Daniel Welzer Geschäftsführer der W&W brandpool

Die W&W brandpool ist die digitale Einheit der W&W Gruppe und zugleich strategischer Investor.

Stellen Sie sich doch unseren Lesern kurz vor


Gern. Als Geschäftsführer der W&W brandpool verantworte ich seit einem Jahr das digitale Geschäftsfeld der W&W Gruppe (Wüstenrot und Württembergische). Zuvor habe ich die Customer Relationship Management Geschäfte der Arvato/Bertelsmann in Deutschland geführt und in dieser Rolle die Digitalisierung vieler unserer B2B Kunden begleitet. Neben anderen Positionen im Bertelsmann Konzern war ich außerdem für das deutsche Data Analytics und CRM Dienstleistungsgeschäft eines amerikanischen Softwarekonzern verantwortlich. Die Kombination aus Business und Digitalisierung/IT ist quasi von Beginn an meine größte Leidenschaft.

Stellen Sie uns und unseren Lesern die W&W brandpool kurz vor!


Die W&W brandpool ist die digitale Einheit der W&W Gruppe und zugleich strategischer Investor. Sie investiert in innovative, digitale Geschäftsmodelle und hilft Kunden, sich den Lebenswunsch nach individueller Entfaltung bei größtmöglicher Sicherheit zu erfüllen. Der Name verrät bereits unsere Zielsetzung: ein dezentrales Ökosystem aus selbständigen und starken Marken.


Bislang haben wir in fünf verschiedene Startups investiert: Mit Adam Riese und NIST haben wir einen digitalen Versicherer und einen digitalen Immobilienfinanzierer selbst gegründet. Zusätzlich investieren wir auch in vielversprechende Startups, die wir nicht selbst an den Start gebracht haben und beteiligen uns als Investor. So haben wir beispielsweise treefin mittlerweile zu 100% übernommen. Treefin ist eine Finanzmanagement Plattform, deren Technologie wir auch im W&W FinanzGuide für die Kunden unseres Konzerns einsetzen. Der FinanzGuide ist unsere digitale Kundenschnittstelle – also gewissermaßen alle Finanzangebote für die Westentasche. Weiterhin sind wir auch an Keleya und Kinderheldin beteiligt. Während Keleya umfassend bei den Themen Ernährung, Bewegung oder Geburtsvorbereitung während der Schwangerschaft unterstützt, beraten bei Kinderheldin Hebammen werdende Mütter und Eltern von Säuglingen. In Zeiten steigender Geburtenzahlen aber sinkender Hebammenkapazitäten ist das eine sehr gute Ergänzung zur aktiven Unterstützung der Hebamme vor Ort – insbesondere in Randzeiten und am Wochenende.


Besonders in frühen Phasen können wir Startups auch mit eignen Ressourcen der W&W brandpool z.B. im Bereich digitales Marketing unterstützen. Dieses Expertenwissen wird gerne angenommen und zusätzlich noch durch den Austausch zwischen unseren Startups vergrößert.

In welche Startups investiert die W&W Brandpool?


Wie auch für die W&W Gruppe steht für die W&W brandpool das Thema Vorsorge im Mittelpunkt. Hierbei interessieren uns aber nicht nur reine Finanzthemen. Wir sind der Überzeugung, dass insbesondere im digitalen Umfeld zu Vorsorge noch wesentlich mehr gehört. Denn auch jemand der sich z.B. um seine Bildung kümmert, betreibt eine Form der Vorsorge. Somit investieren wir in die Felder Finanzen/Versicherung, Wohnen, Gesundheit, Familie, Bildung und Mobilität.


Wir fokussieren uns vornehmlich auf den deutschen Markt. D.h. das Startup sollte in Deutschland bereits aktiv sein oder das Geschäftsmodell zumindest gut auf Deutschland übertragbar sein. Wichtig ist uns auch, dass das Startup eine eigene Endkundenbeziehung, sei es B2C oder B2B2C, aufbaut.


