Sonntag, November 28, 2021

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Edecy Forschungsplattform: Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft!

Stellen Sie sich und das Startup Edecy doch kurz unseren Lesern vor!

Ob im Maschinenbau, der Elektrotechnik oder der Automobilindustrie – moderne Forschungsthemen sind anspruchsvoll, komplex und interdisziplinär. Viele mittelständische Unternehmen geraten dadurch an die Grenzen ihrer Kompetenzen und Ressourcen. Während bei Großunternehmen die Innovationsquote weiter steigt, ist sie im Mittelstand rückläufig (BMBF 2019, Bildung und Forschung in Zahlen). Gleichzeitig verfügen Hochschulen, Universitäten und Forschungsinstituten über wertvolle Forschungskompetenzen, die in Deutschland aber häufig nicht in marktwirtschaftliche Innovationen überführt werden.

Edecy möchte das mit einem digitalen Plattformansatz ändern und durch Forschungskooperationen zusammenbringen, was zusammengehört.  Im Rahmen eines intelligenten Matchmaking-Systems findet Edecy für jedes Unternehmen und seinen spezifischen Forschungsgegenstand einen geeigneten Kooperationspartner und hilft ihnen dadurch, ihre Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit deutlich zu steigern. 

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Ich habe mich entschieden ein eigenes Unternehmen zu gründen, …

  1. um ein erfolgreiches Team nach eigenen Vorstellungen aufzubauen.
  2. um ein erfolgreiches Produkt nach eigenen Vorstellungen aufzubauen.

Wir arbeiten derzeit mit einem Team von 6 Personen für Edecy. Ich zerbreche mir regelmäßig den Kopf darüber, wie groß mein tatsächlicher Anteil bei der Zusammenstellung dieses Teams war und wie ich dies wiederholen bzw. fortsetzen kann. Bisher habe ich keine konkrete Antwort finden können, freue mich aber jeden Tag aufs Neue über das Engagement, die Freude und das Feuer des gesamten Teams.

Welche Vision steckt hinter Edecy?

Edecy möchte seinen Beitrag zur Lösung der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts rund um Digitalisierung, Mobilitätswende und Klimaschutz leisten. Das geht vor allem durch eine effiziente Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft, die der Komplexität gesellschaftlicher Problemstellungen in Form einer ebenso interdisziplinären wie angewandten Forschung gerecht wird. Dabei gilt es aber, das Spielfeld nicht den Großunternehmen zu überlassen, sondern das gesunde Gleichgewicht einer vom Mittelstand getragenen Unternehmenslandschaft zu erhalten. Langfristig ist es das Ziel von Edecy zur größten Forschungsplattform Europas zu werden und durch die Verwendung modernster Technologie der künstlichen Intelligenz eine neue Stufe der Vernetzung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen auf Basis fachlicher Eignung zu erreichen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Ich habe Edecy gemeinsam mit dem Bruder eines Abitur-Freundes gegründet. Die Anteile wurden 50/50 aufgeteilt und jede Seite hat regelmäßig das benötigte Kapital eingebracht. In der Regel kam dieses aus anderen unternehmerischen Aktivitäten oder wurde direkt aus Freelancer-Projekteinsätzen querfinanziert. Die Balance zwischen „Mehr fakturierbare Projektstunden ergeben mehr finanzielle Mittel für Edecy“ und „Mehr fakturierbare Projektstunden ergeben weniger eigene Stunden bei Edecy“ ist schwer zu finden. Ich habe daraus gelernt, dass sich die eigene Konzentration nicht beliebig zwischen einer Vielzahl an Projekten verschieben lässt. Manchmal heißt es: „ganz oder gar nicht“.

Bisher haben wir keine externen Investoren an Board. Das Thema drängte sich in den vergangenen Wochen aber immer stärker in den Fokus.

Wer ist die Zielgruppe von Edecy?

Edecy richtet sich speziell an die kleinen und mittelständischen Unternehmen der vier großen Industriezweige Deutschlands: Chemie- und Elektroindustrie, Automobilbranche und Maschinenbau. Besonders der Maschinenbau ist hierbei mittelständisch geprägt und kann durch eine fachspezifische Vernetzung auf der Forschungsplattform von Edecy seine Innovationspotenziale noch effizienter ausschöpfen.

