Das Gründen ist weitaus mehr, als nur das Entwickeln einer guten Idee

easierLife erweitert den klassischen Hausnotruf um Sensoren, die Situationen automatisch erkennen

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen easierLife doch kurz unseren Lesern vor!
Die easierLife GmbH wurde 2014 als Ausgründung aus dem FZI Forschungszentrum Informatik gegründet. Wir entwickeln intelligente SmartHome Produkte für ein sicheres Leben im Alter. Dabei legen wir besonderen Wert darauf, dass unser Produkt für den Zielmarkt angepasst ist. Systeme, die einfach zu installieren und zu nutzen sind, werden den speziellen Bedarfen von sorgenden Betreuern von Älteren gerecht, auch wenn man noch wenig technische Erfahrung hat. Die Belastung von Pflegenden ist heutzutage enorm, und wir möchten mit unseren Systemen dazu beitragen sie zu entlasten und dadurch gleichzeitig älteren Menschen ein längeres Leben in ihren eigenen vier Wänden zu ermöglichen.

Wie ist die Idee zu easierLife entstanden und wie haben sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Sebastian, Christian, Jochen und ich haben schon einige Jahre lang am FZI Forschungszentrum Informatik zusammen an dem Thema „assistierende Technik“ geforscht. Dort haben wir verschiedene Studien zu SmartHome Sensorik und Beratung in der Pflege durchgeführt. Die Studien haben immer häufiger gezeigt, dass herkömmliche Notrufsysteme in Notsituationen häufig doch nicht genutzt werden. Das hat vielschichtige Gründe – manche vergessen den Knopf zu tragen andere können ihn in der Notsituation gar nicht mehr auslösen. In Gesprächen mit Pflegekräften, Angehörigen und Älteren ergab sich so die Idee ein System aus Sensoren zu entwickeln, die nicht am Körper getragen werden müssen. Die Studienergebnisse mit SmartHome Sensoren und das Feedback der Beteiligten hat uns schlussendlich dazu motiviert ein solches System marktreif zu entwickeln.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Zu Beginn unserer Ausgründung aus dem FZI haben wir uns durch das EXIST Gründerstipendium finanziert. Dieses Stipendium hat uns einen hervorragenden Start geboten, um unser System zur Produktreife zu bringen und erste Pilotkunden zu gewinnen. Inzwischen stehen wir auf eigenen Beinen.
Die größten Herausforderungen in dieser Phase war es meiner Meinung nach, die goldene Mitte zu finden zwischen Kundenwünschen und unseren begrenzten personellen Ressourcen zu dieser Zeit. Am liebsten möchte man in dieser Phase auf jede Rückmeldung eines potentiellen Kunden sofort eingehen und das System umgehend weiterentwickeln.

Wer ist die Zielgruppe von easierLife?
Die Anwender unseres Systems sind Betreuerinnen und Betreuer älterer Menschen, die sich um deren Wohlergehen sorgen. Das kann sowohl die Angehörige als auch die Betreuerin in einer betreuten Wohnanlage sein. Sie möchten alle die Gewissheit haben, dass es ihren Liebsten gut geht, und über kritische Situationen in den Wohnungen der Älteren informiert werden, falls diese mal nicht mehr selbstständig Hilfe rufen können – z.B. nach einem Sturz.
Durch die automatische Alarmierung unseres Systems erlangen Ältere längere Selbstständigkeit während Angehörige weiterhin die Sicherheit haben, über Problemsituation automatisch alarmiert zu werden. So können auch Menschen mit beginnender Demenz länger in ihrer gewohnten Wohnumgebung bleiben.

Wie funktioniert easierLife?
Unser easierLife System informiert Betreuerinnen automatisch, wenn die easierlife Sensoren in der Wohnung der älteren Person eine Problemsituation erkannt haben. Sensoren in den Wohnungen der Älteren (ein Bewegungsmelder und ein Türsensor) analysieren Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf der Bewohner, wie beispielsweise die erwähnte Bewegungslosigkeit nach einem Sturz, oder aber wenn die ältere Person nicht mehr nach Hause zurückgekehrt ist. So können Angehörige und Betreuerinnen über ihr Smartphone automatisch per Push-Nachricht alarmiert werden und schnell reagieren. Auch wenn der Notrufknopf nicht mehr gedrückt werden konnte.
In der Smartphone App können Betreuer außerdem individuelle Systemeinstellungen vornehmen, um easierLife an die jeweilige Versorgungssituation zielgerichtet anzupassen. So kann z.B. eine 24-h-Notrufzentrale oder aber auch weitere Helfer zu einem Versorgungsnetz einfach hinzugefügt werden. Auch Einstellungen zu Lebensgewohnheiten könnten direkt in der App vorgenommen werden.
So bleibt ein eigentlich komplex-arbeitendes Produkt für den Endnutzer einfach und verständlich.

