Hinterfrage immer wieder: Was läuft noch nicht so gut, wie es laufen könnte?

Fair Coachings – die soziale Coachingplattform

Stellen Sie sich und das Startup Fair Coachings doch kurz unseren Lesern vor!

Ich bin Isabell, Coach und Gründerin von Fair Coachings – die soziale Coachingplattform. Seit 2017 bin ich in Hamburg als Coach tätig. Meine Coachings sind die letzten Jahre zunehmend spiritueller geworden, und auch mein Bedürfnis, Menschen zu unterstützen, hat sich noch stärker ausgeprägt. Schon immer hatte ich viele Ideen, wie ich die Welt auf meine Art und mit meinen Stärken ein bisschen besser machen kann. Tatsächlich war das schon als Jugendliche meine große Herausforderung: Die vielen Ideen und die sensible Feinfühligkeit für meine und die Bedürfnisse anderer zu bewältigen. Deshalb fühlte ich mich schon in der Schulzeit „irgendwie anders“ und ein bisschen verloren. Als Studentin habe ich dann endlich angefangen, mich in verschiedenen Projekten und Selbstständigkeiten auszuprobieren.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?

Ich wusste schon früh: Diesen einen Job, in dem ich all meine Fähigkeiten einbringen kann, gibt es nicht. Selbstständigkeit war schon immer mein Ziel. Doch als ich als Coach nebenberuflich selbstständig war, merkte ich, dass da noch was anderes in mir schlummert: Ich denke viel in Systemen und sehe Ressourcen für die Gesellschaft. Menschen mit geringem Einkommen mit Coaches & Trainer*innen zu verbinden, die ihnen einen Preisnachlass geben – das löste für mich ein Problem, das mir als Coach immer wieder begegnete.

Mich fragten immer wieder Studierende oder Arbeitslose, ob es möglich wäre, in Raten zu bezahlen oder einen Rabatt zu erhalten. Viele trauten sich auch gar nicht erst zu fragen. Da kam ich auf die Idee: Wie toll wäre eine Plattform, auf der Menschen mit geringem Einkommen sich aus vielfältigen Angeboten in ihrer Stadt oder Online passende aussuchen können und einfach buchen können. Ohne Angst, die Kosten nicht bezahlen zu können oder komisch rüberzukommen, wenn man nach Rabatt fragt. Sondern mit der Vorfreude, dass sie Unterstützung erhalten werden. So war die Idee von Fair Coachings geboren. 

Was war bei der Gründung von Fair Coachings die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung war die Unterschätzung, was an Arbeit auf mich zukommt. Im Februar 2019 ging die Website online. Die Resonanz seitens der Coaches war so groß – zum Glück! So viele wollten und wollen sich für Menschen mit geringem Einkommen und soziale Einrichtungen engagieren, dass mein Postfach seit dem Launch der Website jeden Tag heiß läuft. Da ich „nur“ nebenberuflich gegründet habe, fehlte mir die Zeit, all die Anfragen alleine zu bearbeiten, gleichzeitig noch Social Media Kanäle zu bedienen, einen Newsletter zu verfassen und die Website weiter zu optimieren. Ich wusste: Fair Coachings braucht mehr Unterstützer*innen. Da ich aber selbst noch kein Geld mit der frischen Gründung verdiente, suchte ich nach ehrenamtlichen Helfer*innen, die sich mit mir auf die gemeinsame Mission begeben und mich unterstützen wollten. Mittlerweile hat sich ein festes Team aus Ehrenamtlichen eingespielt. Ohne diese tolle Unterstützung wären wir heute nicht so weit.

Kann man mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Unbedingt! Nur so kannst du ausprobieren, was funktioniert. Eine Idee ist immer ein Rohdiamant. Noch ungeschliffen, eckig und kantig, vielleicht ein bisschen trüb. Der Wert ist noch nicht direkt erkennbar. Wenn du so einen Rohdiamanten im Kopf hast, Glückwunsch! Das ist der erste Schritt zu etwas Großem. Jetzt darfst du den ersten Schritt tun und mit der Idee in die Öffentlichkeit gehen. Denn du weißt noch nicht genau, wem du wie und womit helfen kannst. Wer deine Zielgruppe wirklich ist, welche Sprache sie spricht, wie du sie erreichen kannst. Was an deiner Idee schon richtig überzeugt, und wo du noch mal näher hinschauen darfst.

Vielleicht fällt etwas weg, von dem du jetzt noch denkst, es wäre wichtig. Vielleicht musst du etwas von deiner Idee aufgeben, um daraus etwas Größeres entstehen zu lassen. Das alles wirst du nie erfahren, wenn du nicht anfängst. Du selbst hast nicht alle Antworten darauf. Starten kannst du zum Beispiel mit einer Umfrage unter deinen potentiellen Kunden. Mit einer Website, die du an potentielle Kunden schickst und um Feedback bittest. Indem du einen ersten Social Media Kanal für dich nutzt und anfängst, zu posten. Deine Idee will leben – nicht nur in deinem Kopf!