Wie funktioniert Edecy? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Keiner der existierenden Akteure im Bereich des Forschungstransfers verfolgt einen digitalen Plattformansatz mit überregionalem Anspruch und intelligentem Matching-Verfahren auf Basis von ML und NLP, durch den eine automatisierte Vernetzung von Forschungspartnern möglich wird. Dieser Ansatz von Edecy wird durch eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung bestätigt, die zu einer Steigerung der Innovationsfähigkeit deutscher Unternehmen die Schaffung einer Plattform zur Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft empfiehlt (Bertelsmann 2019, Innovative Milieus). Ergänzend unterstreicht der aktuelle EFI-Bericht der Bundesregierung die Bedeutung überregionaler Vernetzung: „Die Expertenkommission erachtet die regionale Vernetzung von Innovationsakteuren als wichtig. Sie regt jedoch an, in der F&I-Förderung ein höheres Gewicht auf überregionale und internationale Kooperations- und Vernetzungsformen zu legen“ (EFI 2020, Gutachten Forschung und Innovation). 

Wie hat sich ihr Unternehmen mit Corona verändert?

Wir sind Mitte März 2020 erstmals mit einem konkreten Angebot an unsere Kunden herangegangen, zu diesem Zeitpunkt wurden die ersten Maßnahmen der Bundesregierung eingeleitet und die Entscheidungsträger unserer Kunden sind spürbar in vorübergehende Wartestellung gegangen. Trotz ausführlichster Voruntersuchung des Marktes und Vorqualifizierungen unserer Kunden, hat sich der Start zu einer Zitterpartie entwickelt. Besonders bemerkenswert ist jedoch, dass bei sinkender Investitionsbereitschaft die Kommunikationsbereitschaft unserer Kunden stieg und wir damit früh wichtige Partnerschaften schließen konnten.

Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Corona kam über uns, bevor wir die erste Chance auf Umsatz hatten. Die wichtigste Aufgabe war daher eine vorübergehende Kostensenkung auf ein absolutes Minimum – ohne dabei die Vertriebs- und Marketingaktivitäten ins Stocken zu bringen. Das gesamte Team hat dabei bspw. Einbußen hinsichtlich der finanziellen Lebensqualität hingenommen, gemeinsam konnten wir uns letztendlich aber ausreichend zeitlichen Puffer aufbauen.

Wir haben darüber hinaus in den ersten Monat 100% Home Office eingeführt. Da wir grundsätzlich stark dezentralisiert arbeiten, hat sich dies kaum bemerkbar gemacht. Mittlerweile kann wieder jeder ins Büro kommen, wie es ihm gefällt. 

Wo sehen Sie in der Krise die Chance?

Wichtige Ideen und Partnerschaften entstehen im lockeren Austausch – bspw. bei einem Schnack an der Kaffeemaschine, bei einem Bier oder Abendessen. Corona hat bewiesen, dass kreativer Austausch und die Anbahnung von Partnerschaften auch per Videokonferenz wunderbar funktioniert. Der direkte Kontakt wird dadurch nicht ersetzt, Geschäftsreisen sollte man dennoch gezielter planen und auch mal durch Videokonferenzen ersetzen. Dies spart eine Menge Zeit und wertvolle Ressourcen. 

Grundsätzlich hat die Krise dem Thema Digitalisierung einen wichtigen Schwung mitgegeben.

Edecy, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

In 5 Jahren gehört Edecy zu den größten Forschungsakteuren in Deutschland, unterscheidet sich aber gleichzeitig durch seinen ausgereiften Plattformansatz und das intelligente Matching-System. In der gleichen Weise, wie das Edecy-Team in 5 Jahren dazu gelernt haben wird, wird auch der Edecy Matching-Algorithmus einen intensiven Lernprozess durchlaufen haben. Im Zuge hunderter Erfolge und Misserfolge werden die Kooperationsvorschläge auf ein Netz an Matching-Daten zurückgreifen können und eine Matching-Präzision ermöglichen, die selbst jene erfahrener Transferexperten übersteigt.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

  1. Investiert früh in Vertriebs- oder Marketingunterstützung. Fähige Personen mit Vertriebs-Knowhow und fundiertem Wissen zur Zielgruppe können euch in einer Woche so viel Feedback einholen, wie eine unerfahrene Person in sechs Monaten. Darüber hinaus lernt ihr in der Zusammenarbeit viele wichtige Erfahrungen für euch als Gründer mit.
  2. Zielgruppenbefragungen und Interviews haben quasi keine Aussagekraft über den späteren Erfolg eures Produktes. Macht euch intensiv Gedanken darüber, wie man Ergebnisse faken kann (Stichwort: Mechanical Turk). Testet eure Ideen an überschaubaren Zielgruppen und passt eure Ergebnisse auf Basis der gewonnenen Erfahrungen an. Achtet darauf, dass ihr bei eurer Zielgruppe Investitionspunkte sammelt. Investieren kann ein potenzieller Kunde mit Zeit, Kontaktdaten oder Geld (bspw. durch Vorbestellungen). Dabei gilt: Mailadresse < Telefonnummer < Zeit (mehr als 30 Minuten) < Geld
  3. Vertraut auf euer Bauchgefühl und schreckt nicht vor Entscheidungen zurück. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei  Florian Otto für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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