Ein hohes Maß an Selbstreflektion ist extrem hilfreich

Fast Forward Imaging Konzepte und Lösungen für Virtual Commerce

Stellen Sie sich undIhr Startup UnternehmenFast Forward Imaging doch kurz vor!
Mein Name ist Anna Rojahn. Ich bin gebürtige Hamburgerin, Produktdesignerin und in meiner freien Zeit liebe ich es zu kochen und guten Wein zu trinken. 2013 habe ich Fast Forward Imaging gegründet. Wir entwickeln Technologien für automatisierte Fotografie und Digitalisierung von physischen Objekten. Wir entwickeln und vertreiben unter anderem auch kompakte Fotostudios, mit denen jeder Laie hochwertige Produktfotos erstellen kann – und das zu einem Bruchteil der Kosten eines traditionellen Fotoshootings. Angesichts des Paradigmenwechsels, den Augmented und Virtual Reality für den Medienkonsum bedeuten, entwickeln wir zusätzlich Konzepte und Lösungen für Virtual Commerce, den wir als Zukunft des digitalen Commerce betrachten.

Wie ist die Idee zu Fast Forward Imaging entstanden?
Ich selbst habe früher als Produktmanagerin im Luxusgüterbereich gearbeitet und bin unter anderem zwei Jahre zwischen Frankfurt und Hong Kong gependelt, weil ich aus der Musterfertigung kein zuverlässiges, hochqualitatives Bildmaterial bekommen konnte. Jahre später ist aus dieser Erfahrung die Idee für FFWI entstanden.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Wir haben zwei Medienhäuser und Business Angel Investoren als Geldgeber an Bord. Klassisch liegen die größten Herausforderungen bei einem B2B-Hardware-Startup in langen Lead Times im Vertrieb sowie in der Tatsache, dass Skalierung ganz anders funktioniert als bei einem rein digitalen Projekt. Man muss einfach ein bisschen mehr Geduld mitbringen, und das müssen auch die Investoren verstehen und bereit sein mit zu tragen.

Gab es jemals einen Punkt, wo Sie dachten ich schaffe das nicht?
Seien wir ehrlich: die gibt es in jedem Unternehmen. Ohne Krisen wäre das Gründerleben ja aber auch irgendwie langweilig…

Wie hat sich Ihr Unternehmen seit der Gründung entwickelt?
Wir zählen mittlerweile Unternehmen wie Zalando, Veganz, Amorelie und Brillen.de zu unseren Kunden, auf die wir sehr stolz sind. Wir haben kürzlich auch unsere Studiofläche verdreifacht.Für mich persönlich ist der Kern des Gründens die Wissenserweiterung. Ein Start-up mit all seinen neuen Prozessen bietet mir die steilste Lernkurve, die ich mir vorstellen kann. Auch nach zehn Jahren als Unternehmerin gibt es jede Woche irgendetwas, das ich vorher noch nie gemacht habe. Das macht es spannend, anstrengend und inspirierend. Man muss allerdings der Typ dafür sein und darf keine Angst davor haben, Fehler zu machen.

Kann man auch mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?
Das kommt darauf an, wie man Perfektion definiert. Die zentrale Aufgabenstellung muss stimmen: man muss ein echtes Problem lösen. Dann ist jeder Zeitpunkt der Richtige und Abwarten bringt nichts. Wenn ich jedoch um des Gründens willen gründe, eigentlich aber keine Ahnung von der Problemstellung habe, die ich lösen will – dann hilft auch das schönste Design und die perfekteste Ausführung nichts.

Wer ist die Zielgruppe von Fast Forward Imaging?
Wir entwickeln ausschließlich B2B Lösungen. Unsere Kunden kommen aus den unterschiedlichsten Branchen. Wir zählen Agenturen, Marken und Händler genauso zu unseren Kunden wie Maschinenbauunternehmen. Vom maschinellen Ersatzteil bis zum kompletten Fashion-Outfit, vom Sextoy bis zum gekochten Hummer ist alles dabei.

Wo liegen die Grenzen von Virtual Reality?
Momentan liegen die Grenzen noch in der Sensorik jenseits des Sehens und Hörens. Aber sogar im Bereich der künstlich erzeugten Haptik gibt es bereits extrem spannende Ansätze und auch das ist für mich nur eine Frage der Zeit. Ich persönlich bevorzuge immer noch eine soziale Interaktion in der echten Welt, aber auch dazu gehen die Meinungen auseinander.

Wie ist das bisherige Feedback?
Wir sehen extrem großes Interesse, denn die Logik hinter einer immersiveren, emotionaleren Möglichkeit, digitales Shopping zu erleben, ist offensichtlich. Wir stoßen aber auch oft noch auf Missverständnisse in Bezug auf die Technik und ihre Verbreitung.Ich glaube, dass gerade der Launch der Google Daydream für nur 69 Euro Retail-Preis die Verbreitung von Virtual Reality in den Massenmarkt dramatisch beschleunigen wird. Viele Kunden scheinen anzunehmen, dass VR-Anwendungen unglaublich teuer sein müssten – aber gerade angesichts des inzwischen möglichen,hohen Automatisierungsgrads in der Bildproduktion trifft das gar nicht zwingend zu.

Fast Forward Imaging, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Auf technischer Seite werden wir schon bald neben den 360°-Bildern auch umfassende 3D-Daten erstellen – also einen kompletten „Digital Twin“ des aufgenommenen Objekts, der sich auch für die Integration im Gaming oder in Augmented Reality-Anwendungen eignet. Und mittelfristig führt uns der Weg nach Asien, denn unsere Technologie ist im Grundsatz dafür entwickelt worden, in die Produktbemusterung und -produktion integriert zu werden.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?
Es gibt zwei Business-Konzepte, die man als Gründer niemals aus den Augen verlieren sollte: das Pareto- und das SunkCost-Prinzip. Darüber hinaus ist ein hohes Maß an Selbstreflektion extrem hilfreich, denn als Gründer muss man immer bereit sein, sich selbst zu hinterfragen, darf aber nicht anfangen, an sich selbst zu zweifeln. Diese Balance ist gar nicht so einfach – weder für Frauen noch für Männer.

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Wir bedanken uns bei Anna Rojahn für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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