Fördermittel: Welche Voraussetzungen müssen Startups erfüllen?

Teil II der Serie „Start-up-Finanzierung mit Fördermitteln“

Hat ein Start-up die erste Finanzierungsrunde mit privaten Investoren und Banken erfolgreich abgeschlossen, können Fördermittel eine willkommene Erweiterung des Finanzrahmens für innovative, technologieorientierte Vorhaben darstellen. Doch jedes Programm hat andere Konditionen: Wer fördert eigentlich wen?

Innovationen stehen im Mittelpunkt der meisten Förderprogramme. Auch wenn es wenige Programme gibt, die sich direkt an Start-ups richten, so gibt es doch einige, die kleine und mittlere Unternehmen fördern. Die Konditionen vier wichtiger Programme, von denen auch Start-ups profitieren können, im Überblick:

Horizon 2020

Mit diesem Rahmenprogramm für Forschung und Innovation möchte die EU den Aufbau einer wissen- und innovationsgestützten Gesellschaft sowie einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft unterstützen. Konkret haben die Geldgeber dabei drei Schwerpunkte im Auge: wissenschaftliche, grundlagenorientierte Forschung, industrielle Forschung sowie Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen, die beispielsweise durch den demografischen Wandel, die Energiewende oder Mobilität entstehen.

Voraussetzungen für eine Bewerbung:
• Unternehmen mit Sitz in der EU und teilweise im Verbund mit mindestens zwei anderen Unternehmen oder Institutionen, die in einem anderen Mitgliedstaat ansässig sind
• Für Start-ups interessant: KMU-Instrument als Teilprogramm von Horizon 2020
o KMU (kleine und mittlere Unternehmen mit maximal 250 Mitarbeitern und weniger als 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr) aus definierten Technologiefeldern
o Innovatives Projekt mit hohem Wachstumspotenzial und internationaler Marktdimension
o Schneller Markteintritt geplant
o Proof-of-Concept nachgewiesen, Prototyp verfügbar

Die Förderquote für „Forschungs- und Innovationsmaßnahmen“ beträgt 100 Prozent, für reine „Innovationsmaßnahmen“ 70 Prozent. Die Einreichung der Bewerbung ist jederzeit möglich, an 3-4 Stichtagen pro Jahr startet die Bewertung der Anträge.

KMU innovativ

Das vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) aufgelegte Förderprogramm KMU innovativ richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen mit innovativen Projekten aus der Spitzenforschung, unter anderem auch der IT- und Kommunikationstechnologien. Es sollen vor allem risikoreiche industrielle Forschungs- und vorwettbewerbliche Entwicklungsvorhaben unterstützen werden.

Voraussetzungen für eine Bewerbung:
• KMU (kleine und mittlere Unternehmen mit maximal 250 Mitarbeitern und weniger als 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr), auch im Verbund mit Forschungseinrichtungen und KMU
• Start-ups: zugelassen, wenn Eigenanteil (50 Prozent der Kosten) nachweislich erbracht werden kann
• Innovatives Projekt aus den Bereichen Elektroniksysteme und -mobilität, Softwaresysteme und Wissensverarbeitung, Kommunikationstechnik und Netze sowie der Mikrosystemtechnik
• Projektskizze mit maximal 10 Seiten Umfang
• Stichtage für Einreichung: 15. April und 15. Oktober

Das BMBF wirbt mit einer schnellen Bearbeitung der Anträge innerhalb von zwei Monaten. Es hat zudem einen Lotsendienst eingerichtet, über den sich Interessierte vorab beraten lassen können.

Pro FIT

Leider fördert das von der Investitionsbank Berlin aufgelegte Förderprogramm nur regional ansässige Unternehmen. Das Programm zur Förderung von Forschung, Innovationen und Technologien unterstützt Unternehmen nicht nur bei Forschung und Entwicklung, sondern – und das ist einzigartig unter den Förderprogrammen – auch bei den dazugehörigen Markteinführungsaktivitäten.

