Wer etwas wirklich erreichen will, der schafft es auch.

DrEd Online Arztpraxis: Egal wo ich bin, der Arzt ist nur ein paar Klicks entfernt

Stellen Sie sich und das Startup DrEd doch kurz unseren Lesern vor!
Ich heiße David Meinertz und bin Gründer und Geschäftsführer von DrEd. DrEd ist die führende Online-Arztpraxis in Europa. Patienten können über das Smartphone, Tablet oder Laptop unsere Ärzte konsultieren und das praktisch zeit- und ortsunabhängig. Es ist also das Sprechzimmer im eigenen Wohnzimmer oder der „Arzt to Go“, wenn man so will. Egal wo ich bin, der Arzt ist nur ein paar Klicks entfernt.

Wie ist die Idee zu DrEd entstanden?
Es gibt viele Menschen mit Krankheiten, die nie zu Patienten werden, da sie keinen Arzt aufsuchen. Das wollten mein Gründungspartner und ich ändern: Uns ging es darum, kranken Menschen, die unnötig lange ihr Leiden mit sich herumtragen, einen schnellen und einfachen Zugang zum Arzt zu geben. Wir wollen die Hemmschwelle für den Arztbesuch senken.
Das Gefühl zu lange auf einen Arzttermin zu warten oder lange im Wartezimmer zu sitzen, kennt wohl jeder. Auch an Sprechzeiten gebunden zu sein, ist nicht jedermanns Sache. Und wenn es darum geht, ein Rezept für ein Medikament immer wieder direkt aus der Praxis holen zu müssen, das man eigentlich regelmäßig braucht, kann auch das ganz schön nerven. Das betrifft dann vor allem Menschen mit chronischen Leiden. Wir haben uns gedacht: Das kann man alles auch patientenfreundlicher gestalten – also zeit- und ortsunabhängig online über das Smartphone von unterwegs oder vom Tablet oder Computer von zu Hause aus. Wir haben dann mit DrEd die erste echte Online-Arztpraxis in Europa gegründet, die nicht nur zu Gesundheitsfragen über Telefon, Videosprechstunde und E-Mail berät, sondern auch behandeln und Rezepte für Medikamente ausstellen kann.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung für ein StartUp ist es, die richtigen Leute zu finden, die sehr gut qualifiziert sind und auch den richtigen „personal fit“ mitbringen. Das ist auch bei DrEd so. Ob Arzt oder Programmierer, wer bei DrEd arbeitet, hat Spaß daran, „out of the box“ zu denken und die medizinische Versorgung für Menschen so angenehm und praktisch wie möglich zu machen. Übrigens: Wir stellen gerade wieder in größerem Umfang ein.
Die anderen Herausforderungen- zumindest in Deutschland – sind berufsrechtliche Regelungen, die bislang eine Fernbehandlung weitgehend ausgeschlossen haben. Doch gibt es zahlreiche Einzelinitiativen, die dagegen kämpfen und sich für den Fortschritt einsetzen, wie zum Beispiel inBaden-Württemberg: Dort wird die Landesärztekammer ab Sommer 2017 im Rahmen von Modellprojekten Ferndiagnosen und Fernbehandlungen ermöglichen.
Andere Länder sind hier jedoch eindeutig weiter. In der Schweiz wurde die Telekonsultation inklusive Rezepterstellung weitgehend geräuschlos in das Gesundheitssystem integriert und gehört inzwischen längst zum Alltag. Auch das Vereinigte Königreich, Norwegen, Schweden oder die USA regeln Telemedizin weniger mit Verboten, sondern setzen auf die Mündigkeit der Patienten und das professionelle Urteilsvermögen des behandelnden Arztes.
Finanziert haben wir uns durch einen Business Angel, der Startkapital in zwei Tranchen bereitgestellt hat.

Wie hat sich das Unternehmen seit dem Start entwickelt?
In den ersten drei Jahren hat sich DrEd zunächst langsam entwickelt. Telemedizin für alle war noch etwas sehr Neues und wurde anfangs auch eher zurückhaltend bewertet – vor allem in Deutschland. Geht das? Kann man das machen? Wir mussten diesen Markt als „first mover“ praktisch aufschließen. Das hat etwas gedauert. Dann ging es plötzlich ganz schnell. 2014 haben wir den Break-Even erreicht und wachsen jährlich stark, vergrößern unser Team, bieten immer mehr Leistungen an, sind in immer mehr Ländern aktiv. Inzwischen ist Telemedizin in aller Munde und steht auch auf der politischen Agenda ganz oben.