Gleichzeitig sind wir phasenagnostisch, d.h. wir interessieren uns für die gesamte Bandbreite an Gründungsphasen. Von Startups, die noch nicht gegründet wurden, bis hin zu gewachsenen Startups, bei denen die Gründer über einen teilweisen oder kompletten Exit nachdenken.

Wie können sich Startups bewerben?


Das geschieht heute in verschiedenster Form. Wir treffen Gründer z.B. auf Messen, über unser Netzwerk zu VCs oder scouten digital über unterschiedlichste Medien. Auf diese Weise haben wir bereits eine umfangreiche Datenbank aufgebaut. Gleichzeitig werden wir aber auch oft über unsere Homepage, LinkedIn oder ebenfalls über unser Netzwerk proaktiv angesprochen. Aus diesen Gesprächen ergeben sich in vielen Fällen gute gemeinsame Ansätze – mindestens für eine Kooperation. Wenn das Startup als eine Investition in Frage kommt, gehen wir ganz klassisch vor: Pitch Deck, Business Case, Due Diligence.

Gibt es den richtigen Zeitpunkt, um ein Startup zu gründen?


Aus meiner Sicht gibt es hier ganz unterschiedliche Perspektiven. Zum einen der ganz persönliche Blick auf den richtigen Zeitpunkt zum anderen aber auch die jeweiligen Marktumstände. Wir treffen Gründer, die in den unterschiedlichsten Phasen ihrer Karriere ein Startup aus der Taufe gehoben haben: Noch während des Studiums z.B. mit einer Idee, die während des Studiums entstanden ist. Oder nach einigen Jahren als Young Professional mit ausreichend Erfahrung über Organisation von Firmen und in der Zusammenarbeit mit Kunden. Bis hin zu Seniors, die über verschiedenste Karrierestufen z.B. in Konzernen viel Erfahrung gesammelt haben und nun mit einer möglicherweise seit langem andauernden Idee ein eigenes Unternehmen aufbauen.

Aus meiner Sicht kommen für den persönlich besten Zeitpunkt viele Optionen in Frage. Aber viel entscheidender ist der Blick auf den Markt. Wenn ein Gründer die Frage „Was ist an Eurem Produkt anders als am Produkt der Startups A, B oder C?“ lediglich mit kleineren operativen Details beantworten kann, ist der Zeitpunkt offensichtlich verfehlt. Hier steht dann Leidenschaft stärker im Vordergrund als der richtige Zeitpunkt zur Gründung.


Wenn ich eine gute Idee für ein Produkt oder einen Service habe, lohnt sich oftmals der Blick z.B. in Richtung Technologie oder Gesetzgebung. Oftmals werden durch neue Technologien, die jetzt ihren Reifegrad erreicht haben oder durch veränderte Gesetzgebungen plötzlich neue Geschäftsmodelle möglich, die vorher keinen Erfolg gehabt hätten. Sollte z.B. die Gesetzesreform für das Bestellerprinzip bei Immobilienkäufen umgesetzt werden, bieten sich hier neue Möglichkeiten für digitale Geschäftsmodelle. Auch die Öffnung für Telemedizin, die im Augenblick Bundesland für Bundesland geschieht, verspricht viele neue Ansätze für neue Geschäftsmodelle. Einen solchen Zeitpunkt mit dem richtigen Produkt zu treffen sichert einem die First Mover Position. Das Risiko des Scheiterns oder des „zu früh dran sein“ besteht natürlich trotzdem.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Daniel Welzer aus?


