eGovernment-Wettbewerb fördert die Bürgerpartizipation in der öffentlichen Verwaltung

BearingPoint & Cisco suchen innovative Projekte: Neben Behörden können erstmals auch alle Bürger ihre Ideen einreichen

Welche Neuerungen gibt es beim diesjährigen „Wettbewerb zur Digitalisierung und Modernisierung der öffentlichen Verwaltung“ (eGovernment-Wettbewerb) und was sind die Beweggründe? StartupValleyNews spricht mit Jon Abele, Partner bei BearingPoint und einer der Ausrichter des Wettbewerbs.

Dieses Jahr hat der Wettbewerb eine neue Kategorie. Was hat die Ausrichter bewogen, die „Beste Digitalisierungsidee“ als neue Kategorie aufzunehmen?
Jon Abele: Potenzial liegt oft im Verborgenen und wir haben uns dieses Jahr dazu entschlossen, dieses Potenzial nicht weiter ungenutzt zu lassen. Die Sicherstellung einer funktionierenden und modernen öffentlichen Verwaltung ist im Interesse aller – sowohl der Organisationen selbst, als auch der Bürgerinnen und Bürger. Die Möglichkeit bei einem so umfangreichen Prozess wie der Verwaltungsmodernisierung als Einzelperson die eigenen Ideen, Wünsche und Kompetenzen einzubringen ist schwierig. Wir möchten mit der neuen Kategorie diese Hürde abbauen, die politische Partizipation und Mitsprache der Bürger stärken und jedem ein Sprachrohr bieten, seine Kreativität, Ideen und sein Wissen einzubringen. Wir sind davon überzeugt, dass jeder den digitalen Wandel aktiv mitgestalten kann. Jeder, der sich beteiligen möchte, hat somit die Chance Ideen einzubringen, wie die Verwaltung durch die Digitalisierung verbessert werden kann. Die Ideen können online eingereicht werden unter: http://www.egovernment-wettbewerb.de/kategorien/kategorie-1.html

Aus welchen Bereichen können Ideen eingereicht werden?
Jon Abele: Die neue Kategorie ist bewusst offengehalten, um dem Ideenreichtum und der Innovationskraft keine Grenzen zu setzen. Es können Ideen aus allen Lebensbereichen – z.B. Familie, Beruf, Bildungund Freizeit– eingereicht werden, die im Hinblick auf digitale Angebote öffentlicher Organisationen einen Mehrwert schaffen.

Können Sie konkrete Beispiele für solche Digitalisierungsideen geben?
Jon Abele: Nehmen wir einen ganz alltäglichen Verwaltungsvorgang – die Überprüfung der Fahrerlaubnis. Derzeit muss bei der Nutzung von Firmenwagen, Mietwagen oder Car Sharing entweder bei jeder Anmietung oder in regelmäßigen Abständen die Fahrerlaubnis physisch, z.B. an Tankstellen, vorgelegt werden. Dies ist einerseits mit einem hohen Aufwand verbunden und andererseits sind die Informationen nicht immer aktuell. Hier wäre es ein großer Fortschritt, wenn die vorhandene Fahrerlaubnis automatisch überprüft werden könnte. Dazu könnte sie beispielsweise in einer Blockchain hinterlegt werden. Auf diese könnten, nach vorheriger Einwilligung durch den Nutzer, Berechtigte (z.B. Mietwagenfirmen, Car-Sharing-Anbieter, Flottenbetreiber) elektronisch zugreifen. Dieses Vorgehen reduziert nicht nur den unnötigen Aufwand für alle Beteiligten, sondern sichert die Informationsqualität.

Ein weiteres Beispiel ist die Leistungsbeanspruchung vom Staat. Oft müssen erst komplizierte und zeitraubende Verfahren durchlaufen werden, bevor der vollständige Antrag beim richtigen Ansprechpartner vorgelegt wird. Der Doppelaufwand für Nachweisdokumente könnte reduziert werden, da viele Unterlagen den Behörden aus vorherigen Vorgängen bereits vorliegen. Die Verständlichkeit von Formularen könnte durch eine Reduktion des oft nur schwer verständlichen Beamtendeutsch gesteigert werden. Einen Schritt weitergedacht, könnten viele Formulare vom Staat bereits vorausgefüllt zur Verfügung stehen, sodass eine Leistung sogar ganz ohne Antrag ausgezahlt werden kann.

Was erwartet den Einreicher einer prämierten Idee?
Jon Abele: Im Fokus des Wettbewerbs stehen der Erfahrungsaustausch und die Förderung von richtungsweisenden Lösungskonzepten. Gemeinsam mit Cisco unterstützen wir nun seit 16 Jahren Modernisierer bei der Umsetzung ihrer innovativen Vorhaben und verschaffen den Projekten die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Die besten Vorschläge aus der neuen Kategorie werden professionell mit der zuständigen Behörde zu einem konkreten Projektvorschlag aufgearbeitet und auf dem 22. Ministerialkongress prämiert. Die Einreicher einer ausgezeichneten Idee erhalten einen Geldpreis. Die Teilnahme am Wettbewerb ermöglicht eine vollwertige Partizipation und bietet eine hervorragende Plattform, den Wandel aktiv mitzugestalten.

Der 16. „Wettbewerb zur Digitalisierung und Modernisierung der öffentlichen Verwaltung“ (eGovernment-Wettbewerb) steht unter der Schirmherrschaft von Staatsminister Prof. Dr. Braun und ruft öffentliche Organisationen sowie Institutionen des Gesundheits- und Sozialwesens aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Beteiligung auf. Neben innovativen Digitalisierungs- und Modernisierungsprojekten, erfolgreichen Kooperationen und agilen IT-Infrastrukturen stehen erstmals auch Bürgerideen im Fokus des Wettbewerbs. Die Einreichfrist endet am 3. April 2017 (24 Uhr). Weitere Informationen und Unterlagen finden sich unter www.egovernment-wettbewerb.de

Wir bedanken uns bei Jon Abele für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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