Samstag, Januar 23, 2021

Challenged in regelmäßigen Abständen alles

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Freelance Junior Plattform für junge Freelancer*innen

Stellen Sie sich und das Startup Freelance Junior doch kurz unseren Lesern vor!

Wir, Paul und ich (Matthias), haben mit Freelance Junior eine Plattform für junge Freelancer*innen aufgebaut. Auf der einen Seite helfen wir Freelance-Interessierten beim Start in die Selbstständigkeit. Dies machen wir durch unsere Freelance Academy, unser hauseigenes Magazin GREATJOB und Online-Seminare in Kooperation mit Hochschulen. Auf der anderen Seite bringen wir die aufstrebenden Freelancer*innen mit Unternehmen für spannende Projekte zusammen. Es wurden bis heute über 15.000 Bewerbungen von jungen Freelancer*innen über unsere Plattform übermittelt. So konnten schon über 3.000 Projekte erfolgreich umgesetzt werden.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Ehrlich gesagt, war es bei mir nie der große Plan, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Klassisch habe ich hinter einem Bankschalter angefangen, wenngleich ich schon dort innerlich diesen Antrieb spürte, auf eigenen Beinen stehen und es anders als andere machen zu wollen. So führte mein Weg nach Berlin. Dort habe ich neben meinem Masterstudium, meine Liebe für Geschäftsmodelle entdeckt und tauschte mich mit vielen Gründern*innen aus. Übrigens: Genau ein solcher Austausch ist ein wichtiger Aspekt, um Fehler zu vermeiden und einen Wissensvorsprung zu erlangen. 

Freelance Junior bestand zu dieser Zeit bereits, wenngleich es eher einem Hobby als einem Startup glich. Doch auf einmal klopften große Firmen an uns unsere Tür und wir standen vor der großen Entscheidung. Einen Monat später hatte ich meinen Job gekündigt, bin nach Hamburg gezogen und legte eine Matratze in Pauls Arbeitszimmer. Seitdem arbeiten wir jeden Tag gemeinsam an Freelance Junior. 

Aber um noch einmal auf die Ursprungsfrage zurückzukommen: Ich habe mich dazu entschieden, ein eigenes Unternehmen zu gründen, weil es sich bei Freelance Junior ganz klar um eine Sache handelt, die ich als Student selbst gerne genutzt hätte. Außerdem – auch wenn’s trivial klingt – liebe ich Herausforderungen.   

Welche Vision steckt hinter Freelance Junior?

Paul hat sein Studium mit allen erdenklichen Jobs finanziert – schon früh und immer mal wieder auf eigene Rechnung. Doch erst nach einiger Zeit, kam er mehr oder weniger durch Zufall an seinen ersten gut bezahlten Freelancer-Job, der dazu zu seinem Studium passte. Bei seinen Anfängen als Freelancer (ich etwas später) musste er sich natürlich auch viel mit bürokratischen Themen auseinandersetzen. Wir wunderten uns, dass schon viele Freelancer-Plattformen am Markt waren, sich aber keine explizit mit dem Start in die Selbstständigkeit beschäftigte. So war die Idee von Freelance Junior geboren.

Wenn man in Deutschland an Freelancing denkt, dann assoziiert man größtenteils Projekte im seniorigen Bereich. Unsere Vision ist es, dass wir die Option Freelancing schon am Anfang der beruflichen Karriere etablieren. Dies ist nicht nur unser Wunsch, sondern auch der der Generationen Y und Z wie zahlreiche Studien belegen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Das Geschäftsmodell eines Marketplace bringt immer das bekannte Henne-Ei-Problem mit. Unsere Marketing- und Sales-Aktivitäten müssen sich also stets ausgewogen an zwei Akteursgruppen richten: Ohne aufstrebende Freelancer*innen keine erfolgreich umgesetzten Projekte. Ohne spannende Projekte keime erfolgreichen Freelancer*innen.

Dazu kommt, dass wir grundsätzlich (zum Glück immer weniger) Aufklärungsarbeit leisten müssen. So mussten wir zum Beispiel das Wording studentische Freelancer*innen erst kreieren. So stark haben sich die Bilder von Praktikant*innen, Minijobber*innen und Werkstudent*innen eingeprägt, wenn es um Studentenjobs geht.

Hierzu möchten wir eine Alternative bieten und so Unternehmen die Möglichkeit geben, auf eine andere Art und Weise, mit Talenten zu kooperieren. Schließlich ist projektbasiertes Arbeiten ein wichtiger Teil von New Work. 

Wer ist die Zielgruppe von Freelance Junior?

Freelance Junior von jungen Freelancer*innen für junge Freelancer*innen entwickelt. Somit sprechen wir auf der einen Seite gleichermaßen Studierende, Abiturient*innen, Azubis, Alumni – kurz: all die, die während oder unmittelbar nach ihrer (akademischen) Ausbildung, frei arbeiten möchten – an. 

Auf der anderen Seite stehen die Unternehmen: Von Solopreneur*innen über Startups bis hin zu DAX- oder auch internationalen Konzernen war bei den über 3.000 erfolgreich vermittelten Projekten schon alles mit dabei.

Wie funktioniert Freelance Junior? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Jede*r (angehende*r) Freelancer*in kann sich bei uns ganz einfach ein Profil erstellen und sich damit auf passende Aufträge bewerben. Bei unserem Onboading fragen wir ab, inwieweit sich der*diejenige schon mit dem Thema Selbstständigkeit auskennt, um im Nachgang auf dem Dashboard passende Hilfestellungen geben zu können. Bei den Bewerbungen legen wir weniger wert auf den klassischen Lebenslauf, sondern auf die erlernten fachlichen und Soft-Skills. Spätestens bei erster Beauftragung muss selbstverständlich belegt werden, dass sich der*diejenige auch korrekt gemeldet hat.

