Wie ist das Feedback?
Grundsätzlich erreichten mich immer wieder begeisterte Nutzer mit Fotos und Videos. Das ist dann einfach geil.
Und im September 2018 habe ich es sogar in eine Gründersendung in Fernsehen geschafft und dort richtig gut abgeschnitten.. Letztlich teilen Menschen, aber lieber Ihre Meinung anderen mit, wenn diese schlecht ist…

Das klingt jetzt pessimistisch liebe Leute- aber ja es ist meine Erfahrung…

Manche Kritiker dachten tatsächlich: „Materialkosten + Laserschneiden = gerechter Endverkaufspreis eines Hobokochers…“ – Da frage ich ja mal neugierig, welches großzügige „Amt“ einem alle weiteren Betriebsausgaben sponsert und wovon eigentlich der Fachhandel lebt ? Ebenso gibt es natürlich auch Menschen, die sich beklagen, z.B. über den hohen Preis und mir dann die Kosten von Edelstahl als Meterware vorrechnen. Die meisten Hersteller würden solche Kritik sicherlich überhören, ich aber nehme sie ernst, weil ich früher genauso gedacht habe. „Das kann doch nicht so teuer sein.. Das Material kostet da aber nur…“ Das physische Produkt ist das eine, und auch das einzige was man direkt als Leistung in Rechnung stellen kann. Aber was ist mit den Kosten für den Gebrauchsmusterschutz, die Markenanmeldungen, weitere Designanmeldungen, den Steuerberater, Marketing, vielfältigste Abgaben, vorgeschriebene Versicherungen, usw.

Wenn du dann parallel zu einer Ausbildung und einem Nebenjob dir die Nächte um die Ohren haust um dir dein eigenes Herzensprojekt eigenständig finanziert, zu realisieren, bei dem ganzen allein schon aufgrund der hohen Herstellungskosten in Deutschland nichts hängen bleibt, was im Verhältnis zu dem ganzen Aufwand stehen würde und dann Leute auch noch anonym im Netz schreiben „ Der will sich nur bereichern !“, braucht man wirklich ein klares Ziel vor Augen, um sich davon nicht beeindrucken zu lassen. Diese Menschen dürfen von mir aus gerne weiterhin Besteckständer aus dem schwedischem Möbelhaus modifizieren…

Friendstuff, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Ich habe den „Zweig „um den Hobokocher friendstove im Dezember an einen tollen Fachhändler aus Bayern verkauft, der mit einem großen Netzwerk und langjähriger Expertise im Outdoorhandel frischen Wind da reinbringen wird. Diesen werde ich regelmäßig besuchen. Danke hier einfach an an dich Michael Steinbach aus Miltenberg, dass du soviel Wertschätzung vor meinem harten Weg hattest und dich meinem Herzensprojekt angenommen hast und diesen Weg weitergehen wirst…

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

1. Idee:

Gründe ein Unternehmen nach wirklichem Bedarf und nicht nach persönlicher Leidenschaft.
Wenn man mir von einem neuen Produkt nicht alle Prototypen direkt aus den Händen reißt, würde ich daraus kein Unternehmen mehr aufbauen…

2. Finanzierung:

Mit einem Unternehmen hat man plötzlich mit ganz anderen Größenordnungen an Zahlen, Rechnungen Einnahmen also Geldern zu tun. So lange das alles im Verhältnis steht gar kein Problem, aber Ausgaben, die dein Unternehmen jeden Monat verursacht, aus manueller Arbeit (Nebenjob mit sagen wir mal 10 Euro die Stunde) zu bezahlen, weil es gerade mal nicht so läuft kann einen ganz schön umhauen. Das sollte man bedenken. Und spätestens beim Abzahlen von Krediten, bei denen man sich versprochen hat dieses allein aus unternehmerischen Einnahmen zu tilgen, wird das ganze brutal, wenn man nicht durch drei Telefonate mit Fachhändlern seine üblichen 600 Euro Umsatz macht, sondern halt 60 Stunden arbeiten gehen muss !!!

3. Dein Körper: Kenne deine Grenzen !!!

Natürlich kann man mal 70h die Woche arbeiten, kann das auch drei Monate, aber irgendwann ist Schluss !!! und die Folgen daraus für dein Körper sind im Verhältnis zu den Auswirkungen auf dein inneres Wohlbefinden noch ziemlich gering! Wenn du dir keine Momente mehr für dich in wirklicher Ruhe z.B. bei Waldspaziergängen nimmst gehst du kaputt, und dann hilft dir auch kein Geld der Welt mehr weiter… Achte auf dich. Ein gesunder Körper und ein fitter leichter Geist sind einfach deine wertvollsten Ressourcen..

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Klemens Nowak für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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