Diese 5 Fehler machen Deine Crowdfunding-Kampagne zum Alptraum!

1. Deine Mails und Telefonanrufe kosten Dich ein Vermögen und beenden Deine Kampagne

Du stehst mitten in Deiner Kampagnenplanung und überlegst Dir, wie Du Unterstützer gewinnen kannst. Da kommt Dir der Gedanke, am besten doch die Leuten, die Du beim Networken kennengelernt hast und die ihr Interesse an Deiner Idee bekundet haben, per Email anzuschreiben oder vielleicht am besten gleich anzurufen, um Dich und Deine Idee wieder ins Gedächtnis zu bringen und auf den Start Deiner Kampagne hinzuweisen. Auf den ersten Blick eine kostengünstige und effektive Möglichkeit Deine Kampagne zu pushen.

Leider hast Du hier die Rechnung ohne den Gesetzgeber gemacht…

Nach dem Gesetz  gegen unlauteren Wettbewerb sind geschäftliche Handlungen, durch die ein Marktteilnehmer in unzumutbarer Weise belästigt wird, unzulässig. Wobei eine unzumutbare Belästigung bereits ab der ersten Email, die ohne Einwilligung des Empfängers versandt wird, angenommen wird. Gleiches gilt für Telefonanrufe. Fühlt sich einer Deiner Adressaten durch Deine Mail oder Deinen Anruf in unzumutbarer Weise belästigt, so hat er die Möglichkeit Dich abzumahnen. Damit kann ein sehr kostengünstiges Werbemittel zu einer sehr teuren Marketingaktion werden.

Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, empfiehlt es sich daher, vorher eine ausdrückliche Einwilligung des Empfängers einzuholen. Zwar gibt es kein Formerfordernis, aus Nachweisgründen empfiehlt sich aber die Schriftform.

2. Dein Fundingziel ist viel zu hoch

In vielen Fällen versuchen Kampagnenstarter ihren gesamten Kapitalbedarf über ihre Crowdfundingkampagne zu decken.
 
Zu den Fakten: Bei Startnext kannst Du ein 1. und ein 2. Fundingziel bestimmen. Sobald Du das 1. Fundingziel erreicht hast, ist Deine Kampagne erfolgreich – es gilt das alles oder nichts-Prinzip. 58 % der Kampagnen bei Startnext sind erfolgreich. Durchschnittlich werden rund 9.000 EUR in einer erfolgreichen Kampagne eingesammelt. Und: Der erfolgreichste Bereich ist Musik. Denn die Musiker bringen ihre Crowd bereits mit.

Dein 1. Fundingziel solltest Du so planen, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit erreicht wird. Damit motivierst Du Dich selbst, Dein Team und Deine Crowd. Du erhältst positives Feedback von außen und kannst mit der Erfolgsmeldung „1. Fundingziel erreicht!“ mehr Aufmerksamkeit und Reichweite bekommen.

Wenn aber der Kapitalbedarf Deiner Kampagne sehr hoch ist, z.B. 50.000 EUR beträgt, dann solltet Ihr diese Summe nicht nur über Crowdfunding einsammeln und nicht bereits als 1. Fundingziel anpeilen. Wenn Du jetzt aber sagst: “Ich brauche doch das Geld, um mein Projekt zu realisieren.“ Dann gibt es Möglichkeiten das notwendige Kapital dennoch zu erreichen: Cofinancing, z.B. über die MikroCrowd der L-Bank https://www.startnext.com/pages/mikrocrowd ist eine Möglichkeit. Dabei bekommst Du zusätzliche 10.000 EUR als zinsgünstiges Darlehen.

Crowdfunding ist ein Finanzierungsbaustein, neben Mitteln von Family & Friends, Fördermitteln z.B. Innovationsgutscheine und/oder Digitalisierungsprämie, lässt sich die Finanzierung mit einigen Bausteinen mehr aufbauen.

Vielleicht kannst Du Deinen Finanzbedarf nochmals überdenken. Was ist absolut notwendig?

Das 2. Fundingziel ist nicht einfach nur so da. Du verbindest das 2. Fundingziel mit konkreten Versprechen, Du entwickelst z.B. eine zweite Produktvariante oder baust weitere Features, etc.

