Fairtrade weiter gedacht: Fairchain-Idee überzeugt deutsche Gründer

Start-Ups denken das Fairtrade-Prinzip neu und lassen Waren vollständig im Herkunftsland produzieren #WandeldurchHandel

Immer mehr junge Unternehmen haben verstanden: Fairtrade ist gut, doch es fehlt der entscheidende Schritt, um Veränderungen in unserem unfairen globalen Handelssystem herbeizuführen. Entwicklungsländer, meist ehemalige Kolonien, produzieren Rohstoffe, die erst in den Industrieländern zu fertigen Produkten veredelt werden. Die neuen Fairchain-Unternehmen setzen sich dafür ein, den gesamten Produktionsprozess von Waren im Herkunftsland anzusiedeln. So steigt die Wertschöpfung im Produktionsprozess auf Seiten der Erzeuger von rund 15 Prozent im herkömmlichen Handel auf bis zu 50 Prozent.

Eine Reihe junger Start-Ups wie Kaffee-Kooperative.de, fairafric und Gundara.com ist angetreten, die Wirtschaftsbeziehungen zu Entwicklungs- und Schwellenländern wirklich fair zu gestalten. Im Fairtrade-Handel werden meist Rohstoffe aus Entwicklungsländern in die Industrieländer importiert, um dort zum Endprodukt veredelt zu werden. Es wird kaum verarbeitende Industrie aufgebaut und die Erzeugerländer bleiben in der Rolle der Rohstofflieferanten – ein System, das seit Kolonialzeiten Ungleichheiten durch Handel schürt. Fairchain fordert dagegen von den Produzenten, ihre Waren vollständig selbst zu fertigen und unterstützt sie dabei. Das erhöht nicht nur deren Einkommen, sondern schafft auch neue Arbeitsplätze und Wirtschaftskreisläufe sowie transparente, stabilere Preise und bringt die Erzeuger in eine Verhandlungsposition auf Augenhöhe.

„Im Kaffeehandel endet die Teilhabe der Kaffeebäuerinnen und -bauern in der Regel mit dem Export der rohen, ungenießbaren Bohne. Wir unterstützen unsere Partnerkooperative dabei, den Kaffee auch zu rösten und zu verpacken. Das schafft Arbeitsplätze und eine erweiterte wirtschaftliche Infrastruktur vor Ort sowie echte Teilhabe, besser als jede Spende!“ sagt Xaver Kitzinger, Gründer von Kaffee-Kooperative.de.
Bei Schokolade verhält es sich ähnlich wie bei Kaffee: 70 Prozent der weltweit verarbeiteten Kakaobohnen kommen aus Westafrika. Die Elfenbeinküste und Ghana sind die größten Kakaoproduzenten der Welt, doch Schokolade wurde aus diesen Ländern bisher nicht exportiert. Mit fairafric ändert sich das: das deutsch-ghanaische Sozialunternehmen produziert Schokolade in Ghana und erhöht dadurch die Wertschöpfung vor Ort. Im Vergleich zum Export der Kakaobohnen verfünffacht fairafric das Einkommen Afrikas pro Tonne Kakaobohnen auf über 10.000 US-Dollar. Das Sozialunternehmen schafft somit qualifizierte Arbeitsplätze und ermöglicht einen verbesserten Zugang zu Gesundheitsvorsorge und Bildung.

Gundara.com legt seit 2009 hohen Wert darauf, dass Produkte (Ledertaschen, Wolldecken, Naturkosmetika, etc.) unter fairen Bedingungen produziert und vertrieben werden. Durch die möglichst komplette Verlagerung der Wertschöpfungskette in die Länder der Partner-KunsthandwerkerInnen werden Zwischenhändler obsolet. „Uns ist es wichtig zu zeigen, wo unsere meist handgemachten Naturprodukte herkommen, wie sie produziert wurden und wem mit dem Kauf konkret geholfen wird. Unser Ansatz ist dabei wesentlich nachhaltiger als die meisten Projekte der Entwicklungszusammenarbeit“, so Gunda Amat Amoros, Gründerin von Gundara.com.

Quelle Kaffee-Kooperative.de

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