Es ist nicht unbedingt wichtig, der Erste in der jeweiligen Industrie zu sein

Dott nachhaltige Mikromobilitäts-Konzepte mit Elektroroller Sharing

Stellen Sie sich und das Startup Dott doch kurz unseren Lesern vor!

Wir sind ein europäischer Anbieter von nachhaltigen Mikromobilitäts-Konzepten, der die Innenstädte an mehreren internationalen Standorten, wie Paris, Brüssel oder München mit Sharing-Elektrorollern und mittelfristig auch E-Bikes versorgt. 2018 von Henri Moissinac und Maxim Romain in Amsterdam gegründet, verfolgen wir seither das übergeordnete Ziel, neue und zukunftsfähige Mobilitätskonzepte zu entwickeln, die die Art und Weise der städtischen Verkehrsinfrastruktur verbessern und sich auf jede europäische Metropole übertragen lassen. Wir glauben an die Unternehmenswerte Verantwortung und Nachhaltigkeit. Unser Team aus internationalen Mobilitätsexperten setzt daher auf festangestellte Mitarbeiter, europäische Entwickler, stabil gefertigte Roller und die Zusammenarbeit mit örtlichen Gemeinden und Partnern. Das sind unsere USPs, dafür steht Dott.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Unser Gründerteam wie auch ich persönlich sind bereits seit Jahren im Bereich der Shared & Urban Mobility tätig.  In unseren Biografien stehen namhafte amerikanische oder chinesische Unternehmen, wie ofo oder Uber. Auf Grundlage unserer Erfahrung sind wir fest davon überzeugt, dass regionale Anbieter die bestgeeignetsten sind, um nachhaltige Lösungen für die Mikromobilität in Europa umzusetzen. Nur mit lokalen Teams und dem entsprechenden Knowhow können wir verstehen, wie die Zusammenarbeit mit Städten und lokalen Ökosystemen funktionieren kann. Bei der Mikromobilität geht es neben der Hardware v.a. um die Umsetzung – lokaler geht es nicht. Dafür haben wir ein Unternehmen gegründet. Von Europäern, mit Europäern, für Europäer.  

Welche Vision steckt hinter Dott?

Unsere Vision ist es, eine grüne Form der Fortbewegung in allen europäischen Städten zu einer zugänglichen Alternative für jedermann zu machen und diese gleichzeitig bei anderen Verkehrsteilnehmern und den Verantwortlichen der Städte soweit zu etablieren, dass sie akzeptiert und geschätzt wird.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Wir hatten drei große Herausforderungen: die Mitarbeiter, die Umsetzung und die Hardware. 

Unser Ansatz ist ein lokaler, also eng mit den Menschen vor Ort verbunden. Die Herausforderung besteht darin, das richtige Team von “Einheimischen”, die jedoch auch einen europäischen Blickwinkel besitzen, zu finden. Konstantin Burger am Standort München ist ein gutes Beispiel. Er ist für diesen Markt verantwortlich und war für uns als gebürtiger Münchner, der gleichzeitig viel internationale Erfahrung mitbringt, die beste Wahl.

Der Aufbau eines integrierten Betriebs von Anfang an ist die nächste Challenge. Nachdem wir von den Fahrer, über die Mechaniker, bis hin zu den E-Bike Fahrern alle Mitarbeiter fest anstellen, müssen wir an den neuen Standorten jeweils bei 0 anfangen und geeignete Mitarbeiter finden. Wir müssen alle unsere Leute selbst rekrutieren und ausbilden. Dafür nehmen wir uns etwas mehr Zeit als üblich, weil wir davon überzeugt sind, dass dieses Vorgehen verantwortungsvoller, aber auch nachhaltiger für unser Geschäft ist.

Eine andere große Herausforderung ist das Entwickeln der richtigen Hardware: Unserer Fahrzeuge werden nach größtmöglicher Sicherheit, angenehmen Fahrkomfort und langer Haltbarkeit konzipiert. Dadurch sind wir mit unserer Entwicklung nie am Ziel, vielmehr ist das ein fortlaufender Prozess: Wir arbeiten gerade an unserem neuen Modell: unsere Roller der dritten Generation, die wir 2020 auf den Markt bringen wollen.

