Baut einen Prototyp und testet ihn mit Pilotkunden

EYEVIDO Crowd-Eyetracking : Sehen was Ihre Kunden sehen

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen EYEVIDO doch kurz vor unseren Lesern vor!
EYEVIDO erhebt Eyetrackingdaten und analysiert damit das Blickverhalten von Testpersonen. So erhalten unsere Kunden Einblicke darin wie ihre Werbe- und Informationsmaterialien von deren potenziellen Kunden visuell wahrgenommen werden. Analysiert werden kann etwa die Interaktion mit Webseiten oder die Betrachtung von Flyern, Bannern oder Mock-ups. In Kombination mit Befragungsdaten kann sichtbar und verständlich gemacht werden, was die Teilnehmer einer Studie wahrgenommen bzw. nicht wahrgenommen haben. Die Gestaltung kann somit angepasst und optimiert werden.

Wie ist die Idee zu EYEVIDO entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Meine Mitgründerin und damalige Kollegin ist während ihrer Promotion zum Thema Eyetracking an der Universität Koblenz regelmäßig an die Grenzen marktüblicher Eyetracking-Produkte gestoßen. Viele Studien waren mit den vorhandenen Systemen extrem aufwändig oder unmöglich durchzuführen. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, das Thema Eyetracking-Analysen neu anzugehen und ihre Erfahrungen in eine neue Software einfließen zu lassen. Wir haben gemeinsam an einem Forschungsprojekt gearbeitet, in dem wir ein 3D-Spiel entwickelt haben, welches mit den Augen gesteuert wurde. Dadurch kannte ich meine spätere Mitgründerin bereits und wusste, dass wir gut zusammen arbeiten können. Nach mehreren Brainstormingsessions entschlossen wir uns dann gemeinsam die Idee zu verwirklichen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Der erste Schritt war die Teilnahme am Ideenwettbewerb Rheinland-Pfalz. Dort reichten wir eine kurze Skizzierung unserer Idee ein und wurden prompt prämiert. Nach diesem ersten Erfolg fingen wir an die Idee des „Crowd Eyetrackings“ in einem Businessplan auszuformulieren. Das Ganze war etwa ein Jahr vor der eigentlichen Gründung und während unserer Tätigkeit an der Uni-Koblenz. Es folgten weitere Wettbewerbe die ebenfalls unser Konzept auszeichneten, so dass wir die Bestätigung bekamen an der Idee dran zu bleiben. Wir wussten aber auch, dass wir nur mit der passenden Finanzierung die Idee verwirklichen konnten. Daher bewarben wir uns auf das EXIST-Gründerstipendium und pitchten bei zahlreichen Start-up-Treffen und Business Angle Veranstaltungen. Als die EXIST-Förderung ein halbes Jahr später bewilligt wurde, konnten wir uns endlich in Vollzeit ganz unserer Idee widmen und die Firmengründung in Angriff nehmen. Zwölf Monate später, rechtzeitig zum Ende von EXIST, war unsere erste Finanzierungsrunde in trockenen Tüchern und wir konnten richtig durchstarten. Unsere ersten Investoren waren Business Angels und die ISB aus Mainz.

Wie hat sich Ihr Unternehmen seit dem Start entwickelt?
Seit dem Start sind wir von einem kleinen Inkubatorraum in größere Büros nahe der Koblenzer Uni gezogen. Wir haben unser Team von uns beiden Gründern auf insgesamt sechs Mitarbeiter vergrößert. Nach einer umfangreichen Marktrecherche haben wir die für uns am besten passende Hardware gefunden und als Erstausstattung 20 Eyetracker bestellt. Unsere Software haben wir zur Marktreife weiterentwickelt, so dass sie bereits kurz nach der Gründung von ersten Kunden produktiv eingesetzt werden konnte. Jetzt sind wir seit einigen Monaten mit unserem Produkt am Markt und schließen erste Kundenprojekte ab. Zurzeit denken wir darüber nach, wie wir unser Geschäftsfeld durch Kooperationen erweitern können.

Welche Wege gehen Sie, um Ihr Startup am Markt zu etablieren?
Der erste Schritt war die Besetzung der Stelle des Vertriebsleiters. Meine Mitgründerin und ich sind beide Informatiker und mit der Softwareentwicklung und Geschäftsführung gut ausgelastet. Unser sehr erfahrener Vertriebsleiter baut nun den Vertrieb auf undstellt EYEVIDO auf Messen wie der dmexco, der NEOCOM oder der Research + Results aus. Zusätzlich gibt er viele Live-Demos bei Interessenten und pflegt den Kontakt zu Kunden. Dabei hält er uns den Rücken frei damit wir unser Produkt stetig weiterentwickeln können.
Seit einigen Tagen schalten wir auch Google AdWords und erreichen so weitere Interessenten.

Wer ist die Zielgruppe von EYEVIDO?
Einerseits adressieren wir Kunden, die bereits Erfahrungen und Know-how mit Eyetracking besitzen, aber mit unserer Software effektiver, flexibler und günstiger arbeiten können. Das sind etwa Usabilityagenturen oder Unternehmen, die Benutzerstudien durchführen um ihre Produkte zu verbessern.
Andererseits sprechen wir auch einen neuen Markt an, d.h. Kunden, die bisher kein Eyetracking eingesetzt haben, weil es zu kompliziert und zu teuer war diese Technologie zu nutzen. Hier sprechen wir Zielgruppen an, die sich mit der Werbewirksamkeit Ihrer eigenen visuellen Produkte oder der Produkte ihrer Kunden befassen und von der Schnelligkeit von Crowd-Eyetracking profitieren. EYEVIDO richtet sich außerdem an Experten die die gängigen Tools wie Google Analytics bereits ausgereizt haben und mit Eyetracking zusätzliche Erkenntnisse über die Benutzung der eigenen Webseite gewinnen wollen.
Außerdem kann unser System auch in der Grundlagenforschung oder Marktforschung eingesetzt werden.

