Donnerstag, Februar 25, 2021

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

emocean: Operating Platform indigo ist eine neue Art von Middleware

Stellen Sie sich und das Startup emocean doch kurz unseren Lesern vor!

Zuerst vielen Dank für die Gesprächseinladung. Mein Name ist Philipp Kirschenhofer und ich bin einer der Gründer von emocean. Unser Startup-Unternehmen ist angetreten, um mit unserem „liquify data“-Approach die Digitalisierung der Industrie voranzutreiben und die praktische Umsetzung der Paradigmen von Industrie 4.0 zu ermöglichen. Damit bieten wir zukunftssichere Lösungen vor allem für die Smart Factory an, aber auch für alle anderen Arten von Automatisierung und Prozesskommunikation, zum Beispiel für Testsysteme oder virtuelle Kraftwerke.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Ich bin bereits seit einigen Jahren als Consultant vor allem in der Automotive-Branche tätig und habe in dieser Zeit festgestellt, dass nahezu alle Kunden bei der Digitalisierung ihrer Produktion auf ähnliche oder identische Probleme stoßen. Plattformen für den systemübergreifenden Datenaustausch zwischen Maschinen, Komponenten und Anwendungen in der Smart Factory gibt es zwar zuhauf, haben aber alle denselben Mangel: Der Datenzugriff erfolgt nicht in Echtzeit. Das kann schnell zu Problemen führen, wenn Sensorwerte z. B. nicht up to date sind. Hierfür eine umfassende Lösung bereitzustellen, bedeutet nicht nur ein gewaltiges Marktpotential, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Zukunftssicherheit. Aus diesem Gedanken heraus ist emocean und unsere Plattform indigo entstanden.

Welche Vision steckt hinter emocean?

Mit indigo stellen wir eine Operating Platform vor, die mit den oben beschriebenen Problemen aufräumt. Unser verteiltes Datenmodell erlaubt echte Real-Time-Kommunikation über den gesamten Shop Floor und darüber hinaus. Übergeordnete Systeme bis hin zu Cloud Services werden bidirektional eingebunden, können also nicht nur wie bisher üblich Daten empfangen und auswerten, sondern auch direkt in den Produktionsprozess eingreifen. Aber durch unser verteiltes Zugriffssystem können zum Beispiel Machine-Learning-Prozesse auch lokal in indigo-basierten Maschinensteuerungen und Edge Controllern ablaufen. So wird die Fertigung tatsächlich intelligent und verdient erstmals wirklich den Namen „Smart Factory“. Dazu kommen viele weitere Funktionen wie die Timing-Synchronisation aller beteiligten Systeme oder eine objektorientierte Verwaltung, aber das alles aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Interviews sprengen.

Von der Idee bis zum Start, was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Dass unsere Unternehmensgründung in die Covid-19-Zeit gefallen ist, hat natürlich schon einiges erschwert. Vor allem die Investitionsbereitschaft ist bei vielen deutschen Unternehmen zurückgegangen, die erst mal den Ausgang der Krise abwarten wollen. Das hat uns die Suche nach Initialinvestoren nicht gerade leichter gemacht. Aber wir haben von Anfang an fest an unsere Vision und unser Team geglaubt und konnten einen starken Pitch präsentieren, und damit – und einiger Beharrlichkeit – neben den ersten Investoren auch bereits feste Kundenbeziehungen generieren. Das zeigt uns, dass wir mit indigo auf dem richtigen Weg sind und eine Lösung anbieten, auf die der Markt schon gewartet hat, ohne es zu wissen.

Wer ist die Zielgruppe von emocean?

Momentan wenden wir uns in erster Linie an produzierende Betriebe, die ihre Fertigung modernisieren und digitalisieren wollen und an Maschinenbauer, die zukunftsfähige, vernetzbare und intelligente Produkte entwickeln, um den Weg zur Smart Factory zu ebnen. Die Einsatzmöglichkeiten von indigo sind aber noch erheblich weitreichender, so dass wir mittelfristig auch im Bereich Testsystemhersteller und anderen Branchen präsent sein werden.