Voraussetzungen für eine Bewerbung:
• Rechtlich selbstständige, auf Gewinnerzielung ausgerichtete KMU mit Sitz oder mindestens einer organisatorisch eigenständigen Betriebsstätte in Berlin
• Nicht-KMU und nicht regional ansässige Unternehmen nur im Verbund mit regional ansässigen KMU
• Schwerpunktbranchen: Informations- und Kommunikationstechnologie, Biotechnologie, Medizintechnik, Optische Technologien und Verkehrstechnologie

Pro Fit ist für Projekte aus den technologischen Schwerpunktbranchen gedacht. Das Fördergeld wird in Abhängigkeit von der Phase, in der sich das Projekt befindet, entweder als Zuschuss (bis zu 70 Prozent der Kosten) oder als zinsgünstiges Darlehen (bis zu 80 Prozent der Kosten) ausgezahlt. Die Investitionsbank Brandenburg bietet ein ganz ähnlich gelagertes Förderprogramm für in Brandenburg ansässige KMU.

Gründung innovativ

Die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) möchte mit dem Förderprogramm Gründung innovativ speziell Existenzgründer unterstützen. Ziel ist es, Unternehmer mit innovativen Geschäftsideen in den ersten drei Jahren nach der Firmengründung zu fördern, vor allem mit der Finanzierung von Produktionsanlagen, Honoraren für externe Berater und einem Teil der Personalkosten.

Voraussetzungen für eine Bewerbung:
• KMU in den ersten drei Jahren nach Gründung (oder Übernahme) mit Sitz oder einer Betriebsstätte in Brandenburg
• Einer der Gründer hält als geschäftsführender Gesellschafter mindestens 10 Prozent der Unternehmensanteile, Selbständigkeit als Haupterwerb
• Branchen: Energietechnik, Gesundheitswirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnik, Medien- und Kreativwirtshaft, Verkehr/Mobilität/Logistik, Optik, Ernährungswirtschaft, Kunststoffe/Chemie, Metall, Tourismus, Holz- und Papier-Verarbeitende unter bestimmten Bedingungen
• Finanzierung der Gründung muss gesichert sein
• Zu förderndes Projekt noch nicht begonnen

Diese – aber auch viele weitere regionale – Förderprogramme schreiben genau vor, wer sich unter welchen Bedingungen mit welcher Art von Unternehmung um Fördermittel bewerben kann. Um sich viel Arbeit für die Recherche nach dem passen Programm zu ersparen, ist es hilfreich, vorab einen unverbindliche und kostenlose Beratung zu nutzen, zum Beispiel den förderbar Fördermittelcheck.

Zur Autorin: Nicole Ölkers ist Director und Prokuristin bei der förderbar GmbH. Mit ihrer langjährigen Erfahrung in der Fördermittel Beratung ist Nicole Ölkers bei förderbar verantwortlich für alle operativen Themen im Unternehmen: Neben dem Vertrieb und der Beratung pflegt sie vor allem die Kontakte zu Förderinstitutionen, Investoren und Inkubatoren. Sie leitet das gesamte Team und steuert die internen Prozesse rund um die Aktualisierung von Förderprogrammen und der Weiterentwicklung der Beratungsprojekte von förderbar.
Bevor Nicole Ölkers im Jahr 2012 zu förderbar wechselte, war sie über vier Jahre als Senior Corporate Finance Advisor bei eventurecat für den Aufbau der Fördermittelabteilung und die Betreuung namhafter Kunden zuständig.

Zu förderbar: förderbar ist die Fördermittel Beratung für die IT- und digitale Wirtschaft. Von der Prüfung über die Beantragung bis hin zur Projektadministration übernimmt förderbar den gesamten Prozess der Fördermittelfinanzierung. Mit mehr als 10 Mitarbeitern und Firmensitz in Berlin berät förderbar bundesweit sowohl innovative Start-ups als auch mittelständische Unternehmen zur Förderung ihrer Technologievorhaben.
Zu den förderbar-Referenzen zählen unter anderem 6wunderkinder, Absolventa, Adspert, bettermarks, clipkit, commercetools, Friendsurance, GameGenetics, KIWI.KI, komoot, MODOMOTO und UPcload. In einem kostenfreien Fördermittel-Check ermittelt förderbar die grundsätzlichen Chancen interessierter Unternehmen der digitalen Wirtschaft und IT-Branche.
www.foerderbar.de

redaktion

Startups sind mit ihrer Innovationskraft und Kreativität der Motor der globalen Wirtschaft und der gesellschaftlichen Entwicklung. Wir bieten akribisch recherchierte Informationen über Gründer und Startups. Neben Porträts junger Unternehmer und erfolgreicher Startups und deren Erfahrungen liegt der Fokus auf KnowHow von A bis Z sowohl für Gründer und Startups als auch für Investoren, Ideengeber und Interessierte. Wir begleiten, Startups von der Gründungsphase bis zum erfolgreichen Exit.

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