Samstag, Oktober 16, 2021

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

fairfood: Bio-Macadamia aus Ruanda im Pfandglas

Stellen Sie sich und das Startup fairfood doch kurz unseren Lesern vor!

Wir machen Nüsse fair. Deshalb beziehen wir unsere Nüsse und Früchte nur direkt von Fairtrade-Produzent*innen, die unsere Produkte nach Bio-Standards anbauen und im Anbauland verarbeiten. In unserer Freiburger Manufaktur rösten wir die Nüsse dann schonend von Hand, verarbeiten sie zu Nussmus, Nuss-Bolognese oder veganem Pasta-Topping. Weil Fairness für uns auch bedeutet, unseren Müll nicht zu verbrennen und exportieren, füllen wir unsere Nüsse in Pfandgläser oder verkaufen sie am liebsten unverpackt.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Die Idee entstand 2015. Damals lernte Amos Bucher Okey Ugwu kennen und erfuhr von ihm, dass in seiner Heimatregion in Aku, Nigeria, zwar viele Menschen über wertvolle Cashewbäume verfügten, davon aber nicht leben könnten. Sie erhielten für die Rohware nämlich extrem niedrige, schwankende Preise, und das Verrückteste: Anstatt die Cashews vor Ort zu knacken und zu trocknen, werden 95% der afrikanischen Cashews nach Vietnam und Indien exportiert, um dort unter preisgünstigen und widrigen Bedingungen für die Arbeiter*innen geknackt zu werden. Sozialer und ökologischer Irrsinn!

Das wollten wir ändern: Gemeinsam mit Okey Ugwu haben wir in Nigeria eine Cashew-Produktion aufgebaut, in der die Kerne geröstet und von dort direkt nach Freiburg gebracht werden. Hier haben wir damals in der eigenen Küche die ersten Nüsse geröstet und gemerkt: Faire Nüsse, die gut schmecken, kommen an.

Welche Vision steckt hinter Bio-Macadamia aus Ruanda?

Faire Bio-Macadamianüsse sind bislang Mangelware auf dem Weltmarkt. Häufiger Export der ungeknackten Nüsse ins Ausland, konventionelle Landwirtschaft und instabile Abnahmepreise dominieren den Nussmarkt. Die Situation sieht auch bei der Macadamia nicht anders aus.

Wir machen es anders: Wir gewährleisten mit dem Bau einer eigenen Produktionsstätte, dass die Nüsse vor Ort geknackt werden. Zudem unterstützen wir zusammen mit unserem ruandischen Partner Gorilla Nuts rund 150 Farmer*innen bei der Umstellung auf Bio-Landwirtschaft und ermöglichen ihnen einen Zugang zum deutschen Markt. Das Faire daran: Die Farmer*innen erhalten 20% höhere Abnahmepreise und die Mitarbeitenden in der Produktion ein rund doppelt so hohes Einkommen wie in der Branche üblich.

Bis heute haben wir viel in das Projekt investiert. Um den ruandischen Farmer*innen jetzt die erste Ernte fair produzierter Macadamia abzunehmen, läuft vom 01.09. bis 30.09.2021 eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext. Zum Dank für die Unterstützung stehen vielfältige Dankeschöns zur Auswahl – von den ersten ruandischen Macadamia im Pfandglas über handgenähte Taschen bis zum kreativen Nuss-Kochkurs.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

fairfood Freiburg gibt es jetzt seit sechs Jahren. Eine der größten Herausforderungen bestand sicherlich darin, den Schritt aus der privaten Küche zu wagen und eine professionelle Küche zu mieten. Weitere Meilensteine waren die Bio- und Fairtrade-Zertifizierungen und die Anerkennung durch den Weltladen-Dachverband, die alle ihre eigenen, sehr strengen Standards anlegen und einfordern. Da das Gründerteam “fairfood Freiburg” damals noch nebenberuflich aufgebaut hat, war das eine echte Belastungsprobe. 

Heute sehen die Challenges anders aus: Erst kürzlich sind wir von vier verteilten Standorten in Freiburg in ein gemeinsames Büro mit eigener Küche und großem Lager gezogen. Das hat nicht nur eine solide Finanzierung, sondern auch jede Menge Planung erfordert. Nun gilt es, unser Team zusammenwachsen zu lassen und neue Projekte gemeinsam umzusetzen.

Die Finanzierung hat sich über die Jahre verändert. Zu Beginn haben die Gründer ihre eigenen finanziellen Mittel in das Projekt gesteckt. Da das nicht für große Sprünge reichte, haben uns im Folgejahr auch Familie und Freundeskreise finanziell unterstützt. Eine große Erleichterung war der Einstieg eines Business Angel im Jahr 2017, der uns bis heute begleitet. 2020 haben wir dann den Unternehmerkredit der KfW und einen Kredit bei der GLS Bank erhalten. 