Wer ist die Zielgruppe von Dott?

dott

Wir haben mehrere Zielgruppen: Erstens die Anwohner der Städte, die mehrmals täglich oder zumindest gelegentlich Roller fahren, z.B. in Ergänzung zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Dazu zweitens die Besucher der Städte, die unser Angebot nutzen, um von A nach B zu kommen. In Paris z.B. verzeichnen wir 85 % Anwohner unter den Nutzern. Externe Besucher machen also den geringsten Teil aus. Das entspricht auch unserem Ansatz, lokal in den Städten und von ihren Bewohnern anerkannt, frequentiert und geschätzt zu werden. Viele unserer User sind Early Adopters, meist im Alter von 18 bis 35 Jahren. Wir sind aber stolz darauf und betonen daher gern, dass wir auch einen signifikanten Anteil an älteren Nutzern registrieren. Die Roller von Dott werden letztlich von Erwachsenen jeden Alters genutzt. 

Wie funktioniert Dott? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Im Vergleich mit unseren Mitbewerbern verfügen wir über mehrere charakteristische Alleinstellungsmerkmale: Nachhaltigkeit denken wir sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich und sozial: Unsere Roller sind in großen Teilen recyclebar und besonders langlebig konstruiert. Als erster europäischer Anbieter mit besonders stabilen 10“ Reifen und einer Vollkaskoversicherung für unsere Kunden, streben wir einen Nutzungszyklus von mehr als 18 Monaten an. Ebenso betreiben wir an unseren Standorten, wie z.B. in München, eine lokale Werkstatt, in der die E-Scooter repariert und gewartet werden können.

So wird der Lebenszyklus der Roller verlängert und eine unnötige Verschrottung funktionierender Geräte(teile) vermieden. Außerdem setzen wir auf festangestellte Mitarbeiter, die sich um die Verteilung, Reparatur und Aufladung der Roller kümmern. Wir sind uns unserer Verantwortung für Nutzer, Umwelt und Mitarbeiter bewusst. Deshalb möchten wir auch die gemeinsame Wirtschaftskultur fördern und die Wertschöpfung in der Stadt unterstützen. Dabei setzen wir wann immer es geht auch auf Kooperationen mit regionalen und nationalen Startups, wie etwa dem Lastenrad-Hersteller Nüwiel.

Wie ist das Feedback?

Uns erreicht von den Nutzern ein sehr gutes Feedback. Sie sehen uns auf Platz 1 im Vergleich mit anderen Anbietern an den Standorten Brüssel, Paris und Lyon. München folgt diesem Eindruck hoffentlich bald. Die Leute lieben unsere Roller. Ein weiterer Beweis dafür ist, dass die durchschnittliche Strecke pro Fahrt in Paris bei drei Kilometern liegt –  das ist bei anderen Anbietern weniger. Das bedeutet, dass sich die Fahrer sicher fühlen und zufrieden sind und deshalb gern auch mehr als einen Kilometer oder die viel diskutierte “last mile” fahren!

Dott, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Wir sehen uns als Vorreiter der Mikromobilität, der verantwortungsvollen und nachhaltigen Mikromobilität. Warum? Weil wir die verantwortungsvollsten Abläufe und die nachhaltigste Hardware haben. Wir bauen eine Verkehrsinfrastruktur, die in den europäischen Städten von allen akzeptiert wird. 

Das bedeutet zweierlei. Erstens: Die Mikromobilität umfasst mehr, als “nur” E-Scooter. Deshalb arbeiten wir an unserem eigenen Modell für ein Elektrofahrrad. Dieses Dott E-Bike wird im Frühjahr 2020 auf den Markt kommen. Und zweitens: Wir wollen keine Plattform sein. Wir konzentrieren uns wirklich auf das operative Geschäft!

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Es ist nicht unbedingt wichtig, der Erste in der jeweiligen Industrie zu sein.

Fokussiere Dich auf das beste Produkt und den besten Service.

Finde zuerst die besten und erfahrensten Leute für Dein Team.

Die Skalierung ist wertlos, wenn man nicht sicher und verantwortungsbewusst arbeiten kann.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Jimmy Cliff für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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