FoodLoop: vermeidbarer Lebensmittelverschwendung

FoodLoop einer der Finalisten beim Startup Wettbewerb Chivas The Venture

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen FoodLoop doch kurz unseren Lesern vor
Unser junges Startup aus Köln widmet sich dem größten lösbaren Problem der ersten Welt: vermeidbarer Lebensmittelverschwendung. Das derzeit neunköpfige Team hat eine softwaregestützte Plattform für Handel, Hersteller & Verbraucher gleichermaßen entwickelt, welche preisreduzierte Lebensmittel kurz vor Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Haltbarkeit auf dem Smartphone und im Web in Echtzeit sichtbar werden lassen. Einkäufe werden durch smarte Funktionen automatisch in der FoodLoop App erfasst, um durch spielerisches Feedback in Form von z.B. individuellen CO2- und Ernährungswerten seiner Einkäufe zu einem nachhaltigeren Umdenken zu motivieren (Das nennen wir „Sustainability Dashboard“). Hinzu sollen sich Verbraucher durch das LOOPS-Bonusprogramm von FoodLoop für lokale Einrichtungen engagieren und profitieren von personalisierten Angeboten.

Wie ist die Idee zu FoodLoop entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammen gefunden?
Gründer Christoph Müller-Dechant ist davon überzeugt, dass Menschen ihr Verhalten nachhaltig zum Besseren ändern können, wenn sie nur die richtigen Werkzeuge bekommen. Da stehen Bildung und Mentoren an erster Stelle. Christoph’s intrinsische Motivation FoodLoop zu führen, rührt von der Grundsatzfrage, was man mit welchen Mitteln ergänzend hier noch tun kann, um eine gesteigerte Mündigkeit, Vernunft und Nachhaltigkeit in den Köpfen der Menschen spielend zu verankern und sich gut dabei zu fühlen.
Zwei konkrete Erfahrungen von Christoph, die zur Ideenfindung von FoodLoop beigetragen haben:
1) Babysitter-Erfahrung in 2002: Zwei Kinder gucken auf das Joghurt-Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) im Kühlschrank, welches noch zwei Tage hat. Die Reaktion: ”Igitt, das essen wir nicht mehr!” Christoph erklärte den Jungs, was das MHD – und ganz im Gegensatz dazu das Verbrauchsdatum – bedeutet und man seine Sinne benutzen sollte um Produkte mit MHD auf seine Genießbarkeit zu checken. Denn nur so bewahrt man sich seine Mündigkeit als Verbraucher und versteht vorgegebene Daten nicht falsch.
2) Starbucks Studentenjob in 2009 in den USA: Erstmalige Bekanntschaft mit Dynamiken der Verwertungslogik verschiedener Marktteilnehmer aus dem Gastro- und Handelsbereich.
Das Gründerteam war über die ganze Welt zerstreut und hat sich – vor allem durch Christoph’s private Netzwerke – an der Uni Köln und in diversen Veranstaltungen gefunden.

Von der Idee bis zum Start was waren die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Darüber können wir jetzt schon ein Buch schreiben, daher hier nur Ausgewähltes. Eine große Herausforderung war es, die Dynamiken und Prozesse aller betroffenen Marktteilnehmer in der Lebensmittelindustrie perfekt zu verstehen: Hersteller, Händler, Verbraucher, Verpacker, Softwarehersteller, Hardwarehersteller, Standardisierer wie Barcodes (ISO-Normen), Kundenbindungsprogramme, gemeinnützige Einrichtungen. Allen muss man es recht machen können mit seinem Produkt, um letztendlich auch alle Marktteilnehmer durch eine Win-Win Situation für eine nachhaltige Zusammenarbeit zu gewinnen. Wären wir in 2012 nicht etwas naiv an die Lösung rangegangen und hätten uns die komplexen Dynamiken bewusst gemacht, wer weiß ob wir uns zugetraut hätten das dicke Brett anzubohren. Nun haben wir es jedoch geschafft (auch mit einem großen Händler!) und sind süchtig danach geworden mit FoodLoop als Werkzeug die Welt zu verbessern. Auch das passende Kerngründerteam zu finden war nicht einfach. Bis heute ist es eine Herausforderung stets die Produktentwicklung und den Fokus zu wahren.
Unsere Finanzierung lief in 2013 ziemlich klassisch über 2 Business Angels, ab 2014 über das Exist Gründerstipendium und in 2015 über EU-Fördergelder und erste Kunden.

