Man sollte Leidenschaft für das Unternehmen und die eigene Unternehmung aufbringen

foodloose Bio Riegel: vegan und glutenfrei

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen foodloose doch kurz unseren Lesern vor!
Wir sind ein Hamburger Unternehmen und bestehen aktuell aus sechs Mitarbeitern. Verena und ich sind schon lange befreundet und haben uns im Studium kennen gelernt. 2010 haben wir dann foodloose gegründet und seitdem versorgen wir gemeinsam den Snackmarkt mit gesünderen Alternativen. Unser Sortiment besteht aktuell aus den Nuss-und den SMU:DI-Riegeln, für die wir nur ausgewählte, qualitativ sehr hochwertige Bio-Zutaten verwenden. Zudem nutzen wir die Süße des Agavendicksafts und keinen Industriezucker für unsere Produkte. Wir verzichten vollkommen auf Zusatz-und Füllstoffe, die in vielen anderen Müsliriegeln und Snacks enthalten sind. Unsere Produkte sollen Spaß machen, lecker schmecken und mit gutem Gewissen gesnackt werden können – daher legen wir viel Wert auf ein ansprechendes Design, so dass die foodloose Riegel zum ständigen Begleiter in der Handtasche oder auf dem Schreibtisch werden.

Wie ist die Idee zu foodloose entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
In meiner Familie wurde schon immer viel Wert auf gesunde Ernährung mit Bio-Qualität gelegt, was mir auch heute noch sehr wichtig ist. Allerdings empfand ich unsere Snacks aus dem Biomarkt meistens als sehr langweilig und fade. Das ist unter anderem auch ein Grund dafür, warum ich mit foodloose Genuss und gute Bio- Qualität miteinander verbinden möchte. Während meines Aufbaustudiums in San Francisco im Jahr 2009 wurde es dann konkreter. Dort brauchte ich regelmäßig eine gute Portion Studentenfutter, um die langen Uni-Tage zu überstehen. Allerdings waren mir die meisten fertig gemischten Snacks zu eintönig. Also begann ich selber Nüsse und Trockenfrüchte zusammen zu stellen, gern auch mit exotischeren, getrockneten Früchten. Jedoch blieb schnell nichts mehr für mich übrig, weil meine Kreationen auch bei meinen Kommilitonen ziemlich gut ankamen. So kam mir dann das erste Mal die Idee für foodloose und einem Riegel mit leckeren, natürlichen Zutaten, den man in jeder Lebenslage snacken kann, ohne zu krümeln.
Als ich wieder zurück in Deutschland war, ließ mich diese Idee nicht mehr los und ich beschloss an einem Business-Plan-Wettbewerb der Financial Times teilzunehmen. Eine der Teilnahmebedingungen war allerdings die Mindestanzahl von zwei Gründern. Und so beschloss ich, meine alte Studienfreundin Verena mit ins Boot zu holen. Wir kannten uns aus einem Auslandssemester in Barcelona und waren schon länger sehr gute Freundinnen. Sie war sofort von dem Konzept und der Idee begeistert und zu dem Zeitpunkt auch auf der Suche nach einer beruflichen Veränderung. Aktuell übernehme ich vor allem die Produktentwicklung, während Verena sich um den Vertrieb kümmert. Wir ergänzen uns perfekt in dieser Aufgabenteilung.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung war und ist immer noch die perfekte Rezeptur für einen Riegel zu finden. Bei jedem Produkt haben wir lange rumprobiert und die Zutatenliste viele Male verändert und angepasst, bis wir wirklich vollends zufrieden mit dem Geschmack waren. Und wenn wir eine Rezeptur gefunden haben, bei der Konsistenz und Geschmack unseren hohen Ansprüchen entsprechen, muss am Ende auch noch die Rechnung aufgehen und eine sinnvolle Bezugsquelle für die passenden Rohstoffe gefunden werden. Eine wichtige Aufgabe bestand auch darin, einen Produzenten zu finden, der zu unseren Ideen und Wertvorstellungen passt – das war auch eine echte Herausforderung. Mittlerweile sind wir komplett selbst finanziert. Zum Start unterstützte uns meine Familie mit einem großzügigen Darlehen, so dass wir die erste Charge produzieren konnten. Das hat uns natürlich sehr geholfen. Zwischenzeitlich hatten wir auch einen Kredit von unserer Hausbank mit einer Bürgschaft der Bürgengemeinschaft. Den nehmen wir aber mittlerweile nicht mehr in Anspruch.

