Sich selbst eine Deadline – im wahrsten Sinne des Wortes – geben

ELvisory unterstützt Unternehmen, Verwaltungen und Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu meistern

Stellen Sie sich und das Startup ELvisory doch kurz unseren Lesern vor!
Wir haben ELvisory mit dem Ziel gegründet, Unternehmen, Verwaltungen und Eltern dabei zu unterstützen, Beruf und Familie für alle Seiten zufriedenstellender zu vereinbaren. Wir sind davon überzeugt, dass eine familienbewusstere Personalarbeit der entscheidende Erfolgsfaktor ist, um Fach- und Führungskräfte dauerhaft für den Standort Deutschland zu gewinnen.
Unsere langjährigen Erfahrungen in diesem Bereich und unsere unterschiedlichen Werdegänge ermöglichen es uns, die individuelle Situation im Unternehmen differenziert zu beleuchten und damit Arbeitgeber wie Arbeitnehmer in gleicher Weise kompetent und zum Wohle beider Seiten zu beraten.

Wie ist die Idee zu ELvisory entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Ich verfüge über mehr als 10 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Bei der SAP habe ich den Bereich Family&Career geleitet und den Ausbau sowie die Weiterentwicklung sämtlicher familienfreundlicher Maßnahmen federführend gestaltet und inhaltlich-konzeptionell geprägt. Meine Mitgründerin, Christiane Kuntz-Mayr hat in ihrer Rolle als Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat sowie als Betriebsrätin bei der SAP die Vereinbarkeit von Beruf und Familie an vielen Stellen maßgeblich vorangetrieben. Daher kennen wir sowohl die betriebliche als auch die Mitarbeitersichtweise sehr gut und sind fest davon überzeugt, dass familienfreundliche Maßnahmen win-win Situationen für Unternehmen und Beschäftigte schaffen. Während unserer langjährigen gemeinsamen Zusammenarbeit haben wir uns stets ausgetauscht und sowohl inhaltlich als auch persönlich sehr gut ergänzt.

Aus zahlreichen Gesprächen mit Vertretern und Eltern anderer Unternehmen wissen wir, dass längst nicht jedes Unternehmen beim Thema Vereinbarkeit so gut aufgestellt ist wie SAP. Wir wollen mit all unserer Erfahrung dazu beitragen, Deutschland zu einem familienfreundlicheren Standort zu machen.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Nachdem ich bei SAP sämtliche familienfreundlichen Maßnahmen erfolgreich umgesetzt habe, war ich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Gespräche mit Existenzgründerinnen haben mich neugierig gemacht und mich inspiriert, als Selbständige tätig zu werden. Mich reizt der Gedanke, gemeinsam meiner Geschäftspartnerin einen großen Gestaltungsspielraum zu haben und unser breites Wissen einer großen Menge an Unternehmen und damit auch Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Trotz unserem kaufmännisch fundiertem Hintergrund und trotz zahlreichem Informationsangebot für Existenzgründer sowohl seitens der IHK, des Bundeswirtschaftsministeriums und weiteren Anlaufstellen, stießen wir u.a. bei vertrags- und steuerrechtlichen Fragestellungen an unsere – und scheinbar auch – an die Grenzen der Beratungsstellen.
Finanziert haben wir uns hauptsächlich aus eigenen Mitteln. Darüber hinaus erhalte ich einen Existenzgründungszuschuss.

Wer ist die Zielgruppe von ELvisory?
Alle Unternehmen, die die Wichtigkeit erkannt haben, sich im Bereich Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu engagieren. Da wir neben den betriebswirtschaftlichen und strukturellen Anforderungen der Unternehmen auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter im Blick haben, bieten wir konkrete Unterstützungsmöglichkeiten für Eltern im Unternehmen.

Welche Unterstützung erhalten die Unternehmen?
• Umfassende individuelle Beratungsleistungen, um familienfreundliche Maßnahmen einfach, effektiv und kostengünstig umzusetzen.
• Impulse und Ideen, um familienfreundliche Konzepte und Programme im Unternehmen gemeinsam weiterzuentwickeln und mit Leben zu füllen.
• Angebote zu pass- und bedarfsgenauen Maßnahmen für Eltern, die zusammen mit Vertretern des Unternehmens in Design Thinking Workshops erarbeitet werden.

Wie werden die Eltern unterstützt?
Der von uns ausgebildete Elternguide hat als Mitarbeiter die Aufgabe, das Unternehmen in allen Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu begleiten. Im Rahmen der qualifizierten Ausbildung erhält er von uns das nötige Handwerkszeug, um diese Aufgabe in vollem Umfang zu erfüllen. Auf diese Weise erhalten Eltern in ihrem Unternehmen individuelle, niedrigschwellige und kompetente Unterstützung.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gerade schulische Themen in Familien häufig einen großen Raum einnehmen. Daher bieten wir zum einen das Seminar „Familie-Lernen-Beruf“ sowie ein auf Schule ausgerichtetes Elterncoaching an. In diesem klären wir gemeinsam mit den Eltern ihre individuellen Anliegen, suchen nach geeigneten Lösungen und den für die Familie passenden Weg.

Wie ist das Feedback?
Wir erhalten sehr viel positives Feedback von Mitarbeitern für unsere Idee, weil die Bedeutung des Themas – gerade auch im Hinblick auf die neue Partnerschaftlichkeit (auch Männer wollen mehr Familienarbeit leisten) zugenommen hat und gesehen wird. Gleichzeitig stellen wir fest, dass die Bereitschaft der Unternehmen, in das Thema Vereinbarkeit zu investieren, noch stärker sein könnte.

ELvisory wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In 5 Jahren möchten wir ein großes Netzwerk von ausgebildeten Elternguides haben, die die Bedürfnisse und Anforderungen der Beteiligten zum Thema Familienfreundlichkeit in ihrem jeweiligen Unternehmen kennen und dazu beitragen, dass diesen zur Zufriedenheit aller gerecht wird.
Wir werden sowohl von Unternehmen, Institutionen und von Eltern als ‚Trusted Advisor’ gesehen, wenn es darum geht, Wege zu finden, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu meistern. Sehr freuen würden wir uns, wenn es gelingt, unsere Expertise auch bei der Ausgestaltung von Gesetzesvorhaben, die das Thema Familie betreffen, einzubringen. Hier setzen wir auf unser bereits jetzt sehr gutes Netzwerk.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
– Bei mehreren Gründern: Von vorneherein klären, wie man mit Konflikten umgeht. Meine Geschäftspartnerin sagt hier gerne: „Halte kritische Punkte und deren Lösungsmöglichkeiten, die später vielleicht zum Konflikt führen können, in Zeiten fest, in denen Du Dich gut verstehst.“
– Sich von vermeintlichen Fehlern oder Rückschlägen nicht abschrecken lassen; aus diesen wird man besser und kann lernen; getreu nach dem Motto: „fail early – fail often“.
– Sich selbst eine Deadline – im wahrsten Sinne des Wortes – geben. Bis wann soll das Geschäft profitabel laufen; tut es das nicht: Exodus.

Fotograf: Lars Botz

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Nadja Alber für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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