Ich darf mich zum Glück immer auf sehr abwechslungsreiche Tage freuen. D.h. ich habe viele Gespräche mit Gründern zu deren Geschäftsmodel und möglichen Kooperationen oder Investitionen. Genauso wichtig ist der Austausch mit VCs und vielen anderen Partnern aus unserem Netzwerk.
Gleichzeitig bedarf unser bereits existierendes Portfolio natürlich auch einiges an Aufmerksamkeit. Hier werden neue Produkte oder Services entwickelt, es werden zusätzliche Investitionen für Wachstum nötig und natürlich gibt es dabei auch die eine oder andere administrative Aufgabe.
Als Mitglied des Management Boards der W&W Gruppe gibt es auch immer Aufgaben innerhalb des Konzerns. Von der Strategieentwicklung bis hin zu operativen Entscheidungen.

Wie hat sich aus ihrer Sicht die Startup-Szene in den letzten Jahren verändert?


Mit Sicherheit ist die gesamte Szene professioneller geworden, was man allein schon an der Qualität vieler Pitch Decks sieht. Allerdings ist die Zahl der so genannten innovativen Gründungen in der Vergangenheit zwar angestiegen, zuletzt aber wieder stagniert. Das zeigt: Es bleibt noch immer viel zu tun! Viele etablierte Unternehmen haben die Startup-Szene anfangs belächelt. Mittlerweile wissen einige Unternehmen, wie man eine für beide Seiten gewinnbringende Zusammenarbeit gestaltet. Da für viele Startups etablierte Unternehmen aber nach wie vor die Haupt-Kooperationspartner sind, kann durch eine Professionalisierung der Unternehmen in diesem Bereich noch viel Potential gehoben werden. Der besonders im IT Bereich vorherrschende Fachkräftemangel trifft die Szene leider auch sehr deutlich. Hierbei handelt es sich allerdings um ein übergreifendes Problem, das aber traditionelle Unternehmen in Ihrer Entwicklung nicht derart existentiell behindert, wie es für Startups der Fall ist.

Welches sind die größten Fehler junger Gründer?


Als Gründer bewegt man sich stets im Viereck Kunde-Produkt-Mitarbeiter-Stakeholder. Die Kunst ist es, alle diese Bereiche gleichzeitig zu managen und jedem die jeweils angebrachte Aufmerksamkeit zum richtigen Zeitpunkt zukommen zu lassen. Einige Gründer fokussieren sich zu stark auf einen oder zwei dieser Faktoren, was mittelfristig die Entwicklung des Startups behindert. Innerhalb dieser Faktoren selbst ist allerdings wiederum Fokussierung gefragt. Sonst wird das ganze System instabil. So sollte man sich z.B. im Bereich Kunde nur auf wenige Gruppen fokussieren und nicht gleich zu Beginn mit mehreren Produktvarianten mehrere Gruppen ansprechen.

Welche 3 Tipps haben Sie für Gründer?


Häufig wird unterschätzt, was es bedeutet, Endkunden für sein jeweiliges Produkt zu gewinnen. Wir sehen im Augenblick sehr häufig das Phänomen, dass viele Startups als Revolutionär im B2C Segment starten und anschließend zum B2B Plattformanbieter pivotieren. Oftmals wird aus Leidenschaft für das Produkt ein ausführlicher Zielgruppentest nur rudimentär durchgeführt. Hier lohnt sich die investierte Zeit auf jeden Fall.


Ein gesundes Selbstbewusstsein gegenüber dem eigenen Startup ist hilfreich und angebracht aber auch abhängig von der jeweiligen Landeskultur. Wenn ich in Deutschland allerdings mehrfach nicht einmal annähernd an selbst gesteckte Ziele herankomme, kostet es am Ende dann doch einen Teil der Glaubwürdigkeit.


Und als Investor muss ich schließlich darauf hinweisen: Bootstrapping ist bei der Startup Finanzierung immer ein möglicher Ansatz. Da aber Ideen oftmals kopierbar sind, entsteht durch eine zu knappe Kapitaldecke häufig ein Wettbewerbsnachteil. Die Auswahl der richtigen Finanzierungspartner ist auf Basis gleichgerichteter Ziele ein äußerst wichtiger Faktor.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Daniel Welzer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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