Stehen wir am Ende des freien Internets?

1989, als der britische Informatiker Tim Berners-Lee die Grundlage dafür schaffte, was das Internet werden sollte, stellte er sich das Netz als eine offene Plattform vor, auf der jeder überall Informationen teilen kann. Zugang für alle Menschen, grenzenlose Zusammenarbeit, geleitet von einem Ethos, das gleiche Rechte für alle fördert.

Dieses Jahr feiert das World Wide Web seinen 30. Geburtstag.

Das Internet ist der ursprünglichen Vision zu großen Teilen gerecht geworden und hat die denkbaren Erwartungen in mancherlei Hinsicht sogar übertroffen. Es hat unsere Lebensweise zweifelsohne transformiert. Doch der andauernde Kampf, um den freien Zugang und die Transparenz des Internets zu wahren, scheint heute wirklicher denn je: In mancher Hinsicht ist das freie Internet auch ein fundamentaler Fehlschlag.

Heute scheinen zwei Modelle des Internets vorzuherrschen: Eines in der westlichen Welt, das von einem kleinen, jedoch einflussreichen Kreis von Technologieunternehmen geformt wird, die unsere Internetnutzung in hohem Grad bestimmen und steuern. Trotz guter Absichten sind sie Opfer ihres eigenen Erfolgs und des Verlangens vieler geworden, das Internet dafür zu benutzen, die Wahrheit zu verdrehen, um Menschen zu manipulieren und Resultate in ihrem eigenen Sinne zu beeinflussen. Das andere Modell wird von autoritären Regimen geformt und gesteuert, in denen Regierungen versuchen, die Nutzung des Internets durch eine strikte, datenbasierte staatliche Lenkung zu kontrollieren. Beiden Modellen ist gemein, dass sie letztendlich das Ende des freien Internets bewirken können.

Das freie Internet ist bedroht und das sollte Sie kümmern

Das freie Internet bietet zahlreiche Möglichkeiten. Wie Tim Berners-Lee es hervorhob, sorgt es für einen uneingeschränkten Zugang zu sowie die freie Bereitstellung und Verbreitung von Informationen – und es vermag Menschen auf der ganzen Welt zur Teilhabe zu befähigen. Die Idee der Schaffung eines „globalen Dorfes“, das auf Zusammenarbeit basiert und in der Lage ist, das in kleinen Gemeinschaften oftmals bestehende Maß an Vertrauen auszuweiten, ist ebenfalls in mancher Hinsicht Wirklichkeit geworden, jedoch nicht überall – und das Konzept ist zweifellos in Gefahr.

Wie wir alle im Skandal um Cambridge Analytica letztes Jahr sehen konnten, zeigen die Verbreitung falscher Informationen und die Irreführung durch Fake News, dass ein freies Internet nicht nur zahlreiche Möglichkeiten bietet, sondern auch das Risiko des Missbrauchs birgt. Manch einer beginnt nun, die Schönheit und die Stärke eines freien Internets zu bezweifeln. Vielleicht zu Recht. Dennoch sind wir besser gestellt, wenn wir uns diesen Herausforderungen stellen, als wenn wir abschalten, was zugänglich bleiben sollte.

Es ist Zeit zu handeln

Wir müssen das freie Internet daher zurückerobern. Dafür brauchen wir die Mitarbeit aller: Jeder von uns online muss Fake News und die Verbreitung falscher Informationen bekämpfen – und Transparenz fordern. Unternehmen müssen offen und transparent agieren, sodass die Menschen verstehen können, was ihrem Handeln zugrunde liegt.