Das Einstellen von Gesuchen ist für Auftraggeber*innen denkbar einfach gehalten: Titel und Beschreibung. Wer nicht genau weiß, was er*sie eigentlich sucht, kann sich außerdem unverbindlich von uns beraten lassen. Schon nach wenigen Stunden können sich die Bewerbungen angeschaut werden und die passenden Kandidaten*innen direkt kontaktiert werden. Für Großkunden bieten wir außerdem einen Service, wo wir uns um die Zusammenstellung ganzer Teams und die Realisierung der Projekte kümmern.

Natürlich sind viele Prozesse auf unserer Plattform automatisiert, dennoch telefonieren wir mit allen Freelancer*innen, wenn sie sich das erste Mal bewerben, und allen Auftraggeber*innen, wenn sie das erste Mal mit uns zusammenarbeiten möchten – mit diesem Vorgehen stellen wir nicht nur eine hohe Qualität sicher, sondern erzielen auch eine hohe Matching-Rate. Schließlich können wir so gezielter auf die Wünsche und Fähigkeiten beider Akteursgruppen eingehen. 

Wie hat sich ihr Unternehmen mit Corona verändert?

Erstmal ging’s ein paar Monate ins Home Office – mittlerweile sind wir teilweise wieder unter Berücksichtigung der Maßnahmen im Büro, weil uns der persönliche Austausch doch gefehlt hat. Glücklicherweise war/ist die Umstellung für unser Team nicht sonderlich schwierig, da wir Remote-Arbeit gewohnt sind (wir haben einige Personen im Team, die unser Hamburger Office auch vor Corona noch nie betreten haben). 

Viele Student*innen haben seit der Krise das Problem, dass ihre Nebeneinkünfte durch viele klassischen Studentenjobs wie das Arbeiten in der Gastronomie oder bei Events weggebrochen sind. Da die Jobs bei Freelance Junior in der Regel (schon vor Corona) von zu Hause aus erledigt werden können, wurde unser Angebot plötzlich für eine deutlich breite Masse an Studierenden interessant. Folgerichtig ist die Anzahl an Registrierungen in den letzten Monaten stark gestiegen. 

Auf Seite der Auftraggeber*innen konnten wir am Anfang von Corona eine Schockstarre feststellen, die sich im Mai wieder erholt hat. Mittlerweile sind es sogar spürbar mehr Anfragen als zu Beginn des Jahres, was wir uns damit erklären, dass sich fast alle Unternehmen mit Remote-Arbeit angefreundet haben.

Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Am Anfang von Corona haben wir die freien Kapazitäten, die durch weniger Anfragen entstanden sind, für die Verbesserung unserer Workflows und Verfeinerung unseres Geschäftsmodell genutzt. 

Durch die vielen neuen Registrierungen und den damit verbundenen freien Ressourcen seitens der Freelancer*innen sind wir unter dem Motto „Jetzt erst recht!“ losgezogen, um neue Auftraggeber*innen zu gewinnen. Zum Beispiel haben wir einer Stiftung dabei geholfen, ein sonst größtenteils analog stattfindendes Festival mit neuer Website und App ins Netz zu verlegen. Darüber hinaus sind Begriffe wie Shopware, Magento und Shopify meine ständigen Begleiter in diesem Jahr.

Wo sehen Sie in der Krise die Chance?

Das Arbeiten im Home-Office ist seit diesem Jahr kein Privileg mehr, dass nur einigen wenigen gestattet ist. Meiner Meinung nach wird es zukünftig ein fester Bestandteil unserer neuen Arbeitswelt werden. Unsere Projekte hatten auch schon vor der Krise einen hohen Remote-Anteil. Durch Corona ist die Akzeptanz von Arbeiten aus dem Home-Office gestiegen. Dies führt dazu, dass Unternehmen, die sich schnell an die neuen Gegebenheiten anpassen, einen leichteren Zugang zu Talenten haben. 

Krisen führen dazu, dass Geschäftsmodelle und Kulturen innerhalb eines Unternehmens auf den Prüfstand gestellt werden. Ich sehe darin immer eine Chance, Veränderungen anzustoßen. Denn spätestens jetzt funktioniert in vielen Bereichen ein einfaches Weitermachen nicht mehr. 

Freelance Junior, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

In fünf Jahren kennt jeder Freelance Junior, denn wir haben mittlerweile einen großen Anteil junger Talente der neuen Generation mit Unternehmen für Projekte zusammengebracht. Unsere Community spielt so eine große Rolle, wenn es um die neue Arbeitswelt in Deutschland geht. Freies Arbeiten ist für Studierende mittlerweile das normalste der Welt, denn junge Talente definieren sich nicht mehr über ihre Arbeitgeber*innen, sondern ihre Skills. Unternehmen wissen das und handeln entsprechend.

Persönlich würde ich in den nächsten Jahren gerne weiterhin mit vielen spannenden Persönlichkeiten / Unternehmen bei einem Kaffee oder einem Bier im Stadion über New Work philosophieren. Danach geht es zurück an den Laptop und es wird mit Paul weiter an Freelance Junior gearbeitet – also alles so wie früher.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

  • Versucht nicht durch andere Einnahmequellen, den Proof of Concept eurer Idee hinauszuzögern oder gar zu umgehen.
  • Tauscht euch vor jeder Herausforderung mit jemanden aus, der schon einmal in der gleichen Situation war.
  • Challenged in regelmäßigen Abständen alles: Vom Geschäftsmodell bis hin zur einfachsten Task.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Matthias und Paul für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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