Macht es einfach. Versucht dabei schnell zu lernen, indem ihr Fehler macht und wieder aufsteht.

Bieke Van Gorp, Mitgründerin und COO FibriCheck sowie Gewinnerin des FXH Start-up Awards 2017

Bitte beschreiben Sie sich und FibriCheck kurz!

Qompium wurde 2014 mit dem Ziel gegründet, eine gute Gesundheitsversorgung für jeden, jederzeit und überall zugänglich sowie bezahlbar zu machen. Unser erstes Produkt FibriCheck ist eine günstige und benutzerfreundliche App, die Herzrhythmusstörungen frühzeitig erkennt und so Schlaganfälle vorbeugen kann. Zunächst haben wir uns dabei auf Vorhofflimmern konzentriert, da es mit über 100 Millionen Betroffenen die häufigste Herzrhythmuserkrankung ist. Wird es nicht rechtzeitig erkannt, ist es für 20 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich. Heute sind wir in der Lage, verschiedene Herzrhythmusstörungen zu identifizieren und zu unterscheiden.

FibriCheck ist in Europa (CE-Klasse IIa) und den USA als Medizinprodukt zertifiziert und seit Mitte 2017 kommerziell auf dem Markt. Heute wird es bereits von über 125.000 Menschen genutzt und bietet Anwendern ein sicheres Gefühl. Bisher wurden damit bei mehr als 10.000 Menschen Herzrhythmusstörungen (sowohl harmlose als auch gefährliche) festgestellt.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Wenn sie Verwandte haben, die wegen nicht rechtzeitig erkannter Herzrhythmusstörungen einen Schlaganfall erleiden, ist die Motivation hoch, sich dem Problem anzunehmen und eine Lösung zu entwickeln. Indem wir eine bereits vorhandene Infrastruktur (Smartphones) genutzt haben, konnten wir eine einfach zu bedienende App entwickeln. Der Nutzer braucht nur seinen Finger für 60 Sekunden auf die Kamera seines Smartphones zu legen.

Was war die größte Herausforderung bei der Gründung von FibriCheck?

Als Vorreiter auf diesem Gebiet hatten wir unterschiedlichste Herausforderungen:
  • die Zulassung der App als Medizinprodukt 
  • den Aufbau von Vertrauen und Glaubwürdigkeit innerhalb der Medizintechnik-Branche, dass man nur mit einer App und einem Smartphone medizinisch genaue Werte ermitteln kann
  • der Öffentlichkeit den Unterschied zwischen Herzschlag und Herzrhythmus zu verdeutlichen: Es gibt unzählige Puls-Anwendungen in App-Stores (die keine Medizinprodukte sind), aber das hat nichts mit dem zu tun, was wir tun. Du kannst eine normale Herzfrequenz haben und gleichzeitig eine gefährliche Herzrhythmusstörung.

Was ist die Vision hinter FibriCheck?

Die Überzeugung, dass Gesundheitsversorgung für jeden, jederzeit und überall zugänglich sowie bezahlbar wird und Apps aktuelle Grenzen überwinden. 

Was ist die Zielgruppe von FibriCheck?

Grundsätzlich haben alle Personen ab 40 Jahren ein 25-prozentiges Risiko, ein Vorhofflimmern zu bekommen. 

Unser Hauptfokus liegt jedoch auf:

1. Menschen, die sich Sorgen um ihr Herz machen und unklare Symptome haben. 

2. Menschen, die ein höheres Risiko haben, Herzrhythmusstörungen zu entwickeln.

3. Menschen nach einer Herz-OP zur Nachsorge.

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

FibriCheck ist heute die einzige reine Softwarelösung, die in Europa und den USA zugelassen ist, um Herzrhythmusstörungen rechtzeitig zu erkennen. Da keine zusätzliche Hardware nötig ist, sind Übertragbarkeit und Benutzerfreundlichkeit hoch, die Hemmschwelle für den Start dagegen niedrig.

Wohin führt der Weg? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Anstatt zusätzliche Algorithmen für andere Bereiche zu entwickeln, sind wir überzeugt, dass wir mehr bewirken können, wenn wir anderen helfen, ihre eigenen Medizinprodukte schneller und kostengünstiger zu bauen. Unser gesamtes Back-End bei FibriCheck ist medizinisch zertifiziert und besteht aus einzelnen Bausteinen. Andere Start-ups können daher einfach diejenigen Bausteine lizenzieren, die sie für ihre eigenen medizinischen Anwendungen benötigen. 

Sie haben den Future X Healthcare Start-up Award 2017 gewonnen. Warum haben Sie teilgenommen?

Wir wachsen gemeinsam mit Partnern. Für uns waren deshalb vor allem die enge Verbindung zu Roche, die Networking-Möglichkeiten und Öffentlichkeit wichtige Gründe für die Teilnahme.  

Wie hat sich die Auszeichnung auf Ihr Unternehmen ausgewirkt?

Durch den Award konnten wir am Digital Health Accelerator-Programm im Werk1 in München teilnehmen, bei dem wir nicht nur viel über den deutschen Markt gelernt haben, sondern durch den wir auch unser Netzwerk ausbauen und mit erfahrenen Roche-Mentoren zusammenarbeiten konnten. Zudem haben wir enorm von der Kooperation mit Roche profitiert, konnten neue Geschäftsfelder erschließen und international wachsen.

Würden Sie anderen Startups empfehlen, an Awards teilzunehmen?

Auf jeden Fall und definitiv.

Wie war das Coaching (Digital Health Accelerator) von Roche?

Hervorragend! Wir hatten großes Glück mit unserem Coach, der uns durch die gesamte Struktur geführt und aktiv dabei unterstützt hat, Dinge voranzutreiben und Hürden zu überwinden.

Wie wichtig ist das Coaching durch ein größeres Unternehmen für ein Startup?

Wir finden es sehr wichtig, einem Start-up die komplexe Struktur eines Unternehmens aufzuzeigen, das mehrere Geschäftsbereiche mit jeweils eigenen KPIs, Budgets, Entscheidungsprozessen, usw. hat.

Und zum Abschluss: Welche 3 Tipps würden Sie zukünftigen Gründern geben?

  • Macht es einfach. Versucht dabei schnell zu lernen, indem ihr Fehler macht und wieder aufsteht.
  • Speziell für das Gesundheitswesen: Stellt euch darauf ein, dass es langsam vorwärts geht. 
  • Bindet eure Stakeholder von Anfang an ein.

Future X Healthcare 

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Bieke Van Gorp für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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