Wie hat sich das Unternehmen seit dem Start entwickelt?
Wir haben eine sehr starke und schnelle Entwicklung durchgemacht. Anfangs haben meine Familie und ich im Lebensmittelinstitut Quakenbrück die ersten Nussriegel händisch produziert, was ziemlich anstrengend und nervenaufreibend war. Die Hände meines Vaters waren nach 10 kg Mangoscheiben hacken mit Blasen übersäht. Letztendlich haben wir aber als Familienprojekt innerhalb von zwei Wochen 4.000 Riegel und eine Menge Bruch produziert. Danach ging es vor allem darum, die Riegel unter die Leute zu bringen. Wir haben unzählige Cafés abgeklappert und Messen besucht, um dort persönlich für foodloose zu werben, was sich letztendlich auch ausgezahlt hat. Mit dem Tchibo-Kantinenchef habe ich an meinem letzten Arbeitstag vor der Gründung von foodloose den Deal geschlossen, dass er unsere Riegel in sein Sortiment aufnimmt, wenn wir soweit sind. Der Wendepunkt kam dann etwas später, als wir bei der ersten großen Bio- Kette gelistet wurden. Das hat uns viele Türen geöffnet. Seitdem ist sehr viel passiert. Mittlerweile werden alle unsere Riegel maschinell produziert und wir haben über 2.500 Vertriebspartner deutschlandweit. Allerdings ist die Lernkurve nach wie vor in allen Bereichen sehr hoch. Für das bevorstehende Jahr haben wir auch viele Pläne und Ideen – parallel zu neuen Riegeln und Rezepturen und einem weiteren Wachstum in puncto Umsatzzahlen, wachsen auch unsere Familien. Verena hat gerade ihr zweites Kind zur Welt gebracht und ich erwarte das Dritte. Dank gut organisierter Familien, toller Männer und dem besten Team können wir unser Unternehmen gemeinsam so erfolgreich führen und müssen nicht auf ein erfülltes Familienleben verzichten.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Ihnen aus?
Ich stehe morgens um 6:30 Uhr auf und kümmere mich zusammen mit meinem Mann darum, die Kinder fertig zu machen und sie in den Kindergarten zu bringen. Dann fahre ich in unser Büro und trinke erst einmal entspannt einen Kaffee! Jeden Montag frühstückt das Team immer zusammen, was sehr nett ist, da jeder einen Einblick über die Wochenend-Aktivitäten der anderen Kollegen bekommt! Dann arbeite ich meistens bis 15:00 Uhr und hole die Kinder ab. Nachmittags versuche ich meine Zeit den Kindern zu widmen und nur im Notfall zu arbeiten. Am Abend setze ich mich oft nochmal an den Rechner und beantworte Mails oder mache mir Gedanken über strategische Themen für foodloose. Häufig haben wir auch Messen am Wochenende, in solchen Fällen springen dann glücklicherweise unsere Männer oder unsere Eltern ein. Verena hingegen ist vertriebsbedingt viel unterwegs und arbeitet hauptsächlich aus Süd-Deutschland, wo sie mit ihrem Mann und ihren Kindern lebt. Wir treffen uns allerdings mindestens einmal im Monat, um strategische Entscheidungen zu treffen und uns auf den neusten Stand zu bringen. Es gibt auch kaum einen Tag, an dem wir nicht zwei oder drei Mal miteinander telefonieren.