Um den Bau und die Einrichtung unserer neuen Küche zu finanzieren, in der wir die Nüsse rösten, haben wir im letzten Jahr ein Crowdinvestment gestartet. Von der Rückmeldung unserer Unterstützer*innen waren wir extrem begeistert. Das war für uns eine tolle Möglichkeit, das Projekt zu finanzieren und gleichzeitig unsere Fans am Wachstum teilhaben zu lassen.

Wer ist die Zielgruppe von Bio-Macadamia aus Ruanda?

Unsere Zielgruppe setzt sich aus Menschen zusammen, die wissen möchten, wo ihre Produkte herkommen und wer sie produziert hat. Sie legen Wert auf fair gehandelte Produkte und angemessene Entlohnung der Menschen entlang der gesamten Lieferkette. 

Darüber hinaus ist ihnen der Erhalt unserer Umwelt und Lebensgrundlage zukünftiger Generationen wichtig. Um dies in ihren Alltag zu integrieren, setzen sie auf fair gehandelte Bio-Lebensmittel und werfen einen Blick auf die Handlungspraktiken der Unternehmen. Gleichzeitig interessieren sich viele für eine gesunde und pflanzliche Ernährung.

Was ist das Besondere an den Produkten? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Alle unsere Produkte stammen nur von Bio- und Fairtrade-zertifzierten Produzent*innen und werden aus dem Anbauland ohne Zwischenhandel direkt zu uns gebracht. Viele unserer Lieferant*innen haben wir besucht und kennen sie persönlich. Die Zertifizierungen von Fairtrade Labelling Organizations (FLO) und Fair for Life (FFL) sind für uns die Grundlage, dass der internationale Handel unserer Produkte fair abläuft. 

Für uns bedeutet Fairness aber mehr als das. Anders als in der internationalen Nuss-Branche üblich sorgen wir dafür, dass unsere Nüsse und Früchte nicht als Rohware exportiert, sondern in den Anbauländern selbst geknackt, geschält und getrocknet werden. So entstehen nämlich zusätzliche fair entlohnte Arbeitsplätze, die Existenzen sichern und die lokale Wirtschaft stärken. 

In unserer eigenen Manufaktur in Freiburg rösten wir alle unsere Nüsse ohne Öl und von Hand, verfeinern sie mit selbstgemachten Gewürzmischungen oder verarbeiten sie zu Mus, bevor wir sie ins Pfandglas füllen oder unverpackt anbieten. Auch das ist eine echte Besonderheit auf dem Nussmarkt, die man schmeckt!

fairfood, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Abgesehen vom Ausbau unserer Produktionslinie, die angesichts der vielen Handarbeit gerade an ihre Grenzen stößt, legen wir den Fokus aktuell auf den Aufbau von zwei neuen Nuss-Projekten. Schon im Aufbau ist eine Produktion für Macadamia in Ruanda. Dort haben wir mit unserem ruandischen Partner Gorilla Nuts ein Produktionsgebäude errichtet, in dem schon die ersten Nüsse geknackt werden. Wir schulen Farmerinnen in der Bio-Landwirtschaft und erwarten Ende 2021 die erste Lieferung. Hierzu gehört unser aktuelles Crowdfunding auf Startnext: https://www.startnext.com/fairfoodruanda. 

Parallel beginnen wir damit, unsere erste Cashew-Produktion in Nigeria zu professionalisieren. Back to the roots quasi. Wir wollen mehr Farmer*innen an Bord holen, die Produktion ausbauen und mehr fair bezahlte Arbeitsplätze schaffen. All das kostet viel Arbeit, macht uns aber glücklicher und stolzer als jede Umsatzzahl. 

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

  1. Pflegt eure Beziehungen und seid immer ehrlich und transparent gegenüber euren Partnern, Kundinnen und Kolleginnen. Ein gutes Netzwerk ist Gold wert, das haben wir gelernt.
  2. Bleibt nie stehen: Seid immer fordernd und stellt hohe Ansprüche an euch selbst und eure Geschäftsidee! Durchschnitt gibt es schon genug. 
  3. Zu guter Letzt denkt immer ein Jahr voraus! Ohne Planung geht nichts – oder drunter und drüber. Aber Hauptsache: Fangt an! 

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Premium Start-up: fairfood

Kontakt:

fairfood Freiburg
Merzhauser Str. 112
D-79100 Freiburg im Breisgau

https://www.fairfood.bio/
info@fairfood.bio

Ansprechpartner: Laura Hammes

Social Media:
Crowdfunding Ruanda auf Startnext: https://www.startnext.com/fairfoodruanda
Instagram: https://www.instagram.com/fairfood_freiburg/?hl=de
Facebook: https://www.facebook.com/fairfoodfreiburg/
LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/71599164/admin/
Youtube: https://www.youtube.com/channel/UCjCHVpCjBoP5qKjI6mX5Skg/featured

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