Der Pfad, auf den man sich als Gründer begibt, ist oft härter als es von außen scheint

Dynamic Yield ist eine KI-basierte Personalisierungsplattform

Sie haben beim israelischen Geheimdienst gearbeitet, inwieweit haben die Erfahrungen bei der Gründung ihres Startups geholfen?
Richtig, wie alle jungen Leute in Israel, habe ich nach der Schule drei Jahre beim Militär gedient. Für junge Menschen in Deutschland wirkt dieser lange Militärdienst vielleicht etwas befremdlich, aber es ist in Israel nun mal Pflicht und ich bin froh, dass ich in der technologischen Einheit des israelischen Geheimdienstes gelandet bin. Dort konnte ich mit Köpfchen arbeiten – das war mir lieber als Patrouille zu laufen.

Wie man sich vorstellen kann, bleiben die meisten Leute nicht länger als sie müssen in der Armee. Dementsprechend ist der Altersdurchschnitt recht niedrig und die Verantwortung, die Berufseinsteiger übernehmen müssen, höher als in anderen Organisationen. Man muss schnell lernen mit komplexen Situationen umzugehen, in einem Arbeitsumfeld mit hohem Stresslevel klar zu kommen und in diversen Teams mit Kommandanten, die einen viel höheren Rang haben als man selbst, zusammen zu arbeiten.

Man kann sagen, dass ich beim Militär alles gelernt habe, um komplexe Projekte zum Erfolg zu führen. Außerdem habe ich dort mein berufliches Netzwerk ausgebaut, über das ich viele tolle Leute für mein erstes Startup gefunden habe.

Stellen Sie doch kurz das Startup Dynamic Yield vor!
Dynamic Yield ist eine KI-basierte Personalisierungsplattform, die individuelle Kundenerfahrung über alle Kontaktpunkte wie Website, App, E-Mail, POS-System, IoT-Gerät und Call Center ermöglicht.
2012 haben mein Mitgründer Omri und ich uns gefragt, wie wir Online-Erfahrungen persönlicher, effizienter und angenehmer machen können und gründeten dann unser Startup in Tel Aviv. Seitdem hat sich viel getan. Heute haben wir unseren Hauptsitz in New York und weitere Teams in Berlin, London, Tel Aviv, Paris, Barcelona, Moskau und Singapur.

Unser Team besteht aus mehr als 200 Mitarbeitern und wir sind ständig auf der Suchen nach neuen Talenten.

Welche Vision steckt hinter Dynamic Yield?
Marken kontrollieren nicht mehr die Märkte – das machen heute die Verbraucher. Die haben heute eine größere Auswahl als jemals zuvor.
Wer also im Wettbewerb um die Kundschaft auffallen will, der muss den Kunden ein positives Einkaufserlebnis bieten. Dazu müssen Marken die individuellen Erwartungen und Bedürfnisse der Kundschaft verstehen und ihr Angebot darauf ausrichten.

Hier kommt Dynamic Yield ins Spiel – unsere Technologie stellt Marketing- und Produktteams die Tools zur Verfügung, die benötigt werden um große Datenmengen zu sammeln, zu vereinheitlichen und miteinander zu verbinden. Darüber hinaus bieten wir Tools, mit denen diese Daten aktiviert werden können, um ein wirklich individuelles Einkaufserlebnis für jeden Nutzer bieten zu können.

Wer ist die Zielgruppe von Dynamic Yield?
Unsere Personalisierungsplattform richtet sich an jede Marke, die messbare Resultate über digitale Kontaktpunkte mit ihren Kunden erzielt. Das klingt sehr allgemein, ist aber korrekt, denn unsere Technologie kreiert personalisierte Erfahrungen für Websites, Reiseportale, E-Mails, Apps, Call Center und selbst für neue digitale Kanäle wie POS-Systeme oder IoT-Geräte.
Dynamic Yield ist auf die Bedürfnisse von Marketern, Händlern, Produktmanagern und Programmierern abgestimmt und erlaubt ihnen gemeinsam in unserer Plattform an personalisierter Interaktion mit ihren Kunden zu arbeiten. Unser Kundenstamm umfasst heute mehr als 250 Unternehmen weltweit.

