Man muss an seine Idee glauben

Filii-Barefoot: Kinder Barfußschuhe

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Filii-BAREFOOT doch kurz vor!
Wir sind Brigitte und Thorsten Weiß und entwickeln unter dem Label Filii-BAREFOOT Kinderschuhe. Seit 2008 produzieren wir bereits nachhaltige Hausschuhe aus Leder in unserer kleinen gläsernen Manufaktur in Sindelfingen, bei Stuttgart. Angefangen hatten wir damals in einer unbeheizten Garage bei den Eltern meiner Frau. Nach knapp 4 Jahren Entwicklungszeit, haben wir dann 2015 denweltweit ersten Outdoor Kinder-Barfußschuhe auf den Markt gebracht.

Wie ist die Idee zu Filii-BAREFOOT entstanden?
Wir selbst sind sehr gesundheitsbewusste Menschen und deshalb seit Jahren selbst begeisterte Barfußschuhträger. Das Angebot für Erwachsene ist überschaubar, doch als wir für unsere Tochter Giulia nach passenden Barfußschuhen suchten, wurde uns klar, dass es für Kinder keine wirklich guten Schuhe auf dem Markt gibt. Die normalen Schuhe sind hart, schwer und von der Passform ungeeignet für Kinder? Da wir unserer Tochter aber keine ungesunden Schuhe anziehen wollten, haben wir uns gefragt warum es diese Art von Schuhen noch nicht gibt. Wir konnten uns einfach nicht erklären, warum im fortgeschrittenen Alter nur noch 40% der Menschen gesunde Füße haben. Nach langen Recherchen und Gesprächen mit Fachleuten, kristallisierte sich heraus, dass die Ursache bei den Schuhen zu suchen ist.
In diesem Moment wurde unsere Idee von Filii Barfußschuhen geboren. Unser Ziel ist es die gesunden Kinderfüße bis ins hohe Alter zu erhalten und Fehlstellungen jeglicher Art zu vermeiden. Das Design ist modisch und schick und soll sich auf den ersten Blick nicht von „normalen“ Schuhen unterscheiden.
Um die ideale Passform für Kinderschuhe zu garantieren, verwenden wir Leisten nach den Vorgaben des Deutschen Schuhinstituts und sind somit auch der erste und einzige Hersteller von Kinder-Barfußschuhen mitdem WMS-Qualitätssiegel.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Wir wollten schon immer etwas bewegen, also haben wir uns dazu entschlossen es gleich richtig zu machen, das geht natürlich nicht ohne eine Gewerbeanmeldung.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung war es, eine geeignete Schuhfirma zu finden. Erschwerend kam hinzu, dass wir nachhaltig in der EU produzieren wollen, doch die meisten Schuhproduzenten sind bereits in andere Länder abgewandert und somit gibt es leider nicht mehr viele Schuhfabriken auf dem Markt.
Bis heute haben wir all unsere Einnahme in unser Unternehmen reinvestiert und sind stolz, ohne Fremdkapital ausgekommen zu sein. Umso mehr Wachstum wir machen, desto schwieriger wird dies allerdings, da wir die komplette Produktion vorfinanzieren müssen.

Aus welchem Material werden die Barfußschuhe gefertigt? Auf was achten Sie bei der Auswahl der Materialien?
Unsere Straßenschuhe werden vorwiegend aus hochwertigem Leder gefertigt. Bei der Auswahl achten wir natürlich sehr auf die Qualität der Rohware. Ganz wichtig für uns ist, dass die Materialien ohne jegliche Schadstoffe wie z.B. Chrom 6 oder AZO-Farbstoffe sind, da wir schließlich auch Verantwortung für unsere kleinen Kunden übernehmen müssen und wollen. Unser Leder wird deswegen nach den strengen CADS-Vorschriften gegerbt, um die bereits gültigen Grenzwerte freiwillig nochmals zu unterschreiten.
Für unsere veganen Kunden gibt es bereits auch einige Modelle ohne tierische Inhaltstoffe. Selbst verständlich sind auch diese Materialen schadstoffgeprüft nach dem Öko-Tex 100 Standard. Eine weitere Kollektion aus pflanzlichem Leder kommt im Frühjahr 2017 auf den Markt.
Soweit es geht versuchen wir die Materialien aus Deutschland zu beziehen, so kommt z.B. die Kautschuksohle sowie manche Leder aus Deutschland, denn auch das Thema Nachhaltigkeit hat bei uns einen hohen Stellenwert.