Wer ist die Zielgruppe von FoodLoop?
Unsere Konsumentenzielgruppe besteht aus der Smartphone-affinen Käuferschicht: Circa 20 Millionen deutsche Smartphone-Besitzer nutzen ihr Smartphone in 2015 zur Informationssuche über Preise vor oder während des Einkaufs im stationären Handel. Die zahlende Kundenzielgruppe sind Supermärkte. Um den Markt effizient abzuschöpfen, werden neben aktuellen Pilotierungen Einzelhandelsketten individuell angesprochen: Allein hier besteht ein Marktpotenzial von ca. 40.000 Filialen in Deutschland. FoodLoop will das Bewusstsein des Verbrauchers für einen nachhaltigeren Umgang mit Lebensmitteln & durch sinnvollen Technologieeinsatz stärken und somit zu einem Ressourcen-Effizienterem Handeln motivieren. Dabei machen wir uns das moderne Zeitalter der Smartphones zu Nutze. Somit bietet die App für diese weiter steigende Zahl an Smartphone-Nutzern eine gute Möglichkeit, Geld zu sparen und gleichzeitig nachhaltig zu handeln. Das ist eine Bekämpfung der Lebensmittelverluste im Handel und beim Verbraucher.

Sie sind eines von drei Finalisten des Startup Wettbewerbs Chivas The Venture. Wie motivierend ist es dass Sie diesen Schritt geschafft haben?
Sehr stark, besonders vor dem Hintergrund unserer aktuellen Planung selbst eine Crowdfundingkampagne in 2016 durchzuführen. Mit Unterstützung von CHIVAS als verantwortungsvolle Marke und erfahrenen Gründern wie Frank Thelen als Berater an unserer Seite, haben wir schon im nationalen Finale das große Los gezogen. Jeder weitere Erfolg bringt uns unserer Vision „Lecker die Welt retten“ ein Stückchen näher.

Was hat Sie dazu bewogen am Wettbewerb Chivas The Venture teilzunehmen?
Wir planen und recherchieren schon seit 2015 eine Crowdfunding-Kampagne. Als wir die Werbung von Chivas The Venture mit Frank Thelen auf einem Busplakat gesehen haben, sind wir erstmal neugierig geworden. Nach weiterer Recherche über den Wettbewerb sprach uns das Werteversprechen sehr an.
CHIVAS als authentischer Partner für FoodLoop, würde eine tolle Synergie um eine Sichtbarkeitsplattform für das größte lösbare Problem der ersten Welt – Lebensmittelverschwendung – zu schaffen. Denn nur wenn wir (alle!) in diesem Bereich gemeinsam an einem Strang ziehen, kann ein bewussterer Umgang mit Lebensmitteln gefördert werden.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?
Keine Ahnung. ROOM IN A BOX und Coolar erscheinen uns tolle Lösungen. Coolar’s Kühlschrank erinnert an eine fortschrittliche Weiterentwicklung der doppelten Tontopfmethode – was ziemlich clever ist. Wiederwertbare Möbel aus Pappe im Origami-Style sind in Anbetracht der Wegwerfgesellschaft, besonders in erste Welt Ländern, eine vorbildliche und logische Entwicklung. Hut ab vor Idee und Umsetzung. Wir gönnen es allen! Möge der Beste gewinnen.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre?
Utopisch: Bankrott gehen, weil jeder Mensch bewußt einkauft, sich gesund ernährt und nachhaltig handelt. Ergo: Kein Bedarf mehr für FoodLoop besteht, da Ressourceneffizienz zu 100% durch den Magen geht.
Realität: FoodLoop als Multipartnerplattform plus Community für große und kleine Lebensmitteleinzelhändler zugleich. Ein Investor aus dem Silicon Valley hat dies mit dem Google für Lebensmittel im stationären Einzelhandel verbunden.

Zum Schluss: welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
– Intrinsische Motivation für die Mission ist am allerwichtigsten, wichtiger als fachliche Kompetenz und einander riechen zu können. Wenn die intrinsische Motivation stimmt, kommt der Rest (fast) von alleine. Nichts ist unmöglich und alles auch nur von Menschen geschaffen!
– Einen Pitch kann man nicht oft genug üben. Für den Erfolg muss man nicht nur üben, sondern auch hart arbeiten!
– Man sollte allen Beteiligten immer wieder die harten Fakten bewusst machen. Dabei sollte jede Aufgabe im Team mit vollkommener Ehrlichkeit und Transparenz durchgeführt werden.
– Ein weiterer Erfolgsfaktor ist es auf die wichtigsten 10% der Aufgaben fokussiert zu bleiben, welche den größten Einfluss auf den Fortschritt haben.

Bild: FoodLoop

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Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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