Erfolgreiche Finanzierungsrunde: Und nun?

Wenn eine neue Finanzierungsrunde ansteht, beginnt für jedes Startup eine anstrengende und nervenzehrende Phase

Werden die Investoren weiterhin an das eigene Konzept glauben? Überzeugen die Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres und der letzten Monate? Finden neue Ideen Anklang und vor allem frisches Kapital? Ob eine Anschlussfinanzierung gefunden werden kann, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Doch selbst wenn die Finanzierungsrunde ihren erfolgreichen Abschluss findet: Die nächste steht meist schon vor der Tür. Insofern heißt es, gut zu investieren und vorwiegend richtige Entscheidungen zu treffen – um auch beim nächsten Mal zu gewinnen.

Nicholas Neerpasch konnte mit seinem Unternehmen DOOZER Real Estate Systems GmbH im Rahmen der diesjährigen Finanzierungsrunde 3,5 Millionen Euro einsammeln. Er weiß, wie wichtig es ist, das Geld seiner Investoren zielführend einzusetzen. In seinem nachfolgenden Beitrag gibt er Empfehlungen für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung nach einer gelungenen Finanzierungsrunde.

Unternehmensentwicklung im Lebenszyklus

Wollen Startups wachsen, benötigen sie neben dem richtigen Product-Market-Fit, und einem begeisterten Team in aller Regel vor allem Geld. Dafür brauchen sie Investoren und erfolgreiche Finanzierungsrunden. Ein überzeugender Pitch ist für das Einsammeln von Investments die Grundvoraussetzung. Die Techniken hierfür kann man erlernen und trainieren. Das Fundament für die andere Hälfte wird jedoch durch eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung zwischen den Investmentrunden gelegt. Um vernünftige Entscheidungen zu treffen, wie ein Unternehmen weiterentwickelt werden will und muss, ist eine selbstreflektierende Standortbestimmung dienlich. In den verschiedenen Lebensphasen der Planung, Gründung, des Aufbaus, Wachstums und der Reifephase sind ganz verschiedene unternehmerische Schritte notwendig bzw. werden von den Investoren erwartet.

Die Gründungsphase etwa markiert den Startpunkt, an dem es vorwiegend „Ärmel aufkrempeln!“ heißt und in der die ersten Mitarbeiter „viele Hüte auf haben“ und verschiedenste Verantwortlichkeiten tragen. Alle sind ganz nah an den ersten Kunden auf der Suche nach dem Product-Market-Fit. In dieser Zeit sind Inspiration und Flexibilität wesentliche Fortschrittstreiber. Haben die Gründer in Phase 1 ihre Hausaufgaben gemacht, lässt eine steile Wachstumskurve nicht lange auf sich warten. Die Ärmel aufzukrempeln und fest anzupacken allein reicht hier nicht mehr.

Oft steht die initiale Hemdsärmlichkeit der weiteren Entwicklung sogar eher im Wege. Wichtiger sind hier das Etablieren sauberer Prozesse und deren Dokumentation damit sie skalierbar und wiederholbar sind. Daneben sollten wenige, dafür aber aussagekräftige Kennzahlen eingeführt werden, um durch Messbarkeit und Transparenz, nötige Maßnahmen und Schritte schnell zu erkennen. Dabei und trotz aller sich bildenden Strukturen flexibel und offen für Inspirationen zu bleiben, ist hier das Gebot der Stunde und oft auch ein schwieriger Spagat.

Die Erfahrung zeigt, dass der Fokus in den frühen Phasen der Unternehmensentwicklung auf dem Cash-Flow und wenigen Kernprodukten und – prozessen und liegen sollte. Erst in der Reifephase, wo es vorrangig um den Ausbau der Profitabilität geht, ist eine Differenzierung und Ausweitung des Produktportfolios ratsam – natürlich immer im Rahmen optimierter Prozesse.

„investable“: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Ist eine Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen, müssen die Augen schon auf die nächste gerichtet werden. Darum gilt es unmittelbar im Anschluss sorgsam und zielorientiert die Weichen für das kommende Jahr zu stellen. Wichtig ist es, die Erwartungshaltungen aller Beteiligten abzugleichen. Denn selbst wenn ein Unternehmen den eigenen Vorstellungen nach voll auf Kurs und aus dieser Perspektive sehr wohl ein Investment im Folgejahr wert ist, können die Investoren ganz anderer Ansicht sein. Ein Perspektivwechsel kann hier helfen, um die unterschiedlichen Erwartungshaltungen der verschiedenen Geldgeber und Investorentypen zu verstehen. Denn auch wenn prinzipiell sowohl ein Finanzinvestor als auch ein Business Angel und strategischer Investor dasselbe Ziel verfolgen – nämlich signifikante Returns auf ihr investiertes Kapital durch ihre Beteiligung an einem wachstumsstarken und innovativen Startup – haben sie mitunter unterschiedliche Beweggründe, an die sich entsprechende Erwartungen an die Gründer knüpfen.