Wie wichtig sind gute Schuhe von Anfang an? Woran erkennt man gute Schuhe?
Ich denke mal es ist inzwischen jedem klar, dass passendes und gutes Schuhwerk sehr wichtig für die gesunde Entwicklung der Füße, speziell von Kindern, ist.
Ein guter und zugleich gesunder Schuh ist allerdings aus unserer Sicht, nur ein Barfußschuh!
Barfußlaufen ist die ursprünglichste und gesündeste Form des Gehens. Denn Füße besitzen viele Rezeptoren und Muskeln, um die Eigenheiten des Untergrunds zu spüren und sich anzupassen. Anders als festes Schuhwerk, trainiert barfuß Laufen die Sensomotorik, stärkt die Fußmuskulatur, fördert korrekte Zehenstellung und gesunde Körperhaltung.
Barfußlaufen fördert die Eigenempfindung (Propriozeption) und Sensomotorik, stärkt die Fußmuskulatur und Sehnen, verbessert die Körperhaltung und reduziert die Gefahr an Senk-, Knick-, Spreiz-, oder Plattfuß o.ä. zu erkranken.
Barfußgehen und das Gehen in Schuhen unterscheiden sich jedoch stark. Während die meisten Menschen in klassischen Schuhen mit der Ferse auftreten, treten geübte Barfußläufer mit dem Vorderfuß auf.
Jeder Mensch läuft barfuß automatisch im Ballengang, d.h. der Fuß kommt flächig mit der ganzen Sohle bzw. mit dem vorderen Bereich (dem Ballen) zuerst auf. Die Ferse wird hierbei nur sehr gering belastet.
Mit „normalen“ Schuhen, welche einen Fersenabsatz haben ist der Fuß gezwungen zuerst mit der Ferse aufzutreten. Dieser, falsch antrainierte Fersengang verhindert, dass die entstehenden Kräfte schonend abgefedert werden können und belastet somit zusätzlich die Gelenke und Knochen.
Alle Kinder laufen von Natur aus im Ballengang. Erwachsene die mitunter jahrelang im Fersengang gelaufen sind, benötigen für eine Umstellung etwas Zeit.
Einen guten Schuh erkennt im Wesentlichem an folgenden Punkten:
– Sehr weich und biegbar
– Leichtes Gewicht
– Dünne flexible Sohle ohne Fersenabsatz
– Kein Fußbett oder sonstige unnötige Stützfunktionen
– Herausnehmbare Decksohle für die Wachstumskontrolle

Wie teuer sind die Schuhe?
Unsere Schuhe liegen im mittleren Preissegment. Es ist zwar nicht einfach in dieser Preisklasse zu produzieren, aber wir wollen unser Produkt einer breiten Käuferschicht anbieten, denn gesunde Füße zu haben sollte keine Frage des Geldes sein.

Wie ist das Feedback?
Das Feedback war und ist seit Anbeginn sehr gut. Unsere Kunden motivieren uns jeden Tag indem Sie uns Ihre positiven Erfahrungen schildern. Die Kinder haben mehr Lust auf Bewegung und laufen „runder“. Inzwischen schicken bereits die Kinderärzte und Therapeuten die Kinder zu uns, da Sie ebenfalls von den Vorteileneines Barfußschuh´s überzeugt sind. All dies gibt uns stetig neuen Auftrieb, denn die Arbeit ist oft sehr kräfteraubend.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen sich für Die Höhle der Löwen zu bewerben?
Wir verfolgen die Sendung bereits seit der ersten Staffel. Als Selbstständiger schaut man sich gerne junge Gründer an und kennt natürlich deren Probleme bzw. fühlt durchaus mit. Irgendwann haben wir uns gefragt, warum wir denn nicht selber eine Bewerbung schicken? Danach ging alles ziemlich schnell und die Vorbereitung mussten wir neben einem 13-14 Stunden Arbeitstag managen. Puh… aber es hat sich gelohnt.

Wie haben Sie sich auf die Höhle der Löwen vorbereitet?
Wie bereits gesagt, hatten wir leider keine richtige Zeit uns in Ruhe und ausgiebig darauf vorzubereiten. Inhaltlich sind wir beide voll im Thema, keine Frage. Die kaufmännischen Fakten sind Teil meiner täglichen Arbeit und für das Design und Gestaltung ist meine Frau Brigitte zuständig. Wir sind zwei sehr spontane Menschen und müssen oft intuitiv handeln. Das Schöne daran ist, dass wir unsere Tochter Giulia mit in die Show nehmen durften, denn schließlich ist sie der Ursprung unserer Idee und der Auftritt für uns alle, natürlich auch ein kleines Abenteuer.