Wer ist die Zielgruppe von DrEd?
Die eine Zielgruppe gibt es gar nicht. Aber am meisten nutzen Frauen zwischen 20 und 35 Jahren und Männer zwischen 35 und 50 Jahren unsere medizinischen Leistungen. Das Behandlungsspektrum von DrEd umfasst die Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Frauengesundheit, Männergesundheit und Reisemedizin. Auch Patienten mit chronischen Leiden, wie Asthma oder Bluthochdruck, setzen auf DrEd. Gern wird DrEd auch von Reisenden konsultiert, insbesondere wenn man noch kurz vor einem Flug ein Rezept braucht, aber keinen Termin mehr beim Arzt bekommt.

Wie viele Patienten lassen sich online beraten?
Momentan behandeln wir europaweit über 50.000 Patienten im Monat.

Wie funktioniert DrEd?
Um die Online-Praxis von DrEd zu nutzen, benötigen Patienten neben einer Internetverbindung nur einen Laptop, ein Smartphone oder ein Tablet. Das Nutzerkonto bei DrEd anzulegen, dauert nur wenige Minuten. Dann wählt der Patient die gewünschte Behandlungaus und beantwortet einen medizinischen Fragebogen. Alle Angaben werden von Ärzten im Detail geprüft, bevor ein Rezept ausgestellt wird. Ist die Diagnose nicht klar, fragt der Arzt nach. Im Zweifel verweist DrEd den Patienten an die Arztkollegen vor Ort.

Auf Wunsch des Patienten wird das Rezept an eine Versandapotheke weitergeleitet und das Medikament innerhalb von 24 Stunden nach Hause geliefert.
Für den Besuch einer Sprechstunde fallen 9 bis 29 Euro Kosten an. Werden Arzneimittel ärztlich verordnet, erstellt der Arzt ein Privatrezept. Ob die Krankenversicherung die Kosten für die Behandlung und das Medikament erstattet, klärt der Patient mit seiner Krankenversicherung.

Wer sind die Ärzte hinter DrEd, wie wählen Sie die Ärzte aus?
Zurzeit arbeitet ein Team von 16 Ärzten bei DrEd. Sie kommen aus der Schweiz, aus Deutschland, aus England und Frankreich und haben in den jeweiligen Ländern ihren Abschluss gemacht. Alle Ärzte sind in Großbritannien bei der britischen Ärztekammer (British Medical Council) zugelassen. Ausgewählt werden die Ärzte, die sich bei uns bewerben, nach fachlicher Qualifikation und Behandlungsgebiet. Die Ärzte, die bei uns arbeiten, teilen zudem unsere Einschätzung, dass man die modernen Kommunikationsmittel – also Smartphone, Tablet & Co –noch stärker in die medizinische Versorgung integrieren und deren Potentiale zum Beispiel auch im Bereich der Vorsorge nutzen sollte. Bei DrEd begehen wir neue Wege und sind Vorreiter in dem, was wir tun – das ist spannend, besonders unsere Ärzte können hier viel mitgestalten.

Wie wird sich die Telemedizin in den nächsten Jahren, aus Ihrer Sicht weiterentwickeln?
Wir werden sehen, dass Telemedizin bald zu unserem Alltag gehören wird. Telemedizin kann dazu beitragen, überfüllte Wartezimmer in Städten zu entlasten und den zunehmenden Ärztemangel in ländlichen Räumen abzufedern. Fast noch wichtiger: Telemedizin fördert das selbstbestimmte Gesundheitsmanagement, hilft kritische Symptome früher zu erkennen und wirkt der Verschleppung von Krankheiten entgegen, da gerade bei schambesetzen Erkrankungen der Weg zum Offline-Arzt oft schwerfällt. Und sie vereinfacht das Informations- und Dokumentenmanagement erheblich.

In Zahlen ausgedrückt: Es ist zu erwarten, dass der weltweite Telemedizin -Markt zwischen 2016 und 2021 voraussichtlich um rund 18 Prozent pro Jahr wachsen wird, folgt man einer Studie von BBC Research. In konkreten Zahlen entspricht das einem Wachstum von rund 23,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 auf etwa 55,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021.

DrEd, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In fünf Jahren sind wir nicht nur Europas größte Online-Praxis, sondern werden weltweit ein führender Anbieter telemedizinischer Leistungen sein.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Durchhalten! Das ist das A und O. Sich nicht unterkriegen oder entmutigen zu lassen. Es gibt so viele Rückschläge, Durststrecken und immer wieder Gegenwind. Fragen, auf die man keine Antwort weiß. Ich versuche dann immer, einen kühlen Kopf zu bewahren. Meine besten Mitarbeiter sind die, die passioniert sind und an der Sache dran bleiben, an den Erfolg glauben. ‚Persistence and drive’, wie die Engländer sagen. Wer etwas wirklich erreichen will, der schafft es auch.

Bildquelle Oliver Hess

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Wir bedanken uns bei David Meinertz für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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