Als Gründer und Geschäftsführer eines Technologieunternehmens stehe auch ich in der Verantwortung. Durch die Unterzeichnung einer internationalen Initiative namens Copenhagen Letter habe ich mich daher dazu verpflichtet, die Vertrauenswürdigkeit zum Herzstück meines Unternehmens zu machen. Wie dieser offene Brief betont, ist es „an der Zeit, Verantwortung für die Welt, die wir schaffen, zu übernehmen. An der Zeit, die leere Rhetorik vom ‚Aufbau einer besseren Welt‘ durch eine Verpflichtung zu wirklichem Handeln zu ersetzen.“ Auch wenn der Brief bereits 2017 veröffentlicht wurde, ist sein Inhalt heute offenbar relevanter denn je, und ich kann andere nur dazu ermutigen, ihn ebenfalls zu unterzeichnen. Dadurch zeigen wir nicht nur Flagge, sondern verpflichten uns auch dazu, Verantwortung zu tragen sowie das Warum für unser Handeln und wie es den Menschen und der Gesellschaft zugutekommt, nicht aus den Augen zu verlieren.

Aus diesem Grund haben wir bei Trustpilot die Werte, für die unsere Marke steht, aufgefrischt und dabei präzisiert, warum wir ein Portal bleiben sollten, das allen offensteht.

Dies wird durch Produktneuerungen unterstützt, die das Portal noch transparenter machen, u. a. durch einen branchenweit ersten Ansatz zur Präsentation von Meldeaktivitäten, der Verbrauchern umfassendere Einsichten bietet. Außerdem arbeiten wir mit Behörden auf der ganzen Welt zusammen, um Transparenz und Offenheit in unserer Branche sicherzustellen. Wir sind nie fertig damit, unser Versprechen zu erfüllen, doch wir arbeiten tagtäglich daran.

Dabei reicht es nicht aus, nur auf Unternehmen zu setzen, wenn wir die Herausforderungen meistern wollen. Auch Staatsorgane müssen die Spielregeln unserer freien Online-Welt unterstützen und durchsetzen. Letztes Jahr belangte ein italienisches Strafgericht den Eigentümer eines Unternehmens, das Anbietern im Hotel- und Gastgewerbe gefälschte Bewertungen auf TripAdvisor feilbot. Auch wenn staatliche Instanzen vorsichtig sein sollten, wenn es in der Online-Welt um die Entscheidung geht, was „wahr“ ist und was nicht, da dies eine Einschränkung der Meinungsfreiheit bedeuten könnte: Das resolute Vorgehen gegen Betrüger ist ein gutes Beispiel, das sich andere Staatsorgane zum Vorbild nehmen können. Nicht nur zeigt sich, welche Kraft die Meinung der Menschen online entfalten kann, sondern auch, dass wir alle mehr Verantwortung übernehmen und umdenken müssen, wenn wir das freie Internet, eine der größten Erfindungen unserer Zeit, schützen und fördern wollen.

Dies sind nur einige der erforderlichen Maßnahmen, und sie in die Tat umzusetzen, ist keine leichte Aufgabe. Doch es ist ein Anfang, und ich bin überzeugt, dass es zu schaffen ist und dass es sich zu kämpfen lohnt. Jeder Internetnutzer, mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, hält einen Schlüssel zum freien Internet in der Hand. Es liegt in unser aller Interesse, dafür zu sorgen, dass niemand ihn nutzt, um die Tür zu schließen und zu verriegeln.

Über Trustpilot

Trustpilot ist ein führendes unabhängiges Bewertungsportal, das allen offensteht. Mit mehr als 55 Millionen Bewertungen zu über 260.000 Websites bietet Trustpilot Menschen einen Ort, um Bewertungen abzugeben und einzusehen, sowie Unternehmen passende Tools, um mithilfe des Feedbacks ihrer Kunden noch erfolgreicher zu werden. Trustpilots Mission ist es, Unternehmen und Verbraucher zusammenzubringen, um ein besseres Online-Erlebnis für alle zu schaffen. Trustpilot-Bewertungen werden jeden Monat mehr als 2,5 Milliarden Mal von Verbrauchern in aller Welt gesehen. Gegründet wurde das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Dänemark hat,  2007 von Peter Holten Mühlmann. In Niederlassungen in Berlin, Kopenhagen, London, New York, Melbourne, Vilnius und Denver beschäftigt Trustpilot 700 Mitarbeiter aus über 40 Nationen. Weitere Informationen finden Sie auf https://de.trustpilot.com/

by Peter Mühlmann, founder and CEO, Trustpilot

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