Sie sind eines der wenigen Startup Unternehmen das es in die Show „ die Höhle der Löwen geschafft hat. Wie motivierend ist das für Sie und was versprechen Sie sich von der Show?
Es hat uns wirklich gefreut als wir erfuhren, dass wir unser Produkt in der Sendung vorstellen dürfen. Als Startup hat man täglich gegen vorgefertigte Meinungen zu kämpfen, um seine Ideen voranzutreiben, da ist es einfach schön wenn auch andere, in diesem Fall, sogar das Fernsehen Interesse daran zeigt.
Im Idealfall bekommt man die Chance auf einen Deal mit einem Löwen, das wäre natürlich der Hauptgewinn, um ganz groß durchzustarten.

Wie wichtig ist dieser Schritt für Sie als Startup Unternehmen? Auch unter dem Gesichtspunkt, dass durch die Show viele Interessenten und auch Medien auf Filii-BAREFOOT aufmerksam werden?
Für uns ist dieser Schritt sehr wichtig. In der heutigen Zeit werden meist – gute Ideen vorausgesetzt – nur die großen und kapitalstarken Firmen erfolgreich, da den kleinen Firmen oftmals das Geld für Marketing und Werbung fehlt. Sofern man sorgfältig mit seinem Budget umgehen muss, wird meist am Geld für Marketing gespart, daman für die Produktentwicklung jeden Euro braucht. Bei uns steht primär das Produkt im Vordergrund und deshalb kam diese Chance gerade richtig, unsere fertige Idee einem breiten Publikum zu präsentieren. Manchmal muss man eben auch Glück haben!

Ziel der Show „ Die Höhle der Löwen “ ist es, das die Löwen investieren und der Deal zustande kommt. Welchen der Löwen haben Sie als Investor im Fokus?
Diese Frage haben wir uns natürlich selbst auch gestellt. Eine Antwort ist gar nicht so einfach, da jeder Löwe seine Vorteile mit sich bringt. Inhaltlich sind wir uns sicher, dass Jochen Schweizer das Thema am schnellsten verstehen wird. Er lebt schließlich sehr gesundheitsbewusst und betreibt dazu viel Sport. Er kennt das Thema Barfußschuhe mit Sicherheit.
Frank Thelen ist wohl eher nicht der ideale Partner für uns, da sein Schwerpunkt eher im IT liegt. Die Löwen Williams, Dümmel und Maschmeyer haben alle sehr gute Vertriebskontakte. Wir denken, dass auch sie potenzielle Investoren für uns sein könnten. Unser Hauptfokus liegt auf der Suche nach einem strategischen Partner. Es ist sehr mühsam, alle Erfahrungen selber machen zu müssen und dies kosten auch viel Kraft, denn schließlich betreten wir in vielen Bereichen Neuland, angefangen bei der Produktion, Logistik bis hin zum Vertrieb bzw. Vermarktung.
Wir haben uns aber auch ganz klare Grenzen bzgl. der Unternehmensanteile gesetzt, denn ein Deal muss sich für beide Seiten lohnen.

Wie geht es mit Filii-BAREFOOT nach der Show weiter, sollte der Deal zustande kommen? Und wie, wenn es keinen Deal gibt?
Wir hoffen natürlich wir bekommen einen Deal, das ist ja klar. In diesem Fall werden wahrscheinlich unsere kühnsten Träume war, da haben wir keinen Zweifel.
Sollten wir keinen Löwen davon überzeugen bei uns zu investieren, werden wir noch stärker an der Vermarktung unserer Idee arbeiten. Wir können nichts verlieren, aber sehr viel gewinnen. Wer weiß, vielleicht ergibt sich noch etwas im Nachhinein. Man kann nie wissen. Wir sind gespannt!

Filii-BAREFOOT , wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir haben bereits ziemlich klare Vorstellungen. Wir haben erst einen Bruchteil unserer Ideen umgesetzt. Wir wollen den Schuhmarkt revolutionieren und unsere Schuhe auch über die Grenzen von Europe hinaus vertreiben. Die ersten Anfragen aus USA und China haben wir schon.
Natürlich werden wir jetzt versuchen unsere Stückzahlen stetig zu steigern, denn dies ist notwendig, um im Markt wahrgenommen zu werden.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Tipps hätten wir viele, denn man kann sehr viel falsch machen. Im Wesentlichen sind es aber folgende:
1. Man muss an seine Idee glauben
2. Als Startup muss man Tag und Nacht an seinem Unternehmen arbeiten, alles andere ist eine Illusion.
3. Die beste Idee bringt nichts, wenn sie keiner kennt oder die Nachfrage nicht da ist. Kommunikation und Marketing sind fester und wichtiger Bestandteil des Ganzen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Bild © VOX

Sehen Sie Filii-BAREFOOT am 25.Oktober in #DHDL

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Schreibe einen Kommentar

X