Die eigene Finanzplanung ist wichtiger als man am Anfang denkt

FOLKDAYS ist ein Fair Fashion Label- jedes Produkt ein Unikat

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen FOLKDAYS doch kurz unseren Lesern vor!
Ich bin Lisa Jaspers, Gründerin von FOLKDAYS, einem Fair Fashion Label und Online Shop. Gegründet habe ich FOLKDAYS gemeinsam mit zwei Freunden vor ca. 3 Jahren in Berlin.
Wir spezialisieren uns auf hochwertige Materialien wie Seiden, Alpaka und Kaschmir, welche wir von unseren Produzenten aktuell in 18 Entwicklungsländern von Hand verarbeiten lassen. Was FOLKDAYS zu einem fairen Label macht, ist die Tatsache, dass wir unsere Produzenten angemessen bezahlen und somit ihre ökonomische und soziale Stellung verbessern können.

Wie ist die Idee zu FOLKDAYS entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Vor meiner Selbstständigkeit hatte ich eigentlich nicht viel mit Mode oder Design am Hut, sondern habe Entwicklungsökonomie in London studiert und danach längere Zeit in der Entwicklungshilfe, zuerst für die non-profit Organisation Oxfam und dann für ein Beratungsunternehmen, gearbeitet. Mir war jedoch immer bewusst, dass ich eines Tages mit einem eigenem Unternehmen mein eigener Chef sein möchte. Wie genau dieses Unternehmen aussehen sollte, stellte sich jedoch erst über meine Zeit in der Entwicklungshilfe allmählich heraus, in der ich viel in Schwellen- und Entwicklungsländer gereist bin. Auf diesen Reisen bin ich auf viel Armut und Verzweiflung gestoßen, habe jedoch auch den unglaublichen Reichtum an toller Handwerkskunst in den Ländern entdeckt. Diese wollte ich den Menschen in Europa und dem Rest der Welt gerne näher bringen und zudem das mangelnde Angebot an fair produzierter und vor allem schöner, qualitativ hochwertiger Kleidung und Produkten abdecken. Nicht zuletzt möchte ich mit FOLKDAYS einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Armut in diesen Ländern zu bekämpfen und möchte meinen Produzenten die Möglichkeit geben, ihre Produkte auf dem westlichen Markt anbieten zu können, um ihnen somit eine langfristige Perspektive zu bieten. Im Grunde sind sie es, die mit ihren großartigen Fähigkeiten, FOLKDAYS erst möglich machen.
Nachdem meine Idee geboren war, beschloss ich, zwei gute Freunde mit ins Boot zu holen, die meine Erfahrung und Fähigkeiten super gut ergänzen. Denn Kimon ist Jurist und Heidi Textildesignerin.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die zwei größten Herausforderungen für uns sind zum einen, mit einem limitierten Budget, in einem komplett übersättigten Fashion Markt die eigenen Reichweite signifikant zu erweitern, zum anderen ist das Management unserer Liquidität. Denn wir müssen ständig in unser Lager investieren um wachsen zu können, gleichzeitig haben wir monatliche Fixkosten, die nicht zu kurz kommen dürfen. Aber beide Probleme sind mit Sicherheit für jedes Nischen-E-Commerce Unternehmen relevant.
Die Anfangsinvestition haben wir selbst gestemmt, danach haben wir über unser Family- und Friends-Netzwerk ein Darlehn erhalten. In einer Situation in der man als Anleger kaum Geld bekommt finden sich zum Glück immer wieder Menschen, die es nicht nur als befriedigend, sondern auch als ökonomisch sinnvoll erachten, Ideen wie die unsrige zu unterstützen.
Ich habe in der Gründungsphase natürlich auch darüber nachgedacht, ob es sinnvoll ist für FOLKDAYS Fremdinvestoren zu suchen. Ich glaube ganz fest daran, dass unser Business Model unglaubliches Potential hat und sehr groß werden kann. Viele meiner Freunde, die selbst Gründer sind, haben mir allerdings im ersten Schritt davon abgeraten. Denn natürlich gibt man durch Fremdkapital auch immer ein Stück weit die Selbstbestimmung auf. Außerdem denke ich, dass man mit dem eigenen Geld oft nachsichtiger umgeht, als mit dem Geld anderer Leute. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass das Investoren-Thema vielleicht irgendwann nochmal interessant für uns sein könnte.