Business Angels legen häufig Wert darauf, junge Entrepreneure beim Aufbau eines Unternehmens zu unterstützten. Sie investieren daher häufig in Industrien, denen sie selbst als Unternehmer eng verbunden waren und bringen oft eine persönliche Leidenschaft für den Cause oder Purpose des Startups mit. Regelmäßiges Kontakthalten schafft hier schnelle, wenig formale Hilfe im Tagesgeschäft.

Strategische Investoren hingegen suchen nach Innovationsmotoren für ihr eigenes Geschäft. Sie erwarten in der Regel frische Ideen und einen belebenden Austausch mit den Gründern. Sie wollen die junge Dynamik, die Flexibilität, die volle Innovationskraft des Startups spüren und daraus Impulse für ihre anderen Businesses ableiten. Der positive Einfluss auf das eigene Geschäft bzw. die sukzessive Erweiterung des Kerngeschäftsfeldes steht für die „Strategen“ meist im Vordergrund weshalb sie oft einen längeren Erwartungshorizont (langen Atem) in Bezug auf die Wertsteigerung ihres Investments mitbringen.

Finanzinvestoren sehen vor allem das hohe Wachstumspotenzial des Startups und stellen damit die zentrale Frage, ob dieses Investment das eine ist, das mit exorbitantem Return (10x +) einen ganzen Fonds tragen kann. Jene sind in der Regel zufrieden, wenn die Zahlen stimmen – halten sich ansonsten aber eher zurück. Dennoch ist es ratsam, mit allen Investoren einen engen Kontakt zu halten und durch eine offene Kommunikation Missverständnisse zu vermeiden und die gegenseitige Erwartungshaltung ständig abzuklopfen. Letzen Endes hilft ein partnerschaftliches Miteinander dabei, eine langfristige Geschäftsbeziehung aufzubauen und gemeinsam das Ziel eines erfolgreichen Unternehmensaufbaus zu realisieren.

Achtung vor den Stolpersteinen

Auf dem Weg von der einen Finanzierungsrunde zur nächsten sollten Gründer typische Stolpersteine im Blick behalten. Eine wesentliche Weisheit, die insbesondere Entrepreneure in mehreren Gründungen schmerzhaft lernen müssen, ist die, dass alles mindestens zweimal länger dauert und doppelt so viel kostet wie zunächst geplant. Es hilft also ungemein, wenn ein ausreichender Cash Puffer vorhanden und dieser stets und ständig einplant ist. Es gibt noch viele weitere „goldene Ratschläge“, die tatsächlich helfen, auch beim nächsten Mal wieder eine erfolgreiche Finanzierungsrunde abzuschließen.

• Raise Cash: Startup-Unternehmer sollten Geld nehmen, wenn sich die Chance bietet und nicht erst, wenn sie Geld aufnehmen müssen.
• Ausgaben eng kontrollieren: Immer den ROI jedes Investments / jedes neuen Mitarbeiters hinterfragen. Zu oft wird hart erkämpftes Geld von halbgaren Ideen verbrannt.
• Kontinuierliche Kommunikation auch mit Investoren, die (noch) nicht investiert haben: Vielleicht sind sie in der nächsten Runde dabei?
• Die eigenen Kennzahlen verstehen und das Unternehmen entsprechend ausrichten: Den Fokus auf wenige, relevante Kennzahlen (meist nicht mehr als 5) legen, denn Erfolg und schnelles Wachstum ziehen neue Investoren magisch an.
• Wichtige Verträge in Englisch – erleichtert später die Due Diligence durch internationale Investoren.

Bildquelle DOOZER

Fazit

In der Entwicklung schnell wachsender Unternehmen haben jene Startups die Nase vorn, die in Finanzierungsrunden langfristig überzeugen – nicht nur im ersten Jahr, sondern auch in den folgenden. Dass das gelingen kann beweisen positive Beispiele wie DOOZER, die ihre bestehenden und auch neuen Investoren mit harter Arbeit und guten Ideen überzeugen. Damit das so bleibt, pflegt das Unternehmen unter anderem ein solides Netzwerk aus bestehenden und potenziellen Investoren.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Nicholas Neerpasch

Als Dipl.-Ing. Architekt begann Nicholas Neerpasch seine Karriere 2001 als Mitarbeiter im renommierten Architekturbüro Zaha Hadid Architects in London. Nach weiteren sechs Jahren in der Unternehmensberatung Ernst & Young in Berlin im Bereich der Immobilienwirtschaft gelang ihm 2007 der Schritt in die Selbstständigkeit, aus der heraus Neerpasch 2010 das Unternehmen acht+ Baumanagement und Immobilienberatung GmbH gründete. 2012 schloss er sich als geschäftsführender Gesellschafter der GFP Gruppe an und gründete 2014 die Doozer Real Estate Systems GmbH.

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