Dienstag, November 29, 2022

Gründen im Gesundheitssektor

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„Zu hoffen, dass eine DiGA oder DiPA erstattungsfähig ist, ist ein wackeliges Geschäftsmodell“

Die Gesundheitsausgaben in Deutschland für das Jahr 2019 beliefen sich laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Jahr 2019 auf 410,8 Milliarden Euro, Tendenz steigend. Das entspricht in etwa 11,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Ein riesiger Markt, der viele Gründer:innen und Gründer anzieht, aber auch einige Herausforderungen bereithält. StartupValley sprach mit Dr. Enno Bialas, Gründer und Geschäftsführer von digmed, einem auf das OP-Management spezialisierten Unternehmen aus Hamburg, worauf Gründer:innen im Gesundheitswesen vorher achten sollten.

Herr Dr. Bialas, sie kennen den Gesundheitsmarkt aus verschiedenen Blickwinkeln. Sie sind Gründer, Geschäftsführer und auch als Anästhesist in OPs tätig. Würden Sie jungen Unternehmer:innen raten, im Gesundheitswesen zu gründen?

Absolut. Wenn einige Voraussetzungen gegeben sind, ist das ein sehr erfüllendes Arbeitsumfeld. Wenn ich die Möglichkeit habe, Menschen bei ihrer Genesung zu helfen oder den Arbeitsalltag des medizinischen Personals zu vereinfachen, ist das sehr sinnstiftend. 

Worauf sollten junge Gründer denn achten, die im Gesundheitssektor mit einer Geschäftsidee durchstarten wollen?

Das kommt auf die Geschäftsidee an. Möchte ich gern ein medizintechnisches Produkt B2B vermarkten? Habe ich ein neues biochemisches Verfahren entwickelt, um die Wundheilung zu beschleunigen? Oder biete ich eine App an, die bei Angststörungen oder Migräne hilft? Auf jeden Fall braucht man immer jemanden mit viel Erfahrung im Gesundheitsmarkt im Team oder als externen Berater. Es schadet auch nicht, wenn man vorher schon gut vernetzt ist. Das spart viel Zeit, Nerven und Geld. 

Welche sind denn die größten Herausforderungen?

Komplexität, Zeit und Wissenschaftlichkeit. Das Gesundheitssystem ist sehr komplex. Es gibt viele Akteure, Interessen und Regeln. Der Faktor Zeit spielt auch eine wichtige Rolle: es dauert einfach, wenn zum Beispiel medizinische Produkte zugelassen werden sollen oder eine Klinikgruppe eine neue Software einführt. Auch Gesetze und berufsständische Richtlinien werden angesichts technologischer Entwicklungen und sich wandelnder Lebensweisen angepasst. Das gehen eher Jahre als Monate ins Land. Das muss man wissen und einkalkulieren. Und: Medizin und Pflege sind evidenzbasiert. Das heißt, eine Krankenkasse möchte schon sehr genau wissen, ob eine App wirklich hilft. Wenn da ein paar Hundert Menschen vier von fünf Sternen auf den Social-Media-Kanälen geben, ist das nicht ausreichend. Da braucht es zum Beispiel ordentlich angelegte, nachvollziehbare Vergleichsstudien. Genau vor der Herausforderung stehen gerade viele digitale Gesundheits-Anwendungen und digitale Pflege-Anwendungen – also DiGAs und DiPAs. Manche scheitern daran.

Wieso fällt es Startups im Gesundheitswesen manchmal so schwer im Markt Fuß zu fassen?

Leider zu oft ist das eigentliche Geschäftsmodell einzig und allein, dass eine Gesundheits-App erstattungsfähig und im Idealfall auch von einer Krankenkasse beworben wird. Das ist das Ziel vieler Gründer:innen. Wer aber keine Evidenzen liefern kann, wird nicht als erstattungsfähig eingestuft. Wenn ich dann keine andere Möglichkeit habe, die App kostendecken oder gewinnbringend in den Markt zu bringen, ist die Reise dann eigentlich schon zu ende. Gründer:innen sollten sich daher sehr früh fragen: was mache ich, wenn das Geschäftsmodell „Erstattung“ nicht funktioniert. Ist meine App so hilfreich und alltagstauglich, dass Nutzer auch bereit sind, dafür Geld aus der eigenen Tasche auszugeben.

In welche medizinischen Technologien würden Sie selbst gerade investieren?

Ich würde immer schauen, ob es sich bei der Technologie oder einer Anwendung um ein „nice to have“ handelt oder ob es einen nachweisbaren signifikanten Mehrwert für Patienten, das Fachpersonal oder Praxen und Kliniken gibt. Wir nutzen zum Beispiel die Informationen aus über 20 Millionen OPs, um Krankenhäusern zu helfen, Operationen so zu planen, dass die Patienten die bestmögliche Versorgung bekommen und gleichzeitig das Personal und Räume so sinnvoll wie möglich eingesetzt werden. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist das sehr wichtig – das weiß ich aus eigener Erfahrung. Die Kombination von IoT und Wearables im medizinischen Bereich ist ebenfalls sehr spannend. Patienten können ihrem Leben nachgehen und werden gleichzeitig medizinisch gemonitort. Das ist bei vielen chronischen Erkrankungen eine sehr praktische Erleichterung. Auch um zu sehen, ob eine Therapie anschlägt oder ob ein Notfall vorliegt, können solche Anwendungen genutzt werden.

Bildquelle digmed

Wir bedanken uns bei Dr. Enno Bialas für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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