Wie funktioniert emocean? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Die verbreiteten IoT-Middleware-Produkte sind größtenteils nur Datenakkumulatoren, die gesammelte Werte in einer Einbahnstraße an übergeordnete Systeme weitergeben. Das ist asymmetrisch und die Datenverarbeitung erfolgt offline; auf dem Shop Floor selbst findet über diese Plattformen gar keine Kommunikation statt. Unsere Operating Platform indigo ist eine neue Art von Middleware, die von Grund auf auf einem verteilten, objektorientierten Datenmodell beruht. Dadurch kann jedem Teilnehmer Zugriff auf die Daten anderer Teilnehmer gewährt werden. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten für intelligente Steuerungen, selbstlernende Produktionssysteme und zukunftsweisende Methoden wie Predictive / Prescriptive Maintenance, also vorausschauende statt reaktiver Wartung.

Wie hat sich ihr Unternehmen mit Corona verändert?

Da wir emocean während der Coronakrise gegründet haben, konnten wir uns von Anfang an auf die neuen Gegebenheiten einstellen und brauchten daher keine Veränderungen vorzunehmen, insofern hatten wir sozusagen Glück im Unglück. Was uns hingegen schwer enttäuscht hat, ist die Art, wie die Bundesregierung in der Krise finanzielle Hilfen verteilt hat. Hier sind viele kleine Betriebe einfach leer ausgegangen, während Großkonzerne mit großen Summen subventioniert wurden. Uns hätte in der Gründungsphase eine Anschubfinanzierung aus dem Krisentopf sicher auch gutgetan, aber leider wird Unternehmertum nicht mehr wertgeschätzt; unsere Belange waren scheinbar nicht wichtig genug. 

Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Wir haben von Anfang an auf Flexibilität gesetzt und unseren Mitarbeitern ermöglicht, von zu Hause aus zu arbeiten. Soweit möglich, verwenden wir Videokonferenzen sowohl für interne Besprechungen als auch für Gespräche mit Kunden und Investoren. Das ganze Personal wurde mit leistungsfähigen Laptops ausgestattet und unsere Büroräume sind mit je nach Bedarf verfügbaren Flexdesks eingerichtet. 

Wo sehen Sie in der Krise die Chance?

Covid-19 verändert die ganze Welt auf Arten, die zum Teil noch gar nicht absehbar sind. Natürlich bringt das auch Umwälzungen in der Industrie mit sich. Auf der einen Seite sehen wir aufgrund der Unsicherheit einen Investitionsstau, der sich mit der Zeit hoffentlich lösen wird, wodurch dann eine große Welle an zurückgehaltenem Investitionskapital auf einmal frei wird. Andererseits werden Themen wie Vernetzung, Fernwartung oder die Verwendung mobiler Endgeräte für Benutzerschnittstellen immer wichtiger, was wiederum einen idealen Use Case für indigo darstellt. Wir sind also bestens gerüstet, mit unserer Expertise die kommende Investitionswelle zu unterstützen und unseren Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung und dem folgenden Wiederaufschwung zu leisten.

emocean, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Ich denke, die nächsten Jahre werden auf jeden Fall große Digitalisierungsschübe in der deutschen Industrie mit sich bringen. Wir würden uns natürlich sehr freuen, in unserem Heimatmarkt alte Anlagen nachzurüsten und zu modernisieren und bieten hier mit indigo das perfekte Werkzeug. Ich gehe davon aus, dass bereits ein erklecklicher Anteil der in den nächsten fünf Jahren entstehenden Smart Factories in Deutschland auf indigo laufen wird. Da wir derzeit bereits dabei sind, unsere Büros im Silicon Valley und Asien an den Start zu bringen, ist es auch nur eine Frage der Zeit, international einen entsprechenden Marktanteil zu erobern.

Insgesamt sehe ich uns auf einem organischen Wachstumskurs, der sich in den nächsten Jahren exponentiell beschleunigen wird. Hierzu wird auch unser Marketplace beitragen, über den wir Drittanbietern ermöglichen, zusätzliche Module und Plug-Ins für indigo anzubieten. Aber auch ein anorganisches Wachstum durch die Übernahme bestehender Marktbegleiter ist mit unseren starken Investoren im Rücken nicht ausgeschlossen. Die große Vision ist dann natürlich der IPO, aber den will ich nicht unbedingt innerhalb der nächsten fünf Jahre versprechen. 

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

1. Glaubt an eure Idee (wenn sie gut ist).

2. Stellt ein Team zusammen, das genauso an eure Idee glaubt.

3. Und das wichtigste: Glaubt an euer Team.

Und noch ein kleiner Bonustipp für alle Gründer im Bereich Maschinenbau und Automatisierung: Meldet euch doch mal bei uns. Wir haben da ein sehr interessantes Produkt für euch.  

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Philipp Kirschenhofer  für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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