3. Deine Kampagne ist ein ganzes Jahr auf Widerruf

Crowdfunding-Kampagne
Eva Straube

Bei den Verträgen, die im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne zustande kommen, handelt es sich immer um sogenannte Fernabsatzverträge (=Verträge, die unter ausschließlicher Verwendung von Fernkommunikationsmitteln, wie z.B. dem Internet, abgeschlossen werden). Bei diesen steht dem Verbraucher ein 14tägiges Widerrufsrecht zu. Diese Frist fängt mit Abschluss des Vertrages, in Deinem Fall also mit erfolgreich durchgeführter Crowdfunding-Kampagne, zu laufen an. Bis zum Ablauf dieser Frist kann Dein Unterstützer ohne Angabe von Gründen von Eurem Vertrag zurücktreten und Du müsstest ihm sein Geld zurückzahlen.  Erst nach Ablauf dieser 14tägigen Frist kannst Du also wirklich mit der Umsetzung Deines Projekts beginnen, da Du erst dann die Sicherheit hast, dass Dir das gesamte eingesammelte Geld zur Verfügung steht. 

Damit aus der 14tägigen Frist keine Jahresfrist wird, solltest Du unbedingt darauf achten, dass Du Deine Unterstützer über ihr Widerrufsrecht belehrst und ihnen ein Widerrufsformular zur Verfügung stellst.

4. Dein Projekt wird viel teurer und dauert wesentlich länger

Trotz sorgfältiger Planung, vieler Überlegungen und Recherchen gestaltet sich die Realisierung des Produkts aus Deiner erfolgreichen Kampagne viel schwieriger als gedacht.

Du hast Deinen Unterstützern versprochen, dass sie Dein Produkt zu einem bestimmten Zeitpunkt (z.B. am 1. September) oder in einem Zeitraum (Frühjahr 2020) und zu einem bestimmten Preis bekommen (mit dem sie Dich u.U. bereits unterstützt haben). Der versprochene Lieferzeitpunkt ist bereits überschritten.

Das ist für alle Beteiligten keine schöne Situation, kann aber zu den Erfahrungen eines Kampagnenstarters dazu gehören. Wichtig ist, dass Du in dieser Situation weiterhin kontinuierlich mit der Crowd kommunizierst – offen und transparent.

Auch hier zahlt sich eine gute Vorbereitung aus. Eventuell hast Du einen Ingenieurdienstleister, der Dich unterstützt. Diese haben häufig viel Erfahrung mit Lieferanten und können Euch Empfehlungen aussprechen. Bei einer Crowdfunding-Beratung binden wir regelmäßig solche Experten ein, die Euch mit einer Einschätzung helfen können und bei nachträglich auftauchenden Problemen bei einer Lösung unterstützen.

Es wird viel teurer?

Wie viel Puffer hattest Du in Deiner Kampagne eingeplant? Wie sieht es mit anderen Finanzquellen aus? Ist „Family & Friends“ eine Option oder hast Du Dich schon um eine Kontokorrentlinie gekümmert (nur im Notfall: Dein persönlicher Dispo)?

Meist dauert ein teureres Projekt auch wesentlich länger. Hier hilft nur eine offene und ehrliche Kommunikation mit der Crowd. Immer wieder neue Lieferdaten zu kommunizieren ist sicher nicht hilfreich, da damit – wen sie nicht eingehalten werden – die Glaubwürdigkeit kontinuierlich sinkt. Hier hilft es zuzugeben, dass ihr  in dieser schwierigen Situation nicht alle Informationen habt.

5. Du vergisst das Finanzamt

Stellt Dir folgendes Szenario vor: Du hast Deine Kampagne erfolgreich abgeschlossen und Dein Funding-Ziel erreicht. Jetzt stellst Du mit Schrecken fest, dass Du vergessen hast die  Steuer in Dein Funding-Ziel einzuberechnen und Dir am Ende trotz erfolgreicher Kampagne zu wenig Geld für die Umsetzung Deines Projekts zur Verfügung steht. 

Damit das nicht passiert, solltest Du bereits bei der Festlegung Deines Funding-Ziels die Steuer fest im Blick haben. Denn beim Crowdfunding handelt es sich um einen Leistungsaustausch. Findet dieser im Rahmen Deiner wirtschaftlichen Tätigkeit statt, sind alle Zahlungen, die Du von der Crowd erzielst, steuerpflichtig. Wenn Du das bei Deiner Kalkulation beachtest, hast Du auch nach Abzug der Steuern genug Geld, um Dein Projekt umzusetzen.

Autoren: Eva Straube Rechtsanwältin und Mario Buric

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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