Definiere ein Ziel und eine Philosophie

EinStückLand Gallowayfleisch aus dem Norden Deutschlands

Stellen Sie sich und das Startup EinStückLand doch kurz vor!
Hinrich: EinStückLand steht für viele Werte, die ein jeder verinnerlichen sollte. EinStückLand steht für den Respekt zum Tier, den Respekt zum Mitmenschen, für Achtsamkeit und vor allem den respektvollen Umgang miteinander. Diese Grundsätze sind für unser StartUp von Anfang an der Leitfaden gewesen und danach handeln wir bis heute und auch in Zukunft.

Lina: EinStückLand ist ein Marktplatz für qualitätsbewusste Menschen.

Wir vermarkten online auf unserer Internetseite Gallowayfleisch aus dem Norden Deutschlands. Die Tiere wachsen in der Herde auf, die Kälber werden nicht von den Müttern getrennt, sie grasen 365 Tage im Jahr auf der Wiese und trotzen dem norddeutschen Wetter. Unser Vermarktungsprinzip ist das gleiche, wie damals auf dem Dorf: Bei uns teilen sich Kunden ein Rind. Erst wenn das Tier komplett vermarktet ist, wird es geschlachtet. Dadurch verschwenden wir nichts von diesem wertvollen Lebensmittel Fleisch.

Wie ist die Idee zu EinStückLand entstanden?
Hinrich: Wir waren über Weihnachten 2016 bei meinen Eltern zu Hause. Meine Eltern züchten eigene Galloways. Als wir zusammen saßen, hatte mein Vater uns gefragt, ob wir nicht mal ein Galloway in Hamburg unter Freunden vermarkten möchten. Denn wenn die Herde größer wird, braucht man mehr Abnehmer und die gab es zu dem Zeitpunkt nicht. Und da war die Idee geboren.

Denn auf dem Dorf, wo ich herkomme, wird auch immer erst ein Tier geschlachtet, wenn es genug Abnehmer gibt.

Lina: Und wir haben gleich größer gedacht. Sofort haben wir diverse Landwirte angeschrieben und gefragt, ob sie die selben Probleme bei der Vermarktung haben und sind tatsächlich auf offene Ohren gestoßen. Wir haben dann innerhalb von nur 6 Monaten alles aufgebaut. Verpackung, Versand, Dorfschlachter, Landwirte, Anmeldung der Firma. Wirklich alles. Uns war aber nicht klar, ob die Idee wirklich Kundschaft finden wird.

Welche Vision steckt hinter EinStückLand?
Lina: Wir wollen zum Um- und Nachdenken anregen. Uns ist wichtig, dass unsere Kundschaft weiß, wie unsere Grundsätze sind und unsere Kunden sollen das auch leben. Das Essen muss wieder einen höheren Stellenwert bekommen und gerade die Zubereitung und das Essen von Fleisch. Denn der Bezug zum Lebewesen ist bei vielen abhanden gekommen. Jeder kann 24/7 in den Supermarkt gehen und kiloweise Filet kaufen. So kann es unserer Meinung nach nicht weiter gehen.

Hinrich: Wir wollen, dass der Kunde weiß: Wenn er bei uns bestellt, dann unterstützt er die Landwirte und unseren Dorfschlachter.

Er weiß, dass die Tiere ein gutes Leben hatten und wir dafür sorgen, dass mit diesem tollen Lebewesen respektvoll umgegangen wird. Denn das hat es verdient.

Lina: Auf diesem Konzept wollen wir aufbauen und in Zukunft auch andere Lebensmittel vermarkten. Da sind keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dass wir die kleinen Betriebe ausfindig machen, die es noch gibt. Denn viele konnten sich nicht mehr finanzieren und gaben ihren Betrieb bereits auf oder mussten dann auf die Massentierhaltung umsteigen. Letzten Endes wollen wir die Landwirtschaft und die Fleischvermarktung wieder attraktiver machen.

Was ist das Besondere an dem Gallowayfleisch?
Hinrich: Gallowayfleisch zeugt von Qualität und die ist der Haltung zuzuschreiben. Denn Galloways werden überwiegend auf Naturschutzflächen gehalten, da sie dort das Gras kurz halten für die Bodenbrüter und andere Lebewesen. Damit sind sie sozusagen die zotteligen Landschaftspfleger. Die Haltung in der Natur, das Wetter, die natürliche Bewegung und das Futter gibt dem Gallowayfleisch dieses tolle und natürliche Rindfleischaroma.

Kein Vergleich zum Supermarktfleisch, das schon eigentlich nach nichts mehr schmeckt.

Wie ist das Feedback?
Lina: Die Rückmeldung unserer Kundschaft ist super. Wir hatten sogar schon einige Vegetarier unter den Kunden. Es tut wirklich gut zu sehen, dass unsere Idee so positiv angenommen wird. Das bestärkt einen ungemein und gibt einen Kraft weiter zu machen.
Hinrich: Es gibt auch einige Kunden, die uns wirklich mit ihrer Nachricht berühren. Wir hat- ten zum Beispiel einen etwas älteren Mann, der alleine lebt und sagte: „Es ist schade, dass ich 70 Jahre lang brauchte, um jetzt endlich zu wissen, wie gutes Fleisch schmecken kann.“

So- was ist natürlich unbezahlbar und genau deswegen machen wir das Ganze.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen sich für Die Höhle der Löwen zu bewerben?
Lina: Wir finden das Format ganz spannend und einige Investoren sind für uns natürlich auch interessant. Wir haben uns aber ohne große Pläne bei der Sendung beworben. Uns konnte da- her nichts überraschen oder uns weit zurück werfen. Das ist unserer Meinung nach die beste Herangehensweise.