Wie meistern Sie den Spagat zwischen Mutter und Unternehmerin?
Wir verfügen über ein sehr gutes privates und berufliches Netzwerk, was sich in der Unternehmensführung durchweg als positiv erweist. Unsere Familien unterstützen uns zudem bedingungslos und stehen immer hinter uns und unseren Plänen für foodloose. Dafür sind wir wirklich sehr dankbar. Im Laufe der Zeit mussten wir auch lernen Verantwortung abzugeben, denn andernfalls wäre es nicht möglich gewesen als Mutter und Unternehmerin zu funktionieren. Mit dem Mutterdasein hat sich auch unsere Arbeitsweise grundlegend verändert und wir können Aufgaben und Hindernisse viel effizienter angehen und bewältigen.

Wer ist die Zielgruppe von foodloose?
Unsere Produkte sprechen vor allem Käufer an, die Wert auf natürliche Bio-Lebensmittel ohne Zusatzstoffe, Zucker und Gluten legen, also die sogenannte „Free From-Zielgruppe“. Aber auch Menschen, die sich einfach nur einen schmackhaften, lifestyligen Snack für Zwischendurch gönnen wollen, essen gerne foodloose-Riegel. Zudem spenden unsere Snacks wirklich sehr viel Energie und sättigen langanhaltend, daher zählen auch viele Sportler zu unserer Zielgruppe. Und da die Riegel auch ganz ohne tierische Inhaltsstoffe auskommen, erreichen wir auch Menschen, die einen veganen Lebensstil pflegen.

Was ist das Besondere an den Riegeln?
Ich kreiere wirklich jeden Riegel selber und bin da auch sehr perfektionistisch. Kein Riegel kommt in die Regale eines Supermarktes solange wir nicht alle 100-prozentig dahinter stehen. In die Rezepturen der Nussriegel lasse ich meine ganz persönlichen Erinnerungen einfließen. Das können Reisen in ferne Länder oder besondere Momente mit Freunden oder der Familie sein. Ich glaube, diese Liebe und Hingabe schmeckt man auch, wenn man unsere Riegel probiert. Bei unseren SMU:DI-Riegeln haben wir uns an den Rezepturen von „Green Smoothies“ orientiert. Allerdings sind unsere Riegel nicht ultrahocherhitzt, sondern wurden schonend getrocknet und sind roh. Dadurch bleiben alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe erhalten. Neben der Süße der enthaltenen Früchte wird überhaupt kein Zucker zugesetzt, so dass die SMU:DIs auch für verschiedenste Diäten und Ernährungsweisen funktionieren. Wir legen bei all unseren Riegeln auch sehr viel Wert auf eine transparente Zutatenliste, in der Füll-und Zusatzstoffe nichts zu suchen haben. Wenn wir unsere Nussriegel süßen, dann nur mit Agavendicksaft und auf keinen Fall mit Industriezucker. Das gesamte foodloose Sortiment ist vegan, Bio, gluten-und laktosefrei.

foodloose, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Aktuell ist pünktlich zur Biofachmesse ein neuer Nussriegel geplant, an dem wir schon fleißig arbeiten. Zukünftig möchten wir auf jeden Fall das Sortiment stark vergrößern und erweitern. Dabei wollen wir uns und unserem Anspruch an Geschmack und Qualität treu bleiben. foodloose wurde vor allem aufgrund unserer Leidenschaft und Freude an gesunden Snacks gegründet und nicht um möglichst schnell maximalen Gewinn zu erzielen. Und wir machen so lange weiter, wie es uns auch Freude bereitet.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?
Es ist wichtig, immer seiner Passion zu folgen, dann kommt der Erfolg von ganz alleine. Man sollte Leidenschaft für das Unternehmen und die eigene Unternehmung aufbringen. Das motiviert einen immer wieder aufs Neue.
Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es viele Vorteile hat Mutter und gleichzeitig Unternehmerin zu sein. So kann jede Frau einem anspruchsvollen Job nachgehen, ohne auf das Familienleben verzichten zu müssen.
Gebe die Aufgaben ab, in denen du nicht gut bist. In unserem Fall ist es die Buchhaltung, daher haben wir die direkt abgegeben. Denn das sind Bereiche, die dich nur aufhalten und nicht weiterbringen. So hast du die Möglichkeit deine Zeit in Aufgaben zu investieren, in denen du richtig gut bist.

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Wir bedanken uns bei Katharina Staudacher für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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