Welche Vision steckt hinter Fair Coachings?

Meine Vision ist es, so vielen Menschen wie möglich Persönlichkeitsentwicklung zu ermöglichen – besonders Menschen, die momentan keine Chance sehen, sich ein Coaching leisten zu können. Jede*r hat das Recht, Unterstützung durch einen Coach oder Trainer*in zu bekommen: in schwierigen Lebenslagen, in Zeiten des Umbruchs, wie zum Beispiel zwischen Studium und Beruf, in der Arbeitslosigkeit oder als alleinerziehende Mutter oder Vater. Deshalb möchte ich Persönlichkeitsentwicklung möglichst niedrigschwellig gestalten. Es soll nicht länger einem kleinen Kreis Menschen vorbehalten zu sein, zu Workshops, Seminaren oder in Einzelcoachings zu gehen. Nur so können wir eine bewusstere, achtsamere und selbstbewusstere Gesellschaft zusammen gestalten.

Wer ist die Zielgruppe von Fair Coachings?

Menschen mit geringem Einkommen, zum Beispiel Azubis, Studierende, Arbeitslose, Geringverdienende, Alleinerziehende, Menschen, die sich gerade selbstständig gemacht haben sowie Menschen mit Fluchthintergrund. Solange sie den Wunsch haben, sich durch einen Coach unterstützten zu lassen, können sie sich über unseren kostenfreien Mitgliederbereich einen passenden Coach aussuchen oder sich auf einen preisreduzierten Platz in einem Workshop anmelden. Alle Angebote siind mind. 30% preisreduziert, einige sogar kostenfrei.

Außerdem vermitteln wir Coaches & Trainer*innen aus unserem Netzwerk an soziale Institutionen, Vereine und Social Startups. Wir beraten sie und ihre Bedürfnisse und empfehlen passende Coaches & Trainer*innen zu günstigeren Konditionen. 

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Was uns von anderen Coachingplattformen unterscheidet? Dass wir nur für die Menschen mit geringem Einkommen da sind und preisreduzierte Angebote von professionellen Coaches & Trainer*innen bundesweit bündeln. 

Wo geht der Weg mit Fair Coachings hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

In fünf Jahren werden wir regelmäßige Events offline und Online-Konferenzen veranstalten. Jede Hochschule, Berufsschule und Arbeitsamt wird uns kennen und weiterempfehlen. Coaching wird nichts Exotisches oder Unbezahlbares mehr sein, Coaching wird negative Vorurteile verlieren und einfach zugänglich für jeden Menschen. Denn jede*r ist mal an einem Punkt im Leben, an dem eine Unterstützung von Außen gut tut und weiterhilft. 

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?

Habe den Mut, nicht auf andere zu hören, sondern auf dich selbst. Viele werden meinen, sie wüssten, was du brauchst oder was deinem Business gut tut. Höre dir ihre Tipps gerne an, doch nimm für dich nur an, was sich gut für dich anfühlt. Höre auf dein Bauchgefühl, deine Intuition. Du bist verantwortlich, du bist Gestalterin deines Business, niemand sonst!

Hinterfrage immer wieder: Was läuft noch nicht so gut, wie es laufen könnte? Besonders in der Kommunikation nach Außen können wir noch viel verfeinern. Durch Feedback der Follower, durch Statistiken und mit Hilfe deines Bauchgefühls. Mit jeder Information kannst du dich mehr der Wahrheit annähern. Und dieser Prozess ist nie abgeschlossen. Du bist nicht irgendwann „fertig“ und alles läuft für immer perfekt. Und das ist auch gut so.

Entwickle dich immer weiter. Öffne dich dafür, dass du nicht perfekt bist und es auch nie sein musst! Das einzige, was du sein darfst, ist offen für persönliches Wachstum. Dich selbst zu hinterfragen. Dir Niederlagen nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen, sondern aufzustehen und dich zu fragen: Was habe ich daraus gelernt, was ich jetzt besser machen kann? Häufig haben wir Angst, uns zu hinterfragen, weil wir uns damit eingestehen, nicht alles zu wissen oder zu können. Doch das ist gar nicht schlimm, sondern menschlich und notwendig für die Entwicklung von dir und deinem Business. Dein Selbstwert hängt nicht davon ab, was du leistest. Das hat mir immer wieder die Kraft gegeben, zu wachsen und über vermeintliches Scheitern hinwegzukommen. Zu gründen, ist reine Persönlichkeitsentwicklung. Ein Bootcamp sozusagen.

Fotografin Veronika Kurnosova (https://www.bluenika.de/)

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Isabell Mezger für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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