Hinrich: Für uns war wichtig: Wir wollen uns so präsentieren, wie wir sind. Wir wollten auch unser Unternehmen so zeigen, wie wir es sehen und wie es tatsächlich auch ist. Wenn dann ein Investor Interesse hat, dann ist es toll und dann kann man sich über Weiteres unterhalten, wenn es passt. Das war unsere Motivation.

Wie haben Sie sich auf die Sendung vorbereitet?
Lina: Tatsächlich war das Ganze sehr kurzfristig und wir haben uns eigentlich gar nicht richtig vorbereiten können. Natürlich haben wir uns unsere Zahlen angesehen, unseren Pitch geübt und versucht einen klaren Kopf zu bewahren, aber eine lange Vorbereitungszeit hatten wir nicht.
Hinrich: Eigentlich können wir auch hier sagen: Wir wollten so natürlich wie möglich sein.

Je mehr man sich vorbereitet, desto mehr verstellt man sich dann auch.

Sie sind eines der wenigen Startup Unternehmen, dass es in die Sendung Die Höhle der Löwen geschafft hat. Wie motivierend ist das für Sie und was versprechen Sie sich von der Show?
Hinrich: Uns ist das irgendwie noch gar nicht so bewusst. Es war die ganze Zeit im Hinterkopf und irgendwie haben wir uns auch ständig damit beschäftigt, aber realisiert haben wir es noch nicht wirklich. Ich jedenfalls nicht.
Lina: Wir können noch gar nicht abschätzen, was es für uns bedeutet. Wir hoffen natürlich, dass wir die Menschen, die diese Sendung sehen, irgendwie bewegen können.

Denn nur zusammen kann man etwas ändern.

Wie wichtig ist dieser Schritt für Sie als Startup Unternehmen? Auch unter dem Gesichtspunkt, dass durch „Die Höhle der Löwen“ viele Interessenten und auch Medien auf EinStückLand aufmerksam werden?
Hinrich: Natürlich ist es für uns eine riesige Chance uns ganz Deutschland zu präsentieren. Wir wissen aber noch gar nicht, wie wir letzten Endes gesehen werden. Höhle der Löwen gibt uns sicherlich einen kleinen Anstoß als StartUp. Die Frage ist nur, wie wir diesen Anstoß dann nachhaltig verwerten können.

Lina: Wir sind realistisch und warten erstmal ab. Wenn jemand Interesse an uns hat, dann freuen wir uns natürlich immer über Nachrichten und Anfragen und natürlich auch über Bestellungen.

Denn nur so können wir als StartUp bestehen und uns entwickeln.

Ziel der Sendung Die Höhle der Löwen ist es, dass ein Deal zustande kommt. Welchen der Löwen haben Sie als Investor im Fokus?
Hinrich: Wir haben Dagmar Wöhrl im Fokus. Sie hat sehr viel Erfahrung, ihre Einstellung zum Lebensmittel Fleisch passt, ihre inneren Werte stimmen mit unseren überein und sie ist keine Vegetarierin. Sie wird den Mehrwert unseres StartUps mit Sicherheit sehen. Am Ende kann man nie wissen, ob ein Investor einsteigt oder nicht. Gibt so viele Faktoren die dafür oder dagegen sprechen können.
Lina: Für viele Investoren ist diese Skalierbarkeit immer so ein wichtiger Teil. Das ist bei uns natürlich nicht unbegrenzt möglich. Daher wissen wir eigentlich schon jetzt, wen wir als Investoren nicht bekommen werden. Aber diese Tatsache, dass wir nicht unendlich skalieren können, sehen wir gerade als Stärke unserer StartUps an.

Wir wollen Qualität und keine Masse bieten.

EinStückLand, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Hinrich: Wir sehen uns mit eigenen, kleinen Schlachtereien in allen Bundesländern vertreten. Wir unterstützen die kleinen Betriebe, Landwirte trauen sich mal wieder einen kleinen Betrieb zu gründen und wir bauen um uns rum einen tollen Kundenstamm auf, der mit uns die gleichen Werte teilt.

Lina: Uns ist ein tolles Netzwerk wichtig, auf das wir bauen können. EinStückLand kann zu so viel werden. In ganz Deutschland gibt es tolle und regionale Produkte, die nur darauf warten, an die Menschen gebracht zu werden. Wir brauchen keine weiteren Produkte aus anderen Ländern, die dann mit Konservierungsstoffen haltbar gemacht und in Plastiktüten verkauft werden, um das Aroma nicht zu verlieren.

Wir können in Deutschland auch leckere und gesunde Lebensmittel produzieren und die heißt es nur zu finden und über EinStückLand anzubieten.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Hinrich: Ganz wichtig: Definiere ein Ziel und eine Philosophie und lass sie nicht aus den Augen. Nur weil dir das Geld links und rechts am Weg zuwinkt, solltest du deinen Weg nicht verlassen!
Lina: Von Anfang an gleich richtig und nicht nur halb. Trau dich zu investieren und vor allem: Markenschutz ist wichtig und sollte nicht unterschätzt werden. Lass dich dann von Nachahmern nicht unterkriegen. Die wird es geben.
Hinrich: Viele wissen es immer besser. Das sagt man zwar immer so, aber es stimmt wirklich. Lina: Genau, lass dich nicht von anderen verunsichern und zieh dein Ding durch.

Bild © MG RTL D / Bernd-Michael Maurer

Weitere Informationen finden Sie hier

Sehen Sie EinStückLand am 20. November in #DHDL

Wir bedanken uns bei Lina-Louisa Kypke und Hinrich Carstensen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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