Wie funktioniert Eyetracking?
Ein Eyetracker ist ein spezielles Kamerasystem, das unterhalb eines Notebookmonitors befestigt werden kann. Das Gerät erkennt anhand von Infrarot-Reflexionen im Auge die Position und die Blickrichtung des Benutzers vor dem Bildschirm. So kann berechnet werden, wohin ein Proband auf dem Bildschirm schaut. Die Daten werden dann anhand verschiedener Metriken analysiert. Beispiele dafür sind wie lange es gedauert hat, bis ein bestimmtes Element zum ersten Mal fixiert wurde oder wie lange es insgesamt betrachtet wurde.
Bei unserem Crowd-Eyetracking-Ansatz werden die Blickdaten über das Internet übertragen und zentral auf einem Server gespeichert. Zur Auswertung werden die Daten in unserer Auswertungssoftware, die webbasiert im Browser läuft, aufgerufen, visualisiert und analysiert.

Was kann man testen?
Alle Inhalte die an einem herkömmlichen Monitor dargestellt werden können, können auch getestet werden. Von statischen Inhalten wie Werbeanzeigen, Broschüren oder Zeitschriftencover über Videos bis hin zu interaktiven Inhalten wie Webseiten. Mobile Anwendungen lassen sich ebenfalls am Bildschirm simulieren.

Wo liegen die Vorteile?
Bisher mussten Eyetrackingdaten in sogenannten Eyetrackinglaboren erhoben werden, also in einem speziell eingerichteten Raum, unter Begleitung eines Mitarbeiters. Probanden dorthin einzuladen ist oft kostenintensiv, langwierig und unflexibel, da ortsgebunden.
Mit Crowd-Eyetracking werden Studien webbasiert durchgeführt. Die Studienerstellung und Auswertung findet im Browser statt und kann an beliebigen Geräten mit Internetzugriff und einem Webbrowser erfolgen. Die Daten werden remote erhoben und auf unseren Server übertragen. Die Probanden können sich also an verschiedenen Orten befinden und zeitgleich an Studien teilnehmen.
Crowd-Eyetracking ist damit flexibler und günstiger als der bisherige Laboransatz zur Datenerhebung.

Wie ist das bisherige Kundenfeedback?
Das Feedback ist durchweg positiv. Kunden sind überrascht, wie einfach unser System zu bedienen ist. Besonders Kunden die existierende Eyetrackingsysteme kennen, sehen die Vorteile und entwickeln oft in Gesprächen schon eigene Ideen zu neuen Einsatzgebieten, wie etwa die Vor-Ort-Erhebung von Daten bei speziellen Zielgruppen oder die Internationalisierung von Eyetrackingstudien über verschiedene Länder. In Kundengesprächen sind wir immer offen für Anregungen und Kritik, um so unsere Software marktgerecht weiterentwickeln zu können.

EYEVIDO, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Durch unseren neuartigen Ansatz zeigen wir, dass Eyetrackinganalysen nicht kompliziert und teuer sein müssen. Wir möchten möglichst vielen Unternehmen den Einsatz dieser großartigen Technologie ermöglichen und durch unseren flexiblen Ansatz neue Einsatzgebiete erschließen. Wir wollen unsere Crowd-Eyetracking-Lösung so am Markt etablieren, dass Marketing und Designexperten Eyetrackinganalysen als Tool in ihren täglichen Prozessen einsetzen. Dabei möchten wir uns nicht auf Deutschland beschränken und unsere Expansion weltweit voranbringen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Unser erster Tipp ist es, im Team frühzeitig Aufgaben mit einem festen Ziel gemeinsam zu meistern. Es gibt zahlreiche Businessplanwettbewerbe oder Existenzgründerprogramme bei denen man sich bewerben kann. Bereits beim Verfassen der Bewerbung kann das Team lernen zusammenzuarbeiten und innerhalb einer festen Frist fertig zu werden. Dabei zeigt sich sehr früh ob und wie die Zusammenarbeit funktioniert.
Unser zweiter Tipp: Feedback, das man am Anfang erhält ist oft wertvoll und auch wenn es schmerzhaft ist, ist es manchmal notwendig eine Geschäftsidee noch einmal anzupassen. Seid nicht zu früh festgefahren, sondern reagiert auf Feedback, auch wenn dadurch zusätzliche Arbeit entsteht.
Unser dritter Tipp ist: Baut einen Prototyp und testet ihn mit Pilotkunden. Gerade bei Präsentationen vor Investoren, kann es hilfreich sein, einen Prototypen und erste Erfahrungen vorweisen zu können.

Foto v.l.n.r.: Christoph Schaefer (Gründer, CEO), Dr. Tina Walber (Gründerin, CEO), Klaus Wächter (Gesellschafter, CSO)

Wir bedanken uns bei Christoph Schaefer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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