Wie funktioniert Dynamic Yield? Wo liegen die Vorteile?
Unsere Plattform nutzt Machine Learning und AI, um die Customer Journey jedes einzelnen Kunden in Echtzeit zu personalisieren und zu optimieren.
Im Vergleich zu vielen anderen Anbietern vereinen wir die Services A/B Testing, Produkt- und Content-Empfehlungen, Personalisierung und 1:1-Messaging in einer einzigen Plattform, die unsere Geschäftskunden nutzen, um mit geringem Aufwand maßgeschneiderte Einkaufserlebnisse bereitzustellen. . Durch die Zusammenführung von verschiedenen Daten-Silos weiß unsere Software genau, was die Endkunden interessiert und maximiert so die Verkäufe.

Übrigens, je nach Maßnahme steigert unsere Technologie die Verkäufe unserer Geschäftskunden um bis zu 15 Prozent.

Israel hat die zweitgrößte Startup-Szene der Welt, wie hat sie sich dazu entwickelt?
Tatsächlich kenne ich die Deutsche Startup Szene ziemlich gut. Die meisten meiner eigenen Investitionen habe ich in die Berliner Startup Szene gesteckt, dort gibt es einige Ableger von Rocket Internet, die großartige B2C Lösungen bauen.

Oftmals ist eine große Erfolgsgeschichte der Auslöser für ein ganzes Startup-Ökosystem:

Junge, ambitionierte Leute entdecken und entfalten ihr Potential in einer erfolgreichen Firma. Dann nutzen sie ihre Fähigkeiten um ihre eigenen Ideen umzusetzen. Vor circa 40 Jahren kamen einige internationale Konzerne wie Intel und IBM nach Israel. In Kombination mit den Technischen Einheiten des Militärs lieferten sie die perfekte Grundlage für ein aufblühendes Startup-Ökosystem.
Angefangen mit Telekommunikations- und Halbleitertechnik-Firmen, folgten bald Software-, Internet- und später auch Mobilfunkunternehmen. Da Israel ein vergleichsweise kleines Land ist, kennen sich die Leute in der Szene untereinander. Ist man erstmal drin, trifft man schnell die richtigen Leute, die einem weiterhelfen können. So werden Synergien freigesetzt und das ganze Ökosystem wächst weiter.

Dynamic Yield, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In fünf Jahren wird Personalisierung omnipräsent sein – ein absolutes Muss im Marketing. Noch sind es gerade mal 5-15 Prozent aller internationalen Unternehmen, die eine Art Personalisierungs-Software einsetzen. Aber innerhalb der nächsten fünf Jahre werden es über 50 Prozent sein. Es wird nicht mehr nur um die Personalisierung von Websites oder Ads gehen – jeder einzelne Kontaktpunkt mit den Kunden wird individualisiert. Dynamic Yield und seine Personalisierungsplattform werden dann weit verbreitet sein, so wie es Marketing Automation oder CRM-Lösungen heute sind.

Diese Schwerpunktverlagerung ist schon jetzt im Gange und wird von Monat zu Monat stärker.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1. Stellt euch psychologisch auf eine Menge Zurückweisung, Mühe und Sorgen ein! Der Pfad, auf den man sich als Gründer begibt, ist oft härter als es von außen scheint.

2. Folgend Punkt 1 solltet ihr UNBEDINGT an etwas arbeiten, das euch erfüllt. Wenn eine Sache jede Minute eurer Zeit in Anspruch nimmt, sollte es besser etwas sein, dass euch wirklich Spaß macht.

3. Du bist nur so gut, wie das Team, das hinter dir steht. Setzt all eure Energie ein, wenn es darum geht, die besten Leute für euch zu gewinnen.

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Wir bedanken uns bei Liad Agmon für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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