Die dicksten Steine auf dem Weg zur Gründung

Die Urgestein-Rocker AC/DC wussten schon 1975 „It’s a long way to the top“. Und bei kaum etwas anderem hat dieser Songtitel auch heute noch solche Schlagkraft wie beim Gründen. Der Weg ist lang, steinig und als wenn das nicht genug wäre, sind viele Steine auch noch so verdeckt, dass man sie selbst mit einer sehr weitsichtigen Vorplanung kaum entdecken kann. Auch diese Regel entstammt dem Song: „It’s harder than it looks“. Und auf den folgenden Zeilen zeigen wir die dicksten Rocks.

  1. Mangelnder Hunger

Wo stünde wohl einer der berühmtesten Gründer, Elon Musk, wenn er damals, nachdem er X.com gegründet und kurz darauf mit Confinity fusioniert hatte, um PayPal groß zu machen, einfach gesagt hätte „Cool, das war’s jetzt. Geld verdient, Zeit für den Liegestuhl“? Er wäre einer dieser vielen No-Names aus den frühen 2000ern, die mit ihrer Idee das schnelle Geld gemacht und sich dann zurückgezogen hätten – kein visionärer Hahn würde heute mehr nach ihm krähen.

Genau das, was Musk jedoch danach alles tat, als er SpaceX gründete, Tesla, Solar City und Co., sollte jedem Gründer Leuchtstern für eine Grundregel sein: Niemals zurücklehnen. Das Betreten der Komfortzone ist der erste Schritt auf dem Weg in den Abgrund. Ein guter Gründer ist niemals satt, und wenn das Gründungsinteresse in Deutschland seit Jahren zurückgeht. Jetzt! Erst! Recht!

  1. Geld-Unwissenheit

Die Investoren waren gnädig, das Crowdfunding hat einige schöne Euros abgeworfen. Mit solchen Zahlen im Hinterkopf gehen sehr viele sehr hemdsärmelig an einen sehr schweren Job: Ein Unternehmen so fit zu machen, dass es schnellstmöglich die roten Gewässer verlässt und in die Gewinnzone segelt – und so viele der gescheiterten Gründungen taten es nur, weil die Köpfe dahinter sich nicht mit sämtlichen Feinheiten der Finanzierung auseinandersetzten.

Ein Kredit etwa ist weit mehr als das Schielen nach niedrigen Zinsen. Er ist ein monetäres Puzzleteil, das sauber eingestellt werden muss. Laufzeit, Lebenshaltungskosten der Gründer, Fixkosten der Firma. Das alles gehört mit dazu und nicht bloß „niedrige Zinsrate“ – kaum ein Bankangestellter wird dabei zu Firmengunsten arbeiten, sondern zu der seines Geldhauses. Auch das, was von den Investoren gegeben wurde, sieht oft nur auf den ersten Blick nach viel aus. Unter den alltäglichen Abzügen schmelzen selbst hohe Beträge wie Eis in der Sonne. Daher: Niemals die Wirtschafts-Mathematik halbherzig angehen. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt, um ein Unternehmen stabil zu halten. Niemals vermeintlich hohe Summen ehrfürchtig anstarren. Auch sie sind schneller weg, als man Kreditkarte sagen kann.

  1. Suicide by Work
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Wer gründet, der brennt regelrecht. Firma und Produkt sind seine Babys. Die kann man nicht wie einen beliebigen nine to five Job nach acht Stunden an den Haken hängen. Aber: Zu viele brennen so heiß, dass sie sich selbst verbrennen.

Natürlich braucht ein Startup viele Stunden Zuwendung täglich. Die meisten gehen nur nachhause, weil sie kaputt sind – nicht etwa, weil das Tagwerk vollbracht wäre (das ist es nie). Doch solche Leistungen kann der Körper nur dann langfristig abliefern, wenn man sich die Auszeiten, die bleiben, auch wirklich nimmt. Das bedeutet: Wirklich abschalten. Zuhause nicht noch dauernd übers Startup reden. Vor allem, so viel wie möglich schlafen. Schlaf ist das Fundament geistiger Leistungsfähigkeit. Das Startup mag Beziehungen grillen und Freundschaften ramponieren. Doch erst wenn die nächtliche Schlafdauer leidet, ist das Unternehmen in Gefahr – weil dann der Gründer selbst leistungsmäßig einknickt.

  1. Hoppla, hier komme ich

Ob beim Pitch mit Investoren, Gesprächen mit potenziellen Partnern oder Kunden: Es ist eine Sache, wenn man „locker“ an die Sache herangeht. Unterm Strich haben Startups, nicht nur, aber vor allem in der gigantischen Tech-Branche, eine gewisse Narrenfreiheit, zumindest was das Äußerliche anbelangt. Das ist, selbst in konservativen Kreisen, mittlerweile weitestgehend bekannt und wird, wenn schon vielleicht nicht akzeptiert, dann zumindest toleriert.

Etwas anderes ist es jedoch, diese Laissez-Faire-Politik auch auf das Geschäftliche zu übertragen. Wer Zahlen nicht wie aus der Pistole schießen kann, wer auf Fragen nur ausweichende Antworten auf Lager hat, der übertritt die Schwelle von der Startup-Lockerheit zum Startup-Fail. Aussehen dürfen Gründer leger. Doch dahinter muss sich Kompetenz im Maßanzug verbergen.

  1. Falsches Prassen
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Bildquelle fotolia.com © ASjack

Wohl kaum ein Gründer wird sich nicht auf den Moment freuen, an dem er mit etwas belohnen kann. Für den einen ist es ein luxuriöses (oder sportliches) Auto, für den anderen der erste Schritt zum eigenen Haus. Das ist das gute Geldausgeben, die Quintessenz des sich-selbst-Belohnens, das so wichtig ist, um sich zu motivieren, zu sehen, wofür man sich alles antut.

Aber: Viele Gründer belassen es bei den Ausgaben für die schöneren Dinge des Lebens – anstatt sich dabei ein wenig zu mäßigen, sich dafür einen kompetenten Steuerberater, einen gewieften Anwalt, vielleicht mal einen Angestellten zu „leisten“. Kein lapidarer Vergleich, denn mit solchen Profis lässt sich auf lange Sicht noch mehr aus dem Unternehmen herausholen.

Deshalb: Etwas prassen ja, gerne. Aber nur, wenn ein Teil des Geldes auch dafür aufgewendet wird, das Unternehmen noch ein bisschen fester dastehen zu lassen, vor allem langfristig.

Titelbild: fotolia.com © Jacob Lund

Autor: Marianne Schwarz

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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