Wo liegt der Unterschied zu anderen Systemen?
easierLife erweitert den klassischen Hausnotruf um Sensoren, die Situationen automatisch erkennen. Insbesondere für die Begleitung von rüstigen Älteren oder dementiell erkrankten Personen sind tragbare Notruflösungen nicht immer das Richtige. Hier können wir unterstützen, da die unauffälligen Sensoren nicht in den Alltag eingreifen und dennoch Sicherheit geboten werden kann.
Wohlfahrtsverbände können so beispielsweise Wohlauf-Rundgänge in Betreuten Wohnanlagen deutlich zielgerichteter durchführen, da das System nur bei denjenigen Wohnungen Alarm schlägt, die bis zu einer definierten Uhrzeit noch nicht aufgestanden sind. Das ist häufig ein Zeichen für Hilfebedarf. Bei herkömmlichen Alarmsystemen müssen sich die Bewohner meist bei kurzen Abwesenheiten abmelden. Das macht keiner gerne.
Ermöglicht wird dies durch die intelligente Sensorauswertung, die im Hintergrund läuft und Abweichungen erkennt. Diese Algorithmen bauen auf langjährigen Analysen und Studien auf.

Wie viel kostet der Service von easierLife?
Das easierLife System ist derzeit für einen einmaligen Anschaffungspreis ab 299€plus 9,99€ monatliche Servicegebühren zu haben. Darin enthalten sind die Sensoren, eine Basisstation ebenso wie die App-Alarmierungen für das Helfernetzwerk. Möchte ein Betreiber eine 24-h-Notrufzentrale einbinden, ermitteln wir gemeinsam die beste Lösung für ihn.

easierLife, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Die Systementwicklungen stehen nie still. Wir haben gerade unser Produkt weiterentwickelt und an die eingehenden Kundenwünsche angepasst. Gegensprechfunktionalität, um mit dem Hilfebedürftigen Kontakt aufzunehmen und eine Notstromversorgung standen dabei genauso im Vordergrund wie die Zulassung im Pflegehilfsmittelkatalog und die einfache Erstellung des Helfernetzwerks in der App.
Wir sehen, dass es konstant neue Ideen zur Weiterentwicklung gibt. Intelligente Notrufsysteme sind sicher nicht nur für ältere Menschen interessant. Auch Menschen mit Behinderung oder Alleinlebende können von mehr Sicherheit profitieren. Daher werden wir uns in der nächsten Zeit neue Märkte sehr genau anschauen. Damit verbunden sind selbstverständlich auch strategische Partnerschaften. Wir möchten für unsere Kunden die Systemnutzung so einfach wie möglich gestalten. Dazu gehören auch die lokale Verfügbarkeit und Beratung sowie Unterstützung bei der Installation.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?
1. Das Gründen ist weitaus mehr, als nur das Entwickeln einer guten Idee. Unternehmensführung oder Rechtliches gehört auch dazu. Ich empfand es als äußerst hilfreich mich nicht nur in der Vorgründungsphase mit anderen Gründern darüber auszutauschen. Meist kriegt man hier gute Tipps und Kontakte.
2. Geht möglichst früh Vertriebspartnerschaften ein. Ein Produkt das Vertrauen voraussetzt, ist schwer nur durch euch als Startup zu verkaufen. Hier müssen Partner gefunden werden, die das Vertrauen im Markt besitzen und so neue Zugänge ermöglichen.
3. Macht euch auch kleine Erfolge bewusst. Es gibt genug Stolpersteine, die einem das Leben schwer machen. An diese erinnert man sich auch in der Regel. Aber lasst vor lauter Arbeit und Hürden das Feiern der positiven Erlebnisse – als Team – nicht außer Acht.

Wir bedanken uns bei Natalie Röll für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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