Wer ist die Zielgruppe von FOLKDAYS?
Mit FOLKDAYS richten wir uns an eine junge und designbewusste Zielgruppe, die unsere Produkte vor allem aufgrund ihrer hohen Qualität und ihres schönen, zeitlosen Designs kaufen. Das die Produkte unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden, stellt dabei einen zusätzlichen Benefit dar; ich bin jedoch der Meinung, dass faire Arbeitsbedingungen niemals der USP eines Unternehmens, sondern einfach völlig selbstverständlich sein sollten.
Ich möchte erreichen, dass unsere Kunden eine Beziehung zu ihren Produkten aufbauen und erkennen, dass jemand seine Energie, Kraft und Können dafür aufgewendet hat. Um das zu erreichen, können sich unsere Kunden über die jeweiligen Produzenten und Materialien auf folkdays.com informieren und erhalten zudem zu jedem Produkt einen Flyer, der die Geschichte des Produkts und seines Produzenten erzählt.

Welche Produkte findet man auf FOLKDAYS?
Bei FOLKDAYS findet man neben Bekleidung und Accessoires, auch Produkte aus dem Interior-Bereich. Diese kommen aus den verschiedensten Ländern der Welt – eben aus den Schwellen- und Entwicklungsländern, die ich selbst besucht habe. Zu nennen wären hier beispielsweise kuschelige Wollcardigans aus Peru, wunderschöner Messing-Schmuck aus Kenia oder traditionelle, von einer Frauen-Kooperative handgewebte Kilim-Teppiche aus der Türkei.
All unsere Produkte verbindet eine einheitliche, unaufdringliche Ästhetik, die vor allem durch ihre Details wie z.B. einer speziellen Stick- oder Webtechniken zu kleinen Kunstwerken werden.

Was ist das Besondere an den Produkten?
All unsere Produkte sind Unikate und werden in Zusammenarbeit mit Kunsthandwerkern hergestellt, deren großartige Fähigkeiten über viele Generationen hinweg weitergegeben wurden. Wir achten sehr darauf, dass unsere Produkte aus qualitativ hochwertigen Materialien hergestellt werden und dass diese Materialien in den jeweiligen Ländern eine lange Tradition besitzen. Damit können wir nicht nur sicher stellen, dass die Kunsthandwerker wissen, wie sie mit den Materialien umgehen müssen, sondern unterstützen auf diese Weise auch die lokale Wirtschaft und sparen zudem unnötige Transportwege, da die Materialien sowieso vor Ort zu finden sind. Typische Folkdays-Materialien sind z.B. Seide oder Baby-Alpakawolle.
Um die Qualität und die Arbeitsbedingungen sicherstellen zu können, habe ich alle Produktionsbetriebe persönlich besucht und bin im ständigen Austausch mit den Produzenten. Mit ist besonders wichtig, dass sie ihre eigenen Ideen und Erfahrungen in den Produktionsprozess mit einfließen lassen können und gleichzeitig von uns lernen, welche Wünsche und Bedürfnisse die westliche Kundschaft an ihre Produkte hat. Ich denke das unterscheidet uns stark von anderen nachhaltigen bzw. fairen Unternehmen. Denn während die meisten Unternehmen mit ihrer Designidee einen Produzenten suchen, der diese Idee am besten umsetzen kann, verhält es sich bei uns genau umgekehrt: Wir finden zuerst einen Produzenten und schauen dann, was wir gemeinsam Tolles entwickeln könnten.

FOLKDAYS, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In den letzten 3 Jahren haben wir erlebt, dass in FOLKDAYS ein enormes Potenzial steckt. Wir haben gelernt, dass wir Menschen, um sie zu einer anderen Art des Konsums zu bewegen, sinnvolle Alternative bieten müssen. Diese Alternative sind wir bereits für viele Menschen, möchten dies aber auch noch für viele, viele mehr werden.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
– Die eigene Finanzplanung ist wichtiger als man am Anfang denkt…
– Behandle deine Mitarbeiter und Business Partner so wie du selbst behandelt werden möchtest
– Lies keine „How to“ Business-Bücher die von Männern geschrieben wurden, die schon zum dritten Mal verheiratet sind;)

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Lisa Jaspers für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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